Urs Tillmanns, 29. März 2010, 07:34 Uhr

Weisse PEN auf schwarzer Kohle

Vergangene Woche lud Olympus rund 30 Journalisten zu einem Praxistest der neuen PEN E-PL1 in die «Zeche Zollverein» im norddeutschen Ruhrgebiet ein. Es sollte erprobt werden, wie die kleine Kamera auch kritische Lichtsituationen meistert, und welche Spontanreaktionen sich daraus ergeben.

Eine Kamera wie die neue PEN E-PL1 von Olympus lädt zum unbekümmerten fotografieren ein. So geschehen letzten Donnerstag, 25. März 2010 auf dem Areal der Zeche Zollverein bei Essen (D). Bei gutem Wetter konnten sich rund dreissig Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Praxistauglichkeit der kleinen Systemkamera überzeugen. Fleissig wurden in dem 1993 gänzlich stillgelegten Bergwerk fotogene Motiven eingefangen. Und manchmal schien es, als ob der kompetente Gruppenführer der Zeche Zollverein seine Besucherinnen und Besucher richtiggehend von den zahlreich vorhandenen Details abbringen und wieder auf den vorgesehenen Besichtigungspfad zurück bringen müsse.

Es wurde fotografiert bis die SD-Karten voll waren – auch bei knappem Licht

Als 1959 die erste PEN das Licht der Welt erblickte (resp. einfing), war die Zeche Zollverein schon längst in Betrieb. Im ersten Betriebsjahr (1851) förderten rund 260 Bergleute 13’000 Tonnen Kohle. Vierzig Jahre später hatte sich die Anzahl Mitarbeiter verzehnfacht, und die Fördermenge war mit einer Million Tonnen auf das 75-fache angestiegen, was diesen Ort zur einst grössten Zeche der Welt entwickeln liess. Heute gehört die Anlage im Ruhrgebiet zum UNESCO Weltkulturerbe und man ist hier sichtlich stolz auf die wohl besterhaltenste Steinkohle-Förderanlage dieser Grösse.

Aber zurück zur Olympus E-PL1: Selbst aus dem dunklen Inneren der Industrieanlage bringt die Kamera saubere Fotos nach Hause. Praktisch erweisen sich dabei die ART-Filter, welche den Fotos nochmals einen ganz besonderen Reiz geben. So wirken Fotos im Sepiaton oder im harten «Grainy Film»-Look extrem authentisch und der Betrachter fühlt sich in die florierende Zeit der Steinkohle-Förderung zurückversetzt. Ebenfalls Freude liess der «Diorama»-Filter aufkommen. In dieser Einstellung abgelichtete Architektur-Motive wirken wie aus einer Modelleisenbahn entnommen.

Spezialeffekt inklusive: Das Hauptgebäude der Zeche Zollverein fotografiert mit «Diorama»-Filter

Besonders vom kompakten Design der E-PL1 angetan waren die Vertreterinnen und Vertreter der Reise- und Lifestyle-Presse. «Die kleine PEN ist eine angenehme Alternative zur schweren DSLR-Ausrüstung und wird deshalb bei Reisenden bestimmt grossen Anklang finden», so der allgemeine Tenor. Von Seiten der Fotofachpresse wurde nebst der allgemeinen Performance auch das High-ISO-Verhalten der Kamera genaustens unter die Lupe genommen. Im Vergleich zu den populären Bridgekameras ähnlichen Bauvolumens schneidet die PEN auch in diesem Bereich sehr gut ab (siehe Bilder). Sie bietet einen ISO-Range von 100 bis 3’200 ISO. Oft kann dank dem im Kameragehäuse integrierten Bildstabilisator aber auch aus der Hand fotografiert werden, ohne die hohe Lichtempfindlichkeit des Four Thirds-Sensors voll auszureizen. Je nach Ruhe des Anwenders gleicht der Image Stabilizer (IS) bis 3 LW-Stufen aus und trägt so wesendlich zu scharfen Bildern bei – selbst dann, wenn mit adaptierten Fremdobjektiven gearbeitet wird. Vermutlich ist es diesen Umständen zu verdanken, dass in der Zeche so gut wie nie geblitzt wurde, obwohl die E-PL1 über einen aufklappbaren Blitz verfügt. Selbiger ist auch in der Lage, die beiden Blitzgeräte der Olympus R-Serie (FL-36R und FL-50R) kabellos auszulösen.

Wenig Licht fällt durch das matte Fenster: Aufnahme aus der Hand mit 1/13s, Blende 5,6 und 400 ISO

Der Vergleich: die Ausschnitte aus einer Totalansicht in der Grösse 142 x 108 cm bei 72 dpi (4032 x 3024 Pixel)

Die Zeche Zollverein schrieb mit ihrer gradlinigen, schnörkellosen Architektur im Stil der Neuen Sachlichkeit auch optisch Geschichte. Die kubischen Backsteingebäude entsprechen von aussen betrachtet vielleicht nicht ganz der typischen Vorstellung eines Industriewerkes aus dem 19. Jahrhundert, wäre da nicht der 55 Meter hohe Doppelbock inmitten der Förderanlage. Der 106 Meter hohe Kamin des Kesselhauses musste 1979 abgerissen werden. Wie es sich für eine solche Anlage gehört, können aber auch heute noch die ziemlich unverhohlen in den Himmel ragenden Kamine der Kokerei bestaunt werden. Diese sind etwas weniger hoch als der verschwundene Kesselhauskamin, lassen aber ebenso erahnen, was hier einst in die Umgebung gepustet wurde.

Apropos Staub-Partikel: auch wenn die E-PL1 als Einsteigermodell nicht ganz so perfekt gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet ist wie die schier unkaputtbare E-3 aus demselben Hause, hatte keiner der Fotografen Probleme mit Staub auf dem Sensor. Der aktive Antistaub-Filter (SSWF) arbeitet effektiv und zuverlässig, was gerade an Locations wie der Steinkohle-Zeche sehr beruhigend ist.

Bildeffekt ganz ohne Photoshop und Co: Auf dem Dach der Kokerei

Einen kleinen Nachteil zeigt die E-PL1 im Vergleich mit den grösseren Schwestern (E-P1 und E-P2) für Filmer: die Einsteiger-Kamera verfügt lediglich über ein Mono-Mikrofon. Wer zum guten Bild (HD 720) trotzdem einen überragenden Ton möchte, kann dies mithilfe des optionalen Adapters SEMA-1 und einem externen Mikrofon bewerkstelligen.

Nach einem Nachmittag unterwegs mit der PEN E-PL1 ist klar: Fotografieren mit der PEN ist unkompliziert und macht dabei sehr viel Freude. Die Haptik und die Bildqualität der kleinen Systemkamera überzeugen, vor allem, wenn man die Leistung in Relation zum empfohlenen Verkaufspreis (CHF 899.- inkl. Objektiv M.Zuiko L 1:3,5-5,6/14-42mm ED) betrachtet. Olympus will in den nächsten Wochen das System mit einem 9-18mm (entspr. 18-36mm bei KB) Weitwinkelzoom ergänzen und ab Juni wird ein kompaktes 10,7-fach (entspr. 28-300mm bei KB) Reisezoom im Markt erhältlich sein.

Die Olympus E-PL1 wie sie den Praxis-Testern zur Verfügung stand: Kamera mit 14-42mm L-Objektiv

Weiterführende Infos zur Zeche Zollverein und zur Olympus E-PL1

2 Kommentare zu “Weisse PEN auf schwarzer Kohle”

  1. Guten Tag
    Ich lese nichts über die neuartige Tiefenschärfenwahl auf dem Display sowie über Farbkorrekturen, die auf dem Display direkt sichtbar werden sollten. Nichts lese ich auch über praktische Erfahrungen als „Filmkamera“. Hier fehlen im Bericht zwei wichtige Punkte.

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