Urs Tillmanns, 10. November 2013, 07:00 Uhr

Sind analoge Objektive an digitalen Kameras zu gebrauchen?

Kamera-ObjektiveIn zahlreichen Haushalten sind wahre Objektivschätze aus der analogen Zeit anzutreffen. So manch einer fragt sich da zwangsläufig, ob man diese Objektive nicht auch an seiner digitalen Kamera mit Wechseloptik einsetzen kann. Eine allgemeingültige Antwort gibt es auf diese Frage leider nicht.

Grundsätzlich ist die Verwendung älterer Objektivkonstruktionen an modernen Kameras ein Kompromiss hinsichtlich Bildqualität und Bedienkomfort. Für manche hochwertige Objektivkonstruktion aus analogen Zeiten gibt es jedoch für einige Digitalkamerasysteme noch keine Alternative. Hier erweist sich die Verwendung mit einem hochwertigen Adapter als die einzige Möglichkeit und als ein sinnvoller Weg. Von preiswerten Adaptern, so ist in zahlreichen Testberichten und auch in Foren zu lesen, sollte man die Hände weglassen. Mit ihnen kann man vielfach nicht mehr auf unendlich fokussieren oder man kämpft mit mangelnder Arretierung.

Kamera-Objektive

Teure Objekive aus analogen Zeiten. Einige sind noch mit eingeschränktem Komfort und geringerer Abbildungsqualität zu gebrauchen, doch fehlt die Verbindung zur Kameraelektronik, welche heute die Objektivcharakteristik in die Bildopimierung mit einbezieht. Foto: Prophoto-online

Prinzipiell gilt, dass moderne Objektive, die für die Digitalfotografie gerechnet sind, die besten Bildergebnisse erzielen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Objektive sind exakt auf die in den Kameras verbauten Sensoren abgestimmt, deren interne Bildverarbeitung zudem auch eventuelle Abbildungsschwächen digital optimieren können. Die optische

Konstruktion lenkt die Lichtstrahlen möglichst telezentrisch, also senkrecht und parallel auf den Sensor, so dass sie optimal auf die einzelnen Pixel treffen. Neben den optischen Eigenschaften tragen aber auch die mechanischen Verbesserungen moderner Objektivkonstruktionen wesentlich zur Ergebnisverbesserung aktueller Objektive bei. Die Autofokus-Antriebe und Steuerelemente sind beispielsweise schneller und präziser.

Kommen analog gerechnete Objektive an der Digitalkamera zum Einsatz, so muss man testen, ob die gewünschte Bildqualität erreicht wird. Man sollte sich als Anwender darüber bewusst sein, dass analoge Objektive für eine geringere Auflösung, und zwar die des Films, konzipiert wurden. Hinzu kommt, dass sich analoge und digitale Aufnahmesysteme dahingehend unterscheiden, dass sich in der analogen Fotografie Luft zwischen Objektiv und Film befindet, während in der digitalen Fotografie vor dem Sensor Glasplatten in Form von Sperrfiltern für Infrarotlicht oder Tiefpassfilter liegen. Das hat natürlich Einfluss auf die brechende Wirkung. Kommen analog gerechnete Objektive zum Einsatz, so kann störende Randunschärfe auftreten, die natürlich negativen Einfluss auf die Bildqualität hat. Filter vor dem Sensor bewirken zudem, dass sie Licht reflektieren, was sich in den Aufnahmen als Bildstörungen bemerkbar machen kann.

Bewusst muss man sich darüber sein, dass sich in der Objektivkonstruktion in den letzten Jahren wahre Quantensprünge vollzogen haben, was sich natürlich auch in ihren Abbildungsleistungen widerspiegelt. Heute besteht zwischen Objektiven und Kameras ein komplexer Datenaustausch mit einer Vielzahl präziser und zuverlässiger Automatiksteuerungen – da können Objektive aus der analogen Zeit nicht Schritt mithalten.

Durch den ständigen Datenaustauch zwischen Objektiv und Gehäuse erweiterten sich die Möglichkeiten der Automatiksteuerungen für eine einfachere Bedienung, aber auch zur Bildoptimierung ins Unermessliche. Längst begnügt sich der Kameraprozessor nicht mehr nur mit Informationen über Brennweite, Entfernungseinstellung oder Blende. Kompakte Systemkameras nutzen darüber hinaus auch Informationen über die Objektivkonstruktion zur Ergebnisverbesserung. Diese bezieht eventuell physikalisch bedingte Abbildungsfehler des verwendeten Objektivs, aber auch Parameter wie Kamera- oder Objektbewegungen in die Ermittlung und Steuerung der optimalen Einstellparameter mit ein.

Quelle: Prophoto-online.de

 

2 Kommentare zu “Sind analoge Objektive an digitalen Kameras zu gebrauchen?”

  1. Zitat: …dass sich in der Objektivkonstruktion in den letzten Jahren wahre Quantensprünge vollzogen haben… Physikalisch gesehen sind die Fortschritte also denkbar gering, so auf atomarer Winzigkeit?

  2. Hab unterschiedliche Erfahrungen mit Adapter. Der aktuelle Nikon-Canon wackelt in der Kamera. Bei einem Contax/Yashica-EOS ist die Feder zu dünn, die Optik könnte sich lösen. Jetzt weiss ich warum ihn der Fotograf verkauft hat…Die verschiedenen gechipten Adapter verhalten sich unterschiedlich. In Ermangelung verschiedener DSLs gilt das im moment nur für Analoge EOS.

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