Urs Tillmanns, 19. Oktober 2009, 08:48 Uhr

Salon de la Photo in Paris mit deutlich mehr Besuchern

Der diesjährige «Salon de la Photo» in Paris hat schon in den ersten drei Tagen deutlich mehr Besucher angelockt als im Vorjahr – man spricht von 40 Prozent. Die gute Stimmung bei den Besuchern und den Ausstellern ist in erster Linie auf eine spürbar bessere Konsumstimmung und mehr Kauflust zurückzuführen als vor einem Jahr.

Eh ich’s vergesse: Fall Sie noch schnell einen aktuellen Blick des Salons in Paris erhaschen wollen, solange dieser noch bis heute Abend um 18 Uhr geöffnet ist, sollten Sie auf dieses Bild klicken:

livecam360
Sie kommen dann direkt auf die Webseite www.livecam360.com und sehen ein Livebild aus der Ausstellung, das wir der Schweizer Firma Seitz Phototechnik AG, Herstellerin der bekannten «Roundshot» Panoramakameras, zu verdanken haben. Seitz hat eine neuartige digitale Panoramakamera an der Decke der riesigen Ausstellungshalle 4 des «Palais de Versailles» montiert und überträgt laufend die aktuellsten Panoramen aus dem Salon.
Urs Krebs, Verkaufsleiter von Roundshot, war das erste Mal am Salon de la Photo und ist vom Publikumsinteresse für Panoramafotografie überwältigt.

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Der Salon de la Photo mausert sich
Der Salon de la Photo ist zu einer der wichtigsten europäischen Fotomessen geworden. Was als Lokalmesse für den französischen Markt vor vielen Jahren begonnen und mehrmals den Namen gewechselt hatte, ist heute zur wahrscheinlich zweitwichtigsten Messe für Fotografie und Digital Imaging in Europa nach der alle zwei Jahre stattfindenden Photokina geworden. Besonders nachdem letztes Jahr eine jährliche Durchführung beschlossen wurde, ist die Messe nochmals attraktiver geworden. Die Besucherzahlen der ersten drei Tage zeigen, dass der Salon dieses Jahr mit einer Frequenzsteigerung von rund 40 Prozent rechnen darf.
Alle sind sie da, die grossen Marken und präsentieren sich in der riesigen Halle vier des Messezentrums «Palais de Versailles».

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Die grossen Marken Canon, Fujifilm, Kodak, Nikon, Olympus, Pentax und Sony präsentieren auf farbenfrohen Ständen ihre neuesten Produkte. Trauben von Leute scharen sich um die Promotorinnen und wollen sich alles über eine Canon D7, eine Olympus EP-1 oder die neueste D3S von Nikon zeigen lassen. Wichtig sind dabei die Publikumsattraktionen. Vor allem die Vorführungen der neuesten Kameras durch einen erfahrenen Profi, der dem breiten Publikum seine Praxistipps weitergibt, ziehen das Publikum scharenweise an, das mit langen Teles aufkreuzt, um auch aus Reihe zehn doch noch einen einigermassen brauchbaren Ausschnitt des hübschen Vorzeigemodells zu erhaschen. Wichtig auch die vielen Workshops an den Ständen, die neue Bildbearbeitungssoftware zeigen. Hier kann man die besten Tricks zum Nulltarif mitbekommen.

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Besonderheit des Salons: Es gibt eine Verkaufsdorf (Village des la vente), wo die an den Markenständen gezeigten Neuheiten bei den grössten Verkaufspartnern wie FNAC; Camara, Cirque und Phox gleich gekauft werden können. Hier sind die Produkte zehn bis zwanzig Prozent billiger als an den regulären Verkaufspunkten. Das lohnt sich – und die Leute stehen reihenweise an, um ihre Traumkamera, das eben erprobte Zoomobjektiv oder ein anderes begeisterndes Zubehör gleich mit nach Hause nehmen zu können.

amateure

Fotozeitschrift nur für Frauen
Die neue Fotozeitschrift «photofemina» der Verlagsgruppe SPG hat schon vor dem Salon von sich reden gemacht, hat sich doch bisher noch kein Verleger daran gewagt, eine Fotozeitschrift für die feminine Zielgruppe auf den ohnehin schwierigen und konkurrenzbefrachteten Zeitschriftenmarkt – in Frankreich gibt es bereits etwa 15 Fotozeitschriften – zu bringen. «Natürlich ist das eine Herausforderung» sagt Chefredakteurin Marie-Caroline Poux gegenüber Fotointern.

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«Aber in Frankreich fotografieren 40 Prozent aller Frauen – viele davon sogar sehr engagiert, wenn es um Kinder-, Familien- und vor allem Ferienbilder geht. Fotozeitschriften sind für sie a priori nicht interessant, weil sie zu technisch sind. Bei ‚photofemina‘ verfolgen wir ein neues redaktionelles Konzept: Hier steht das Bild im Vordergrund, und Praxistipps wie man es macht. Und auch wenn es um die Technik neuer Kameras geht, gehen wir einen neuen Weg: Wir geben die Kameras unseren Leserinnen zum Testen und lassen sie sagen, was sie an dem Produkt positiv oder eben störend finden. Von Frau zu Frau kommt das viel glaubhafter an.» Auch das Inserategeschäft soll erstaunlich gut laufen, weil einige Kamerafirmen ihre Werbung gerne und vertrauensvoll auf diese bisher kaum umworbene Zielgruppe ausrichten. Die zweite Ausgabe der neuen Monatszeitschrft, welche am Stand ausliegt, erschien mit mutigen 100‘000 Druckexemplaren.

Photo Réponse legt zu
reponse_photoDass der Fachzeitschriftenmarkt alles andere als einfach ist, musste auch die Verlagsgruppe «Montadori France» erfahren. Sie hatte kürzlich die beiden unrentablen Titel «Le photographe» und «Cameravideo» einstellen müssen, was zur Folge hatte, dass die Fotozeitschrift «Réponse photo» mächtig an Leserschaft gewinnt. Sie war schon zuvor die unbestrittene Nummer Zwei in Frankreich (nach dem auflagestärksten «Chasseur d‘Image»), und das Chefredaktorenpaar Jean-Christophe Béchet und Sylvie Hugues freut sich darüber, dass auch die jüngste Ausgabe am Salon gut ankommt.

Stereokamera von Fujifilm lockt Besucher an
Nachdem sie auf allen letzten Fotomessen in Glasvitrinen bewundert werden konnte, ist die Stereokamera von Fujifilm in Frankreich nun ab sofort lieferbar. Sie kostet hier 499 Euro, der Stereo-Bilderrahmen 349 und das Bild vier bis fünf Euro. Allerdings muss man auf letzteres etwa zwei Wochen warten, weil derzeit das weltweite Verarbeitungskonzept noch im Aufbau ist. Zur Zeit werden die 3D-Bilder nur in Japan und England produziert, doch soll schon bald auch einen Maschine in Frankreich installiert sein – dann gehe die Verarbeitung schneller, meint die hübsche Fujifilm-Promotorin.

fujifilm_stereo
Die Leute würden unterschiedlich auf den Stereoeffekt reagieren. «Es gibt Leute, die nehmen ihn schlicht nicht wahr und sehen ein unscharfes Bild, dann gibt es welche, die finden das Papierbild faszinierend, haben jedoch mit dem Bild des elektronischen Rahmens etwas Mühe». Die meisten wären jedoch begeistert von dieser «neuen Art der Fotografie» (die alle andere als neu, aber «gut aufgewärmt» ist). Hört man den Besuchern eine Weile zu, so spürt man diese Begeisterung für den Stereoeffekt wirklich – allerdings auch die Ernüchterung, wenn sie die Preise hören. Für die vier bis fünf Euro kauft sich mancher Franzose lieber ein Camembert-Sandwich als ein Stereobild.

Profibereich zieht deutlich an
Wie sich der Markt im letzten Jahr entwickelt hat, weiss Francis Ballenghein von MMF-Pro als einer der wichtigsten Profilieferanten Frankreichs aus eigener Geschäftserfahrung zu berichten. Der Profimarkt in Frankreich sei vor allem Ende letzten Jahres deutlich eingebrochen – um die 15 Prozent, meint Ballenghein. «Die Leute waren ob der Hiobsbotschaften aus Amerika verunsichert, was sich in einer allgemeinen Kaufzurückhaltung ausdrückte» bergründet er. Inzwischen würde wieder allgemein investiert, die Fotografen hätten wieder mehr und bessere Aufträge und es gehe der Wirtschaft in Frankreich wieder allgemein besser, sagt Ballenghein. Das zeige sich auch hier am Salon mit deutlich mehr Besuchern als vor einen Jahr.

ballenghein
Höhepunkte an seinem Stand ist der neue netzunabhängige Blitzgenerator «Profilux Plus» von Multiblitz, die neuen Hintergrundpapiere von BD aus Amerika und die Slik-Stative, die aus Karbon gefertigt besonders leicht und stabil sind. Stolz ist Ballenghein besonders auf seinen 180-seitigen Katalog, der druckfrisch am Stand aufliegt. «zugegeben, eine teure Verkaufshilfe – aber in Frankreich ist sowas unüblich, und dürfte auch als Nachschlagewerk einen wichtigen Langzeiteffekt haben».

Leaf Aptus 5 kommt
leaf_aptus_5Hingegen konnten wir am Stand von Technophot erfahren (aber leider nicht sehen), dass demnächst der Leaf Aptus 5 als preisgünstiger Digitalrückteil auf den Markt kommen wird. Das neue Back mit 22 Millionen Pixel auf 48 x 36 Millimeter sei mit 7‘980 Euro gerade für jüngere Fotografen noch erschwinglich und deshalb ein sehr wichtiges Produkt in der französischen Profiszene.

Linhof Techno geht in Produktion
Ebenfalls bei Technophot war die «Techno» von Linhof zu sehen, eine verstellbare Fachkamera für alle Digitalbacks und Filmadapter bis zum Format 6×9. Die vordere Standarte der Kamera ist in jeder Richtung verstellbar, so dass beispielsweise für Architekturaufnahmen die stürzenden Linien ausgeglichen oder bei Sachaufnahmen die Schärfeebene nach Scheimpflug geschwenkt werden kann. Zudem hat die Kamera einen dreifachen, hoch präzisen Balgenauszug für extreme Nahaufnahmen oder die Verwendung langer Brennweiten.

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«Es können an der Techno alle Objektive von 23 bis 210 mm verwendet werden, was bei den Mitbewerbermodellen nicht lückenlos möglich ist», sagt Ullrich Weigand von Linhof. Allerdings, ganz so nagelneu ist das Modell auch wieder nicht, war es doch bereits auf der letzten Photokina als Prototyp zu sehen. «Jetzt geht die Kamera voll in Produktion, weil wir schon erfreulich viele Vorbestellungen haben. Vor allem aus China, unser neuer boomender Markt. Aber auch hier am Salon ist das Interesse überaus erfreulich, weil in Frankreich kaum vergleichbare Kameras angeboten werden.»

Sigma SD15 kommt im Frühjahr
Ebenfalls als Erlkönig wurde die Sigma SD15 gezeigt. Zwar noch hinter Plexiglas und mit spärlichsten Informationen, doch dokumentiert der grösste japanische Objektivhersteller, dass er seine Spiegelreflexlinie trotz härterer Konkurrenzsituation weiterführen wird.

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Das Konzept der einzigen Kamera mit dem dreischichtigen Foveon-Sensor und dem staubdicht verschlossenen Spiegelkasten ist auch einmalig, und man darf gespannt sein, mit welchen technischen Spezifikationen das neue Modell zur nächsten PMA (21. bis 23. 02. 2010 in Orlando) aufwarten wird.

Bildkultur wird am Salon gross geschrieben
Der Salon deckt alle Fazetten für Fotointeressierte ab. Nicht nur Technikfreaks im Amateur- und Profibereich kommen voll auf ihre Rechnung sondern auch Besucher, die an vorbildlichen Bildern interessiert sind. Begleitend zu Salon gab es eine ganze Reihe von Ausstellungen berühmter Fotografen und solcher, die noch grosse Chancen haben, dies zu werden. Allen voran ist die Hommage an Willy Ronis zu erwähnen, der im letzten September verstarb und in dieser Ausstellung als einer der bedeutendsten Bildchronisten der letzten 50 Jahre gewürdigt wurde. Ebenfalls beeindruckend waren die Bilder von Ara Güller zum Thema «Lost Istanbul», die seltene Ansichten aus den 50er und 60er Jahre zeigten mit einer ausdrucksvollen Körnigkeit, von der man in der heutigen Pixelzeit nur noch träumen kann. Bewundernswert waren auch die ersten Autochrome-Farbbilder der Bretagne von 1907 bis 1929, die nun noch bis 4. Juli 2010 im «Musée et Jardin Albert Kahn» in Boulogne zu sehen sein werden.

bildkultur
Rekordverdächtiger Salon
Der Salon hat ein überaus besucherreiches Wochenende hinter sich, das die Besucherzahl auf eine rekordverdächtige Höhe treiben wird. Heute, am Montag dauert er noch bis 18 Uhr an, so dass wir die definitiven Besucherzahlen erst in einigen Tagen kommunizieren können. Jedenfalls darf man den Organisatoren der Messe und der unterstützenden Fotoindustrie ein Kränzchen winden: Der Salon de la Photo hat auch dieses Jahr nicht nur in Besucherzahlen, sondern auch an internationaler Bedeutung nochmals kräftig zugelegt.

Weitere Informationen über den Salon de la Photo gibt es hier und hier.

Der nächste Salon de la Photo in Paris findet am 4. bis 8. November 2010 statt.

3 Kommentare zu “Salon de la Photo in Paris mit deutlich mehr Besuchern”

  1. Also ein interessantes Zusammentreffen der ganzen Riesen des Fotogeschäftes, da wäre ich auch gerne gewesen und hätte mich über das eine oder andere Stück informiert, allen voran die neue Sigma mit diesen dreischichtigen Farbsystem – ich hoffe da kommen bald mehr news dazu heraus!

  2. Leider waren keine Last-Minute Flug-Angebote für Paris billig genug für mich, daher war ich nicht dort 🙁 aber nächstes Jahr bin ich sicher dort!

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