Urs Tillmanns, 14. Februar 2014, 07:00 Uhr

Live aus Yokohama von der CP+: Neuheiten zum Anfassen noch und noch (1)

In Yokohama hat die CP+ einen erfolgreichen Eröffnungstag erlebt. Die japanische Fotomesse hat sich mit ihrer fünften Durchführung einen dritten Rang in der Szene der Fotomessen gesichert, nach der zweijährlichen Photokina und dem Salon de la Photo in Paris. Mehr als 60’000 Besucher werden dies Jahr wieder ins Ausstellungsgelände «Pacifico Yokohama» strömen.

Das Internet hat den Fotomessen die Schau gestohlen. Früher gingen wir Journalisten auf eine Messe, um Erlkönige und Prototypen zu sehen und berichteten darüber, wann diese wohl auf den Markt kommen werden. Mit dem Internet wurde das alles anders: Die News flitzen in Sekundenschnelle um den Globus, und alles ist sofort irgendwo auffindbar.

CP+ 2014 Yokohama

Das Wetter in Yokohama präsentiert sich am Eröffnungstag der CP+ bedeckt, kalt aber trocken, nachdem es vor einer knappen Woche seit mehr als 40 Jahren in Tokio plötzlich wieder 20 cm Neuschnee gab

Und doch haben damit die Fotomessen nichts an Attraktivität eingebüsst, denn es gibt gerade auf derCP+, der wichtigsten Publikumsmesse des Fotolandes Japan, noch Dinge zu entdecken, die den schnellen Kommunikationsweg nach Europa noch nicht gefunden haben. Vielleicht werden sie ihn auch nie finden, weil sie nicht an den grossen, sondern an den kleinen Ständen zu entdecken sind. Und das macht die Sache wieder spannend.

Wir werden in diesem ersten Teil der Berichterstattung von der CP+ auf die in den letzten Tagen bereits veröffentlichten Produkte eingehen und mit dem «Touch and Feel» unsere Eindrücke und die recherchierten Publikumsmeinungen dazu vermitteln. In einem zweiten Bericht morgen lesen Sie dann, was wir sonst noch als kleinere, aber nicht weniger spannende Rosinen auf der CP+ entdeckt haben.

Neuheiten noch und noch …

Hinter vorgehaltener Hand herrscht die Meinung, dass viele japanische Hersteller ihre diesjährigen Neuheiten nicht schon auf der PMA@CES in Las Vegas zeigen wollten, sondern diese für Yokohama aufhoben, um der CP+ nochmals eine höhere internationale Beachtung zu verleihen.

CP+ 2014 Yokohama

Noch selten hat eine Neuheit soviel zu reden gegeben, wie die neuen Sigma «dp Quattro». Das einzigartige Konzept von Sigma der Kompaktkameras mit Festbrennweite stösst bei den Besuchern auf geteilte Meinungen. Sigma argumentiert, dass mit dem fest eingebauten Objektiv und den dadurch eingehaltenen geringeren Toleranzen in Verbindung mit dem neuen Foveon Dreischichtensensor eine sichtbar bessere Bildqualität erzielt werden könne. Anderseits würde eine neue Linie von Wechselobjektiven an einer eigenen spiegellosen Systemkamera vom Markt wahrscheinlich ebenso positiv aufgenommen.

CP+ 2014 Yokohama

Die Canon G1X MarkII  ist zweifellos ein Publikumsmagnet auf der CP+. Mit ihrem neuen Objektiv und dem grösseren Sensor macht sie einen sehr professionellen Eindruck. Viele bedauern hingegen, dass der optische Sucher nun wegfällt, was jedoch mit den optionalen elektronischen Sucher mehr als wettgemacht wird. Zudem hat die Kamera gegenüber dem Vorgängermodell punkto Design eine starke Runde zugelegt.

CP+ 2014 Yokohama

Nikon-Entwicklungsleiter Tetsuro Goto ist stolz auf sein jüngstes Baby, die Nikon Df. Die Entscheidung, mit diesem Profimodell auf den Nostalgie-Trend aufzuspringen, war zweifellos richtig: Das neue Topmodell ist nicht nur ein Höhepunkt der Messe, sondern sie findet auch im internationalen Markt einen Absatz, der über den Prognosen liegt.

CP+ 2014 Yokohama

Die Lumix GH4 ist ein weiterer Anziehungspunkt der Besucher. Die GH4, eine der ersten Fotokameras mit der 4K-Videoauflösung, hat schnell die Runde gemacht, und wer gestochen scharfe Videos machen will, kann dieses neue Topmodell der Lumix-Reihe hier auf der CP+ erstmals in die Hand nehmen und sich von gestochen scharfen Beispielvideos überzeugen lassen.

CP+ 2014 Yokohama

Am Olympus-Stand ist die neue OM-D E-M1 der Renner, sowie die neuen Objektive, ein 9mm Fisheye, ein Pancake-Zoom 14-42 mm und eine lichtstarke 25mm-Festbrennweite. Als Prototypen sind zu sehen: Das Weitwinkelzoomobjektiv M.Zuiko Digital ED 1:2.8/7-14 mm und das Super-Teles M.Zuiko Digital ED 1:4/300 mm (Fotointern.ch berichtete).

CP+ 2014 Yokohama

Im Profibereich dürfte das neue Phase One-Back IQ250 mit dem CMOS-Sensor zum Trendsetter werden. Unbestritten hat der neue Sensor mit der CMOS-Technologie seine Vorteile: Niedriges Rauschverhalten bei schlechten Lichtverhältnissen, Langzeitbelichtung, schnellste Bildfolge aber auch Live View in real time, wie man es sich bei DSLR Systemen gewohnt ist. Der von Sony gefertigte 44 x 33 mm Sensor wird bald auch in anderen Mittelformatbacks und -kameras anzutreffen sein.

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Die Casio Exilim EX-100 ist eine der bisher kaum publizierten Messe-Entdeckungen. Sie ist mit einem 10,7fach Zoom (äquiv. 28-300 mm) mit Lichtstärke 2,8 und einem 1/1.7“ CMOS-Sensor ausgestattet und kann als Topmodell auch voll manuell bedient werden. Zudem ist sie mit RAW-Datenspeicherung, Belichtungs- und Weissabgleichs-Bracketing sehr hochwertig ausgerüstet. Über die Verfügbarkeit in Europa war nichts zu erfahren.

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Vor allem die jungen Messebesucher(innen) haben ihre helle Freude dran: am neuen Instax-Printer von Fujifilm. Über eine App können die Smartphone-Aufnahmen via WLAN als (kleines) Sofortbild ausbelichtet und als handfeste Kopien verteilt werden – wie wenn es sowas früher nicht auch schon gegeben hätte. Der Printer soll gleich nach der CP+ in Japan käuflich sein und auch die Europäer nicht mehr allzu lange warten lassen.

CP+ 2014 Yokohama

Am Sony-Stand ist die α6000  der Hingucker. Schon mit der α5000 vom Jahresanfang hat Sony den Schienenwechsel von NEX zu Alpha deutlich gemacht, und mit der α6000 wird jetzt auch die Kontinuität mit einem Spitzenmodell unter Beweis gestellt.

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Auch signalisiert Sony deutlich, dass das α-System sowohl im spiegellosen als auch im Spieglreflexbereich weiter ausgebaut wird, auch wenn sich der Konzern derzeit aus anderen Sparten, wie beispielsweise aus dem PC-Geschäft, zurückzieht.

CP+ 2014 Yokohama

Bridgekameras, Kameras mit fest eingebautem Megazoom, sollen wieder zum Trend werden, nachdem sich viele Käufer doch nicht für eine Spiegelreflexkamera entscheiden können. Das Topmodell Sony Cybershot HX400V steht einer Spiegelreflexkamera, was die technische Ausstattung anbelangt, kaum nach.

CP+ 2014 Yokohama

Zu reden gibt die neue Hasselblad HV, unter deren neugestyltem Gehäuse sich eine Sony SLT-A99 versteckt. Die Meinungen polarisieren: Entweder sie gefällt oder man findet sie – trotz ihrer Exklusivtät – scheusslich. Einen Pluspunkt hat sie: Sie lässt sich mit grossen Europäerhänden gut bedienen – was die Japaner nicht unbedingt so empfinden …

CP+ 2014 Yokohama

Angefasst und durchgeschaut: die beiden neuen Tamron-Prototypen 28-300mm für Vollformat– und 16-300mm für APS-C Spiegelreflexkameras. Das neue Design, das mit glasfaserverstärktem Kunststoff dem heutigen Kameraaussehen angepasst ist, stösst allgemein auf Zustimmung.

CP+ 2014 Yokohama

Erlkönige bei Tokina: Noch dieses Jahr sollen die beiden neuen Zooms der AT-X Pro FX-Reihe für APS-C Spiegelreflexkameras auf den Markt kommen: das 1:2,8/24-70 mm Aspherical (IF) und das angrenzende 1:4/70-200mm Aspherical (IF) VCM-S, beide mit durchgehender Lichtstärke. Sie werden zuerst mit Nikon-Anschlüssen verfügbar sein und später auch für Canon-Kameras.

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Auch von Kenko-Tokina sind diese tranfarbenen Spektive, zu denen es auf Fotoansätze gibt. Die «MilTol»-Linie gibt es in braun-grüner oder weisser Ausführung und findet besonders bei den Naturbeobachtern und Jägern Anklang. Grundsätzlich sollen diese Ausführungen auch für den europäischen Spezialmarkt vorgesehen sein.

CP+ 2014 Yokohama

Das lichtstärkste Objektiv auf der CP+: «Handevision Ibelux» 0.85/40mm für APS-C Systemkameras von Canon, Fujifilm, Sony und MFT. Entwickelt wurde es von der deutschen IB/E-Optics und einem chinesischen Hersteller. Zumindest in Japan soll der Lichtriese ab März dieses Jahres für umgerechnet CHF 2’000 auf den Markt kommen.

CP+ 2014 Yokohama

Die Ricoh Theta  ist mit den vollspärischen 360-Grad-Bilder in Japan sehr beliebt, vor allem auch, weil Ricoh Theta ein technisches Gadget erster Güte ist. Auf der CP+ stehen die Besucer Schlange, um sich die Rundumbildwirkung vorführen zu lassen.

CP+ 2014 Yokohama

Zum Schluss noch eine echte Überraschung: Falls Sie eine alte Mittelformat-Hasselblad und ein iPhone besitzen, sollten Sie sich die «Hasselnuts» näher ansehen. «Hasselnuts» ist ein umgebautes A12-Magazin, an welches – halten Sie sich fest – das iPhone angedockt wird. Die iPhone-Bilder mit den einst sackteuren Carl Zeiss-Objektiven sind von beachtlicher Qualität. Das «Hasselnuts»-Magazin kostet umgerechnet etwa CHF 400 und soll in Kürze lieferbar sein. Zudem will die Herstellerfirma Ambivalent  aus Nagoya demnächst auch «Rolleinuts», «645nuts» und «Polanuts» auf den Markt bringen …

Soviel für heute. Lesen Sie morgen hier den zweiten Teil.

Urs Tillmanns(Text und Bilder)

Informationen zur CP+ finden Sie unter www.cpplus.jp

4 Kommentare zu “Live aus Yokohama von der CP+: Neuheiten zum Anfassen noch und noch (1)”

  1. Jetzt die Pflicht: Bei Sigma eine scharfe Aufnahme machen mit der DP2quattro und das Bild hier posten…. wohl frommer Wunsch.
    Hasselnuts: iphone-Hasselblad-aufsatz:Sehr gut. Wie gross ist der iphone-sensor bzw: wie gross der Crop?

  2. @1
    Die Qualität der DP2quattro dürfte deutlich höher sein, als im Web zu zeigen.
    Der Crop dürfte minimal sein, da das Bild vom iPhone von der Mattscheibe im Magazin abfotografiert wir.

  3. Natürlich unterstützen die japanischen Hersteller die CP+. Ja, ganz sicher hätten sie die Neuheiten in Las Vegas auch zeigen können. Es ist vieles dabei, was überrascht. Für mich ist bei allen Vorteilen des CMOS aber auch ein gefühlter Verlust gegenüber dem CCD Sensor gegeben. Wer Aufnahmen im Portraitbereich und Bilder mit großem Dynamikumfang mal vergleicht, stellt schnell fest …. wie sich so ein CCD-Sensor „anfühlt“. Alle wollen mehr Pixel, oder zumindest sehr viele und auch mehr Iso. Mir wäre ein größerer Dynamikumfang lieber und der geht mit CCD Sensoren – die leider auch teurer in der Herstellung sind – einfach besser. Ja, da übernimmt Sony jetzt auch bei den Sensoren die Führung und Kodak dürfte langfristig das Nachsehen haben. Bis zur nächsten großeren Neuerung 2016 🙂

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