David Meili, 30. August 2009, 09:17 Uhr

Reportage zur Geisterstunde, die Welt nach Pippilotti Rist und Blondinen als Zielmarkt

Pressespiegel zum Wochenende vom 29./30. August 2009
090829_heinzerNoch selten legten prominente Pressefotografen eine Nachtschicht mit einer derart geringen Ausbeute ein. Blick am Abend deckt einige Hintergründe auf (Ausgabe vom 28. August, Seite 2). Nachdem sich herumsprach, dass unsere bessere Staatsmaschine, die Falcon 50 auf dem Militärflugplatz bei Tripolis gestartet war, liefen die Handys heiss. (Bild: Markus Heinzer, newspictures.ch).

Einige Fotografen bezogen wiederum Position am Zaun im „Möösli“ (Belpmoos), während mindestens zwei von der Flugsicherung einen heissen Tipp erhielten, der Mini-Jet werde in Dübendorf landen. Dort traf er um 00.25 Uhr ein, rollte zu seinem Hangar, wo er vom VBS im Auftrag des Bundesrats gewartet wird.  Markus Heinzer, newspictures.ch war mit dem Team  von SF DRS  vor Ort und schoss für die Ringier Presse ein Bild, das zweifellos in den Jahresüberblick 2009 Eingang finden wird.

Nun warten wir auf die Bilder der zurückkehrenden Geiseln, wobei sich der Tross nach Genf-Cointrin verschieben dürfte. Die Affäre um den prügelnden Präsidentensohn Hannibal wird dann kaum mehr grosse Wellen werfen. Hannibal wird von der internationalen Peoplepresse weitgehend geächtet. Nur wenige Agenturen bieten von ihm und seiner temperamentvollen Ehefrau stets die gleichen Bilder an. Mit guten Gründen.

Der Blick am Sonntag hat heute sehr wenig zu bieten. Mangels anderer Themen belegt die Ehekrise von Bernhard und Mari Russi die Frontpage, Seite 2 und 3 und den Kommentar des Chefredaktors. Wie eine Parodie auf bessere Zeiten von Bernhard Russi erscheint in sonntag.ch ein Bericht von Martin Probst über den Subaru Legacy (vierte Auflage). Die Familie sitzt am Gartentisch, das Auto mit der FB-Nummer ist auf dem Kiesplatz geparkt (wäre es doch wenigstens FFB). Die Interviewpartnerin Aline (26) aus Suhr/SG möchte einen Tipp, wie viele Zylinder der Motor hat. Immerhin zog sie einmal das „volle Programm im Auto“ durch. Haben sich Zürcher Gastarbeiter auf der Redaktion in Aargau für die stetigen Demütigungen gerächt?

Den Rest des des Blick am Sonntag kann man ruhig überblättern. Doch auf Seite 10 folgt eine Überraschung. Hans Schild, früherer Gemeindepräsident von Brienzwiler/BE, einst Bauunternehmer und heute erfolgreicher Mutterkuhhalter setzt sich für seine Kühe ein. Karl-Heinz Hug hat ihn und seine Kühe auf der Alp abgelichtet.  Hans, ein alter Bekannter des Schreibenden wird diesen Kommentar kaum lesen. Die Volksnähe ist eine der Stärken von Blick, und wird auch für SF DRS (Sendungen mit Nik Niethammer, Kurt Aeschbacher und Monika Fasnacht) immer mehr zum Alleinstellungsmerkmal.

Karl-Heinz Hug zeichnet im Magazin überdies als Fotograf für die vielleicht beste Reportage der Woche. Unter dem Titel „Die Mobilmachung“ zeigt der Beitrag von Peter Hossli, wie die Schweinegrippe von der Impfstoffproduktion bis zum Tablettenversand für Auslandschweizer bekämpft wird.

Nachdem man den Verdacht hatte, Pippilotti Rist verfüge mit TA-Media über einen Exklusivvertrag, finden sich sehr viel exklusivere Aussagen in sonntag.ch. Die Künstlerin („Stadtgespräch“ gemäss TA in New York – immerhin 8 Mio im Grossraum), vermeidet prinzipiell Anlässe von mehr als zehn Personen. Sie hat auch Bedenken, dass in der Kunstwelt das Kino als „minderwertig“ betrachtet wird. Seltsam, Frau Rist lebt und arbeitet mit ihrem Partner und dem siebenjährigen Sohn Himalaya wie auf  einer Insel mitten in Zürich und hat offensichtklich seit den achtziger Jahren keine Verbindung zum Festland mehr . Wer ihren Film Pepperminta schon gesehen hat, drückt sich eher reservriert aus, selbst was die Fotografie betrifft.

090830_ineichenDAS MAGAZIN führt mit Linus Bill die Tradition der Promiporträts weiter. Otto Ineichen ist in Pink unter- und danach im Lead teil-hinterlegt. Die stark überarbeiteten Bilder mit Stroboskopeffekt stehen (bewusst?) im Gegensatz zum Text von Martin Beglinger, der die Volksnähe des Politikers betont.

Volksnah ist Polo Hofer, das ist sein Geschäft. Michael Sieber hat für die Homestory in Oberhofen am Thunersee zweifellos viele gute Aufnahmen vom begnadeten Selbstdarsteller aufs Leuchtpult gebracht. Der Text von Helmut-Maria Glogger ist spassig. Glogger lässt ganz einfach Polo fabulieren, live. Doch das Layout ist grauenhaft. Vielleicht braucht es mindestens vier Kreative (Polo, Sieber, Glogger und die unbekannte Person am Bildschirm), um ein gutes Feature ins Print zu bringen.

090830_blondeDass gutes Layout ankommt, zeigt die mit sehr viel Mut (und Geld) in Szene gesetzte Modezeitschrift BLONDE. Herausgeberin ist die b&d Verlagsgruppe in Hamburg, die bereits mit zahlreichen Skateboard, Snowboard, Surf- und unkonventionellen Golf-Magazinen Erfolge verzeichnet. Das Heft liegt im Überformat an Kiosken auf und wird in der Schweiz für CHF 10.- verkauft. Zielpublikum sind junge Frauen, und indirekt die Modebranche, Werber, Fotografen und an Fotografie Interessierte.

Für uns hat das Heft allerhand zu bieten und kommt offensichtlich bei den Inserenten gut an. Man findet neue Inserate und ein benutzerfreundliches Layout. Aufgefallen: Die Fotos von Verena Brumann-Christ mit Zigeunermode (über 12 Seiten), die Hutstrecke von Mark the Cobrasnake und der sehr originelle Foodbereich von Hanna Tembrick. Dann folgen als Überraschung Aufnahmen von Strassenmode von Polanerd, der mit Polaroid- und Polaroideffekten arbeitet. Absolut sehenswert.

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