Urs Tillmanns, 10. Juni 2016, 07:00 Uhr

Schaufenster der Zürcher Kultur: Manifesta 11 präsentiert Parallel Events

Die 11. Ausgabe der Manifesta, der europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst, findet vom 11. Juni bis 18. September 2016 in Zürich statt. Unter dem Titel «What People Do For Money: Some Joint Ventures» werden KünstlerInnen mit VertreterInnen verschiedener Zürcher Berufssparten zusammengeführt. Unter den vielen kulturellen Events sind auch verschiedene Fotoveranstaltungen zu finden.

 

Die Austragung bietet die Chance, das vielfältige lokale Kulturleben in einem internationalen Kontext zu präsentieren. Als wesentlichen Bestandteil dieses Schaufensters haben sich an jeder Manifesta-Ausgabe die Parallel Events etabliert. Sie umfassen Projekte aus der bildenden Kunst, aus den Bereichen Performance, Video, Fotografie, Tanz, Theater, Musik und Design.

Eine Ausschreibung für das Programm der Parallel Events im vergangenen Sommer hat grosses Echo bei Kulturschaffenden und Institutionen in Zürich und Umgebung ausgelöst. Insgesamt standen CHF 200‘000.- für solche eigens im Rahmen der Parallel Events entwickelten Projekte zur Verfügung. Die Jury hat aus insgesamt 340 Eingaben von überwiegend hoher Qualität 38 Projekte ausgewählt, von denen 18 finanziell unterstützt und weitere 20 durch die Manifesta empfohlen werden.

 

Einige Highlights der vielen Projekte

Beispielsweise planen die Künstler Patrick Hari und Christoph Elias Meier einen 40-Fuss ISO-Container aus Kunming, der chinesischen Partnerstadt Zürichs, einzuschiffen. Dieser soll ein funktionstüchtiges Bio-Restaurant enthalten und während der Manifesta nicht nur authentische chinesische Küche anbieten, sondern auch Schauplatz verschiedener künstlerischer Events werden.

Ein anderes Projekt verwandelt den «Foto-Ernst» – ein seit Jahren geschlossenes Zürcher Fachgeschäft für Fotografie – in eine Wunderkammer des analogen Bildes. Hier werden während der Dauer der Manifesta Fotokurse und Workshops vor allem zur analogen Fotografie durchgeführt.

Teil der Parallel Events wird aber auch eine Konzertreihe mit experimenteller Musik in verschiedenen Zürcher Music Off Spaces. Das Übersetzerhaus Looren gewährt Einblick in die Arbeit von Übersetzerinnen, die Filmproduzentinnen Karin Heberlein und Annette Carle erarbeiten mit Kindern eine Audio-Kunstinstallation in einem Tram und die Künstlervereinigung «Zitrone» plant einen Schlafsaal für Manifesta-Gäste zur Verfügung zu stellen. Die Universität Zürich schliesslich wird mit eigenen Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema «Arbeit und Forschung» ein eigentlicher Hot Spot der Parallel Events, in dem auch verschiedenen Events von Kulturschaffenden grosszügig Gastrecht gewährt wird.

Darüber hinaus bieten zahlreiche Kulturinstitutionen den Manifesta-Besuchern im Rahmen der Parallel Events ein reichhaltiges Programm. Das Museum für Gestaltung Zürich präsentiert die Fotografin Herlinde Koelbl, die im Toni-Areal ihr neues, international angelegtes Kunstprojekt «Targets» zeigt. Die Kunsthaus-Kuratorin Mirjam Varadinis entwickelt mit dem Künstler Georg Keller und dem «Energiearbeiter» Michael Bieler ein Projekt, in dem unterschiedliche berufliche Backgrounds zusammengeführt werden. Das Völkerkundemuseum schliesslich erforscht das Leben von Strassenhändlern in der tansanischen Millionenstadt Dar es Salaam, die Schuhe aus der europäischen Kleidersammlung verkaufen.

Auch Winterthur wird ein kulturelles Zentrum der Parallel Events, unter anderem mit Beiträgen des Kunstmuseums, des Museums Oskar Reinhart, des Fotozentrums oder des Gewerbemuseums. So präsentiert die Fotostiftung Schweiz mit dem Tessiner Roberto Donetta (1865–1932) einen der grossen Aussenseiter der Schweizer Fotografie, und das Fotomuseum zeigt eine Arbeit des Künstlerduos Marc Roig Blesa (Madrid) und Rogier Delfos (Amsterdam). Im Kunstmuseum Winterthur ist eine monografische Ausstellung über den amerikanischen Künstler Matt Mullican zu sehen, die Kunsthalle Winterthur veranstaltet Diskussionsabende zur Manifesta, und das Gewerbemuseum widmet sich dem Variantenreichtum des Knetmaterials Plastilin in zeitgenössischer Kunst, Animation und Design.

Weitere Kooperation bestehen mit dem Verein der Zürcher Galerien sowie den Zürcher Off-Spaces, deren Ausstellungen von der Manifesta 11 im Rahmen der Parallel Events präsentiert und empfohlen werden.

Während der Manifesta 11 wird auf einer eigenen Website über die vielen Parallelevents informiert.

Die Manifesta 11 dauert in Zürich vom 11. Juni bis 18. September 2016. Detailinfos finden Sie auf www.manifesta11.org

Über die Manifesta

Manifesta, die nomadische europäische Biennale für zeitgenössische Kunst, wurde in den frühen Neunziger Jahren als Antwort auf die neuen sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen in der Ära nach dem Kalten Krieg ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, das psychologische und geografische Territorium Europas auszuloten, entstand eine dynamische Plattform für den kulturellen Austausch innerhalb des Kontinents. Deshalb findet die Manifesta auch alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt statt. Neben der Biennale in Venedig und der documenta in Kassel gehört sie inzwischen zu den bedeutendsten Kunst-Veranstaltungen in der Welt.
Seit 1996 fand die Manifesta in Rotterdam, Luxemburg, Ljubljana, Frankfurt, Donostia/San Sebastián, Trentino–Südtirol, Murcia, Genk und zuletzt in St. Petersburg statt. Mehr als 2,5 Millionen Besucher haben die zehn Manifesta-Ausstellungen und -Programme in den vergangenen zwanzig Jahren besucht. Gastgeberin der elften Manifesta-Ausgabe ist die Stadt Zürich. Kurator ist der deutsche Video- und Konzeptkünstler Christian Jankowski. Unter dem Titel «What People Do For Money: Some Joint Ventures» bringt er KünstlerInnen mit VertreterInnen verschiedener Zürcher Berufssparten zusammen.

 

Teilnehmende der Parallel Events

Projekte in Zürich
• Actual Space Group (Architekturstudenten ETH Zürich) *
• Barbara Weber und Haiko Pfost, Co-Produktion mit Transit Productions und Zürcher Theater Spektakel *
DZG Verein Die Zürcher Galerien **
• Florence Jung *
Foto Ernst – Begegnungszentrum für analoge Fotografie*
• Gasträume 2016, KiöR **
• Georg Keller, Michael Bieler und Mirjam Varadinis **
• Haus Konstruktiv **
• hnc – Agency for the New Contemporary, Martin Schick, Agustina Strüngmann und Marisa König Beatty *
• Johann Jacobs Museum **
• Jürgen Krusche (ZHdK) und Diana Frei («Surprise»-Strassenmagazin) *
• Kunsthaus Zürich **
• Les Complices *
Museum für Gestaltung Zürich **
• Nele Dechmann und Nicola Ruffo (Kunstverein Zürich), Fabian Jaggi und Katrin
• Murbach (Ortreport) *
• OnCurating Webjournal *
• Pixifilm, Karin Heberlein und Annette Carle *
• Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA **
• Simon Heusser *
• Stefan Wagner et al. *
• Theater Neumarkt **
• Theater Rigiblick **
• Universität Zürich **
Übersetzerhaus Looren *
• Verein Stützlibar *
• Verein Zitrone *
• Völkerkundemuseum der Universität Zürich **
• Wrongbrothers Inc. – Patrick Hari und C.E. Meier *
• Zürcher Art Spaces **
• Zürcher Musik-Off-Spaces *
• 3art3 – Tanzhaus Zürich, zürich moves! und Gessnerallee Zürich **

Projekte in Winterthur
Coalmine Gallery **
Fotostiftung Schweiz **
• Gewerbemuseum Winterthur **
• Kunsthalle Winterthur **
• Kunstmuseum Winterthur, Museum und Graphische Sammlung **
• Marc Roig Blesa und Rogier Delfos, Co-Produktion mit Fotomuseum Winterthur und Krakow Photomonth *
• Museum Oskar Reinhart **

* Finanziell unterstützt durch Manifesta 11
** Empfohlen durch Manifesta 11

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