David Meili, 26. September 2008, 18:59 Uhr

Photoshop Express im Selbstversuch

Verlockend am webbasierten Photoshop Express ist, dass man seine Bilder von irgend einem, mit dem Internet verbundenen Computer ohne die Installation oder den „Missbrauch“ einer lokalen Software bearbeiten kann. Für User von lokalen Photoshop-Versionen und Vorläufern wie Picasa ist das neue und nunmehr offiziell freigegebene Produkt allerdings gewöhnungsbedürftig.

Die Testumgebung war real. Am Sonntag, dem 22. September 2008 fand hoch über der Lenk im Berner Oberland die 10. Alpkäsemeisterschaft statt. Der Textbeitrag für ein Internetmagazin benötigte noch einige aktuelle Bildchen. Das Chalet von Freunden etwas weiter unten im Tal ist mit einem PC (ADSL, XP) versehen. Naheliegend war, die Bilder auf den PC aufzuladen, online über Photoshop Express zu bearbeiten und der Redaktion zuzustellen, –  und den Sonntagabend gemütlich im Berner Oberland statt im Home-Office in Kloten zu verbringen.

Wer zuvor mit Services wie Picasa und lokal installierten Programmen gearbeitet hat, muss sich umgewöhnen. Für Photoshop Express hat man seine Bilder vor der Bearbeitung auf den Server zu laden, da nur das Frontend im Browser zur Verfügung steht. Zuvor muss man ein Konto einrichten, was mit einer Adobe-ID (Mail-Adresse) innerhalb von Minuten gelingt, selbst wenn man das Passwort vergessen hat. Der Upload von 40 MB benötigt je nach Verbindung und Tageszeit bis zu zwei Tassen Kaffee. Wir haben uns an diesem Abend bei Weisswein und Hobelkäse nicht gelangweilt. Das nächste Mal wäre es sinnvoll, jene Bilder, die man sicher nie publizieren wird, bereits in der Kamera zu löschen.

Dann ging alles sehr schnell. Die Benutzerführung ist, wie bei Adobe in allen Imaging-Programmen, Mac-lastig. Wenn Flash in der neusten Version auf XP installiert ist, macht sie Spass. Man bearbeitet eine Preview des nunmehr auf dem Server abgelegten Bildes und speichert auch das reale Bild auf dem Server, – was vorerst irritiert.

Die meisten Funktionen sind aus den Basis-Versionen von Photoshop bekannt. Als Textjournalist braucht man selten mehr, denn die Redaktionen verfügen lokal über andere Rechenleistungen und personelle Kapazitäten. Bilder kann man aus Photoshop Express direkt in Public Sites wie Flickr übertragen. Auf dem Fremdcomputer haben wir den mühsameren Weg gewählt, die Bilder lokal abgespeichert und als Attachment der Redaktion per Mail zugestellt. Beim Download lassen sich die Bilder auf Wunsch ins Webformat bringen.

Mit einer schnellen Internetverbindung und mengenmässig nicht zu vielen Daten ist Photoshop Express online konkurrenzlos. Die vergleichbare Version von „Elements“ vermüllt den lokalen Computer mit Hunderten von Megabytes an Programmen und Templates, die kaum jemand braucht. Zudem braucht man für jeden Computer eine eigene Lizenz. Express stellt jene Komponenten, die aktuell benötigt werden „just in time“ zur Verfügung. Updates entfallen, da die serverbasierten Module fortlaufend verbessert werden. Man hat den Eindruck, dass bei Adobe viele kluge Köpfe mit diesem Produkt im Hintergrund ihr bestes geben.

Express bringt ein neues Konzept, das sich in das Betriebssystem einer Kamera einbauen liesse. Flash als Frontend auf einer DSLR und den ganzen Balast dahinter auf einem Server, das wärs! Auf dem EEEPC unter Ubuntu läuft Photoshop Express übrigens prächtig, – vorausgesetzt, man hat einen wirklich heissen Hotspot erwischt.

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