David Meili, 1. März 2011, 11:00 Uhr

Kulturtipp am Dienstag: Fotografierte Skulpturen

Der Titel der neuen Ausstellung im Kunsthaus Zürich klingt hölzern: Die Fotografie der Skulptur 1839 bis heute. Es ist auch keine Eigenleistung des Museums, und die beauftragte Agentur hat korrekte, doch nicht sehr kulturnahe Übersetzungen geliefert. Die Ausstellung mit ihren Originalen ist überzeugend sehenswert.

Der Ansatz ist kunstwissenschaftlich bekannt. Die Fotografie erschloss als Medium seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nur als Einzelwerke oder allenfalls in kleinen Serien entstandenen Skulpturen einem breiteren Publikum. Mit der Porträt- und Architekturfotografie dürfte die fotografische Reproduktion von Skulpturen einer der bedeutendsten Anwendungsbereiche in der Frühzeit unseres Mediums gewesen sein.

Nicht überraschend, dass die Fotografie gestaltende Künstler beeinflusste und ihnen Vorgaben für ihr Schaffen lieferte. Die von Roxana Marcoci vom Museum of Modern Art kuratierte Ausstellung zeigt in zehn Abschnitten diese Interaktion bis zur Gegenwart überzeugend auf. Was letztlich überzeugt, ist die Frühzeit der Fotografie, dann wird der visuelle Dialog beliebig und ufert in Tendenzen des aktuellen amerikanischen Kunstmarkts aus. Das Kunsthaus Zürich hätte aus dem eigenen Fundus das Thema weit mehr ausbauen können.

Wenn man sich für Fotogeschichte und Skulptur interessiert, geht man an dieser Ausstellung nicht vorbei. Es gibt Führungen, doch die Chance von Konferenzen und der Verbindung zur kunstwissenschaftlichen Forschung vor Ort hat man nicht wahrgenommen.

Die Fotografie in der Skulptur von 1893 bis heute
Kunsthaus Zürich, bis 15. Mai 2011
(Bildnachweis: PD Kunsthaus Zürich, weitere Aufnahmen auf der oben zitierten Website)

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