Urs Tillmanns, 26. Mai 2014, 18:53 Uhr

Fotohistory.ch besuchte das Deutsche Fotomuseum in Leipzig

Fotohistory.ch, Verein für die Geschichte des Schweizer Fotohandels, ist auf Bildungsreise und hat letzten Sonntag, 25. Mai 2014 das Deutsche Fotomuseum in Leipzig besucht. Dieses wurde erst im August letzten Jahres eröffnet, doch zeigt es einen Bestand, hinter dem sich eine jahrzehntelange Sammlertätigkeit des ostdeutschen Fotografen Peter Langner verbirgt.

Das neue Deutsche Kameramuseum, das früher in einem Fachwerkhaus in Leipzigs Innenstadt aus allen Nähten platze, ist seit dreiviertel Jahren in einem modernen Rundbau in Markkleeberg, etwa15 Kilometer südöstlich von Leipzig, untergebracht. Der ursprünglich für ein Landwirtschaftsmuseum konzipierte Rundbau zeigt im Innern einen grosszügigen treppenlosen Aufstieg, der als Bildergalerie genutzt wird und die geschichtliche Entwicklung des fotografischen Bildes von seinen Anfängen bis in die Gegenwart zeigt. Auf den drei Stockwerken befinden sich zahlreiche Ausstellungsräume, in den Kameras und Zubehör aus allen Epochen zu sehen sind.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Das Museum geht auf die jahrzehntelange Sammertätigkeit des Leipziger Fotografen Peter Langner und seiner Frau Kerstin zurück, die Ende der 1980er Jahre in Leipzig ein «Fotokabinett» begründeten, weil ein privates Museum mit dem damaligen Museumsmonopol der DDR nicht vereinbar war. 14 Jahre danach verstarb Peter Langner, so dass Kerstin Langner zusammen mit dem mit Peter befreundeten Andreas J. Mueller die Sammlung weiter unterhielten und systematisch ausbauten.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Mit der Umsiedelung nach Markkleeberg gehört das Deutsche Fotomuseum zu den schönsten Museen dieser Art. Es nennt sich bewusst so, weil damit verdeutlicht werden soll, dass hier nicht nur ostdeutsche Kameras zu sehen sind, wie man dies in einem «Kameramuseum» in Leipzig erwarten könnte, sondern es bietet auch der kunstgeschichtlichen Entwicklung des fotografischen Bildes gebührend Raum.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Auch deckt das Fotomuseum das fotografische und kameratechnische Schaffen aus ganz Deutschland und auch wichtiger Meilensteine aus dem Ausland ab, obwohl natürlich auch seltene Kameras und Bilder aus dem ostdeutschen Raum, insbesondere aus den «Wiegen der deutschen Kameraindustrie» Dresden und Leipzig, in der Dauerausstellung «Fotofaszination» in 14 Abteilungen entdeckt werden können.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Der Rundgang durch die Geschichte der Fotografie beginnt im Erdgeschoss mit der Laterna magica als mit Petroleum betriebene Projektoren und Vorläufer der Fotografie, zeigt dann die Erfindung der Fotografie der Epoche 1839 bis 1850, widmet sich danach der Reisefotografie, sowie den faszinierenden Entwicklungen der Stereofotografie bis hin zur ersten Popularisierung der Fotografie mit der Carte-de-visite Fotografie von André-Adolphe Disdéri.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Der Atelierfotografie ist mit den verschiedenste Apparaten und Utensilien eine weitere Abteilung gewidmet, an die eine Dunkelkammer aus dem frühen 20. Jahrhundert angrenzt. Faszinierend ist die ausgestellte Entwicklungsgeschichte der Kameratechnik verschiedenster Epochen, in welcher man den Fortschritt der vereinfachten Bedienung und Handhabung von der grossen Plattenkamera bis zur Kleinbildfotografie und den Geheimkameras mit interessantesten Erfindungen gut verfolgen kann.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Eine weitere Abteilung ist chronologisch der Fotografie im 20. Jahrhundert gewidmet, wobei die Kameratechnik hier immer von passendem Bildmaterial anhand exemplarischer Motive und bedeutender Fotografen durch alle Stilrichtungen vom Piktorialismus bis zur Moderne hindurch gekonnt begleitet wird.

Ein weiterer Bereich widmet sich der Entwicklung der Farbfotografie in ihren Anfängen von 1900 bis 1936 ebenso, wie den späteren industriellen Verfahren nach dem zweiten Weltkrieg mit Farbnegativ- und Farbumkehrmaterial.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

 

Auch verschiedensten Kleinbildkameras von 1920 bis 2000 mit der legendären «Leica» als Meilenstein des modernen Fotojournalismus ist ebenso Platz geboten, wie der Revolution von der analogen zur digitale Fotografien, was thematisch elegant in die Gegenwart überleitet, in einer Wechselausstellung mit Bildern von Jeanloup Sieff und Karin Székessy, sowie in einem Sonderbereich «Fotografien aus der DDR» und einigen Bilder aus der früher zensurierten Serie «Verbotene Fotos» von und als Hommage an den Museumsgründer Peter Langner.

Deutsches Fotomuseum / Foto Urs Tillmanns

Kurator Andreas J. Mueller betont, dass das Museum bewusst immer in Bewegung sei. Es werde immer weder viel Ausstellungsgut ausgetauscht, um das Museum auch für häufig wiederkehrende Besucher attraktiver zu gestalten, und auch weil man insbesondere die ausgestellten Bilder nicht zu lange dem Sonnenlicht aussetzen wolle.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Das Museum und die Sammlung macht einen sehr gepflegten Eindruck. Die Exponate sind durchwegs in einem guten Zustand, und die Beschriftungen helfen auch Laien, sich in der Ausstellung zurechtzufinden und den Weg durch die Entwicklungsgeschichte der Fotografie besser zu verstehen.

Deutsches Fotomuseum Leipzig / Foto Urs Tillmanns

Auch unsere Gruppe von Fotohistory.ch war begeistert, und wir möchten an dieser Stelle Andreas J. Mueller (in Bildmitte rechts) und seinem engagierten Team für die spannende und aufschlussreiche Führung danken.

Urs Tillmanns (Text und Bilder)

Weitere Informationen finden Sie unter www.fotomuseum.eu

Deutsches Fotomuseum
Raschwitzer Straße 11-13
DE-04416 Markkleeberg
Tel. 0049 341 6515 711

 

 

Geöffnet: Dienstags bis Sonntag, von 13 bis 18 Uhr

 

2 Kommentare zu “Fotohistory.ch besuchte das Deutsche Fotomuseum in Leipzig”

  1. Bei sovielen Kameras mag die Übersicht verloren gehen, dennoch: Das Deutsche Kameramuseum steht in Plech bei Nürnberg (www.kameramuseum.de)

  2. „man insbesondere die ausgestellten Bilder nicht zu lange dem Sonnenlicht aussetzen wolle.“
    Weise, mein jahrelanges und ohne UV-schutz dem Sonnenlicht ausgesetztes Cibachrome-poster ist bereits im Verbleich-Endstadium.

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