11.02.2012
2:00

Live aus Yokohama: Bits und Bytes von der CP+

Obwohl der zweite Messetag ein Wochentag ist, ist die riesige Messehalle des «Pacifico Yokohama» schon kurz nach der Türöffnung um 10 Uhr mit Besuchern überflutet. Das Interesse des fotografierfreudigen japanischen Volkes ist riesig, und die diesjährigen Neuheiten sind Publikumsmagnete.

 

Die CP+ läuft auf vollen Touren. Zeitweise ist kein Durchkommen mehr, und die Leute stehen geduldig Schlange, warten 60 oder 90 Minuten, um eine Nikon D800, eine Olympus OM-D oder eine Pentax F-01 – das sind die grossen Highlights dieser Messe – in die Hand nehmen zu dürfen. Es sind erstaunlich viele junge Besucher darunter, mehr als letztes Jahr, habe ich den Eindruck. Viele interessieren sich auch für Zubehör oder für exklusive Fotobücher, die hier in Japan wie überall im Trend liegen.

Moderne Architektur und grosszügiges Raumangebot: das Messegelände «Pacifico Yokohama» aus dem 69. Stock des Landmark Towers, dem Wahrzeichen von Yokohama aus fotografiert

Kommt hinzu, dass in Japan die spiegellosen Systemkameras begehrter sind als anderswo. Ihr Anteil im Vergleich mit Spiegelreflexkameras liegt hier bei rund 46 Prozent, während die Exportmärkte Europa nur knapp 19 und die USA gar nur 16 Prozent schaffen. Dementsprechend viele Zubehöre, Objektivadapter, Zusatzobjektive, Taschen, Stative in Kamerafarbe und ähnliches sind hier auf der wichtigsten Fotomesse des asiatischen Raumes zu finden und begeistern die junge Käuferschicht.

Kenko/Tokina wartet mit Spiegelteles auf. War diese Konstruktionsart extrem langer Brennweiten in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen, doch scheinen sie mit den Systemkameras hier am Kenko/Tokina-Stand ein Comeback zu feiern.

Besonders im Fokus der Besucher steht das handliche 1:6,3/300mm für Micro Four Thirds Kameras, das kleinbildentsprechend beachtliche 600mm Telewirkung ergibt.

Die Kenko-Linie fährt gleich mit vier Spiegelteles auf: ein 1:8,0/400 mm DX und ein 1:6,3/500mm DX, ein 1:8,0/800mm DX mit T2-Adapter sowie ein 1:8/400mm für Sony NEX-Kameras in matter oder glänzender Ausführung. Mit den Spiegelteles ist manuelle Arbeitsweise angesagt, da sie auf Grund ihrer Konstruktion keine verstellbare Blende besitzen und die Entfernung im günstigsten Fall über mit einer Einstellhilfe in der Kamera manuell eingestellt wird.

Über die beiden neuen Tokina-Neuheiten SD 1:4,0/70-200 mm (IF) FX Aspherical für Vollformat mit eingebautem Bildstabilisator und das AT-X Pro DX 1:2,8/11-16 mm für APS-C Spiegelreflexkameras sind noch kaum Details zu erfahren, und die am Stand ausgestellten Muster sind nicht funktionsfähig. Wann die beiden Objektive auf den Markt kommen, steht noch nicht fest, vor allem nicht für Europa.

Am Stand von Kenko/Tokina ist auch die koreanische Samyang präsent, da Kenko/Tokina Samyang in Japan vertritt. Highlight und auf grosses Interesse stossen hier die kostengünstigen Fisheye-Objektive 1:2,8/8mm für Sony NEX und 1:3,5/8mm für APS-C Spiegelreflexkameras. Abgesehen davon sind auf der CP+ keine koreanischen Hersteller vertreten.

Kowa, die vor Urzeiten übrigens einmal Mittelformatkameras, nämlich die legendäre Kowa-Six produzierte, ist heute in erster Linie auf Fern- und Industrieoptik spezialisiert. Gerade für den zweiten Geschäftsbereich führt sie ein sehr breites Objektivangebot. Im Aufwind der spiegellosen Systemkameras bietet Kowa nun entsprechende Adapter an, um diese Industrieobjektive auch auf Sony NEX und Micro Four Thirds Kameras verwenden zu können – wohl eher für Industriekunden gedacht als für den Massenmarkt. Aber – mal sehen, was da von Kowa noch kommen könnte …

Aber es gibt noch weitere Anbieter, die auf den spiegellosen Zug aufspringen, Digital King, zum Beispiel. Das Unternehmen ist in erster Linie für Magnetobjektiv-Vorsätze für Kompaktkameras bekannt, bietet jedoch nun auch Objektive für Systemkameras an. Besonders auffallend ist dabei das Kombi-Objektiv PQ-405, das sowohl als 0,38faches Fisheye als auch (mit entsprechendem Linsenteil) als Makro-Objektiv mit Brennweite 40,5 mm eingesetzt werden kann. Weitere Produkte von Digital King sind Vorsatz-Objektive für Smartphones – aber davon gibt es in Japan jede Menge.

Zum Thema Adapter ist die chinesische Kipon aus Shanghai nicht zu übersehen, die ohne grossen Aufwand drei Tische mit Anschlussadaptern füllt. Kaum ein Adapter, den es bei Kipon nicht gibt. Wir finden beispielsweise einen Zwischenglied, um ein altes Makro-Switar der legendären Schweizer Alpa–Spiegelreflexkamera auf eine Leica M8 zu setzen, oder Canon EF-Objektive auf eine Sony NEX – mit Makroschnecke, bitte schön! Zur Zeit in Planung (rechts im Bild) ist ein Adapter für Canon auf Sony NEX mit elektronischer Übertragung.

Hilfsmittel für die Kameraführung und manuelle Einstellung von Spiegelreflexkameras bei Videoaufnahmen, findet man auf der CP+ von verschiedenen Anbietern und in allen Ausführungen – von der einfachen Schulterstütze bis zum professionellen Rig. Links eines von Benro und rechts eine günstigere Variante von Libeg am Stand von Etsumi. Es gibt sie mittlerweile in jeder Preisklasse, mit mehr oder weniger Möglichkeiten und Komfort. Aber der Trend zu diesen Hilfsmitteln ist unübersehbar …

Nicht weit davon entfernt hat Blitzgerätehersteller Nissin seinen Stand, wo der neue «Machine gun flash MG8000» gezeigt wird. Die völlige Neukonstruktion des externen Blitzgerätes soll einen besonders hohen Hitzeschutz aufweisen und für einen bis 1000fach längeren Dauerbetrieb als bei einem normalen Blitzgerät konzipiert sein. Die minimale Ladezeit soll nur 0,1 Sekunden betragen und eine neuartige Quartz-Blitzröhre bewirkt eine extrem kurze Entladezeit. Bei Dauereinsatz wird mit verschiedenen technischen Massnahmen eine Überhitzung des Gerätes verhindert, und selbst die Fresnel-Linse soll extrem hitzeresistent sein. Das MG8000 wird mit Canon- und Nikon-Anschluss frühestens ab Sommer in Europa verfügbar sein.

Stative in Kamerafarbe gibt es bei Velbon. Pink, Gold, Blau, Grün – was immer gefällt, die Japaner mögen das. Allerdings machen die sehr preiswerten Cube-Stative nicht gerade den stabilsten Eindruck.

Falls Sie noch ein Zubehör für Ihr iPhone suchen, hätten wir noch zwei Leckerbissen zu bieten:

Einmal die Halterung von Shibakawa, welche auf ihrer Rückseite vier LEDs aufweist, die aus dem iPhone mit Strom versorgt werden – sehr wenig Strom, wie der Hersteller beteuert. Die Helligkeit ist der im iPhone verbauten LED massiv überlegen, so dass bei weiteren Entfernungen deutlich bessere Bildresultate bestaunt werden konnten. Shibakawa ist übrigens keine Unbekannte in der Branche: Sie ist einer der bedeutendsten Zulieferer der Kameraindustrie mit Kleinblitzgeräten für Kompaktkameras.

Als iPhone-Fan sollten Sie sich unbedingt das Gizmon iCA zulegen, eine Halterung besonderer Art, welche ihr iPhone erst in eine originelle und so richtig auffällige Kamera verwandelt. Die Leute sind hiezulande wild darauf, zumal es ein Systemteil ist, zu dem es noch diverses Zubehör gibt, wie Objektivvorsätze, Stativgewinde etc. In Japan ist das Teil seit Dezember ein Must-have, und in Amerika gibt es das Gizmon iCA auch schon bei Amazon in den USA falls Sie sich nicht gedulden können, bis das spassige Gadget auch in Europa erhältlich sein wird.

Beim Ausgang aus der CP+ wird Ihnen mit einem freundlichen japanischen Lächeln ein 500 Seiten starker Katalog überreicht, in welchem Tausende, ja nahezu alle ausgestellten Produkte der CP+ aufgeführt und abgebildet sind. Herausgeberin ist die «Japan Photo and Video Accessory Association»  welche sich damit während eines Jahres bis zur nächsten CP+ bei den Besuchern in Erinnerung wissen möchte.

Inzwischen ist es Abend geworden über Yokohama. Am Wochenende nochmals hinzugehen verkneife ich mir, denn nach dem bisherigen Besucherandrang zu urteilen, wird es am Samstag und Sonntag gar kein Durchkommen mehr geben. Mit ihrer diesjährigen, dritten Durchführung bestätigt die CP+ ihre Bedeutung im asiatischen Raum – auch wenn der Anteil internationaler Besucher offensichtlich noch weit hinter den Erwartungen nachhinkt.

Urs Tillmanns (live aus Yokohama)

Weitere Informationen über die CP+ gibt es hier.

Die nächste CP+ findet vom 31. Januar bis 3. Februar 2013 in Yokohama statt.

 

14.02.2012: Laut Schlussbericht der CP+ haben dieses Jahr 65’120 Leute die Messe besucht, gegenüber 49’368 im Vorjahr. Das ist eine Steigerung von  131.9%.

 

 

 

  1. Michael Przewrocki schreibt:

    Diesen Katalog sollte fotointern-exklusiv-gegen bezahlung in der ch vertreiben. oder gratis, subventioniert von den firmen welche diese produkte hier anbieten. oder ganz gratis getragen vom herausgeber. ideen hat man aber was für seltsame. es muss was laufen im gemütlichen switzerland. von nüt chunnt nüt.

    11. Feb. 2012 | #

  2. Toni Tobler schreibt:

    Wow, da muss man ja schon bekloppt sein, wenn man 90Min. auf ein neues Blechbüchsli wartet bis man es sehen darf, dass in 90Tagen durch ein noch neueres Blechbüchsli ersetzt wird!

    11. Feb. 2012 | #

  3. Tm schreibt:

    @Michael. Ein japanischer Katakog? Fast ein Kilo schwer? Abgesehen von den munzigen Bildlis und den Zahlen verstehen wir Westis darin keine Silbe. Wer möchte das haben wollen, und wofür?

    11. Feb. 2012 | #

  4. Michael Przewrocki schreibt:

    Nur so leicht? Der fast 700 seiten dicke B+H(NY)-katalog(the 35mm SLR PHOTO SOURCE BOOK), antiquarisch in der CH erworben-ein wundervolles nachschlagewerk- ist 1.6kg leicht, kostet rund 7usd.
    Allerdings nicht so ergiebig wie die mehrfachen seit jahrzehnten gefüllten ordner in meiner foto-bibliothek. weil die schon prall gefüllt sind gibts noch ein paar säcke mit prospekten von den letzten photokinas von anfang der 2000 er.

    11. Feb. 2012 | #

  5. Sikke Loling schreibt:

    Anfang der 2000er? Für die 25 Jahre davor hatte ich praktisch alle deutschsprachigen Fotozeitschriften. und fast alle Prospekte. Alles entsorgt. Keiner hat dran mehr Interesse.

    12. Feb. 2012 | #

  6. Michael Przewrocki schreibt:

    Sie nicht aber der Fotograf heute. Meine Wenigkeit. Prospekt sind das eine, Fotozeitschrift, welche entsorgt werden, das andere. Nachschlage-Zeitschriften werden aufbewahrt. Ich bin halt noch ein Hybrid-Fotograf. So schnell wird der “Film” nicht aufgegeben. Seine Vorteile sind unübersehbar. Siehe Kodaks Pläne. Arri hat soeben eine Technik-Oscar erhalten für ihren Arrilaser-Filmrekorder.
    btw: ich suche ein altes Zoom rsp Modern Photography mit Klapppanoramen.

    13. Feb. 2012 | #

  7. muk camera service schreibt:

    Thank you for your visit!
    We appreciate your thoughtfulness.

    14. Feb. 2012 | #

Kommentar schreiben:

RSS-Feed für diese Kommentare. | TrackBack URI

Top Story

Speicherkarten: Was bedeuten die Zahlen und Zeichen?

Lexar NeuheitenSpeicherkarten gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Was bedeuten die Zahlen und Zeichen eigentlich, und worauf muss man beim Kauf achten? Gerade bei schnellen Bildfolgen und Videoaufnahmen kommt es auf eine hohe Übertragungsrate an. Wenn Sie die vollen Eigenschaften Ihrer Kamera nutzen wollen, kann eine falsche Speicherkarte zum Datenengpass werden.  Weiterlesen »