Urs Tillmanns, 2. Oktober 2009, 13:42 Uhr

Orbis – preisgünstiger Ringblitz für jede Spiegelreflexkamera

Besonders bei Porträts und Modeaufnahmen wäre ein Ringblitz praktisch – doch diese sind teuer. Der neue Orbis-Ringblitzvorsatz schafft Abhilfe, weil dieser mit allen Blitzgeräten verwendet werden kann. Er ist einfach in der Handhabung und  ist ein interessantes Zubehör für schattenlose Personen- und Sachaufnahmen. Wir haben ein Vorserienmuster für Sie getestet.

Das Prinzip ist einfach: Das externe Blitzgerät wird unten in den orbis Blitz (die Firma besteht auf einer Kleinschreibung) eingesetzt und mit dem Blitzkabel über den Zubehörschuh mit der Kamera verbunden. Der Ringblitz verfügt über interne Lichtleiter, welche das Licht gleichmässig verteilen und so eine ausgewogene Frontalbeleuchtung des Motivs bewirken. Dass darauf bisher noch niemand gekommen ist?

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James Medelin, der Erfinder des orbis, war freischaffender Pressefotograf in Auckland. Die Ausleuchtung seiner Porträtaufnahmen mit einem externen Blitzgerät waren für ihn nicht zufriedenstellend, was ihn auf die Idee brachte, einen Ringblitzvorsatz zu entwickeln. Das Hauptproblem dabei stellte die gleichmässige Lichtverteilung innerhalb des runden Lichtkanals dar, die in Zusammenarbeit mit einem Optikingenieur und Spezialisten für Kunststoffverspiegelung gelöst werden konnte.

Etwas Grundsätzliches über Ringblitze

Ringblitze sind eine ausgewogene Frontalbeleuchtung. Dadurch, dass die Lichtquelle rund um das Objektiv verläuft, ist die Lichtverteilung absolut gleichmässig und jeder anderen Frontalbeleuchtung – zum Beispiel dem Aufklappblitz oder dem aufgesetzten externen Blitzgerät – deutlich überlegen. Viele People-Fotografen haben den Ringblitz schon lange zu ihrem Standardlicht erklärt, und Ringblitzaufnahmen sind, besonders in der Modefotografie, schon fast stilbestimmend geworden.

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Was das Licht von Ringblitzen nicht ist: schattenlos. Es gibt kein schattenloses Licht, weil überall wo Licht ist, auch Schatten entstehen. Bei einem Ringblitz bildet sich – auf Grund der zentrischen Lichtcharakteristik – der Schatten konturförmig um das Motiv, was die Aufnahme des Steinlöwen vor verlaufendem Hintergrund sehr deutlich zeigt. Je näher der Hintergrund beim Motiv ist, desto ausgeprägter wird der Schatten, ist dieser weiter vom Motiv entfernt, fällt der Schattenkranz plötzlich nicht mehr in Betracht.

Der orbis hat einige ganz entscheidende Vorzüge

Erstens ist er günstig. Mit nur CHF 298.- ist das Zubehör für die meisten Hobbyfotografen und Profis nicht nur erschwinglich, sondern erheblich günstiger als andere systembezogene Ringblitzgeräte. Dabei ist das Gerät qualitativ auf professionelle Einsätze ausgerichtet.

Zweitens ist der orbis auf Grund seiner grossen Leuchtfläche manchem anderen Ringblitz überlegen, besonders, wenn man damit relativ grosse Motive (Ganzpersonen- und Porträtaufnahmen) aufnimmt. Mit seinem Durchmesser von 21 cm und einer Leuchtkanalbreite von 55 mm zaubert der orbis ein sehr weiches Licht auf das Motiv.

Drittens: Die Objektivöffnung hat einen Durchlass von 85 mm, womit der orbis auch für lichtstarke Tele- und Mittelformatobjektive geeignet ist.

Was allerdings nicht restlos gelöst ist, ist die Befestigung des Blitzgerätes am orbis. Das Blitzgerät wird von unten in den Blitzreflektor eingeschoben und durch zwei Halteklammern in die richtige Position gedrückt. Diese dienen jedoch nicht der Befestigung des Blitzgerätes, sondern lediglich der Positionierung des Reflektor vor dem optischen Lichtführungssystem. Und damit ist auch gleich der einzige Punkt angesprochen, der konstruktionsmässig nicht restlos gelöst ist. Der Anwender ist etwas auf sich selbst gestellt, um eine optimale Befestigung seines Blitzgerätes zu improvisieren.

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Die Idee des Herstellers, das Blitzgerät mitsamt dem grossen Aufsatz in der Hand und vors Objektiv zu halten, erweist sich in der Praxis als ziemlich umständlich. Hätten wir drei Hände, wäre dies alles kein Problem. «enlight photo», die Herstellerfirma des orbis, weiss um diesen Nachteil und hat kürzlich einen speziellen Befestigungsarm entwickelt, der jedoch für unseren Test noch nicht zur Verfügung stand. Er soll jedoch in den nächsten Wochen lieferbar sein. Der Hersteller gibt auch die Möglichkeit an, den orbis für statische Einsätze auf ein Stativ zu montieren, doch fehlt hierfür die entsprechende Vorrichtung.

Für welche Blitzgeräte?

Konzipiert wurde der orbis für den Canon 580EX II Blitz und den Nikon SB900, doch passen fast alle anderen Externblitzgeräte in den orbis. Folgende Blitzgeräte wurden vom Hersteller getestet und sind in Verbindung mit dem orbis empfohlen:

  • Canon 300TL, 420EX, 430EX, 540EZ, 550EX, 580EX I und II
  • Nikon SB28, SB600, SB800, SB900,
  • Cosmos 360
  • Vivitar 283
  • Olympus FL36R, FL50
  • Sunpak PF30X und 5000
  • Sony F56 und HVL58
  • Minolta 5200
  • Sigma 500
  • Metz 48 und 58
  • Pentax AF540.

Entscheidend dabei ist lediglich die Baugrösse, so dass auch viele ähnliche Blitzgeräte, die hier nicht erwähnt sind, enbenfalls mit dem orbis verwendet werden können.

Der Orbis in der Praxis

Die Handhabung des orbis ist einfach und logisch. Man braucht dazu als weiteres Zubehör nur ein Verbindungskabel von der Kamera zum Blitzgerät. Grundsätzlich funktioniert auch die TTL-Messung, doch haben wir mit einer manuellen Arbeitsweise und der Regulierung der Blitzleistung bessere Erfahrungen gemacht. Zum Test benutzten wir eine Olympus E-620 mit dem Blitzgerät FL-50.

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Porträt und Sachaufnahme mit orbis aufgenommen. Die Sachaufnahme zeigt den Ringblitzeffekt mit dem Konturschatten sehr deutlich.

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Sachaufnahme, oben mit aufgestecktem Externblitzgerät, unten mit orbis Ringblitz. Man beachte die unterschiedliche Licht- und Schattenwirkung .

Unser Fazit

Der orbis ist eine ausgezeichnete Lösung, um jedes externe Blitzgerät in einen praxistauglichen Ringblitz einzusetzen, wobei eine grosse frontale Leuchtfläche resultiert. In der Handhabung ist orbis etwas gewöhnungsbedürftig, weil das Blitzgerät, der orbis und die Kamera keine feste Einheit bilden. Vielleicht schafft hierbei der angekündigte Befestigungsarm Abhilfe. Unsere Testaufnahmen sind durchaus befriedigend ausgefallen. Zieht man den günstigen Anschaffungspreis mit in Betracht und sollte der Befestigungsarm etwas taugen, so ist der orbis ein sehr empfehlenswertes Produkt.

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Auf Youtube.com gibt es ein Video über den orbis bei Praxiseinsätzen

Orbis Ringblitz: Technische Daten
Abmessung
(B x H x T)
220 x 280 x 55 mm
Objektivdurchlass 85 mm
Gewicht 680 g
Reichweite ca 4m
Kompatibilität mit den meisten Blitzgeräten.

Max Reflektorgrösse: 70 mm breit x 40 mm tief

Anwendung wird aufgesteckt mit Blitzgerät in der Hnad gehalten. Befestigungsarm demnächst luieferbar.
Lieferumfang Bedienungsanleitung, Schutzhülle, Schulterriemen
Preis CHF 298.–

Weitere Informationen gibt es auf der orbis-Webseite und auf der Homepage von Light + Byte.

Der orbis wird in der Schweiz vertrieben durch
Light + Byte AG
CH-8048 Zürich
info@lb-ag.ch
Tel. 043 311 20 30
Fax 043 311 20 35

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