Urs Tillmanns, 11. Januar 2020, 12:33 Uhr

Buchtipp: Fotografen-Dynastie Hoffmann Basel

Dass ein Fotogeschäft auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken kann, ist eher die Ausnahme. Für viele «Lichtbildner», wie der Fotografenberuf früher auch hiess, ist ihr Beruf in erster Linie ein Handwerk, welches dazu diente von der bezahlenden Kundschaft möglichst gute Porträts oder Gruppenbilder anzufertigen und gelegentlich eine Hochzeit oder andere Anlässe fotografisch zu dokumentieren. Viele der Betriebe verschwanden nach einer Generation wieder von der Bildfläche, weil sich die Nachfolge nicht lösen liess oder weil der Konkurrenzdruck zu hart wurde.

Der Name «Foto Hoffmann» ist hier eine grosse Ausnahmen. Drei Generationen haben das Geschäft an der Clarastrasse 36 von 1891 bis 1994 betrieben, bis es dann als «Photo Basilisk» von Roland Schweizer bis heute weitergeführt wurde. Das Buch ist somit eine interessante Chronik der Fotografendynastie Hoffmann, bestehend aus Theodor (1860-1925), Carl (1883-1969), Hans-Peter (1826-1946) und Felix Hoffmann (1929-2016).

Aus dieser langen Familientätigkeit ist ein Archiv hervorgegangen, das neben den Auftragsarbeiten porträtierter Kundschaft und Prominenz auch viele Bilder des Zeitgeschehens, des Brauchtums, des Handwerks und der Industrialisierung, der Theaterszene sowie Aufnahmen für die Produkte- und Dienstleistungswerbung enthält. Auch hatten die Fotografen Hoffmann das Glück besonders interessante Aufträge zu bekommen, die über den nochmal Fotografenalltag hinausgingen. So haben sie zwei Jahrzehnte lang die Basler Ballett- und Theaterszene fotografiert oder alljährlich die Stände der Basler Mustermesse, zusammen mit anderen Fotografen der Agefoba, in Bildern festgehalten. Draus hat eine äusserst vielfältige berufliche Tätigkeit der drei Fotografengenerationen und ein wichtiges kulturelles Erbe resultiert, das nun in diesem eindrucksvollen Bildband dokumentiert ist. Besonders zu erwähnen ist noch die sehr grosszügige grafische Gestaltung des Buches und die hervorragende Druckqualität im Duplexdruck mit Drucklackierung.

Das Buch ist mehr als «nur» die Geschichte einer Fotografenfamilie. Es beleuchtet einerseits mit interessanten Textbeiträgen den Fotografenalltag von der selbst gegossenen Glasplatte bis hin zum Studioblitz. Dabei ist der Beitrag «Erinnerungen eines Fotografensöhnleins» von Felix Hoffmann besonders authentisch und lesenswert. Anderseits ist das Werk ein Fundus alter Fotografien der Stadt und Region Basels und zeigt den enormen Wandel dieser Stadt in gesellschaftlicher, technischer und architektonischer Hinsicht. Das ist der besondere historische Wert dieses Nachlasses, der nun dank der Übergabe aus dem Privatbesitz an das Staatsarchiv Basels-Stadt für die Nachwelt gesichert bleibt.

Für wen ist dieses Buch? Es ist einerseits für die fotohistorisch interessierten Leser schon fast ein Muss, da insbesondere die Textbeiträge sehr viel über die frühe Arbeitsweise der Fotografen von drei Generationen preisgeben. Dann ist es für alle Basel-Fans ein unverzichtbarer Erinnerungsschatz, in welchem das Stadtbild sowie das soziale und wirtschaftliche Leben Basels während eines Jahrhunderts in hervorragenden und seltenen Bildern verewigt ist.

Urs Tillmanns

Buchbeschreibung des Verlages

Über ein Jahrhundert lang war Foto Hoffmann in Basel eine Institution. Seit 1891 führten drei Generationen hier ein «fotografisches Atelier». Als Porträtisten, Werbe- und Industriefotografen, vor allem aber als Zeitzeugen dokumentierten die Hoffmanns die städtische Gesellschaft. Der über die Jahrzehnte zusammengekommene Bilderschatz zeigt eindrücklich die Geschichte der Stadt Basel und ihrer Umgebung, den Alltag, die Fasnacht, Aviatik und Eisenbahn, Industrie, Messen und das Theater.Die Publikation enthält die Highlights aus dem wohl umfangreichsten privaten Schweizer Fotoarchiv. Der Bilderschatz wurde in mehrjähriger Aufarbeitung erschlossen und wird nun in fünfzehn Bildkapiteln und einem einleitenden historisch-biografischen Essay vorgestellt. Das Buch ist damit auch ein ästhetisch eindrückliches Dokument Basler Fotografiegeschichte.

 

Der Inhalt

Stumme, doch gesprächige Zeugen (Beat von Wartburg)

Vom Photographischen Atelier zur Hoffmann Photo KinoAG (David Marc Hoffmann, Nana Badenberg)

Von privater in die öffentliche Hand (Kerstin Brunner)

Erinnerungen eines Fotografensöhnleins (Felix Hofmann)

Die Stadt im Wandel

Gesichter

Achtung Bauarbeiten!

Schüler, Pöstler, Scherenschleifer

Grosse Sprünge

Basler Brauchtum

Alles Theater

In den Bergen, in der Fremde

Am Fliessband und im Hafen

Ästhetik des Objektes

«Obst ist gesund»

Natur pur

Verkehr

Über den Rhein

Krieg und Krisen

Anhang: Zeittafel, Literatur, Ausstellungen, Dank, Impressum

 

Bibliografie

Foto Hoffmann
Drei Generationen Basler Fotografen

424 Seiten, 464 teils farbige Abbildungen,
Fester Umschlag, gebunden, Format 24 x 28 cm
Erschienen November 2019
Autoren: Beat von Wartburg, Kerstin Brunner, David M. Hoffmann, Nana Badenberg (Hg.)
Verein zur Erhaltung des Fotoarchivs Hoffmann
Christoph Merian Verlag, Basel
ISBN 978-3-85616-905-3
Preis: CHF 68.00 / EUR 64,00

Das Buch kann im Buchhandel erworben, beim Verlag direkt bezogen oder im Ausland hier bestellt werden.

 

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