Urs Tillmanns, 9. Mai 2012, 08:01 Uhr

Ein Tag auf der Drupa: Trend zum Digitaldruck unübersehbar

In Düsseldorf tagt die Drupa, die weltgrösste Fachmesse für Print, Media und Presse. Fotointerm.ch hat sich einen Tag lang in den 19 Riesenhallen der Messe Düsseldorf umgesehen. Dabei gingen wir vor allem den Fotomarken nach. Fazit: Der Trend zum Digitaldruck ist in allen Anwendungsbereich unübersehbar.

Noch bis zum 16. Mai 2012 dauert die gigantische Print- und Mediamesse Drupa in Düsseldorf. Rund 1‘850 Aussteller auf 53 Ländern erwarten auf 160‘000 Quadratmetern Netto-Ausstellungsfläche wieder rund 390‘000 Besucher und gegen 3‘000 Journalisten, welche über die grösste Messe der grafischen Industrie in 84 Ländern berichten werden.

Der Aufwand für diese Messe ist riesig: Rund 30‘000 Fahrzeuge waren notwendig – darunter 4‘500 Gross-Lastwagen – um die Maschinen und das Material für die Messstände nach Düsseldorf zu transportieren. Ferner mussten rund 162‘500 Meter Kabel zu den 65‘000 Steckdosen verlegt werden, durch welche rund 65 Megawatt Stromfliessen werden – das entspricht etwa dem Energieverbrauch einer Stadt mit 160‘000 Einwohnern im gleichen Zeitraum.

 

Drupa nur alle vier Jahre

Dass dieser gigantische Aufwand nur alle vier Jahre betrieben wird, hat erstens seit 60 Jahren Tradition und ist zweitens auch ökologisch sinnvoll. Die Drupa dokumentiert in diesem Zeitrahmen die enormen Fortschritte, welche in der Druckindustrie und bei deren Weiterverarbeitern und Peripheriebereichen wahrzunehmen sind. Und in diesem Jahr steht augenfällig der Inkjet-Digitaldruck zuoberst auf der Trendliste.

Welcher Aufwand hier betrieben wird, sieht man am besten in der Halle 1, die gänzlich von der Firma Heidelberg belegt ist. Hier stehen jede Menge komplett eingerichtete Druckmaschinen mit beliebiger Anzahl Druckwerke und für jede gewünschte Anwendung.

 

Heidelberg füllt die Halle 1 mit beeindruckenden Anlagen für alle Druckbereiche

Auch Heidelberg, der klassische Ausrüster von Offset-Druckereien, geht sukzessive für gewisse Anwendungen in den Digitalbereich über, z.B. mit der C902, die in Zusammenarbeit mit Ricoh entwickelt wurde. Sie ist gedacht für kosteneffektive Produktionen in kleinsten Auflagen und variablen Daten und bietet eine Workflow-Integration über den Prinect Digital Print Manager mit einer der höchsten Druckgeschwindigkeiten ihrer Klasse auf dem Markt (Nenngeschwindigkeit von 90 A4-Seiten pro Minute auf Medien bis 300 g/m² im Schön- und Widerdruck).

 

Selbst Heidelberg bietet Digitaldrucklösungen an, zum Beispiel mit der Linoprint C902

 

HP mit vier neuen Indigo-Maschinen

Beeindruckend ist der Gang durch den Riesenstand von HP, wo eine Reihe von Indigo Lösungen im Vordergrund stehen: Die HP Indigo 10000 Digital Press ist das zur Zeit schnellste Digitaldrucksystem mit einer Stundenleistung von bis zu 4600 Bogen im Format B2. Die Maschine ist ausgelegt auf ein breites Spektrum von Publishing-Anwendungen einschliesslich Buchproduktionen.

Technologisch praktisch identisch ist die HP Indigo 7600 Digital Press auf den Bogendruck bis A3 ausgelegt. Sie bietet eine grössere Vielseitigkeit und Produktivität sowie einen höheren Automatisierungsgrad und ist für Fotobücher bis hin zu exklusiven Spezialeffekte und den Druck von Bucheinbänden geeignet.

Die HP T410 Color Inkjet Web Press verarbeitet Rollen bis zu einem Meter Breite und leistet Geschwindigkeiten im Monochromdruck von 244 m pro Minute (über 5‘000 Seiten) und beim Farbdruck von 122 m pro Minute (fast 7‘000 Seiten).Sie ist mit dieser Kapazität geeignet für die Buchproduktion in grösseren Volumina.

 

Drylab von Epson

Epson hat auf ihrem Stand eine Rosine für den Fotodruck vorgestellt, das SureLab D3000. Es ist für eine Rollenbreite von 30 cm ausgelegt und soll bis zu 650 Fotos im Format 10×15 cm pro Stunde printen. Es arbeitet mit sechs Ultrachrome Dye-Tinten – keine Pigmenttinten, zu Gunsten eines besseren Hochglanz. Der Anwender kann Papiere mit den drei verschiedenen Oberflächen Glanz, Lustre und Matt verwenden. Als Option gibt es eine Sortiereinheit bis zum Format A4. Die Investitionsgrösse soll ab etwa 30‘000 Euro liegen, wobei es August oder September wird, bis es lieferbar ist; das heisst ab Photokina.

Weiter hat Epson drei neue Grossformatprinter der SureColor T-Serie für den CAD- und Sign-Bereich mit knapper Fotoqualität für Innenanwendungen vorgestellt. Die Drucker gibt es in drei verschiedenen Breiten (SC-T7000 1118 mm, SC-T5000 914 mm und SC-T3000 610 mm). Sie sind für kostengünstige und schnelle Ausdrucke konzipiert, so soll die Produktionszeit für ein Plakat in der Grösse A1 mit dieser Gerätegeneration nur 28 Sekunden betragen. Die Drucker können per Knopfdruck auf Matt- oder Glanzdruck umgestellt werden.

Speziell für Drucke im Aussenbereich hat Epson eine neue SureColor S-Reihe von Solvent-Druckern präsentiert, die speziell für die Werbetechnik konzipiert wurden. Der 64-Zoll-(162,6-cm-) Drucker S70600 eignet sich in der 5-Farbversion auch für den Druck auf dunklen und transparenten Medien. Der Epson SureColor SC-S50600 produziert auf vielen Medien mit einer Geschwindigkeit von rund 50 m²/Stunde Plakate, Banner und Schilder für den Innen- und Aussenbereich. Er kann auch mit den neuen Tinten Weiss und Metallic bestückt werden.

 

Durst

Der Name Durst im südtirolischen Bozen ist vielen Lesern aus dem analogen Zeitalter wahrscheinlich noch ein Begriff. Die Firma bot damals Vergrösserungsgeräte und Laboreinrichtungen an. Heute gehört sie zu den bedeutenden Printeranbietern und ist vor allem auf die Rho-Grossprinter von Rolle zu Rolle und auf Flachbettprinter spezialisiert.

Der Rho 320R HS hat eine Druckbreite von 3,3 Metern und verarbeitete Papier, Polyester-Folie, Vinyl, Film, Selbstklebefolie und andere Medien mit sechs Farben plus Weiss in einer Auflösung von 600 dpi und einer Geschwindigkeit von 176 m²/h mit 12‘288 Druckdüsen.

Im Bereich der Flachbettdrucker ist der Rho 1000 eines der Stand-Highlights. Der Drucker ist mit seiner Auflage so gebaut, dass starre Materialien, wie Kunststoff-, Holz- oder Metallplatten mit einer Geschwindigkeit von 500m² pro Stunde direkt bedruckt werden können.

 

Kodak mit Riesenstand

Ganz nach Vorstellungen von Kodak-CEO Antonio M. Perez gibt die in den USA konkursite Eastman Company im Druckbereich Vollgas. Wie in früheren, erfolgreichen Jahren klotzt Kodak mit einem Riesenstand und präsentiert darauf unter dem neuen Slogan «Yellow changes everything» Drucklösungen für die verschiedensten Branchen, vom Buch- und Periodikadruck über Verpackungsbedarf und zum Fotodruck in Fotobüchern, Kalendern, Grusskarten und Einzelprints.

Hier präsentiert sich, wie schon in früheren Jahren, die NexPress-Druckmaschine, die mit fünf Tonern arbeitet und dreimal schneller geworden ist also ihre Vorgängermodelle. Im Inkjet-Bereich zeigt Kodak die Prosper-Druckmaschine, die angeblich auf eine Druckgeschwindigkeit bis 300 m/min. ausgelegt ist. Unverändert ist Kodak aber auch noch im analogen Bereich zu Hause und bietet unter anderem die Produktionseinheiten Flexochrom / Flexographic für die Offsetplatten-Herstellung.

 

Agfa

Ein weiterer Name, der als Fotomarke bekannt war, ist Agfa. Der einst grösste europäische Filmhersteller hat sich ganz auf den graphischen Bereich konzentriert und gehört heute zu den bedeutendsten Anbietern, was sich auch in einer beeindruckenden Standgrösse dokumentiert.

Agfa ist heute auf Digitaldruck-Lösungen für den Innen- und Aussenbereich spezialisiert und hat auf der Drupa eine Reihe von Neuheiten präsentiert. Im Vordergrund stehen die :Anapurna- und :Jeti-Grossformatdrucker, die für Rollenware oder stabile Planmedien für Innen- und Aussenanwendungen verwendet werden können. Insgesamt stehen nach der Drupa 15 verschiedene Modelle zur Auswahl. Abgerundet wird das Sortiment der Grossformatprinter durch :Tiger- und :Leopard-Reihe, welche speziell für Industriekunden angeboten werden.

 

Canon

Für Canon dürfte die diesjährige Drupa nach der Übernahme von Océ eine gute Gelegenheit sein, ein breiteres Kundensegment anzusprechen.

Eines der Highlights war der neue Océ ColorWave 650 Poster Printer, entwickelt auf Basis der bewährten Océ Crystal Point Technologie. Das System erfüllt alle Anforderungen an den Plakatdruck im POS-Markt, wie zum Beispiel das Drucken auf unterschiedlichen Papiergrössen bei einer Geschwindigkeit von 155 Seiten im Format A0 pro Stunde. Die Drucke sind sofort trocken, auf Format geschnitten, wasserfest und sofort einsetzbar.

Jüngste Mitglieder der Océ ColorStream 3000 Familie sind das Einstiegsmodell Océ ColorStream 3200, das Hochgeschwindigkeits-Drucksystem Océ ColorStream 3900 sowie die Océ ColorStream 3700. Für Anbieter von Transaktionsdrucken bieten die neuen digitalen Vollfarb-Inkjet-Drucksysteme von Océ eine grosse Bandbreite an Geschwindigkeiten und ein professionelles Tinten- und Farbmanagement für zeitkritische Druckaufträge.

Ein weiteres beachtenswertes Produkt ist die neue Océ JetStream 4300, das neueste System in der Endlos-Inkjetdruck-Familie. Mit 200 Metern pro Minute bietet dieses Hochleistungs-Drucksystem Druckdienstleistern die Möglichkeit, Bücher, Magazine, Zeitungen und Transaktionsdrucke in kleinen und mittleren Auflagen zu produzieren.

 

Fujifilm

Die Suche nach Fotonamen auf der Drupa führt uns zum Stand von Fujifilm. Auch hier sind Produkte zu finden, die dem Fotoconsumer weitgehend unbekannt sind. Star am Stand sind die beiden neuen Digitaldruckmaschinen Jetpress 720 und Jetpress F – letztere ist der Prototyp einer Spezialversion für dickere Druckmedien, wie beispielsweise Verpackungen.

Die Jetpress 720 leistet im normalen Auflagedruck von 2700 Blatt einseitig bedruckte Bogen B2 pro Stunde. Es kommen Fujifilm Vivedia-Tinten zum Einsatz, die mit einer Tröpfchengrösse von 2 Piccoliter aufgetragen werden, wobei dabei der Farbraum für bestimmte Schmuck- und Signalfarben erweitert werden kann.

Neu ist auch ein Flachbettprinter von Fujifilm, der Inca Onset S40i. Der Printer ist auf kürzeste Durchlaufzeiten ausgelegt und arbeitet mit 168 Druckköpfen (28 pro Farbe) und einer Tropfengrösse von 28 Piccoliter. Ein sensorgesteuertes Überwachungssystem informiert laufend über den Zustand der Düsen und informiert den Bediener wenn eine automatische Reinigung erforderlich ist. Ebenso wird mit Sensoren die Bedruckstärke in Anhängigkeit von den verwendeten Druckmedien überwacht. Der Onset S40i ist vor allem für die Herstellung von POS-Displaygrafiken geeignet und bedruckt bis 50mm dicke Materialien mit 3,14 x 1,6 m mit einer maximalen Stundenleistung von 470 m².

 

Ricoh

Die Marke Ricoh wird aus Fotosicht in Europa oft falsch eingeschätzt. Sie ist im asiatischen Raum einer der bedeutendsten Anbieter von Druck- und Kopiersystemen, deshalb hat Ricoh auch auf der Drupa einiges zu zeigen, allen voran das neue Digitaldrucksystem InfoPrint 5000.

Dieses ist für hohe Volumina ausgestattet und printet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 220 Meter pro Minute, was gegen 3500 A4-Drucke ergeben soll. Allerdings kommt die Technologie dieser Inkjet-Maschine nicht ganz aus eigener Küche, sie kam viel mehr von Kodak über Danka und Infotec zu Ricoh.

Weiter will Ricoh auch ins Grossformatdruck-Geschäft einsteigen, wie auf der Drupa zu erfahren war. Der Ricoh Pro L4000 ist mit sieben Tinten auf Latex-Basis ausgestattet und druckt mit drei verschieden grossen Tintentropfen auf unterschiedlichsten Materialien, darunter auch PVC, Tarpaulin, synthetisches und normales Papier sowie Textilien.

 

Ilford Biomedia

Am Stand von Ilford haben wir ein neues Print-Material entdeckt, das Ilford Biomedia.

Es ist ein neuartiges Display-Material, das biologisch abbaubar ist und sich nach einer gewissen Zeit vollständig zersetzt. Alternativ kann Ilford Biomedia auch rezykliert oder im Industriekompost entsorgt werden.

Fazit: Wir haben uns auf unserem Rundgang durch diese gigantische Fachmesse nur auf jene Bereiche konzentriert, die noch einen (entfernten) Zusammenhang mit Fotografie haben. Offensichtlich ist, dass sich die Druckindustrie mitten in einem gewaltigen Wandel ist, und dass sich für kleinere und mittlere Volumina die Inkjet-Materialien und –verfahren immer stärker durchsetzen werden. Wer weiss, was auf der nächsten Drupa zu sehen sein wird, die erst wieder in vier Jahren stattfindet, vom 2. bis 15. Juni 2016 …

Urs Tillmanns

Weitere Informationen zur Drupa finden Sie hier.

 

 

2 Kommentare zu “Ein Tag auf der Drupa: Trend zum Digitaldruck unübersehbar”

  1. Danke für die tolle zusammenfassung. Ich selbst habe natürlich an einem Tag auch priritäten setzen müssen. Im speziellen habe ich unseren Kontakte zur Software (PrintPlus und LeadPrint) aufgesucht. Von Kba und FujiFilm habe ich dann ncoh 2 Präsentationen mitgenommen. Alles in allem wieder eine super Drupa. Die Maschienen werdn immer kleiner aber die Firmen geben sich trozdem einen gigantische Aufwand mit Ihrer Präsentation.

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