David Meili, 26. Juni 2010, 08:10 Uhr

Portfolio der Woche: Jules Spinatsch

Erstmals in Zürich zeigt Jules Spinatsch in der Galerie Walter Keller eine Komposition von 36 Bildern aus der Serie von 17’352 Bildern des Wiener Opernballs. Das Werk liegt als Portfolio auch in einer elegant gestalteten weissen Schachtel vor. Doch es ist nur eine der Möglichkeiten, das Langzeitprojekt in ein Medium umzusetzen.
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Seit 2003 arbeitet Spinatsch mit Überwachungskameras, und macht damit Bildserien. Der Opernball in Wien von 2009 ist der bisherige Höhepunkt. Die beiden Kameras wurden über der Tanzfläche der Staatsoper installiert und durch einem von Reto Diethelm entwickelte Software gesteuert. Was macht man mit der Bilderflut, und weshalb braucht man die Fotografie, wenn ein Event auch live durch das Fernsehen übertragen wird?

Da setzt Spinatsch an. Die durch das Zufallsprinzip gesteuerten Einzelbilder folgen nicht der Regie des Fernsehens. Durch HDTV könnte ab diesem Jahr jeder Zuschauer sein eigenes Portfolio vom Operball zusammenstellen und auf Mausklick in hoher Qualität ausdrucken. Doch es sind durch die Regie bestimmte Bilder, und sie zeigen nicht die reale Situation. Spinatsch gelingen Momentaufnahmen aus dem prallen Leben. Leere Gläser, Menschen, die auf irgend etwas warten, neben jenen, die sich in Szene setzen.

In der Galerie-Version zeigt Spinatsch ein „Wallpaper“ als Komposition von 36 ausgewählten Bildern. Man könnte sich dies im Direktionszimmer einer Versicherung vorstellen, als Teaser für eine schwierige Verhandlung. Typisch für Spinatsch; man kann seine Projekte auch als pdf herunterladen und selbst etwas damit basteln. Ebenfalls sympathisch; man hatte an der Vernissage ganz einfach vergessen, sich seine Bücher zu beschaffen und aufzulegen.

Die Vernissage bei Walter Keller dünnte sich wegen dem gleichzeitigen Fussballspiel aus. Doch wer kam, kam nicht, um sich sehen lassen. Man ging an die Oberdorfstrasse 2, um Jules Spinatsch und interessanten Menschen zu begegnen. Unter den Partygästen (Mineral aus Pet-Flaschen) waren Jörg Bader (Centre de la Photographie, Genève) und Romano Zerbini. Das Konzept kommt an, und wir freuen uns auf weitere Events.

Link zum Portfolio von Jules Spinatsch
(Download als pdf. Das Portfolio kann nur von der Site direkt heruntergeladen werden.)
Der Verlag kodoji in Baden publiziert Werke von Jules Spinatsch. Man soll sich direkt an den Verlag wenden, wenn man das Buch haben möchte. der Verleger bringt es dann zur Post.

Tipp: Walter Keller hat in der Mitte der Galerie einen Büchertisch mit Fotobüchern aufgebaut. Es ist eine Art Neuantiquariat, auserlesen, mit sehr gutem Geschmack und zu guten Preisen, die sich auch ein(e) Kunst-Student/in leisten kann. Für Keller ist es kein Zusatzgeschäft, doch eine Chance, um an Fotografie interessierten Leuten in Kontakt zu kommen.

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