Markus Zitt, 19. Januar 2012, 09:00 Uhr

Kodak ist zahlungsunfähig

(Update) Nach langem Hin-und-Her ist es nun soweit. Der gelbe Riese hat in den USA seine Insolvenz eingestanden und Gläubigerschutz nach Chapter 11 angemeldet.

Noch während der letzte Woche statt gefundenen PMA@CES-Messe war von Mitarbeitern verhaltener Optimismus kommuniziert worden, wonach die Reorganisation des schon seit vielen Jahren schwächelnden Fotounternehmens Früchte tragen können und das Unternehmen weiter bestehen könne.

Nachdem Kodak USA nun beim Bundesinsolvenzgericht Gläubigerschutz beantragt hat, können die Gläubiger vorderhand ihre Forderungen nicht durch Zwangsvollstreckungen begleichen lassen. Unter der Kontrolle des Gerichts soll eine Reorganisation des Unternehmens seiner Geldmittel und Verbindlichkeiten erfolgen, um das Unternehmen zu retten.

 

Update 20.01.2012: Offizielle Pressemitteilung von Kodak Deutschland:

Normale Geschäftstätigkeit der weltweiten Kodak Tochtergesellschaften trotz der freiwilligen Anmeldung von Chapter 11 in den USA

Tochtergesellschaften ausserhalb der USA sind von dem US-Verfahren nicht betroffen und nicht Gegenstand der gerichtlichen Aufsicht.

Die Warenlieferungen und die Dienstleistungen an die Kunden laufen weltweit normal weiter.

Das Unternehmen hat sich $ 950 Millionen an Massedarlehen-Finanzierung in den USA gesichert.

Kodak durchläuft eine Reorganisation, um seinen Fortbestand als profitables und nachhaltiges Unternehmen sicherzustellen.

19. Januar 2012 – Nach der heutigen Ankündigung, dass die Eastman Kodak Company und seine US-Tochtergesellschaften eine freiwillige Reorganisation der Geschäftstätigkeit gemäß Chapter 11 begonnen haben, wies Kodak darauf hin, dass seine Tochtergesellschaften außerhalb der USA von dem Verfahren nicht betroffen sind und ihre Geschäftstätigkeit normal weiterläuft. Daher werden bei dieser internationalen Geschäftstätigkeit alle bestehenden und zukünftigen Verpflichtungen gegenüber Kunden und Lieferanten weiterhin erfüllt.

«Unser Europa-Geschäft ist von der freiwillig getroffenen Entscheidung, Chapter 11 anzumelden, nicht betroffen, sondern dieser Restrukturierungsprozess bezieht sich auf das Mutterunternehmen Eastman Kodak Company in USA.» so Philip Cullimore, Managing Director Europe. «In Europa haben wir unser Geschäfte mit Business-to-Business Druckanwendungen signifikant steigern können. Diese Bereiche sind in Europa erfolgreich und wachsen schnell.»

Die Neuorganisation der Geschäftstätigkeit soll die Liquidität in den USA und im Ausland stärken, es soll ausserdem nicht-strategisches geistiges Eigentum verkauft werden und bestehende Verpflichtungen sollen angemessen reduziert werden, damit sich das Unternehmen auf seine wichtigsten Sparten konzentrieren kann. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren wegweisende Investitionen in Digitaltechnologien sowie Materialbeschichtungstechnologien getätigt, die ca. 75 % seiner Einnahmen aus den digitalen Geschäftsbereichen im Jahr 2011 generiert haben.

«Kodak macht einen wichtigen Schritt, um es unserem Unternehmen zu ermöglichen, seine Reorganisation abzuschliessen», sagte Antonio M. Pérez, CEO und Chairman. «In der Zeit, als wir unsere Digitalsparte aufbauten, sind wir auch endgültig aus bestimmten traditionellen Bereichen ausgestiegen. Dabei haben wir 13 Produktionsstätten und 130 Verarbeitungslabors geschlossen und unsere Belegschaft seit 2003 um 47’000 Mitarbeiter reduziert. Wir müssen nun diese Reorganisation abschliessen, indem wir unsere Kostenstruktur weiter verbessern und unsere nichtstrategischen Vermögenswerte effizient veräußern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Stakeholdern, um als effizientes Unternehmen weiter bestehen zu können, das weltweit führend im Bereich Digital Imaging und der Werkstoffentwicklung ist.»

«Unser Ziel ist die Wertmaximierung für unsere Stakeholder, einschliesslich unserer Mitarbeiter, Pensionäre, Gläubiger und Pensionstreuhänder. Außerdem konzentrieren wir uns auf die Zusammenarbeit mit unseren geschätzten Kunden», fuhr Perez fort. Kodak hat diesen Schritt nach vorangegangenen Gesprächen mit wichtigen Auftraggebern unternommen und plant eine einvernehmlich gestaltete Restrukturierung im Sinne seiner Stakeholder. Kodak geht davon aus, dass die Restrukturierung in den USA im Laufe des Jahres 2013 abgeschlossen sein wird.

«Der Verwaltungsrat, die Geschäftsführung und ich betonen ausdrücklich unsere Wertschätzung für die harte Arbeit und die Loyalität unserer Mitarbeiter», sagte Perez. «Kodak steht für eine Kultur der Zusammenarbeit und der Innovation. Unsere Mitarbeiter verkörpern diese Kultur und sind ein wesentlicher Bestandteil unseres zukünftigen Erfolgs.»

Das Unternehmen und sein Verwaltungsrat werden von Lazard, FTI Consulting Inc. und Sullivan & Cromwell LLP beraten.

Weitere Informationen über den Antrag nach Chapter 11 stehen online unter www.kodaktransforms.com zur Verfügung.

 

3 Kommentare zu “Kodak ist zahlungsunfähig”

  1. Tja, wer die Kodachrome-Filme nicht nur schätzte, sondern auch nutzte, der weiss, dass sie schon seit 2009 nicht mehr produziert wurde.
    Zuvor waren sie nur noch zu überhöhten Preisen verkauft worden.

    Überhaupt hat Kodak die Fotografen in den letzten zahn Jahren mit der kontinuierlichen Reduktion ihres Sortiments (und auch Abbnahme der Qualität) zur Konkurrenz und auch zur Digitalfotografie getrieben.

    Wenn ich an Flopps wie das unsägliche APS oder die PhotoCD denke, ist es erstaunlich, dass Kodak es überhaupt in dieses Jahrtausend geschafft hat.

  2. Hallo P. Klein
    Anbei eine klitze kleine Berichtigung.

    Kodak, Pionier und absoluter Vorreiter der Digitalfotografie, war jedes Mittel recht, (so irre das auch klingen mag) um den digitalen Fortschritt auf zu halten.
    So hatte Kodak die Möglichkeit, den Absatz ihrer Filme, bis zum Grounding weiter zu fördern…..

    Mit digitalen Grüssen
    P.W. Imhof

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