David Meili, 22. Februar 2009, 09:22 Uhr

Schlechte Karten für den Playboy, Zeitung im Eigenbau und Mickey Rourke gleich mehrfach

080222_playboyPressespiegel zum Wochenende vom 21./22. Februar
Meldungen über die Aufgabe von Printmedien sind zur Tagesaktualität geworden. Nach der deutschsprachigen VANITY FAIR verschwand nicht überraschend, doch rascher als erwartet die einst erfolgreiche Internet Zeitschrift TOMORROW. Paradox: Mit dem Verzicht auf die Printausgabe wurde auch die Website stillgelegt. Selbst beim Playboy kriselt es.

Wenn man nach langer Zeit wieder eine Ausgabe des Playboy in die Hand nimmt, überzeugt die journalistische und gestalterische Qualität. So finden sich in der Ausgabe vom März 2009 wohl die bekannten Portfolios, doch auch erstklassige Reportagen, wie über Bauarbeiter in Dubai. Das Interview mit Regisseur Tom Twyker ist ebenso lesenswert.

Wie lange sich Qualitätsjournalismus aufrecht erhalten lässt, hängt wesentlich vom Inserateaufkommen ab. Einbrüche in der Auto- und Modewerbung sind unübersehbar. Die Abwärtsspirale, der sich selbst ein Modeunternehmen wie Ferré nicht entziehen kann, reisst Agenturen und Fotografen mit. Selbst in wirtschaftlich stabilen Branchen, wie Nahrungs- und Genussmittel wird die Werbung zurückgefahren.

Die meisten Verleger und Redaktionen verhalten sich alles andere als antizyklisch. Sowohl im Bild- wie im Textjournalismus kommen kreative Ideen zur Zeit schlecht an. Magazine werden mit Stehsatz und rezyklierten Bildreportagen aufgefüllt. Leser reagieren rasch auf Qualitätsverlust.

080222_cover-adacWie man die Abwärtsspirale in einen Aufwärtstrend verwandelt, zeigt das  „ADAC reisemagazin“ . Nach der Verlegung der Redaktion von Hamburg nach München hat Chefredakteur Michael Ramstetter ein radikal neues Konzept entwickelt. Er setzt konsequent auf Autoren und Fotografen, die mit der Region verbunden sind und setzt neue Zeichen im oft peinlichen Reisejournalismus. Das erste Heft über Vorarlberg überzeugt: fotografisch, gestalterisch und in Texten. Schade, dass Vorarlberg 1919 nach einer denkwürdigen Volksabstimmung kein Schweizer Kanton wurde. Doch das Heft kann auch so neue Akzente für die Schweizer Tourismuswerbung setzen.

Wer zum ersten Mal einen Managementkurs besucht, lernt, dass „Krise“ stets auch „Chance“ bedeutet. Das entsprechende japanische Schriftzeichen, das beides bedeuten soll, wird in der Regel seitenverkehrt projeziert.

Tatsächlich gibt es neue, abenteuerliche Verlagsprojekte. Ulrich Glausen Dennler startete auf pdf die Bülacher Zeitung. Bis heute wird das „Blättli“ per pdf zugestellt und im Ausdruck in „Gastrobetrieben“ in der Bülacher Altstadt aufgelegt. Doch mit der Beteiligung der Alpenmedia soll der Gratisanzeiger in die Haushaltungen der Region in einer Druckauflage von 40 000 Exemplaren (?) verteilt werden. Vor wenigen Tagen hat Alpenmedia auch den monatlich erscheinenden Hotelspiegel übernommen und profiliert sich mit der swissgazette als Informationsplattform für Auslandschweizer.

Da in den meisten Kantonen auch Sport- oder Fasnachtferien sind, fällt die Bilanz der einheimischen Sonntagspresse mager aus. Stefan Schröter konnte in der „verbotenen Zone“ des Flughafens Kloten für das Magazin zum SonntagsBlick eine Traumreportage realisieren. Der von Barbara Lienhard getexte Beitrag ist deshalb bemerkenswert, weil er stark auf visuelle Momente setzt. Miquel Gonzalez hat stimmungsvoll die Filmemacherin Ursula Meier porträtiert.

090222_magazinDAS MAGAZIN vermittelt wiederum ein Schwerpunktthema, diesmal als Trailer für ein Buch über die „Schule der Zukunft“ von Remo H. Largo und Martin Beglinger. Den schönen Auftrag (schön brav ausgeführt), Schüler/innen und Lehrer in Glarus zu fotografieren, erhielt Veronique Hoegger.

Pech hatte DAS MAGAZIN mit einem Beitrag von Rebecca Casati über Mickey Rourke, der von der Süddeutschen zugekauft wurde. Er war dort schon zuvor online verfügbar. Doch Bild Online war noch schneller und titelte: Mickey Rourke: Ich habe gelebt wie ein Tier. Da war uns doch Tom Kummer lieber.

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