David Meili, 2. Januar 2011, 09:44 Uhr

Micheline Camly-Rey abgestraft, Claudio Abbado, und wenig Glamour in der People Szene

Pressespiegel zum Neujahrswochenende vom 1./2. Januar 2011
Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hat sich aus unerfindlichen Gründen zum Start in ihr Präsdialjahr mit den wenigen verbliebenen Pressefotografen und deren Agenturen angelegt. Für ihre voraufgezeichnete Neujahrsansprache akkreditierten sich unsere Kolleg/innen gutgläubig beim Schweizer Fernsehen und nicht beim Departement. (Bildnachweis. swissinfo.ch, vermutlich offizielles Bild des EDA)

Was folgte, ist bekannt. Da nicht beim EDA angemeldet, wurde die Handvoll Fotograf/innen der Bundeshauspresse zur Aufzeichnung der Neujahrsansprache nicht zugelassen. Die kleinkarierte Racheaktion der Entourage der Bundespräsidentin kam überraschend und hatte Folgen. Mangels Bilder präsentierte Tages-Anzeiger/Newsnetz wohl aus Protest eine nichtssagende Infografik und später ein nicht sehr vorteilhaftes Bild unseres Politstars. Dabei müsste das EDA dankbar sein, dass es nach dem Zusammenschluss der Agenturen und dem Stellenabbau bei den Printmedien überhaupt noch Fotograf/innen im Bundeshaus gibt. (Bildnachweis: Tages-Anzeiger/Newsnetz)

Ob die Wahl einer Postkarte der Genfer Künstlerin Silvie Fleury als Gruss zum neuen Jahr der Bundespräsidentin ein grosser Wurf ist oder den Zeitgeist nicht so richtig getroffen hat, bleibt offen. Immerhin ist Silvie Fleury eine der bedeutendsten Künstlerinnen der mittleren Generation in der Schweizer Kulturszene, und weit interessanter als ihre Konkurrenz aus der Ostschweiz.

Kaum jemand hat bis anhin das Gruppenbild unserer Landesregierung gerühmt. Die Verantwortung schiebt man hin- und her. Die Fotografin Monika Flückiger (Keystone) trifft zweifellos keine Schuld. Das Bild entspricht offensichtlich dem Durchschnittsgeschmack der Bundesrätinnen und Bundesräte. Allein Der Sonntag kann dem Hochformat positive Züge abgewinnen. Unklar bleibt, ob das Elaborat mit Rücksicht auf ein jeweils kniefreies und kniebedeckendes Kleid nicht digital gestreckt wurde.

Umso mehr lästert man über Stil und Mode. Die neue Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf tritt in Netzstrümpfen auf. Didier Burkhalter und Corina Casanova blicken verträumt ins Leere oder auf ein unbekanntes Ziel. Nur die beiden Damen in der Mitte lächeln der Fotografin Monika Flückiger oder ihrme Assistenten freundlich zu. Unter den mehr als 180 Mitarbeiter/innen der Bundeskanzlei dürfte sich vielleicht für nächstes Jahr doch ein Style- oder Visual-Coach finden lassen.

Im Interview mit Walter Kielholz greift Patrik Müller für Der Sonntag das von Michelin Calmy-Rey umschriebene Bild einer Schweiz als Insel auf. Kielholz geht noch weiter: „Irgendwann zieht die Schweiz auf einen anderen Planeten“. Mathias Marx hat Kielholz porträtiert, gut schweizerisch und sinnbildlich auf einem Zebrastreifen am Mythenquai. Siggi Bucher hat auf der Dachterrasse der Swiss in Kloten Swiss CEO Harry Hohmeister im Bild erfasst. Die Weitwinkelaufnahme hat ihn gestreckt, und freigestellt wirkt er wie ein Pappkamerad. (Bildnachweis: Mathias Marx)

DAS MAGAZIN beschliesst seine Serie mit Aufnahmen von Walter Pfeiffer. Pfeiffer stelle der Redaktion sozusagen sein persönliches Fotoalbum zur Verfügung und stellte es in Bezüge zu seinem Schaffen. Die Serie hat unsere Erwartungen übertroffen. Nicht selten war es das beste Bild einer Ausgabe. Walter Pfeiffer wird der Redaktion weiterhin zur Verfügung stehen, möglicherweise auch für die Style-Beilage, die auf Frühjahr 2010 angekündigt ist.

Wenig geglückt in DAS MAGAZIN ist eine doppelseitiger Schnappschuss  von Claudio Abbado (Fred Toulet für Lucerne Festival). Er wird dem bekannten Porträt von Gustav Mahler von 1907 gegenübergestellt (Moritz Nähr). Sonst wirkt das Heft eher dünn und uninspiriert. Online ist es (10.30 Uhr) noch nicht verfügbar.

Im SonntagsBlick Magazin lernen  wir Florian Forschmayer als Fotograf kennen (er fotografiert mit Nikon). Bilder finden wir im Beitrag keine, doch dann auf seiner persönlichen Website. Weiter wird das Buch „Where Children Sleep“ von James Mollison über Seiten hinweg rezensiert. Die Auswahl für das SonntagsBlick Magazin ist eine Anhäufung von Klischees, von rumänischen Wanderarbeitern in Italien bis zu orthodoxen Juden in der Westbank. (Bildnachweis: Florian Froschmayer, vermutlich auch als Fototapete im Handel)

Helmut-Maria Glogger war beim früheren Fernsehmoderator Heinrich Müller am Greifensee zu Gast (Aufnahmen Stefano Schröter und Sabine Wunderlin). Im SonntagsBlick lernen wir die „erfolgreiche argentinische Schriftstellerin“ Silvia Arias als zukünftige Gattin von Marc Surer kennen. Leider ist keines ihrer Werke in Übersetzung verfügbar.  Die werbemässig erfolgreichere Christina dürfte den Beitrag über das neue Glück ihres früheren Gatten mit Gelassenheit lesen, wenn überhaupt. (Aufnahme zVg)

In Sachen People gibt es an diesem Wochenende wenig zu entdecken. Die meisten Prominenten feiern den Jahreswechsel mit Familie und Freunden oder sind bereits weitergereist. Ein Beitrag in der SonntagsZeitung (Pascal Tischauser, Bilder von Esther Michel) bestätigt diese Tendenz. So entstehen die interessanten Bilder zumeist in privaten Bereichen und gelangen in den kommenden Tagen kontrolliert und gezielt in die People-Presse. Professionelle Fotograf/innen sind in diesen Kreisen durchaus gefragt und werden auch gut honoriert.

Der Sonntag war mit Marcel Kuchta am Spengler-Cup in Davos, doch wirkliche Promis, wie der deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg werden nur im Text erwähnt. Im Bild finden sich lediglich alt- und B-Promis (Pius Koller für Keystone).

Flavia Schlittler war für den SonntagsBlick mit Alexandra Pauli (Bild) am Silvester-Apero von Jürg und Raquel Marquard in der Turm-Suite des Palace in St. Moritz. Gäste waren Nachbarn, die den Jahreswechsel noch in in den Bergen verbrachten. So glamourös war der Abend offensichtlich nicht, und der Beitrag endet mit einem Quote von Raquel Marquard:“ Es war der entspannendste Slivester-Apéro, den wir je hatten.“

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