Urs Tillmanns, 1. Juli 2013, 07:00 Uhr

Software bezahlen oder mieten? Das sind Ihre Meinungen …

Unsere Leserumfrage  zum Thema Miet-Software zeigte eine einhellige Meinung: Nur gerade 4,5% befürworten den neuen Mietmodus von Adobe, 85,6% finden ihn schlecht, und 10% werden sich an das neue Geschäftsmodell gewöhnen. Die Umfrage hat aber noch mehr Interessantes an den Tag gebracht …

 

Das neue Geschäftsmodell von Microsoft (mit Office), Adobe und wahrscheinlich bald auch anderer Software-Hersteller, hat ganz schön viel Staub aufgewirbelt. Schon im Vorfeld unserer Umfrage waren zur Mietlösung von Adobe, insbesondere von Photoshop-Nutzern, viele kritische bis negative Stimmen zu hören, so dass wir es genauer wissen wollten. Das Ergebnis der Umfrage zeigt nun ein sehr klares Bild: Nur gerade 4,5% der UmfrageteilnehmerInnen befürworten das neue Update- und Verrechnungsverfahren von Adobe, bei dem darum geht, die Lizenzgebühren für das neueste Bundle der «Creative Cloud» (früher CS) im Jahresabo zu erheben, mit der Gegenleistung, dass Adobe immer die aktuellste Software bietet und den Kunden Datenspeicherplatz in ihrer Cloud zur Verfügung stellt.

 

Wie kaufen Sie Ihre Software?

Am Rand dieser Thematik haben uns noch weitere Fragen interessiert, zum Beispiel, wie beliebt Freeware- und Shareware-Programme bei unseren Lesern sind (nur 3,9%), gegenüber lizenzierter Marken-Software, z.B. von Adobe, Microsoft und anderen, die von 96,4% genutzt werden. Die meisten laden übrigens die Programme aus dem Internet herunter (43,8%), 29,7% kaufen die Programme im Fachgeschäft oder 24,5% bei einem Grossverteiler und nur 1,9% mieten die Software bisher übers Internet.

 

Wir schweben nicht gerne in den Wolken…

Von Cloud-Lösungen halten die meisten Leser nicht besonders viel. 40% nutzen Clouds schon länger, 45,8% vertrauen diesen Diensten grundsätzlich nicht und 14% wissen nicht ob, sie Cloud-Dienste je nutzen werden.

Die Befürworter der Cloud-Dienste nutzen diese vor allem zur Synchronisation von Daten und Einstellungen zwischen mehreren PCs/Handys/Tablets (28,0%), zum Datenaustausch zwischen mehreren Personen (24,3%), zur Datenspeicherung, damit sie von überall darauf zugreifen können (22,4%), um Fotos im Web zu zeigen und mit anderen teilen (17,7%) – was uns etwas überraschte, denn wir hatten diesen Anteil höher erwartet – und 5,6% nutzen bereits mit Software-Abos oder 1,9% Programmfunktionen im Netz.

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Die Gegner von Cloud-Lösungen befürchten zu 51,8% einen Datenmissbrauch durch Anbieter oder Dritte (PRISM lässt grüssen), 27,8% haben keinen Bedarf, 15,7% empfinden die Lösungen als zu teuer und 4,6% haben bisher kein passendes Angebot gefunden.

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Auf die Frage, ob die Leser glauben, dass die Anwenderdaten in der Cloud von Drittfirmen oder -institutionen genutzt oder ausgewertet werden, antworteten 29,0% mit Ja, 64,5% wissen es nicht und nur 6,4% vertrauen ihren Software-Anbietern.

Die Tatsache, dass man die in der Cloud gespeicherten Daten überall nutzen und leicht austauschen kann, empfinden nur 28,8% für ihre Arbeit als Vorteil, 30,8% werden dies Möglichkeit kaum je praktisch nutzen, und für 40,4% ist dieses Dienstleistungsangebot unwichtig.

 

Software-Lizenzen mieten?

Die Kernfrage, wie unsere Leser die Lizensierung von Software im Abonnement beurteilen, zeigte folgendes eindeutiges Bild: 85,6% sind gegen diese Lösung, weil sie vom Anbieter abhängig sind und ihnen missfällt, dass der Anbieter die Software auf dem Rechner aktivieren oder deaktivieren kann. 10,6% sehen darin ein neues Geschäftsmodell, an welches wir uns wohl gewöhnen müssen, und nur gerademal 4,5% stehen dem neuen Angebot positiv gegenüber, weil sie immer auf dem neuesten Stand der Software sind und sie die Lösung als kostengünstiger erachten.

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Welche Vorteile sehen die Befürworter der Adobes Creative Cloud gegenüber dem bisherigen Kauflizenz-Modell? Für 48,1% ist das Argument, stets mit der aktuellste Version arbeiten zu können, entscheidend, 16,3% befürworten die Lösung, weil sie alle Programme einer Suite nutzen können, 10,6% sehen einen Vorteil darin, dass sie die Software nur bezahlen, wenn sie diese nutzen (wobei daran allerdings gewisse Bedingungen geknüpft sind), 9,6% glauben von gewissen Zusatzdiensten profitieren zu können, 8,6% sehen als Vorteil, dass die Abolösung wahrscheinlich günstiger sein wird als der bisherige Kauf der Programme und 6,7% sehen eine einfachere Kostenübersicht als Vorteil.

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Als Nachteile des Adobes Creative Cloud Angebotes gegenüber dem bisherigen Kauflizenz-Modell führen 18,0% die Tatsache an, dass programmtypische Daten nach Ablauf des Abos nicht mehr genutzt werden können, 15,1% missfällt, dass man zur Verwendung der aktuellsten Programmversion gezwungen wird, 14,8% kritisieren die regelmässige Verbindung zum Anbieter übers Internet, um das Abo zu verifizieren, 16,8% glauben, dass das Abo wahrscheinlich teurer wird als der Kauf, 12,9% finden die regelmässige Miete umständlicher als den einmaligen Kauf und 22,4% missfällt schlichtweg die Geschäftspolitik von Adobe.

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Ob die Anwender auf Grund des neuen Geschäftsmodells zur Konkurrenz-Software umsteigen werden, zum Beispiel zu Open Source-, Freeware- oder anderen Kaufsoftware-Alternativen?

50% haben mit einem deutlichen Ja geantwortet, weil ihnen diese Geschäftspolitik missfällt und sie den Anbietern misstrauen. Exakt ein Drittel will nun vor allem kostenlose Alternativen prüfen, und nur 16,7% werden nicht auf eine andere Software umsteigen, weil sie die Qualität und die Möglichkeiten ihrer Programme kennen und diese auch schätzen.

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Die Stellungnahme von Adobe

Wir haben das Ergebnis der Umfrage zu einem Zeitpunkt Adobe unterbreitet, als die Trends der Antworten bereits feststanden und sich das Endresultat nur noch hinter dem Komma geringfügig veränderte.

Adobe hält fest, dass «keiner unserer Kunden Daten in der Wolke speichern muss. Es ist dies ein Angebot, welches die Workflows erleichtern soll – wenn jemand davon keinen Gebrauch machen möchte, muss er das auch nicht. Die Software versucht in der Tat über eine Online-Verbindung monatlich den Lizenzstatus zu verifizieren. Wir sind uns aber bewusst, dass es Situationen gibt, in denen nicht jeder immer online sein kann. Daher ist es gegenwärtig möglich, 99 Tage offline zu arbeiten und wir planen, diesen Zeitraum auf 180 Tage auszudehnen».

 

Die Kommentare

Viele Beantworter nutzen auch das Kommentarfeld, um ihre Meinung ausserhalb der gestellten Fragen zu äussern. Dabei wiederholten sich viele Kommentare, weitere unterstrichen eine persönliche Meinung und einige waren in einer Art und Weise abgefasst, die nicht publikationswürdig ist. Die interessantesten Meinungsäusserungen haben wir für Sie, zum Teil etwas gekürzt, aufbereitet:

 

• Es ist leider so, dass wir Anwender von den Grossunternehmen wie Adobe gezwungen werden, das neue Geschäftsmodell zu schlucken, ob es uns passt oder nicht. Es gibt im professionellen Bereich derzeit keine Alternative. Gleichzeitig darf man auch nicht vergessen, dass man mit dem CC-Programm auch Software nutzen kann, die man sonst vielleicht gar nie kaufen würde. Dabei denke ich an Adobe Premier, beispielsweise.

• Computerbase.de hat einen interessanten Artikel zum Kopierschutz der Adobe CC publiziert. Da stellt man sich als (Ex-)Kunde die Frage, was um Himmels Willen dieses Modell dann eigentlich bezwecken soll? Aber in Zeiten, in denen jeder US-Amerikanischer Softwarekonzern angesichts PRISM den Kunden versichert, dass sie sich an die Regeln halten, glaube ich hier Adobe, dass es schlicht und ergreifend zum Schutz des ehrlichen Kunden, respektive einem neuen Kopierschutz handelt, genauso wie Google, Facebook, Microsoft und der deutschen Regierung. Nämlich keinen Millimeter! Denn schliesslich ist das Internet, und somit auch dieser Cloud-Dienst, bekanntlich Neuland und im Neuland lauern so manch exotische Dinge und Gefahren die man vorher noch nicht kannte … Ich bin froh auf dieses Pferd nicht aufgesattelt zu sein, denn wer weiss, wohin diese Reise geht?! Ich werde auf eine andere Softwarelösung umsteigen. Noch aber kann ich die Version nutzen, die ich gerade habe und das tue ich so lange es geht. Bisher hat es ja auch wunderbar geklappt – wozu dann Neuerungen die man sowieso nur einmal aus Jucks und Dallerei mal probiert und dann nie wieder?

• Beim Kauf von Software kann ich gemäss meinen Bedürfnissen entscheiden, wann ich ein Upgrade für sinnvoll halte. Bei weitem nicht jedes Upgrade ist sein Geld wert und oftmals sind Bedienung und Konfiguration so unterschiedlich, dass wieder vieles neu gelernt werden muss. … Ich bin im Besitze von drei Adobe Programmen und mehr werde ich nicht benötigen. Die regelmässigen Upgrades dieser Programme kosteten mich im Durchschnitt max. CHF 400.– pro Jahr. Diese Programme gemietet, kosten CHF 70.20 pro Monat = CHF 842.40 pro Jahr. Dies ist definitiv zu teuer! Hinzu kommt, dass wenn das Software-Bundle während 10 Jahren gemietet und man somit an die 10’000.– bezahlt hat und das Abo kündigt, man vor dem Nichts steht. Adobe hat das Monopol und wer sagt uns, wie stabil die Preise bleiben? Schon jetzt besteht ein grosser Unterschied zwischen den USA und Europa, was die monatliche Miete betrifft!

• Bin für ein Jahr auf das Abo umgestiegen, als Bestandskunde zu erträglichem Preis, und da ich Premiere brauchte, «besitze» aber PS CS6 und LR4 und werde mir nach Ablauf des günstigen Abos noch überlegen auf PS CS6 Besitzversion zu bleiben und nur LR upzudaten. Nutzte im Abo schon LR5

• Es wäre sinnvoll, weiterhin beide Varianten – Kauf- und Cloud-Version – nebeneinander laufen zu lassen. Die Cloud ist sehr interessant, aber wenn nur noch diese Möglichkeit besteht, hat der Softwarehersteller die Möglichkeit, beliebig resp. willkürlich mit seinen Kunden zu verfahren.

• Ich empfinde die Art wie Adobe das macht eher als einen kleinen Hilferuf. Nur schon, dass Indesign Dateien nicht downkompatibel sind, gefällt mir nicht!

• Adobe missbraucht ihre Monopolstellung. Das ist ganz klar eine Sache für den Preisüberwacher! Dieser soll aktiv werden. Im Bereich der RAW-Konverter gibt es Konkurrenz deshalb klammert Adobe sein Programm Lightroom von diesem skandalösen Abzocker-Modell aus. Hoffe, dass PhaseOne sein Programm CaptureOne zu einer vollwertigen Photoshop-Konkurrenz ausbaut und der Arroganz von Adobe die rote Karte zeigt.

• Vor allem, das immer auf der neuesten Version sein, ist sehr fragwürdig! auch wenn die neueste Version noch Ecken und Kanten hat. Zudem bin ich weltweit unterwegs. Wie sich bereits gezeigt hat, ist dies bei Adobe ein Problem, da hier immer abgefragt wird, von wo aus ich mich einwähle. Für den Anwender ist dies nicht wirklich praktisch und der Service nicht wirklich toll. Auch bin ich teilweise in Gegenden unterwegs wo ich nicht immer Verbindung habe… dies auch mehr als 20 Tage! Photoshop ist toll aber leider ein Monopol, was sich nun rächt.

• Bis jetzt hatte man die Möglichkeit, jeweils eine Version zu überspringen, ohne eine veraltete Version zu haben. Zudem waren die Updates günstiger als die monatlichen Abokosten.

 

 

Die Umfrage ist abgeschlossen

Wie angekündigt haben wir die Umfrage nach der einwöchigen Laufzeit abgeschlossen. Hingegen haben Sie die Möglichkeit, im öffentlichen Bereich von www.umfrageonline.com an einer leicht reduzierten Variante zu diesem Thema weiterhin mitzumachen.

 

 

 

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