Urs Tillmanns, 27. Januar 2013, 07:00 Uhr

Thomas Marent: «In Regenwäldern weiss man nie, was einen erwartet»

Er bereist die Regenwälder auf der ganzen Welt. Von Neuseeland über Malaysien bis nach Costa Rica. Der Aargauer Naturfotograf Thomas Marent ist während fünf bis sechs Monaten pro Jahr auf der Suche nach dem perfekten Naturbild. Wir wollten von ihm wissen, wie er arbeitet und was man beim Fotografieren in Regenwäldern bedenken muss.

 

Was hat dich bewogen  Natur- bzw. Tierfotograf zu werden?

Ich beobachte Tiere seit meiner Kindheit und ich war schon immer ein sehr naturverbundener Mensch. Es macht mir Spass zu versuchen ein ästhetisch perfektes Tier-oder Naturbild zu machen. Man kann Tiere meist nicht dirigieren. Das ist auch eine grosse Herausforderung.

 

Thomas Marent in einem Regenwald in China

 

Das hast du aber auch ein Stück weit bei der Reportagefotografie …

Vor vielen Jahren habe ich mich mit Streetfotografie beschäftigt. Könnte ich ja während meinen Reisen auch machen. Aber ehrlich gesagt, reizt mich dieser Bereich eher weniger. Das ist einfach nicht mein Ding.

 

Und wieso bist du vor allem in Regenwäldern unterwegs?

Im Regenwald findet man die höchste Arten-, Farben- und Formenvielfalt. Regenwälder sind mystisch und faszinierend und man weiss nie, was einem als nächstes erwartet.

 

Der «Rio Celeste» mit seinem türkisblauem Wasser im Tenorio Nationalpark, Costa Rica

 

Du warst schon X 100 Mal in einem Regenwald. Ist es nicht langsam langweilig, immer wieder die Regenwälder zu bereisen?

(lacht) Nein. In den Regenwäldern findet man immer wieder neue interessante und wunderschöne Sujets, was es immer wieder spannend macht. Ich entdecke auf jeder Reise neue Tiere und Pflanzen und lerne auch jedes Mal etwas Neues dazu.

 

Bringst du während deiner Reisen jeden Tag Spitzenbilder mit nach Hause?

Nein. Das Fotografieren in der Natur kann sehr frustrierend sein. Oft sind die Tiere so gut getarnt, versteckt oder scheu, dass man die gesuchten Motive nicht findet. Kann sein, dass ich in meine Unterkunft zurückkehre und den ganzen Tag kein Sujet gefunden habe.

 

Katta mit Baby in Madagascar

 

Wie viel Material hast du bei dir?

Zirka 30 Kilogramm Fotoausrüstung. Darunter sind sieben Objektive, Telekonverter, Blitzgeräte, Stative, Reflektoren, Filter etc.

 

Womit beschäftigst du dich aktuell?

Ich war im November und Dezember in Venezuela, Peru und in Kolumbien unterwegs und anfangs Februar reise ich für zwei Monate nach Ecuador und Costa Rica. In Costa Rica werde ich einige der Lodges besuchen, die wir auch während der Fotoreise mit dem zB. Zentrum Bildung – Wirtschaftsschule KV Baden im Oktober* bereisen werden.

 

Ein Quetzal-Männchen (Pharomachrus mocinno) in  Cerro La Muerte auf Costa Rica

 

Was müssen die Teilnehmenden im Hinblick auf eine Fotoreise in den Regenwald wissen?

Fotografieren im Regenwald ist sehr anstrengend und eine wahre Herausforderung. Das fängt an bei der hohen Luftfeuchtigkeit, die einem selber und der Ausrüstung zu schaffen macht. Und dann all die kleinen Tiere: Ameisen, Moskitos und Hautmilben. Sie sind die wahren Herrscher des Regenwaldes und sie belästigen einem andauernd. Dazukommt meist unregelmässiger Schlaf und unregelmässige Ernährung. Kein Zuckerschlecken also. Aber es lohnt sich.

 

Hast du noch ein, zwei Tipps?

Ja. Jeden Ast und Baum genau anschauen, bevor man ihn anfasst. Zudem genau schauen, wo man hintritt. Am Abend die Ausrüstung wenn nötig trocknen, ansonsten können sich Pilze bilden.

Das Interview führte  Sandra Kohler
Alle Fotos: Thomas Marent 

* Detailinformationen zu Fotoreisen des  zB. Zentrum Bildung – Wirtschaftsschule KV Baden  finden Sie hier.

 

Gelbaugenfrosch (Agalychnis annae), Costa Rica

 

Thomas Marent

(geb. 1966) ist diplomierter technischer Konstrukteur und lebt im aargauischen Neuenhof. Seit 1988 ist er als freischaffender Wildlife-Fotograf tätig, wobei er sich auf Vögel, Reptilien, Amphibien, Schmetterlinge, Heuschrecken und Libellen vorwiegend in den Regenwaldgebieten spezialisierte. Er veröffentlichte mehrere Bücher zu diesen Themen im DK (Dorling Kindersley) Verlag und wurde 2010 vom amerikanischen «Ranger Rick Magazine» als Fotograf des Jahres ausgezeichnet. Er arbeitet ferner für die Publikationen «Animan», «Schweizerfamilie» sowie das wissenschaftliche Bildarchiv «Eurelios (Look at Science)» und führt Foto- und Naturlehrreisegruppen. Webseite www.thomasmarent.com

 


Weitere Veranstaltungen und Fotoreisen finden Sie unter www.fotoagenda.ch

 

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