Urs Tillmanns, 12. Februar 2013, 07:00 Uhr

Georg Aerni «El jardín de los ciclopes» in der Galerie Bob Gysin

Georg Aerni zeigt in der Galerie Bob Gysin in Zürich skurile Landschaften Südspaniens.  Die Serie «El jardín de los ciclopes» dokumentiert eigenartige Plastiklandschaften, die seit den 1960er Jahren auf Produktivität und Retabilität ausgelegt sind – und sich ebenso bewundernd wie abstossend präsentieren.  .

Weisse Planen in gebirgigem Gelände, Wasserbecken in diversen Formen, menschenleere Strassen gesäumt von abstrakten Plastikkuben: so präsentieren sich die neuen Arbeiten des Künstlers. Wer Georg Aernis Schaffen kennt, findet ihn wieder, den Blick des Fotografen für das Vertraute und gleichzeitig Fremde. Wir staunen darüber, wie nahe Formschönheit und abstossende Empfindung beieinander liegen können. Die Dokumentation von ruinösen Gegebenheiten und Landschaften lösen nicht Abneigung aus, viel eher stellt sich Neugierde ein.

Der Zürcher Künstler ist für seine dokumentarischen Fotografien bekannt, denen trotz direkter Bildsprache eine poetische und manchmal beklemmende Komponente innewohnt. Die Serie «El jardín de los ciclopes» entstand im Gebiet Campo de Dalías, das östlich der Stadt Almeria liegt und zum ehemaligen «Armenhaus» Südspaniens gehört. Seit den 1960er Jahren hat sich die Region wirtschaftlich stark entwickelt. Durch den frühen Einsatz von Treibhäusern und billigen Arbeitskräften aus Nordafrika werden heute Agrarprodukte nach ganz Europa exportiert. Die Folgen der weltweit grössten Ansammlung von Treibhäusern sind für das Ökosystem der Region beträchtlich und problematisch.

Georg Aerni gelingt die Verschränkung von Kunst und Dokumentation durch die oftmals überraschende Wahl der präzisen Bildkomposition, die von der ortspezifischen Topografie profitiert. Die erhöhte Position des Fotografen ermöglicht einerseits einen distanzierten Blick – die Plastiklandschaft in der Aufsicht erscheint fast «aseptisch» – andererseits vermittelt der Blick aus der Nähe die Materialität der Treibhäuser. Handelt es sich bei diesen Gebilden um Architektur? Wenn ja, wird hier eine Stadt gezeigt, eine unbewohnte Grossstadt? Wo befindet sich die Grenze zwischen Artifiziellem und Natürlichem? Die ganze Künstlichkeit wird vom Menschen geschaffen um natürliche Produkte unserer Grundversorgung zu erhalten. Ganze Hügelzüge werden abgetragen um horizontale Anbauflächen zu gewinnen. Georg Aernis Fotografien machen auch diese vom Menschen veranlasste Umformung der Landschaft sichtbar. Mit «El jardín de los ciclopes» ist Georg Aerni ein eindrückliches Zeitdokument gelungen.

Mit «El jardín de los ciclopes» ist Georg Aerni ein eindrückliches Zeitdokument gelungen, das noch bis 30. März 2013 zu sehen ist in der
Galerie Bob Gysin
Ausstellungsstrasse 24
CH-8005 Zürich
Tel. 044 278 40 60

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