David Meili, 16. Januar 2011, 09:28 Uhr

„Wir sind hier nicht in Ungarn“, Menschenrechte, Wirbel um Schamhaare

Pressespiegel zum Wochenende vom 15./16. August 2011
Stephanie Glaser
füllt das Januarloch in den Sonntagszeitungen. Der SonntagsBlick schenkt seinen Leser/innen sechs Sonderseiten. Selbst die NZZ am Sonntag wirbt auf der Frontpage für den Nachruf. Nun haben ALLE Stephanie gekannt. Die zierliche alte Dame, die jedem Fotografen ein Lächeln schenkte, wirkte in den vergangenen Jahren oft auch einsam. Diese Bilder zeigt die Presse nicht. (Bildnachweis: Pressedienst SBV)

Die Seiten 2 und 3 im SonntagsBlick sollen Mediengeschichte schreiben. Marcel Odermatt und Reza Rafi haben das Privileg, die Strategie von „Superdirektor“ Ruedi Matter für SRF zu präsentieren (Anbiedernd bezeichnet die Ringier-Presse von nun an Matter konsequent als „Ruedi“.) Kilian Kessler hat den Titan der Titanen als Boss ins Bild gesetzt.

Für die Hauptbotschaft (Lüthi und Blanc, recalled) klebte man einen Flachbildschirm ins Layout.  Bespiegelt sich Matter? Das Bild im Print ist nicht ohne Ironie. Inhaltlich gibt es nichts Neues vom Leutschenbach. Immerhin bekennt Matter „Ich bin Wechselwähler.“ In der Baseline erinnert SonntagsBlick an Heidi Abel (verstorben 1968). (Bildnachweis: Kilian Kessler, ohne Layout-Montage, diese nur im Print)

Dann findet man im SonntagsBlick doch einen lesenswerten Text. Yves Kugelmann, Chefredaktor der jüdischen Wochenzeitung Tachles, demontiert Lorenzo Rudolf mit seiner peinlichen Show in Singapur. Die Fotomontagen des schwangeren Adolf Hitler und Anne Frank mit iPad gingen um die Welt. Bad Taste, bleibt die Bilanz, der auch wir uns anschliessen. Kugelmann argumentiert differziert, gebildet, – vielleicht das beste Rezept gegen „Kuratoren“ wie Rudolf. (Bildnachweis: Singapur Art Stage)

In Der Sonntag verwahrt sich Rudolf Matter gegen den Einfluss der Politik auf die SRG: „Wir sind hier nicht in Ungarn.“ Das haben sich seine Wahlhelfer vielleicht anders vorgestellt. Der Beitrag von Sandro Broz über die zukünftige Strategie der SRG und der Kommentar von Patrik Müller über „Faire Spielregeln auch im Netz“ greifen tiefer als das schwammige Interview bei der Konkurrenz. Für unabhängigen Medien ist die absehbare Internet-Offensive der SRG eine reale Gefahr, und für die Pressefotografie gleichermassen, sofern man noch Fotografien braucht.

Der Neujahrsauftritt unserer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey ist medienpolitisch ein Fanal. Aus einem banalen Grund wurden die nur noch wenigen Pressefotografen von der Aufzeichnung im Bundeshaus ausgeschlossen. Allein die SRG konnte dank hochauflösenden Kamerabildern die Presse beliefern. Diese Verhältnisse kennt man zur Zeit in Ungarn.

Lars Müller hat viele Preise verdient, doch, dass sein mit Herzblut erarbeitetes Buch über Das Bild der Menschenrechte im Hintergrund der Neujahrsansprache der Bundespräsidentin steht, ist eine Laudatio wert.  Ob Frau Calmy-Rey es durchgeschaut hat, bleibt offen. Immerhin ist es nicht, wie die meisten Geschenkbücher für Magistraten, nach dem Neujahrsputz im Antiquariat Hegnauer gelandet.

Der Sonntag bietet uns Seltsames aus der People Presse. Gemäss Sacha Ercolani hat Sarah Salleh ihren Bachelor geschafft. Ihr Onkel lebt in Tafers/FR. Die Prinzessin war vor zwei Jahren das letzte Mal dort. Bilder vor Ort finden wir nicht. Das über Google rasch auffindbare Bild ihrer Trauung in Brunei wurde mit dem gleichermassen online verfügbaren Konterfei ihres Gatten zusammengepastet.

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Oliviero Toscani wollte es nochmals wissen. Es bleibt rätselhaft, weshalb seine zwölf Monatsbilder über Schamhaare derart Aufsehen erregen. Der ehemalige Finsler-Schüler, geschätzter und liebenswerter Gesprächspartner in der Schweizer Fotoszene war offensichtlich überrascht vom Medienecho auf 12 Bilder des magischen Dreiecks. Über Pupic Hair und Brazilian Cut  kann man mehrere 100 000 Bilder vom Internet beziehen. In Südeuropa und auf der südlichen  Hemisphäre ist die Intimpflege völlig normal.



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4 Kommentare zu “„Wir sind hier nicht in Ungarn“, Menschenrechte, Wirbel um Schamhaare”

  1. Einmal mehr ein dickes Kompliment zur differenzierten Presseschau!
    A propos Stephanie Glaser: Die Peinlichkeit des Sonntags steht auf der Front des Web-Tagesanzeigers. „Die Lausbübin“ ist begrifflich so ziemlich das allerletzte, was man dieser begnadeten Komödiantin antun kann.

  2. Danke Henri
    Ich habe sie vor 2 (Jahren), bei der Kampagne für den Bauernverband persönlich erlebt. Sie ist war, wie die meisten Schauspieler/innen, die ich erleben durfte, ein nachdenklicher, ernsthafter Mensch. So bleibt sie mir in Erinnerung.

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