David Meili, 9. Oktober 2008, 07:00 Uhr

Hinrichtungen als Schauspiel und Fotomotiv

Der Fotohistoriker Arno Holzer, Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“ und Museumskurator hat in einem bemerkenswerten Buch öffentliche und private Bilder aus dem Ersten Weltkrieg zusammengetragen. Hinrichtungen in der Zivilbevölkerung waren nicht ungewöhnlich und wurden oft zum Spektakel. Das Buch beruht auf langjährigen und gewissenschaften Recherchen. Auch wenn der Irakkrieg angedeutet wird, würde man gerne etwas mehr über kulturhistorische Zusammenhänge erfahren. Bis in die Dreissiger Jahre wurden in den USA Schwarze gelyncht. Nur wenige Autostunden von uns entfernt werden regelmässig auch Roma Opfer der „Volksjustiz“.

Hier der Verlagstext:

Tausende unschuldiger Zivilisten wurden während des Ersten Weltkriegs im Osten und Südosten Europas als angebliche Spione am Galgen hingerichtet. Anhand bisher unveröffentlichter Fotodokumente erzählt der Fotohistoriker Anton Holzer die jahrzehntelang verschwiegene Geschichte eines mit aller Brutalität geführten Krieges gegen die Bevölkerung.

Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung war im Ersten Weltkrieg keineswegs nur auf die Exzesse Einzelner zurückzuführen. Die Übergriffe waren systematisch geplant und offiziell angeordnet. Sie waren Teil der Kriegsführung. Seit dem Ersten Weltkrieg, das dokumentiert dieser Band auf eindrückliche Weise, gehört der Krieg gegen Zivilisten zum Instrumentarium eines jeden modernen Krieges.

Anton Holzer hat in jahrelangen Forschungen Fotodokumente zusammengetragen und analysiert, die von diesem brutalen Feldzug gegen die Zivilbevölkerung berichten. Viele der Hinrichtungen sind in Fotografien festgehalten. Aufgenommen wurden die Bilder von Soldaten und Offizieren, die als Schaulustige und Voyeure Zeugen der Gewalttaten waren. Immer wieder stoßen wir auf ein und dieselbe Szene: Henker und Schaulustige umringen den Getöteten und lächeln triumphierend in die Kamera. Warum, so fragt der Autor, wurde an den Schauplätzen der Gewalt so häufig fotografiert? Ausgehend von Fotos aus dem Ersten Weltkrieg und weiteren Beispielen aus der Geschichte des Krieges beschäftigt er sich mit der Faszination der Gewalt in Bildern.

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