David Meili, 29. Dezember 2009, 07:50 Uhr

Kulturtipp am Dienstag: Michael Drobny

Noch vor wenigen Tagen war Michael Drobny selbst bei Insidern der Deutschschweizer Fotoszene ein Unbekannter. Vor etwa zwanzig Jahren hatte er Städtebilder in DU publiziert und danach weder in Galerien ausgestellt noch an Wettbewerben teilgenommen. Drobny findet man auch nicht auf dem Internet. Seine Computer benützt er zum Schachspielen, und mit seiner Kleinbildkamera fotografiert er analog.

IMG_0060Dennoch ist Michael Drobny als Künstler letztlich Fotograf. Seit nahezu dreissig Jahren bewohnt er ein altes Bauernhaus oberhalb von Stäfa am Zürichsee. Dort hat er seine eigene Welt aufgebaut und weiterentwickelt. Sein verwachsener Garten wurde, zumindest für das Projekt, das er uns nun vorlegt, zum zentralen Motiv seines fotografischen Schaffens. Die Installation in der Halle für alle, der Sporthalle der Gemeinde Stäfa wird vom Geheimtipp zum Kulturereignis.

IMG_0062Drobny hat eine eigenwillige Form für die Präsentation gewählt. Die einzelnen Bilder bestehen aus einem Sechserblock von 9×13 Laborprints, die mosaikartig zusammengeführt und sequentiell in einer Kunstinstallation aufgereiht werden. Das lässt sich kaum beschreiben. Man muss es gesehen haben. Das Neonlicht wird miteinbezogen, die Reflexe bilden beim Betrachten der Bilder Effekte wie das Glas einer Vitrine. Die Installation erinnert an Album von Gerhard Richter, oder an die jüngsten Werke von Thomas Hirschhorn.

Doch wie zeigt man 1001 Bilder einem breiteren Publikum? Freunde von Michael Drobny haben mitgeholfen, die Auslegeordnung in der über die Weihnachtsferien leerstehenden Sporthalle zu realisieren. Die Bilder sind auf einem Labyrinth aus Wellkarton-Tischen angeordnet, das in der Mitte zu Musikinstrumenten führt, auf denen Drobny und seine Gäste im Rahmenprogramm spielen.

IMG_0067Die Auslegeordnung hat einen tieferen Sinn und markiert einen Lebensabschnitt von Drobny, der ursprünglich Architektur studierte. Das Bauernhaus unweit des Ausstellungsorts war ein Paradies auf Zeit und wird nach dem Sommer 2010 renoviert. Drobny sucht ohne Verbitterung eine neue Bleibe. Ob er seine unübersehbare Sammlung an Büchern, Schallplatten und allem nur Möglichen mitnehmen wird, mag er selbst nicht wissen. Die Bilanz von dreissig Jahren seines  Künstlerlebens in Stäfa hat er in der Sporthalle zum Abschied ausgebreitet.

Diese Ausstellung wird es nie mehr geben. Es ist undenkbar, sie je in einem Museum oder an einer Kunstmesse zu präsentieren. Es braucht dazu eine Halle, die für Unihockey-Turniere zertifiziert ist, und den Künstler selbst, der durch die Ausstellung führt. Diese Gelegenheit bietet sich bis zum 3. Januar 2010. Anregende Gespräche mit Michael Drobny und Mitbesucher/innen sind garantiert.

Michael Drobny. „eRINERe“, bis 3. Januar 2010, Halle für alle, Rhynerstrasse 62, Stäfa

Die „Halle für alle“ befindet sich auf dem Frohberg oberhalb von Stäfa, unweit des Unternehmens PHONAK. Man erreicht sie über die Strasse nach Oetwil am See, oder über Oetwil am See (Forchautobahn). Alle dreissig Minuten fährt ein Bus ab Bahnhof  Stäfa.

Informationen unter 079 289 16 00.

Beitrag von Marcus May in der Regionalausgabe des Tages-Anzeiger mit Informationen zum Begleitprogramm.

Ein Kommentar zu “Kulturtipp am Dienstag: Michael Drobny”

  1. Grüezi Herr May
    Herzlichen Dank für Ihre Berichterstattung im Tages Anzeige bezüglich der Ausstellung eRinere von Herrn Michael Drobny in unserer Halle für alle. Schade, dass trotz Ihrer umfassenden Berichte nicht mehr Leute diese sehr spezielle Ausstellung besuchen.

    Danke auch für den Link zu unsrer privat geführten Halle für alle. Gestatten Sie mir noch die folgenden Hinweise; nur zu Ihrer Information!
    – Die Halle wurde auf private Initiative gebaut und wird durch die private Stiftung Sport- und Mehrzweckhalle Frohberg Stäfa betrieben. Detaillierte Information finden Sie auf unserer Website.
    – Unsere Halle ist während des ganzen Jahres verfügbar. Wäre Herr Drobny nicht gekommen, hätte ich die Handball-Nati mit einem Trainingsblock zu Besuch gehabt. In den Vorjahren gab es beispielsweise eine Antquitätenmesse oder auch Kleintierausstellungen. Unsere Hauptkunden sind aber der HC GS Stäfa, Handball NLB mit einer vorbildlichen Junioren-Förderung, letzte Saison U17 Schweizermeister und der UHC Lokomotive Stäfa.
    – Unsere Halle für alle ist eine echte Mehrzweckhalle. Die wichtigsten Veranstaltungen sind auf der Website zu finden unter der Navigation „Aktuelles“. Ich möchte jetzt schon auf das Elektro-Buggy-Autorennen (Formel 1 1:1o) am Wochenende vom 6./7. Februar 2010 hinweisen. Dies ist im jeweiligen Jahresablauf immer ein sehr spezieller Leckerbissen.
    – Erreichbarkeit: Achtung der neue Shuttle-Bus (Versuchsbetrieb) fährt grundsätzlich nur am Abend, am Mittwoch ab Mittag, und am onntag nicht. Mit dem VZO-Bus muss wähend der übrigen Zeit weiterhin ab Haltestelle Mies bis zum Frohberg zu Fuss bestritten werden.

    Nochmals herzlichen Dank, ein gutes Neues Jahr und freundliche Grüsse
    Sport- und Mehrzweckhalle Frohberg Stäfa
    Präsident Betriebskommission
    Franz Helfenstein

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