Urs Tillmanns, 12. Juni 2016, 07:00 Uhr

«Son Doong» – wie Urs Zihlmann die grösste Höhle der Welt fotografierte

«Son-Doong» in Vietnam ist die grösste Höhle der Welt: Fünf Kilometer lang, 200 Meter hoch und 150 Meter breit. Fünf Tage lang war Urs Zihlmann mit seiner Nikon-Ausrüstung und drei LED-Schweinwerfern darin unterwegs, um atemberaubende Bilder dieses unterirdischen Paradieses an den Tag zu bringen.

 

«Son Doong», die grösste Höhle der Welt, befindet sich in Vietnam im Phong Nha-Kẻ Bàng Nationalpark. Der Eingang zur Höhle wurde in den frühen 1990er Jahren entdeckt. Es dauerte aber weitere 20 Jahre, bis sie von Wissenschaftlern und Höhlenexperten erforscht wurde. Für den Tourismus sind die Höhlen erst seit zwei Jahren zugänglich. Seither wurden von der Provinzregierung von Quang Binh weniger als 900 Lizenzen vergeben, eine davon an mich – lucky me! Nun liegt eine fünftägige Reise in ein unterirdisches Paradies vor uns …

 

Erste Etappe: Hang En Cave

Auf dem langen Weg zur Son Doong Höhle erreichten wir nach einem Tagesmarsch durch das Rao Thuong Tal die ebenso spektakuläre Hang «En Cave», welche kürzlich als Filmkulisse für den Blockbuster «Peter Pan» diente. Der einzigartige Zeltplatz mit feinstem Sand und zwei natürlichen Pools alleine war die Reise schon wert!

 

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Spektakuläre Aussicht auf den Zeltplatz in der Hang En Cave, der drittgrössten Höhle der Welt

 

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Stalagmiten und Stalaktiten in der Hang En Cave

 

 

Weiter zur Hang Son Doong

Nach einer weiteren halbtägigen Wanderung durch Flüsse und Dschungel, begleitet von Schmetterlings-Schwärmen, gelangten wir zum Eingang von Son Doong. Danach ging es gleich nochmals 80 Meter steil in die Tiefe. Die aufsteigenden Nebelschwaden markierten den Ort, wo Mr. Ho Khan, der Entdecker der Höhle, 1990 von einem Unwetter überrascht worden war und Schutz gefunden hatte. Vor uns liegt der Eingang zur Unterwelt von Son Doong …

 

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Steiler Abstieg durch den Dschungel zum Eingang der grössten Höhle der Welt

 

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80 Meter unter der Erde und unweit des Eingangs erwarten uns riesige Stalagmiten

 

Die Dimensionen, welche die Erdgeschichte hier hinterlassen hat, sind gigantisch. Die längste Passage von Son Doong misst mehr als fünf Kilometer. Die Höhle ist bis zu 200 Meter hoch und 150 Meter breit, und würde somit genügend Platz für ein Haus mit 40 Stockwerken bieten. Durch die zwei Dolinen, wo die Decke der Höhle eingebrochen ist, kommt nicht nur Licht sondern auch Leben in die Höhle. Nach Lebewesen klingen denn auch die Namen der beiden Dolinen «Watch out for Dinosaurs» und «Garden of Edam». In diesen beiden unterirdischen Urwäldern wachsen bis zu 40 Meter hohe Bäume sowie unzählige weitere Pflanzen, und längst haben Affen, Vögel und andere Tiere hier einen paradiesischen Lebensraum gefunden.

 

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Ein Blick zurück in den «Garden of Edam» bei der 2. Doline. Wie klein wir Menschen doch sind …

 

Die Höhle verfügt dank ihrer Grösse und den Dolinen über ein eigenes Wolkensystem. Die Stalagmiten erreichen eine Höhe von 80 Metern und gehören damit zu den grössten der Welt. Son Doong ist schlicht ein Naturparadies der Superlative, das seinesgleichen sucht.

 

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Der Lichteinfall durch die Dolinen bewirkt fantastische Lichtstimmungen

Unser Team von «Oxalis» bestand aus über 40 Personen, begleitet und geführt wurde die Tour von Deb und Howard Limbert von der British Cave Research Association. Das gesamte Team von «Oxalis» machte einen hervorragenden und professionellen Job. Nicht zuletzt dank ihnen wurde diese Fotoreise zu einem einmaligen und unvergesslichen Erlebnis.

 

 

Fotografieren in der Unterwelt

Das Fotografieren war in mancher Hinsicht eine Herausforderung. Die Lichtverhältnisse waren äusserst schwierig: Bei den Dolinen mit viel Tageslicht war der Dynamikumfang zwischen hell und dunkel extrem gross, während uns in den Tiefen der Höhle lediglich unsere Stirnlampen als Lichtspender dienten. Der Boden war meistens nass, sandig, oftmals rutschig und ebene Stellen suchte man vergebens. Eine weitere Herausforderung war die Luftfeuchtigkeit, dazu aber später mehr.

 

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Das Zeltlager ist aufgeschlagen. Gespannt sehen wir morgen einem neuen Abenteuertag entgegen

 

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Die Nebelschwaden haben sich verzogen – es wird ruhig im Nachtlager

 

Zum Ausleuchten der Höhlen verwendeten wir drei 32’000 Lumen LED Scheinwerfer, wobei ein Akku gerade einmal für ca. 15 Minuten Dauerlicht ausreichte. Über Walkie Talkies standen wir mit unseren leuchtend gelb gekleideten Models und Trägern in Kontakt. Teilweise über einen Kilometer entfernt, gaben wir ihnen Anweisungen zur optimalen Lichtposition und Ausleuchtung. Viel Zeit blieb dafür nicht, die Fotos mussten in kurzer Zeit in den Kasten gebracht werden. Eine durch die Jahreszeit bedingte Problematik waren die dichten Nebelschwaden, welche eine klare Weitsicht verhinderten. Diese sorgten aber für mystische Fotos in dieser wunderschönen Unterwelt.

 

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Der Aussichtspunkt «Watch out for Dinosaurs» hat seinen Namen verdient

 

Mit der Nikon D810 und D750 hatte ich zwei erstklassige Kameras mit dabei. Das meistverwendete Objektiv, das Nikon 2.8/14-24mm hat sich an der D810 bewährt. An der D750 verwendete ich vorwiegend das 1.8/20mm und das 2.8/24-70mm Objektiv. Für ein paar wenige Aufnahmen kam das 70-200mm Objektiv zum Einsatz. Die meisten Fotos entstanden bei einem Brennweitenbereich von 14-35mm, wobei ich insbesondere um die 14mm froh war.

Auf vielen Fotos posierten Menschen, um die Grössenverhältnisse und Relationen besser abzubilden. Meine lichtstarken Objektive ermöglichten mir dabei eine relativ kurze Belichtungszeit.

 

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Kaum zu glauben, dass sich der unterirdische Dschungel «Garden of Edam» in einer Höhle befindet

 

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«The Dogs Bollocks» sind riesige Stalaktiten-Formationen, die sich in Millionen von Jahren gebildet haben

 

Ein stabiles Stativ ist mindestens so wichtig wie die Kamera, und mit dem Gitzo Traveller GT2542T und dem Really Right Stuff (RRS) Kugelkopf BH-30 hatte ich eine sehr gute und leichte Kombination im Einsatz. Die L-Platte, ebenfalls von RRS, war aufgrund der knappen Zeit und der minimalen Lichtverhältnisse sehr hilfreich und sorgte für ein schnelles und sicheres Wechseln vom Quer- zum Hochformat.

Für beide Kameras verwendete ich einen Fernauslöser, da man die Kamera bei einer Fotoserie mit unterschiedlichen Belichtungsreihen unter keinen Umständen berühren sollte. Die Filter (Polarizing und Neutral Density) kamen ausserhalb der Höhlen und im unterirdischen Dschungel zum Einsatz. Dass genügend Speicherkarten und Akkus ins Gepäck gehören, sollte selbstverständlich sein. Zur Datensicherung kopierte ich die Bilder am Abend jeweils auf eine externe Harddisk.

 

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Die «Hand of Dog»-Formation in weiter Ferne.

 

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Die «Son Doong» präsentiert sich mit einer unglaublichen landschaftlichen Vielfalt

 

 

Die Anzahl der Objektivwechsel sollte man wegen der sehr hohen Luftfeuchtigkeit auf ein Minimum reduzieren. Auch aus diesem Grund ist eine zweite Kamera extrem nützlich. In den Höhlen tropft es ständig und das trockene Mikrofasertuch sollte nie weiter als ein Griff entfernt sein. Bei der zweiten Doline «Garden of Edam» war mein Objektiv derart beschlagen, dass ich erst auf dem Rückweg am nächsten Tag Aufnahmen machen konnte.

Die Verwendung eines Blitzgeräts ist aufgrund der unglaublichen Ausmasse der Höhle zwecklos. Allenfalls könnten mit einem externen Speedlight gute Effekte bei Zelt- und Porträtaufnahmen erzielt werden.

 

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Sonnenstrahl bei der 1. Doline «Watch out for Dinosaurs»

 

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Unterirdische Sanddünen auf dem Weg zur «Great Wall of Vietnam»

 

Ich bediente beide Kameras ausschliesslich im Manual-Mode. Je nach Situation und Lichtverhältnissen hatte ich dabei manuell fokussiert, häufig aber auch im Live-View Modus bei 100% Zoom. Obwohl sich der Weissabgleich bei RAW-Aufnahmen auch im Nachhinein korrigieren lässt, versuchte ich die passende Lichttemperatur gleich vor Ort einzustellen.

Sehr wichtig ist ausserdem, dass man seine Kamera in- und auswendig kennt, die Menüpunkte und Buttons sinnvoll angeordnet hat und sie bei Dunkelheit bedienen kann. Das gleiche gilt natürlich auch für das Zubehör wie Stativ und Fernauslöser. Beim Einsatz von mehreren Kameras sollten die Grundkonfigurationen aufeinander abgestimmt sein.

 

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Eine von vielen Flussdurchquerungen. Höhlenexkursionen sind keine Sonntagsspaziergänge …

 

Vor der Reise hatte ich meine beiden Kameras durch Nikon reinigen lassen, was ein guter Entscheid war. So weisen meine Fotos kaum störende Sensorflecken auf, dies kam mir bei der Nachbearbeitung mit Lightroom und Photoshop zugute.

Die Reise war ein fantastisches Erlebnis und die Fotos sind mehr als nur Dokumentation. Es sind Bilder, die eine Landschaft aus der Urzeit zeigen mit mystischen Licht- und Wolkenstimmungen, die uns ins Zeitlose zurück versetzen.

Fotos und Text: Urs Zihlmann

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Eine zeichnerische Darstellung der Son Dong Höhle finden Sie hier.

Weitere Bilder und mehr Details finden Sie auf cave.photography/son-doong/ sowie auf urszihlmann.com

 

 

4 Kommentare zu “«Son Doong» – wie Urs Zihlmann die grösste Höhle der Welt fotografierte”

  1. Die ganze Bild-Serie gefällt mir ausserordentlich gut und fasziniert!
    Dank der intensiven Arbeit mit dem Team kommt hier ein echtes und noch völlig unbekanntes Naturerlebnis direkt und authentisch rüber.
    Fantastisch!
    Darf man auf eine Ausstellung mit Grossvergrösserungen hoffen?
    Freundlicher Gruss
    Beat Pfändler (zZ. in Japan)

  2. Ich war auch vor einem Monat dort… glaubt mir live ist es noch 10mal besser!

    Und das Schönste ist, dass es erst nach ca. 6h Wanderung durch den Dschungel erreichbar ist! Einfach atemberaubend.

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