Urs Tillmanns, 24. Februar 2010, 06:59 Uhr

PMA in Anaheim – Endspurt

Dass es am letzten Messetag weniger Besucher hat, ist normal. Aber so wenige …!? Nur die wirklich Verbissenen sind noch da, jene, die den letzten Informationen nachjagen, oder jene, die versuchen die geplatzten Termine doch noch irgendwie hinzubiegen. Zeit, auch die kleineren Stände zu besuchen, solche, die abseits des grossen Besucherstroms stehen.

Zeit für ein erstes Fazit: Es war trotz Anaheim, gekürzten Reisebudgets und wenig sensationellen Neuheiten eine erfolgreiche PMA. Jeder hat seine eigene Erwartungshaltung und setzt sich seine Ziele selbst. Wie auf jeder Fachmesse, musste man sich auch auf der diesjährigen PMA seinen Menüplan selbst zusammenstellen. Das Angebot war reichlich, sei es bei den Vorträgen und Workshops, bei der Suche nach neuen Produkten und Praxislösungen oder auch nur, um persönliche Kontakte zu knüpfen und geschäftliche Beziehungen zu pflegen.

Die Fotoprofis unter unseren Lesern sind bei der Berichterstattung über die PMA 2010 eher etwas zu kurz gekommen. Das ist schnell erklärt: Die PMA ist in allererster Linie eine Händlermesse, und demzufolge waren auch reine Profianbieter hier in Anaheim – wie auch auf früheren PMAs – kaum oder gar nicht vertreten.

Der letzte Rundgang

Dass die Messe am letzten Tag zwei Stunden eher schliesst, kommt meinem Zeitplan nicht wirklich entgegen. In der Regel nehme ich mir am letzten Tag die Zeit für die kleinen und unscheinbaren Stände, die hier aus aller Welt – vor allem auch aus China und Korea – reichlich vertreten sind. Aber dieses Mal ist allzuviel dazwischen gekommen. Und doch gibt es da und dort noch einige Besonderheiten, die nicht unerwähnt bleiben sollten.

Am Tokina-Stand gab es noch einen Erlkönig zu sehen: das 1:2,8/16-28 mm soll im Sommer mit Canon- und für Nikon-Anschluss auf den Markt kommen und Vollformat auszeichnen. Technische Spezifikationen und Preisangaben gibt es noch keine, lediglich die Aussage, dass mehrere Objektive dieser Art geplant wären. Auch nach den von Sigma präsentierten Neuheiten ist zu schliessen, dass mindestens die systemunabhängigen Objektivhersteller wieder vermehrt auf das Vollformat setzen. Der dritte im Bunde ist Tamron, doch scheinen sich dort die Neuheiten noch im Tresor zu befinden. Photokina lässt grüssen …

Wissen Sie was ein «Hydrophobia» ist? So nennt sich der neue Regenschutz von Thinktank für Spiegelreflexkameras mit langen Objektiven, der hier auf der PMA mit einem DIMA-Award ausgezeichnet wurde. Das ingeniöse Stoffteil wird an Kameragehäuse und Objektiv so befestigt, dass die Ausrüstung völlig vom Regen geschützt ist, und trotzdem kann die Kamera über drei Öffnungen problemlos bedient werden. Die qualitativ überzeugende Verarbeitung mit wasserdichten Reissverschlüssen und bester Materialwahl gewährleistet einen stundenlangen völlig trockenen Einsatz der Kamera. Zudem schützt der Hydrophobia auch vor Wind und Kälte. Es gibt verschiedene Ausführung und auch solche, die den aufgesteckten Blitz mit einpacken.

Da wir gerade vom schlechten Wetter sprechen: Delkin hat eine neue Speicherkarte entwickelt, die speziell für den Einsatz unter härtesten Bedingungen konzipiert wurde. Die Delkin «CombatFlash» hat ein gummibeschichtetes Gehäuse, ist wasserfest und widersteht extremen Temperaturen, Feuchtigkeit, Regen, Staub, Pilzbefall und Vibrationen. Die in den USA hergestellten CompactFlash-Speicherkarten werden einem speziellen «Tekta»-Prozess unterzogen, welcher diese Widerstandsfähigkeit gewährleistet. Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt 91MB/s – 625X und die Speicherkapazität bis 32GB.

«Foolography» war auch dieses Jahr wieder auf der PMA und ist mit ihrer Geotagging-Lösung nun beim lieferbaren Produkt – allerdings vorerst nur für Nikon-Kameras. Mittels eines Bluetooth GPS-Empfängers werden die Satelliten-Positionssignale empfangen und über den an der Kamera angesteckten Unleashed direkt in die EXIF-Daten des Bildes geschrieben. Details dazu finden Sie unter http://www.foolography.com

Sunpak hat eine universell verwendbare LED-Ringleuchte vorgestellt, die am Zubehörschuh der Kamera befestigt wird und über einen Schwanenhals vor dem Objektiv fixiert wird. Die insgesamt 12 tageslichtkorrigierten LEDs können mit zwei Helligkeitsstufen geregelt werden und ergeben eine schattenlose Frontbeleuchtung bis zum Massstab 1:1. Da die Befestigung über den Schwanenhals völlig flexibel ist, kann das Sunpak DSLR67 LED Light mit jedem Objektiv bis 67 mm Durchmesser verwendet werden. Mit Strom versorgt werden die Leuchtdioden aus drei AAA-Batterien, die im Zubehörschuh-Gehäuse untergebracht sind.

«PhotoFrames» ist eine neuartige Brille des amerikanischen Zubehöranbieters «Hoodman», die speziell für Fotografen entwickelt wurde. Die beiden Brillenhälften sind mit Scharnieren versehen, damit das Brillenglas für den brillenglaslosen Suchereinblick hochgeklappt werden kann. Für fotografierende Brillenträger sicher ein sehr nützliches Teil, das hoffentlich auch schon bald den Weg nach Europa findet.

Bei den Lensbabys gibt es Nachwuchs: Zur PMA wurden zwei neue Produkte vorgestellt, das Lensbaby Fisheye und die Soft Focus Optik. Beide werden zusammen mit den Lensbaby Composer- oder Muse-Elementen verwendet und ergeben so kreative Bildeffekte.

Mit dem Fisheye-Objektiv wird das Motiv in einem runden Format abgebildet und erfasst einen Bildwinkel von 160 Grad. Das Objektiv besteht aus sechs mehrfachvergüteten Elementen, entspricht einer Brennweite von 12 mm und zeichnet von 2,5 cm bis Unendlich scharf.

Fisheye-Aufnahme © Craig Strong

Das Weichzeichner-Objektiv wird ebenfalls in Verbindung mit den Composer- oder Muse-Elementen verwendet und arbeitet nach dem Imagon-Prinzip mit sechs verschiedenen Siebblenden von Blende 2,0 bis 22, die unterschiedliche Weichzeichnungseffekte ergeben. Die Brennweite entspricht 50 mm.

Soft Focus Aufnahme © David Morel

Für den schnellen Ausdruck unterwegs bringt HiTi Digital Inc. einen portablen Thermotransfer-Drucker für den computerlosen Druck von 10×15 cm grossen Farbbildern. Der 2,2 kg schwere Drucker wird von einem Akku mit Energie versorgt und kann mittels einer separat erhältlichen Transporttasche umgehängt und gleich vor Ort eingesetzt werden. Abgesehen vom Standardformat 10 x 15 cm können auch verschiedene Ausweisbildformate definiert werden. Der Drucker liest alle üblichen Speicherkarten und verfügt zur Bildauswahl über ein LC-Display. Für ein Bild 10 x 15 cm benötigt der Drucker ca 60 Sekunden. Detailinformationen finden Sie hier

Kameras sind zwar heute wasserdicht, aber sie schwimmen nicht und können somit leicht beim Wassersport verloren gehen. Damit dies nicht passiert hat Delkin den «Jellyfish» entwickelt. Dieser besteht aus einer schwimmenden orange-auffälligen Kugel an welcher ein wasserdichtes Etui (für Geld, Schlüssel und Dokumente) und die Kamera an orangeroten Kordeln befestigt werden können.

Noch etwas Nostalgisches zum Schluss: Es gibt sie immer noch, die grossformatigen Balgenkameras aus Holz, mit denen man Planfilme belichtet. Auf der PMA präsent waren die Hersteller Shanghai Seagull Trading und die Shenhao Professional Camera Co. Sie zeigten Fachkameras von 4×5“ bis 20×25 cm, sowie Panoramakameras für das Format 60 x 240 mm. Die Kameras sind alle in Handarbeit aus feinsten Hölzern gefertigt und können mit einem breiten Zubehörsortiment vielseitig ausgebaut werden. Details dazu gibt es hier

Trends und Gedanken nach der PMA

Auch wenn die Neuheiten eher dünn gesät waren (Begründung, siehe erster Messebericht) so bestätigten sich auf der diesjährigen PMA doch einige Trends:

• Die spiegellosen Systemkameras sind ganz klar im Kommen und bestätigen, dass Panasonic, Olympus und Samsung aufs richtige Pferd gesetzt haben. Das ist eine logische Entwicklung, denn der Spiegelkasten einer Spiegelreflexkamera ist eine der aufwändigsten mechanischen Baugruppen, der durch einen elektronischen Sucher ohne praktische Nachteile subsituiert werden kann. Das von Sony gezeigte Mockup war so gesehen keine Überraschung, sondern vielmehr ein Bestätigung dieser Entwicklung, die nun auch von den «Grossen» getragen wird. Sony wird nicht lange alleine bleiben, denn schon wird gemunkelt, dass auch Canon, Nikon und Sigma an ähnlichen Lösungen arbeiten. Sind die Tage – oder besser: die Jahre – der Spiegelreflexkamera bereits gezählt …?

• Der Preiszerfall bei den Kompaktkameras und die zum Teil dürftige Bildqualität vieler Billigkameras wird mittelfristig zu einer neuen, gehobeneren Kameraklasse führen, die höheren Qualitätsansprüchen gerecht werden muss. Es kommt nicht von Ungefähr, dass Sony – um beim jüngsten Beispiel zu bleiben – in der angekündigten spiegellosen Konzeptkamera einen APS-grossen Sensor einsetzen wird und sich damit eine mit Spiegelreflexkameras vergleichbare Bildqualität auf die Fahne geschrieben hat. Der Markt braucht grössere Sensoren und eine bessere Bilder, damit sich die Fotografie qualitativ noch (oder wieder) von der Bildaufzeichnung der Mobiltelefone abhebt.

• Im Finishing-Bereich ist die völlige Umstellung auf die digitale Technologie schon längst vollzogen. Die verschiedenen Druckmethoden haben sich etabliert und wurden in den letzten Jahren immer perfekter. Der Vergleich zum analogen Fotoprint erübrigt sich, beziehungsweise er ist gar nicht mehr möglich, weil heute praktisch ausnahmslos digital ausgedruckt wird und die Qualität kein Thema mehr ist. Die Frage der Wirtschaftlichkeit steht neben dem fortschreitenden Preiszerfall im Vordergrund und die Angebotsbreite, denn noch nie hat es in der Fotografie eine auch nur annähernd vergleichbare Vielfalt von Druckmedien, Oberflächen und Produkten gegeben. Das hat sich auch auf dieser PMA bestätigt, denn es standen nicht mehr neue und verschiedenartige Printer im Vordergrund, sondern verbesserte und profitablere Finishing-Lösungen und fantasievollere Endprodukte.

• Der Fotografie kommt als Bildkommunikationsmedium eine immer wichtigere Bedeutung zu, nicht zuletzt als Folge der Popularität von sozialen Netzwerken und der globalen Vernetzung. Das zeigt sich auch bei den jüngsten Kameramodellen, von denen viele als netzwerkfähig angepriesen werden, auch wenn in Tat und Wahrheit der Umweg über einen Computer noch unumgänglich ist. Aber es wird eine Frage der Zeit sein, bis auch Kameras dauernd ins globale Netz eingebunden sein werden.

Die PMA ist vorüber, und schon stehen wieder drei wichtige Messetermine an:
• Vom 2. Bis 6. März 2010 die CeBIT in Hannover, wobei dort nach CES und PMA wohl kaum wichtige Fotoneuheiten zu erwarten sind.
• Dann vom 11. bis 14. März 2010 findet im japanischen Yokohama die «CP+ Camera & Photo Imaging Show» statt, die als neue Messe aus dem gesamten asiatischen Raum Besucher anlocken wird.
• Und schliesslich muss man sich die Daten 21. bis 26. September 2010 merken, weil uns dann die photokina nach Köln ruft. Bleibt die Spannung, was wir dort alles entdecken werden, was jetzt in Anaheim noch nicht zu sehen war …

Urs Tillmanns

4 Kommentare zu “PMA in Anaheim – Endspurt”

  1. Lieber Urs
    Weshalb nicht Dir auch öffentlich ein Kompliment unterbreiten? Dein Redaktionsteam hat Dich über den Atlantik und über einen Kontinent stets etwas kritisiert und auf Trab gehalten.
    Dass unsere Kritik gut gemeint war, zeigt Dein abschliessender Beitrag. Du hast Deine jahrzehntelange Erfahrung kompetent eingebracht.
    Wünsche Dir einen guten Rückflug, Happy Landing in Kloten und freue mich auf die Zusammenarbeit in den kommenden Tagen und Wochen.
    David Meili

  2. sind ja viele nette sachen, welche man nicht überall nachlesen kann..dieser regenmantel für die cam oder auch die lensbabies..
    zu den siegern gehört meiner meinung nach aber dennoch sigma mit ihren neuen objektiven…

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