Urs Tillmanns, 14. Juli 2013, 07:00 Uhr

Fotofestival in den Bergen: Alt. +1000

Das Fotofestival Alt. +1000 im urtümlichen Dorf Rossinière im Pays-d’Enhaut (Waadt) findet bereits zum dritten Mal statt und ist seinem Grundgedanken treu geblieben: der Fotografie über 1000 Meter über Meer. Dieses Jahr können vom 13. Juli bis 22. September 2013 in Rossinière zwölf Ausstellungen von dreissig zeitgenössischen Fotografen aus der Schweiz und dem Ausland in einem einzigartigen Umfeld entdeckt werden.

 

Das Festival Alt. +1000 für zeitgenössische Fotografie pflegt unter der künstlerischen Leitung von Nathalie Herschdorfer bereits zum dritten Mal das Thema der Fotografie über 1000 Meter über Meer. (Alt. steht für das französische und englische Wort „Altidude“: Höhenlage). Zum Foto-Festival wird jeweils ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Gewinner eingeladen werden ihre Werke in Rossinière auszustellen.

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Weshalb Rossinière? Das urtümliche Dorf im waadtländischen im Pays-d’Enhaut, zwischen Bulle und Château d’Oex, ist über 1000 Meter hoch gelegen und bietet eine landschaftliche Kulisse für ein Fotofestival, die sich von anderen einzigartig abhebt. «Zudem stehen uns in Rossinière eine Anzahl leerer Ställe, Scheunen und Privaträume zur Verfügung, die wir für die Ausstellungen nutzen können, und welche die Bergbilder in einem sehr passenden und aussergewöhnlichen Umfeld zeigen» meinen Fanny und Louis Paschoud, die Initianten des Festivals. Das ist auch der Grund, weshalb die Ausstellungsorte über das ganze Ortsgebiet verstreut sind, so dass pfadfinderische Fähigkeiten durchaus von Vorteil sind. Das Ganze hat sein Gutes, denn man lernt auf diese Weise zu Fuss diesen malerischen Ort kennen und entdeckt da und dort reizvolle Fotomotive, die es in Rossinière zu Hauf gibt.

Alt+1000 Plan

 

Fotografie oberhalb 1000 Meter

«Altitude» ist gleichzeitig der Name und das Thema der 2013er Ausgabe des Festivals, das sich nach wie vor auf die Bergwelt konzentriert, diesmal jedoch die Perspektive noch weiter fasst. Auch der Veranstaltungsrhythmus hat sich geändert: Ab diesem Jahr findet das Festival als Biennale statt. Diesen Sommer präsentiert Alt. +1000 zwölf Ausstellungen mit zeitgenössischer Fotografie an Standorten, die althergebrachte Lebensweisen in Erinnerung rufen. Fernab einer touristischen Postkartenidylle lädt das Festival zu einem Spaziergang durch eine Vielfalt von Werken ein, die zur Reflexion über die Darstellung der geografischen Höhe anregen. Dabei werden die Kunstwerke der einheimischen Identität dieses Bergdorfs gegenübergestellt. «Für den Freund der zeitgenössischen Fotografie hält das Festival interessante Überraschungen bereit, denn unsere Ausstellungsorte sind bäuerlich geprägt und offenbaren selbstbewusst ihre alpine Identität», so Festivalleiterin und Kuratorin Nathalie Herschdorfer. «In eben diesem Rahmen haben wir Künstler aus unterschiedlichen Ländern und in verschiedenen Stadien ihrer Karriere eingeladen, mit ihren Exponaten ihre persönliche Vision der Höhe auszudrücken.»

Alt+1000 Banner

«Altitude»,der Begriff der Höhe, ist der rote Faden, der alle Ausstellungen miteinander verbindet. Die gezeigten Arbeiten bieten eine Vielfalt an Interpretationen dieses Themas, das natürlich die Darstellung des Berges beinhaltet, aber nicht nur. Die Werke lassen sich abwandeln und können Reflexionen über den Raum, das Gebiet oder den Grössenmassstab – sei es auf geografischer oder gesellschaftlicher Ebene – eröffnen. «Im Rahmen des Festivals Alt. +1000 sind wir bemüht, unterschiedliche Standpunkte und Überlegungen der Künstler zu einem einheitlichen Thema zu präsentieren. Für die eingeladenen Künstler und Preisträger des Wettbewerbs bedeutet Höhe oftmals Vertikalansicht oder Vogelschau. Aber die Beschäftigung mit der Höhe kann auch zu einer anderen Perspektive und überraschenden Bildern führen», sagt Nathalie Herschdorfer.

 

Einige Highlights des Alt. +1000 Festivals

 

Simon Norfolk (England, 1963), Gewinner des Reportageauftrags des 4. Prix Pictet

Der international renommierte Fotograf Simon Norfolk leitete im August 2012 in Rossinière einen einwöchigen Workshop. Beim diesjährigen Festival Alt. +1000 wird er als schweizerische Vorpremiere seinen im Rahmen des 4. Prix-Pictet für Fotografie und Nachhaltigkeit gewonnenen Reportageauftrag präsentieren. «Geländeuntersuchungen sind ein bevorzugtes Tätigkeitsgebiet der Fotografen seit dem 19. Jahrhundert. Die Verwandlungen der Erde zu beobachten, wie es Simon Norfolk tut, ist ein typisches Erlebnis unserer Zeit, zumal heute die Kameras permanent auf alle noch so entlegenen Winkel der Erde gerichtet sind», erklärt Nathalie Herschdorfer.

Bamiyan For the Prix Pictet Commission«A Disaster Season» zeigt in Form einer Projektion von Fotografien, die der Künstler kommentiert, das im Zentrum von Afghanistan gelegene Bamiyan-Tal, eine Region, die von Naturkatastrophen heimgesucht worden ist. Der Fotograf begleitet hier die in der Schweiz basierte und auf Nothilfe spezialisierte humanitäre Organisation Medair. Der Kriegsberichterstatter Norfolk schildert in seiner Arbeit das durch die Naturkatastrophen und die zerstörerische Tätigkeit der Taliban im Jahr 2001 hervorgerufene Elend – dies vor dem Hintergrund der majestätischen Landschaft des Hindukusch. Norfolk beobachtet die verschiedenen geologischen Schichten, indem er dem rhythmischen Wechsel der Jahreszeiten in Afghanistan folgt. Durch diese langsame Art des Beobachtens gelingt es ihm, über die geografischen, kulturellen und politischen Besonderheiten hinaus eine Region zu schildern, die zahlreiche Gewaltakte über sich ergehen lassen musste.

 

Chung-Ang Universität (Südkorea), Carte blanche für Studenten, High Altitude, 2013

Im Bestreben, internationale Synergien zu erzeugen, hatte Alt. +1000 im Jahr 2011 mit dem Londoner Royal College of Art, einer der renommiertesten Schulen für Fotografie der Welt, zusammengearbeitet. In seiner dritten Auflage hat sich das Festival dieses Jahr nun Asien zugewandt.

Chankyu Kim UntitledKyungwoo Chun, der Leiter der Kunstabteilung der Chung-Ang Universität, der Schule für Fotografie in Seoul, forderte seine Studenten auf, ihren eigenen Sinn für die Höhe im Kontext der südkoreanischen Hauptstadt – eine der einwohnerreichsten Städte der Welt, die von mehreren Hügeln umgeben ist – zu definieren: «Baukrane sind heute ein alltäglicher Anblick in Seoul. Die Menschen nehmen das Erscheinen oder Verschwinden von Gebäuden schon gar nicht mehr wahr. Zahlreiche kleine Berge haben infolge des Baus komplexer Wohnanlagen ihre Gestalt verändert», erklärt er.

Das als Labor konzipierte Atelier entwickelte vielfältige und persönliche Varianten rund um den Höhenbegriff. Die Fotografien verraten eine Vorliebe für eine subjektive Annäherung an das Thema, im Sinne eines intellektuellen Konzepts. Von ihrer Fantasie geleitet, interessierten sich dreizehn Studierende aus Seoul für die Höhe als «Phänomen des visuellen Schaffens» und realisierten nicht nur natürliche Landschaften, sondern auch Städteansichten, Porträts und Alltagsszenen. Dieses Ideenlabor wird in Rossinière weitergehen, da die Studenten ihre Ausstellung selber in einer Scheune des Dorfes installieren werden.

 

Georg Gerster (Schweiz, 1928), Swissair-Plakate 1971-1996

Georg Gerster EuropeDer Blick auf die Welt, den Georg Gerster aus der Höhe einnimmt, betont die grafischen Qualitäten der aus der Luft wahrgenommenen Landschaft. Als Pionier der Luftbildfotografie hat der Zürcher Fotograf Gebiete in aller Welt – von Brasilien über die Philippinen, Iran, Japan, Israel bis zu Mali – überflogen. Georg Gersters Luftaufnahmen dienten der Fluggesellschaft Swissair als Visual Identity, auf der sie ihre Werbung ab den 1970er Jahren bis 1996 – unter Mitwirkung des Zürcher Fotografen und Grafikers Emil Schulthess und seines Kollegen, des Grafikers Hans Frei – aufbaute.

«Der Schweizer Georg Gerster hat im Laufe von vierzig Jahren den Planeten überflogen und uns Bilder abstrakter Landschaften mitgebracht. Obwohl wir heute an Luftaufnahmen gewöhnt sind, sind wir nicht minder von seinen Landschaften fasziniert, da sie vertikal betrachtet werden», sagt Nathalie Herschdorfer.

 

Penelope Umbrico (USA, *1957) Mountains, Movin: of Swiss Alp Postcards and Sound of Music, 2013

Penelope Umbrico setzt sich mit der Tradition der Berglandschaft auseinander, indem sie das Potenzial der neuen digitalen Technologien erkundet und die mit dem Bergmythos verbundenen Distanz- und Stabilitätsbegriffe hinterfragt.

Penelope UmbricoDie Künstlerin verwendete ikonische Darstellungen von Bergen, insbesondere der Schweizer Alpen, die sie auf alten über eBay erworbenen Ansichtskarten, im Internet oder im Film The Sound of Music fand. Diese Bilder bearbeitete sie mit Hilfe verschiedener Smartphone Apps. Der Berg wird durch die verschiedenen Filter der Computerprogramme transformiert: Der Schwerpunkt verschiebt sich oder wird umgekehrt, die Farbeffekte werden extrem verstärkt, sodass „psychedelische“ Bilder entstehen, und die Veränderungen des Grössenverhältnisses verstärken noch den Eindruck einer unendlichen Vielfalt, die den Berg als instabiles, bewegliches und veränderliches Element erscheinen lässt.

Der von Penelope Umbrico verwendete Prozess der Hybridisierung ist unbegrenzt und erinnert daran, dass das Bild des Berges nicht nur durch den Blick des Betrachters, sondern auch durch eine Vielzahl von Konstruktionen entsteht, die – analog der Gebirgskette – eine Kette von Möglichkeiten bilden.

 

Nicolas Crispini (Schweiz, *1961) Tracés, 2009-2013

Die Gletscherfotografien von Nicolas Crispini verewigen die Spur des Künstlers durch das Hochgebirge und hinterfragen seinen Ortsbezug und seine Wahrnehmung des Raums.

Nicolas Crispini 27.9.2011Die Serie Tracés ist Teil einer umfassenderen Arbeit über den Berg und seine mineralischen Elemente, die der Künstler vor rund zehn Jahren in Angriff nahm. Geröllfelder, diese grossen Ansammlungen von Felsbrocken, die man in den Gletschern findet, haben die Eigenheit, chaotische Orte zu bilden, an denen der Wanderer die Orientierung verliert und sich verirrt: «Erstaunt fand ich auf meinen Kontaktabzügen einige Tage nach meinem Marsch, dass ich zweimal denselben Fels zu verschiedenen Tageszeiten aufgenommen hatte, ohne es zu bemerken.» Das Erlebnis dieses Orientierungsverlusts hatte zur Folge, dass Nicolas Crispini seit 2008 mit einem GPS auf seine Bergtouren geht. Dieses Gerät zeichnet seine während der mehrstündigen Wanderungen – oft auf über 1‘800 m Höhe – eingeschlagene Route auf. Anschliessend extrahiert er die registrierten Höhenunterschiede und trägt sie in eine der auf den Wanderungen aufgenommenen Fotografien ein. Die gewellte Linie, die die Route des Wanderers abbildet und einen neuen Berg darstellt, legt sich über das aufgenommene Bild, das seinerseits eine visuelle Spur der vor Ort entdeckten Landschaft bildet.

 

Dan Holdsworth (England, *1974) Transmission, 2012.

Dan-Holdsworth Salt Lake City Plan-ViewSalt Lake City, Mount Shasta, Grand Canyon, Mount Saint Helens und der Yosemite-Nationalpark haben miteinander gemein, dass sie auf über 1‘000 m Höhe im Westen der USA liegen. Dan Holdsworth sammelte unzählige topografische Koordinaten dieser geografischen Orte, die er sich insbesondere beim U.S Geological Survey beschaffte. Anschliessend gab er diese Daten in ein 3-D-Modellierungsprogramm ein, um ein grafisches Bild der wissenschaftlichen Messwerte zu erhalten. Das Ergebnis gleicht einer unwirtlichen, kalten Mondlandschaft, die durch das Fehlen einer Vegetation und menschlicher Bewohner umso trostloser wirkt. Durch die virtuelle Neukomposition wissenschaftlicher Daten erzielt Dan Holdsworth eine grosse Vielfalt an neuartigen Ansichten, gleichsam einer neuen Kartografie der Orte. Der Künstler hinterfragt somit den Mythos einer unberührten, wilden Natur, wie er durch die Erkundungsfotografien im amerikanischen Westen im 19. Jahrhundert begründet wurde, beispielsweise durch Timothy O’Sullivan oder Carleton Watkins, deren Bilder den romantischen oder spektakulären Charakter des entdeckten Panoramas betonten.

Die Arbeiten von Dan Holdsworth enthüllen die rohe Oberfläche der berühmten Berge im amerikanischen Westen und laden dazu ein, an die Erfahrung des Sublimen angesichts des Naturschauspiels anzuknüpfen.

 

Esther Mathis (Schweiz, *1985) «If anywhere was here we would know where we are, 2013»

Die eingeschneiten Gipfel unter dem Wirbel der Schneeflocken auf den von Esther Mathis eigens für dieses Festival realisierten Fotografien laden zur Betrachtung ein: Eine Höhenlandschaft, die uns das Sublime angesichts eines gewaltigen und geheimnisvollen Panoramas erleben lässt.

Esther-Mathis-If-anywhere-was-here-we-would-know-where-we-areAnknüpfend an die Tradition der deutschen romantischen Landschaften des 19. Jahrhunderts, in denen die grandiose Natur gleichzeitig auch ein die Schönheit transzendierendes Gefühl des Schreckens und der Ehrfurcht weckt, betrachtet Esther Mathis diesen Ansatz aus einem neuen Blickwinkel, indem sie einerseits die ästhetische Kraft des Berges als solides und stabiles irdisches Element zeigt und andererseits seine Zerbrechlichkeit vor Augen führt, wenn ein Schneesturm kommt und die Sicht verdunkelt.

Die den Wetterbedingungen entsprechende Dunstigkeit des Bildes mit seinen fein abgestuften Grautönen verleiht dem Werk eine ätherische Textur. Dank seines gemäldeartigen Charakters, der die poetische Wirkung noch verstärkt, dringt das Werk in die Tiefen der Landschaft ein. Dicht an der Grenze zur Abstraktion erzeugt Esther Mathis den Effekt einer durch die Naturelemente hervorgerufenen Desorientierung und das Gefühl des Verlorenseins, das sich einstellt, wenn Bezugspunkte fehlen und die Sicht sich eintrübt.

 

Die Fotografen und ihre Ausstellungen – ein Rundgang

Alt+1000 Chung Ang

Chung-Ang Universität, Seoul (Südkorea) Auf Einladung des Festivals werden dreizehn Studierende der von Kyungwoo Chun geleiteten Fotografieabteilung der Chung-Ang Universität, Seoul, eigens für diesen Anlass gestaltete Originalwerke zum Thema Höhe zeigen. Diese Fotografieschule ist die erste, ganz der «achten Kunst» gewidmete Ausbildungsstätte Südkoreas.

Alt+1000 Nicolas Crispini

Nicolas Crispini (Schweiz) Der 1961 in Genf geborene Nicolas Crispini ist Fotograf, Ikonenmaler, Grafiker, Herausgeber und Kurator. Die Natur ist in seinem künstlerischen Werk allgegenwärtig, das sich thematisch um ihren Bezug zur Zeit und ihre Anwesenheit an einem gegebenen Ort dreht. Seine Fotografien wurden von öffentlichen Institutionen wie der Genfer Stiftung für zeitgenössische Kunst, dem Musée de l’Elysée und der französischen Nationalbibliothek angekauft. Die Serie Tracés wird dieses Jahr im Rahmen des Festivals Alt. +1000 zum ersten Mal ausgestellt.

Alt+1000 Dan Holdsworth

Dan Holdsworth (UK) Der 1974 in England geborene Dan Holdsworth interessiert sich für die Landschaft als Ort der Erkundung, aber auch als Experimentierfeld. Seine Werke, die durch die Abwesenheit von Menschen gekennzeichnet sind, zeigen Orte, die der Zeit enthoben scheinen. Aufgrund sehr langer Belichtungszeiten und durch Anwendung technischer Hilfsmittel gelingt es dem Künstler, einen irrealen Effekt zu erzielen, bei dem sich Himmel und Erde vereinen. Seine Arbeiten wurden in renommierten Museen wie Tate Britain, London, und Centre Pompidou, Paris, ausgestellt.

Alt+1000 Georg Gerster

Georg Gerster (Schweiz) Georg Gerster wurde 1928 in Winterthur geboren. Sein Studium der deutschen Philologie an der Universität Zürich schloss er mit dem Doktorat ab. 1950-1956 war er Wissenschaftsredakteur bei der «Weltwoche», danach verfasste er Reportagen als freischaffender Journalist. 1963 unternahm er seinen ersten Flug in den Sudan. Während der folgenden Jahrzehnte widmete er sich der Luftbildfotografie, die sich zu seinem Spezialgebiet entwickelte. Als Pionier dieser Gattung bereiste Georg Gerster weite Teile der Welt. In seinen Fotografien betont er die Harmonie und Schönheit der aus der Luft betrachteten Landschaften. In den Jahren 1970-1990 verwendete die Fluggesellschaft Swissair Gersters Luftaufnahmen für ihre Visual Identity. Im Frühjahr 2013 widmete ihm die Fotostiftung Winterthur eine Retrospektive. Das Festival Alt. +1000 zeigt erstmals in der Schweiz die Originalplakate der Swissair-Werbekampagne.

Alt+1000 Pablo Lopez Luz

Pablo Lopez Luz (Mexiko), Wettbewerbspreisträger. Der 1979 in Mexiko-Stadt geborene Pablo Lopez Luz studierte visuelle Künste an der Universität New York und im International Center of Photography, New York. 2005 erhielt er das Velasquez-Kulturstipendium der Stadt Madrid. Der Künstler zeigt Luftaufnahmen der Stadt Mexiko, die die Verwandlung des Stadtbilds infolge der unkontrollierten Expansion der Megalopolis dokumentieren. Die ursprünglich in einem von Gebirgen umgebenen Tal gelegene Stadt erlebt ein derart intensives Bevölkerungswachstum und einen so gravierenden Mangel an städtischen Infrastrukturen, dass die natürlichen Hindernisse, die das Tal einstmals umgaben, sukzessive verschlungen werden.

Alt+1000 Maanantai Collective

Maanantai Collective (Finnland), Wettbewerbspreisträger. Die neun Mitglieder des Maanantai Collective absolvieren alle eine künstlerische Ausbildung an der Aalto-Universität in Helsinki. Ziel ihres im Sommer 2012 realisierten Projekts war es, einen neuen Blick auf die norwegische Inselgruppe der Lofoten zu werfen, eine Region, die für ihre malerischen Gebirgslandschaften bekannt ist, die senkrecht ins Meer abfallen. Das oberhalb des Polarkreises gelegene Expeditionsziel bot ihnen die Gelegenheit, gleichzeitig die Begriffe der Höhenlage und der hohen geografischen Breite auszuloten. Ihre allererste Publikation wird zeitgleich mit der diesen Sommer in Rossinière gezeigten Ausstellung erscheinen (Verlag Kehrer).

Alt+1000 Esther_Mathis

Esther Mathis (Schweiz) Die 1985 geborene Esther Mathis entwickelt in ihren Arbeiten eine hochsubtile Ästhetik, die mit der Abstraktion liebäugelt. Die Künstlerin verwendet Fotografie und Video und gestaltet ausserdem Installationen, in denen die beiden Techniken miteinander kombiniert sind. Durch ihre Werke taucht der Betrachter sowohl in ihren verschwimmenden Porträts als auch in ihren Fotografien mit verschneiten Landschaften oder Steinskulpturen in eine Welt des Schweigens ein. Die von Esther Mathis gezeigten Fotoarbeiten wurden eigens für das Festival Alt. +1000 geschaffen.

Alt+1000 Simon Norfolk

Simon Norfolk (UK) Der 1963 in Lagos (Nigeria) geborene Simon Norfolk lebt heute in Brighton, England. Er hat sich auf die Landschaftsfotografie spezialisiert und arbeitet insbesondere am Konzept des «Schlachtfelds». Seine Fotografien dokumentieren die Spuren, die die verschiedenen Konflikte und ihre Auswirkungen auf Bevölkerung und Natur hinterlassen. Der international renommierte Künstler leitete im August 2012 in Rossinière einen einwöchigen Workshop. Er erhielt mehrere Preise, zuletzt einen Reportageauftrag im Rahmen des Prix-Pictet 2012, der ihn nach Afghanistan führte. Am diesjährigen Festival Alt. +1000 wird er als schweizerische Vorpremiere dieses Projekt in Form einer kommentierten Projektion seiner Fotografien präsentieren.

Alt+1000 Cyril Porchet

Cyril Porchet (Schweiz), Wettbewerbspreisträger. 2011 erwarb der 29-jährige Künstler ein Diplom an der Ecole cantonale d’art de Lausanne. Seine Serie «Vertigo» zeigt Ansichten von Deckengemälden in Barockkirchen, die er aufgrund ihrer üppigen Dekorationen ausgewählt hat. Der architektonische Rahmen und die ornamentalen Malereien vermischen sich auf eine Art und Weise, bei der das Gefühl der Tiefe aufgehoben wird. Der Flächeneffekt und die Üppigkeit des Dekors lassen den Betrachter die Bezugspunkte verlieren.

+1000 Valentina Suter

Valentina Suter (Schweiz), Wettbewerbspreisträgerin. Die 24-jährige Valentina Suter absolviert derzeit eine Ausbildung an der Fotoschule in Vevey. Ihre im Luxushotel Gstaad Palace entstandene Arbeit vermischt Ansichten der vor Beginn der Wintersaison leeren Hotelräumlichkeiten mit Bildern von Gästen anlässlich der Feierlichkeiten am Jahresende. Die Nobelgesellschaft, die sich über die Festtage in dieser «Chalet»-ähnlichen Umgebung drängt, erweckt den Eindruck eines der Zeit enthobenen Erlebnisses.

Alt+1000 Penelope Umbrico

Penelope Umbrico (USA) 1975 in Philadelphia geboren, lebt und arbeitet die Künstlerin heute in New York. Die Absolventin der School of Visual Arts, New York, unterrichtet derzeit im Rahmen des Programms «Photography, Video and Related Media». In ihren Arbeiten untersucht sie die Herstellung und den Konsum der weithin – vor allem im Internet – verbreiteten Bilder. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen und stellte in vielen bedeutenden Museen aus, so in MoMA PS1 in New York, im San Francisco Museum of Modern Art und am Internationalen Fotografie-Festival in Pingyao (China). Ihre erste Monografie Penelope Umbrico (Photographs) wurde im Verlag Aperture (2011) veröffentlicht. Ihr eigens für das Festival Alt. +1000 realisiertes Projekt über Berge enthält Fotografien, die durch die Bearbeitung mit Smartphone Apps entstanden.

Alt+1000 Penelope Umbrico Kirche

Penelope Umbrico bietet am Festival Alt. +1000 ein besonderes künstlerisches Erlebnis an: Die Besucher sind eingeladen, Penelope Umbrico ein Bild zu senden, das sie mit ihrem Smartphone von der Kirche aus von Rossinière aufgenommen haben. Später erhalten sie es in einer von der Künstlerin weiterverarbeiteten Form als MMS oder E-Mail zurück. Die Besucher erhalten somit kostenlos ein «Unikat» der Künstlerin.

Alt+1000 Wang Lin

Wang Lin (China), Wettbewerbspreisträger. Die 40-jährige Wang Lin ist Absolventin der Central Academy of Fine Arts in Peking. Von ihrer Tätigkeit als Flugbegleiterin profitierend, machte sie Luftaufnahmen durch ihre Fensterluke, sowohl auf Reisehöhe als auch beim Abflug und Landeanflug auf Städte. Auf den Flugbildern fällt der starke Kontrast zwischen der reinen Atmosphäre und dem grauen Himmel über Stadtgebieten auf. Aus der Luft betrachtet sind die einzelnen Städte kaum voneinander zu unterscheiden, weil sie sich in ihren Strukturen so sehr ähneln.

Mit dieser dritten und sehr gelungenen Auflage hat sich Alt. +1000 als einzigartiges Fotofestival einen festen Platz in der Schweizer Fotokunstszene gesichert. Schade, dass die Veranstaltung gerade in der Deutschschweiz nicht bekannter ist, was zu einem grossen Teil auf unterlassene Werbemassnahmen und das Fehlen einer deutschsprachigen Webseite zurückzuführen ist. Auf diese Weise könnte nicht nur die Besucherfrequenz zusätzlich gesteigert werden, sondern man könnte auch den Sponsoren einen noch besseren Gegenwert zusichern.

Urs Tillmanns

 

Wettbewerb Alt.+ 1000 2013: die fünf Preisträger

Im Wettbewerb 2013 standen Arbeiten zum Thema Höhe zur Wahl. Alle Genres, Methoden und Techniken waren erlaubt: ästhetisch, konzeptuell oder dokumentarisch ausgerichtete Arbeiten waren gleichermassen willkommen. Die Auswahl erfolgte durch eine aus professionellen Fotografen zusammengesetzte Jury: Lady Elena Foster, Juryvorsitzende, Ivorypress (Madrid/London), Leo Fabrizio, Fotograf (Lausanne), Marc Feustel, Kurator, Kritiker (Paris), Winfried Heiniger, Editor, Kodoji Press (Baden) und Chantal Prod’hom, Leiterin, mudac (Lausanne).

Von den 111 eingereichten Portfolios stammten 52 aus der Schweiz, 41 aus Europa, fünf aus Asien, vier aus Nordamerika, zwei aus Südamerika, zwei aus Australien, eine aus dem Mittleren Osten und eine aus Afrika. Die Jury erkor fünf Preisträger, deren Arbeiten im Rahmen des Festivals ausgestellt sein werden:

Wang Lin (40 Jahre, China) «Thirty Thousand Feet»

Pablo Lopez Luz (34 Jahre, Mexiko) «Terrazo»

Maanantai Collective (9 junge Künstler, Finnland) «Nine Nameless Mountains»

Cyril Porchet (29 Jahre, Schweiz) «Vertigo»

Valentina Suter (24 Jahre, Schweiz) «Palace – A Scenario for High Society»

 

Nathalie Herschdorfer, Leiterin des Festivals

+1000 Nathalie HerschdorferNathalie Herschdorfer ist Kunsthistorikerin und hat sich auf Fotografie spezialisiert. Sie hat die Leitung des Festivals Alt. +1000 inne und ist Ausstellungskuratorin bei der amerikanischen Stiftung The Foundation for the Exhibition of Photography (FEP). Sie wirkte 12 Jahre lang als Kuratorin am Musée de l’Elysée, Lausanne, wo sie zahlreiche Ausstellungen betreute. Sie verfasste das Werk «Jours d’après : Quand les photographes reviennent sur les lieux du drame» (2011) und wirkte als Chefredakteurin für «Construire l’image : Le Corbusier et la photographie» (2012). Zusammen mit William A. Ewing verfasste sie zwei Bücher über die neue Szene der Weltfotografie, «reGeneration : photographes de demain». Seit 2010 als Freiberuflerin tätig, rief Herschdorfer zahlreiche Projekte ins Leben, darunter auch «The Youth Code», das als Ausstellung zur Zeit in der Galerie Christophe Guye in Zürich zu sehen ist. Nathalie Herschdorfer arbeitet zudem an einem Wörterbuch der Fotografie, das 2014 im Verlag Thames and Hudson in französischer und englischer Sprache erscheinen wird.

 

Bien Public, Gründungsverein des Festivals Alt. +1000

Das Festival Alt. +1000 wird seit 2008 vom Verein Bien Public veranstaltet. Der in Rossinière gegründete und als gemeinnützige Organisation anerkannte Verein hat sich die Förderung der Kultur und des heimatlichen Erbes des Pays-d’Enhaut und seiner Umgebung zum Ziel gesetzt. Zweck des gemeinnützigen Vereins ist es, das regionale Kulturangebot mithilfe von Synergien und Veranstaltungen im Bereich von Kultur und Kulturerbe zu beleben und zu fördern. Weitere Informationen unter www.bienpublic.ch

 

Das Buch zur Ausstellung «High Altitude»

+1000 KatalogAls bleibende Dokumentation der diesjährigen Alt.+1000 ist ein umfassendes Buch erschienen, welches die Arbeiten erläutert und zeigt. Das Buch entstand unter der Leitung von Nathalie Herschdorfer, Leiterin des Festivals Alt. +1000 und wurde mit einem Essay von Joël Vacheron (London) ergänzt sowie mit Texten über die Künstler von Nathalie Dietschy von der Universität Lausanne.
Edition 5 Continents, Mailand 2013
Zweisprachige Ausgabe: englisch/französisch
ISBN 978-88-7439-652-8 | Seuil Vertrieb | CHF 45.–

 

Das Rahmenprogramm

Festival «Im Land der Kinder», 27. Juli bis 4. August 2013 in Rossinière, Château-d’Oex und Rougemont: Es ist das erste und längste, ganz den Kindern und ihren Familien gewidmete Festival, das bisher in der Schweiz stattgefunden hat. Egal ob die Familien hier einen ganzen Tag oder nur kürzere Zeit verbringen – alles ist vorbereitet, um ihnen erlebnisreiche Augenblicke zu bieten: Attraktionen, rund 100 Veranstaltungen, Animationen, Ateliers, Ruhezonen, Parkplätze, Informationsdienst etc. Über das regionale Verkehrsbüro können Sie auch spezielle Pauschalangebote für Aufenthalt inklusive Veranstaltungen zu ermässigten Preisen buchen. Spezielle Tages- und Abendveranstaltungen mit beliebten Unterhaltungskünstlern wie Sonia Grimm, Sautecroche Marie Henchoz, Sonalp, Henri Dès, Gaëtan. Sämtliche Informationen unter www.aupaysdesenfants.ch

Workshop mit Simon Roberts für Amateur- und Berufsfotografen vom 26. bis 29. August 2013. Vier Tage im Zeichen der fotografischen Praxis. Anmeldung erforderlich, maximal 10 Teilnehmer. Unterstützt von der Fondation Engelberts pour les arts et la culture (Engelberts Stiftung für Kunst und Kultur).

Podiumsgespräch mit Fotografen am Samstag 31. August, 7. und 14. September, jeweils 16:00 Uhr. «En quête d’altitude» (Auf der Suche nach der Höhe): Sichtweisen verschiedener Fotografen (detailliertes Programm siehe Webseite alt).

Führungen durch die Ausstellungen an den Sonntagen 28. Juli, 4. August, 18. August, 1. September, 8. September, 15. September, jeweils um 14:00 Uhr.

Aktivitäten für Familien: An den Sonntagen 8. und 15. September, 14:00 bis 16:00 Uhr finden Kreativworkshops zum Thema Postkarte zusammen mit einem Fotografen. Die Kinder bringen ihre Kamera oder ihr Smartphone mit. Von 7 bis 13 Jahren.

Informationsveranstaltung, Samstag 21. September, 16:00 Uhr. Präsentation von Alplab, eines Projekts über nachhaltige Entwicklung, von den Schülern des Etablissement Secondaire de Béthusy, Lausanne, in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Lausanne.

 

Weitere Informationen zum Festival Alt. +1000 finden Sie unter www.plus1000.ch

Fotointern-Bericht über das Festival Alt. +1000 von 2011

 

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