Urs Tillmanns, 9. September 2016, 15:00 Uhr

Images 2016 in Vevey: Eine Stadt voll mit Fotografie

Sie ist alle zwei Jahre ein Grossereignis, die «Image» in Vevey. Dieses Jahr wird sie frühere Images übertrumpfen, mit insgesamt 75 Projekten und Fotokünstlern aus 15 Ländern. Das Thema: «Immersion» – Eintauchen in die Welt der Kreativität, der visuellen Künste, der exklusiven Installationen. Fotografie erleben, Trends mitverfolgen, in Bildern denken …

 

Die «Image» beginnt am Samstag, 10. September 20116 um 11:00 mit einem grossen Fest in der Umgebung des «Salle del Castillo», bei dem man viel Prominenz und die meisten der ausstellenden Fotografen sehen wird. Danach können alle 75 Ausstellungen und Attraktionen der Image drei Wochen lang bis 2. Oktober kostenlos besucht werden. Fotografie erleben – Eintauchen in die Fotografie.

Das Festival Images Vevey ist die wichtigste Schweizer Biennale der visuellen Künste. Alle zwei Jahre produziert es Ausstellungen unveröffentlichter Fotos im Freien, an Fassaden von Gebäuden, am See oder in den Stadtparks, an einer Mehrzahl ungewöhnlicher Ausstellungsorten, sowie in Zusammenarbeit mit all jenen die Vevey tagtäglich zu einer Bilderstadt machen.

 

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Die insgesamt 75 Ausstellungsplätze, teils im Freien, teils in Innenräumen, sind über das ganze Stadtgebiet Vevey verteilt (Klick aufs Bild für pdf-Ausstellungsplan)

Anlässlich der die Stadt Vevey vom 10. September bis zum 2. Oktober 2016 einmal mehr in eine wahrliche «Bilderstadt» verwandeln. Das Festival bekräftigt seine Stellung als wichtigste Schweizer Biennale der visuellen Künste, und wird mit exklusiven Installationen, internationalen Künstlern und jungen Talenten an unerwarteten Orten im Freien und in verschiedenen Ausstellungsräumen zu überraschen wissen: alle Besucherinnen und Besucher erwartet ein regelrechtes fotografisches Erlebnis im grossen Massstab – kostenlos!

Die Besucher und Besucherinnen werden in dieser 5. Ausgabe das Festival Images das Thema « Immersion » im Inneren und im Freien entdecken können, oft in monumentalen Formaten, mit Werken von Künstlern wie Hans-Peter Feldmann, James Casebere, Mat Collishaw, Christian Jankowski, Martin Parr, Laurie Simmons, Pierre et Gilles, Stephen Gill, Cyril Hatt (in Zusammenarbeit mit dem Montreux Jazz Festival), Chema Madoz oder Guido Mocafico. Ebenso werden jene Arbeiten ausgestellt die anlässlich des Grand Prix Images 2015/2016 realisiert wurden, insbesondere das Projekt von Christian Patterson, dem Sieger des mit CHF 40’000 dotierten Stipendiums, welches in Vevey seine Weltpremiere feiern wird.

Die Besonderheit des Festival Images Vevey liegt in der Konzipierung und Realisierung von massgeschneiderten Ausstellungen, in denen das gezeigte Werk und der Ausstellungsort in Einklang gebracht werden: sei dies die Wand eines Museums oder eine im See schwimmende Struktur, eine prachtvolle Fassade oder ein Kirchenschiff. Wie schon 2014 wird die Salle del Castillo erneut den Startpunkt des Festivalbesuches bilden: nebst  Ausstellungen wird es ebenfalls das Besucherzentrum, den Buchladen, den Festival Shop und eine Bar beherbergen. Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit all jenen die Vevey tagtäglich zu einer Bilderstadt machen erneuert: Museen, Schulen, Galerien und Künstlerkollektive.

 

Hier einige Höhepunkte des Festival Image 2016:

 

Martin Parr (GB), «Think of Switzerland»
Fassade BCV, Bahnhofplatz

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Martin Parr gilt als einer der wichtigsten Fotografen seiner Generation. Seit vierzig Jahren liefert er eine pointierte Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft, in der er es meist auf die Begleiterscheinungen von volkstümlichen Vergnügen und des Massentourismus abgesehen hat. Das Festival Images zeigt eine Fotografie aus einer 2012 über die Schweiz realisierten Reihe des englischen Künstlers. Eine Nahaufnahme der Rückenansicht eines Touristen in Zermatt, der wie in das Panorama eingebettet wirkt, ist in der Grösse der Fassade der Waadtländer Kantonalbank am Bahnhofplatz zu sehen.

 

 

Martin Parr (GB), «You and Martin are a Pa(i)rr»
Salle del Castillo

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Thematisch passend zu diesem Einstiegsbild präsentiert Martin Pass im Salle del Castillio eine Inszenierung, bei der die Besucher in Martin Parrs scheinbar triviale Aufnahmen zu tauchen und Platz neben den unbekannten Porträtierten einzunehmen. Das vor einem Green-Screen aufgenommene Porträt des Besuchers wird direkt in die Fotografie von Martin Parr integriert, und ermöglicht jedem physisch mit dem Inhalt und der Komposition des Bildes interagieren zu können. Selbstverständlich dürfen die Besucher den Print mitnehmen.

Martin Parr kommentiert mit Ironie und Humor die Widersprüche unserer Gesellschaft. Fast zärtlich offenbart seine Arbeit die Absurditäten unseres täglichen Lebens, und deckt die teils grotesken Schattenseiten der Globalisierung, des Tourismus, und der Konsumgesellschaft auf.

 

 

Guido Mocafino (IT), «Blaschka»
Quai Roussy und Salle del Castillo

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Diese Reihe ist nach Leopold und Rudolf Blaschka benannt, zwei in Dresden tätige Böhmische Glaser. Zwischen 1863 und 1939 produzierten Vater Leopold und sein Sohn Rudolf Glasmodelle von Meerestieren und -pflanzen als Anschauungs- und Studienobjekte für naturhistorische Museen und Universitäten weltweit. Von ihrer Schönheit beeindruckt, reiste Guido Mocafico durch ganz Europa um diese Objekte zu fotografieren, da sie viel zu zerbrechlich sind um bewegt zu werden. Eine Umsetzung dieser Bilder als Virtual Reality-Films durch Sébastien Devrient ist im Salle del Castillo zu sehen oder am Quai Roussy. Zu dieser Arbeit wird im Steidl Verlag (Göttingen) ein Buch erscheinen.

 

 

Pierre et Gilles (FR), «A la Fenêtre»
Fassade des l’Hôtel Trois Couronnes, Rue d’Italie 49

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Die Ästhetik von Pierre et Gilles bildet seit über 40 Jahren ein eigenes visuelles Universum. Ihre farbenfrohen Porträts vor liebevoll-plastisch gestaltetem Hintergrund entführen den Betrachter in eine Traumwelt in der Popkultur auf Burleske und Erotik trifft. Das Künstlerduo findet seine Hauptinspirationsquellen in der religiösen Symbolik, in Bollywood-Produktionen, der Welt der Kinder sowie in der schwulen Ikonographie. Mit ihren Albumcovers für Stars der 80er-Jahre wie Boy George, Nina Hagen oder Etienne Daho haben sie die Popkultur ebenfalls geprägt. Die für die Kultband Mikado gestaltete Arbeit «A la fenêtre», die es auf einen Plattencover schaffte, erinnert an ihren Beitrag an die Musikwelt.

 

 

Pierre et Gilles (FR), «Dans le Port du Havre»
Ancienne Prison Vevey

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Unweit dieses Werkes entdeckt der Besucher an der Wand des alten Gefängnisses das zweite ausgestellte Werk von Pierre et Gilles: «Dans le port du Havre» zeigt einen in trübem Wasser schwimmenden jungen Seemann und nimmt direkten Bezug zum Thema «Immersion». Eintauchen in sein Element, ins Wasser, das die Schiffe trägt, die ihn über die Weltmeere von Kontinent zu Kontinent bringen.

 

 

Walter Chandoha (USA), «The Cat Photographer»
Salle del Castillo

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In mehr als sieben Jahrzehnten hat Walter Chandoha eine beeindruckende Kollektion an Katzenporträts erschaffen, die in allen denkbaren Formen und Facetten Verwendung gefunden haben: als Poster, Kalender, Puzzles, T-Shirts, auf Tiernahrungsverpackungen, und vielem mehr. «The Cat Photographer» huldigt diesem lang belächelten Genre mittels 60 emblematischer Fotos. Herrlich kitschig, waren diese Bilder die Vorreiter der kommerziellen Tierfotografie. Dank einfachen Hintergründen mit kräftigen Farben und besonders aufmerksamer Beleuchtung, hat Chandoha diesen Tieren zu unnachahmlichem Glamour verholfen. Seine Arbeit wurde 2015 von Aperture in einem monografischen Fotoband gewürdigt. Es liegen Poster auf, die gerne als Erinnerung mitgenommen werden dürfen.

 

 

Cristina de Middle (SP), «The Perfect Man»
Quai Perdonnet (Nähe Chaplin-Statue)

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Ein Fotofestival in Vevey ohne eine Hommage an Charly Chaplin ist kaum denkbar. Anlässlich der kürzlich erfolgten Eröffnung von Chaplin’s World auf dem Landsitz, in dem der Stummfilmstar die letzten 25 Jahre seines Lebens verbrachte, produzieren das Museum Chaplin’s World und das Festival Images gemeinsam die neue Fotoserie von Cristina de Middel. Der Ausgangspunkt ihrer neuen Arbeit ist die alljährliche Charlie Chaplin-Parade in Adipur, Indien. Mit der Dokumentation dieser Appropriation westlicher Kultur durch die indische Bevölkerung, hinterfragt Cristina de Middel mit Humor die Arbeitsbedingungen in einem Land mit starker wirtschaftlicher Entwicklung sowie die Rolle des Menschen in der post-industriellen Gesellschaft. Die Arbeit ist in der Nähe der berühmten Charlie Chaplin-Skulptur am Quai Perdonnet ausgestellt, mit der Touristen gerne Selfies schiessen.

 

 

 

Cristina de Middle (SP), «The Perfect Man»
Dépendance de l’Hôtel Trois Couronnes, Rue du Château

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Gleich nochmals Cristina de Middle zum Thema Charly Chaplin: In einem Ausstellungszentrum des Hôtel Trois Couronnes zeigt die spanische Künstlerin mehrere Wandkompositionen, in denen Sie auf wichtige Filme von Chaplin Bezug nimmt. Unschwer zu erkennen sind die Beziehungen zum Film «Modern Times», der eine tragikomische Seite des berühmten Clowns zeigt.

 

 

Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger (CH), «Icons» (Grand Prix Images Vevey)
Théâtre de Verdure et Jardin du Rivage

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Icons hinterfragt die Macht des fotografischen Bildes, in einer Zeit in der digitale Technologien alle Sorten von Bildmanipulation ermöglichen. Seit 2012 hat das Duo in ihrem Studio in Zürich über 30 historische Fotografien nachgestellt. Als erstes erstellen sie ein Modell des berühmten Bildes, daraufhin erweitern sie den Bildbereich und lüften das Geheimnis der Herstellung, wobei sie Klebstoff, Cuttermesser, Pinsel, Bohrer und Beleuchtung offenbaren. Der Betrachter wird dazu angeregt sich Gedanken über Bilder die sich schon in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben zu machen. Es sind mehrere Werke von Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger zu sehen, darunter das Bild «Titanic» auf der Freilichtbühme des Jardin du Rivage.

 

 

Alec Soth (USA), «View From my Hotel Window, Tokyo»
Hôtel des Trois Couronnes, Suite 143

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Im Auftrag für das New York Times Magazine dokumentiert Alec Soth in dieser Arbeit seine Reise nach Tokio. Der amerikanische Fotograf macht dabei das genaue Gegenteil einer gewöhnlichen Reisereportage: er steigt fünf Tage im Park Hyatt Hotel ab, wo der Film Lost In Translation gedreht wurde, verlässt allerdings das Zimmer kein einziges Mal. Anstatt selber auf Entdeckungstour durch die Stadt zu gehen, holt er sie zu sich aufs Zimmer, und bestellt die verschiedensten Dienstleistungen über das Internet: eine Gruppe Ganguro-Sängerinnen, einen Sushi-Koch, einen Tee-Zeremonienmeister, einen Japanischlehrer, einen Berater für Expats, und sogar einen Verführungsexperten.

Die Arbeit wird, als Verweis auf den Entstehungsort der Bilder, im gemütlichen und luxuriösen Ambiente einer Suite des Hotel des Trois Couronnes gezeigt. Die Suite wird während den Geschäftszeiten öffentlich zugänglich sein. Besucher können die Suite auch für eine Übernachtung buchen (Preise auf Anfrage an der Rezeption des Hotels).

 

 

Christian Patterson (USA), «Gong Go», (Grand Prix Images Vevey)
Grand Café des Mouettes

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Die Installation Gong Co. ist der originale Nachbau eines kleinen ehemaligen Lebensmittelladens aus Mississippi. Christian Patterson hat die Einrichtung vor dem Zerfall gerettet und einen grossen Teil der Produkte konserviert und fotografiert. Als der amerikanische Künstler den Laden vor einigen Jahren entdeckte, erschien er ihm wie ein Museum in dem die Zeit stehen geblieben war. Er erinnerte sich an Andy Warhols Vorahnung: «All departement stores will become museums and all museums will become department stores» («Alle Kaufhäuser werden zu Museen und alle Museen zu Kaufhäusern»). Seine Arbeit hinterfragt das Konsumdenken, die Einwanderung und den sozialen Wandel in der kapitalistischen Gesellschaft. In dieser immersiven Installation ist die Fotografie nicht mehr bloss ein Mittel um die Realität festzuhalten: sie wird Bestandteil einer Erzählung die emotionale Macht der Bilder der formalen Sprache der Objekte gegenüberstellt.

 

 

Edoardo Delille (IT), «We splash»
Rue du lac und Quai Perdonnet

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Das Thema der Immersion wird in der Reihe «We Splash», ein partizipatives fotografisches Projekt das im Juli 2016 in Vevey realisiert wurde, beim Worte genommen. Der Italiener Edoardo Delille erkundet in seiner Arbeit das Konzept der Grenzen und benutzt hier den Sprung um mit den Grenzlinien zwischen Luft und Wasser zu spielen. Während zwei Tagen wurden 40 Bewohner der Riviera von Delille in zwei Schritten verewigt: zunächst in dem genauen Augenblick in dem sie in den See springen, und kurz darauf nochmals mit einer Unterwasserkamera. Diese Reihe von Badenden veranschaulicht die enge Bindung der lokalen Bevölkerung mit «ihrem» Genfersee sobald die Badesaison begonnen hat.

Das Festival Images präsentiert diese Fotografien im Grossformat durch Installationen mit direktem Bezug auf das Element Wasser: die erste, für die Dauer der Renovierungsarbeiten, an einem Gerüst um die Fontaine du Sauveur, und die zweite, in Zusammenarbeit mit der ECAL/Ecole cantonale d’art de Lausanne, am Quai Perdonnet, an speziell für dieses Projekt entwickelten riesigen Angelruten.

 

 

Mat Collishaw (GB), «In Camera»
Historisches Museum / Confrérie des Vignerons

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In Camera basiert auf den Fotoarchiven der Bibliothek von Birmingham, ausgehend von etwa 12 Negativen von Tatorten die von der Polizei zwischen 1930 und 1940 angefertigt wurden. Im Dachgeschoss des historischen Museums wird jede Szene, durchsichtig und mit Leuchtfarbe gedruckt, in einer eigenen Vitrine präsentiert. Im Licht eines Blitzgerätes erscheinen diese stummen Zeitzeugen für einen kurzen Augenblick in der Dunkelheit. Collishaw hat diese Bilder ihrer dokumentarischen Funktion enthoben, und provoziert nun damit unser Unterbewusstsein. Die Abwesenheit jeglicher menschlichen Figur in diesen Szenen soll unsere Neugier wecken: jeder Besucher ist eingeladen sich die Bilder zu eigen zu machen, und zu eigenen Schlussfolgerungen zu den Verbrechen in den dargestellten Schauplätzen zu gelangen.

 

 

Mat Collishaw (GB), «The End of Innocence»
Kirche Sainte-Claire

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Mit «The End of Innocence» inszeniert Mat Collishaw einen digitalen Dialog zwischen zwei klassischen Meisterwerken: Diego Velasquez’ Porträt von Papst Innozenz X. aus dem Jahr 1650, und die moderne Neuinterpretation desselben von Francis Bacon aus dem Jahr 1953. Die Installation besteht aus einer Pixelkaskade in der sich das Gemälde des irischen Künstlers in einem ständigen Crossfading jenem des spanischen Meisters überlagert. Auf halbem Weg zwischen Figuration und Abstraktion, verweist dieses hypnotisierende Werk auf die Oberflächlichkeit der von unserer hypervernetzten Gesellschaft erzeugten Darstellungen, während die Cloud, Mobilgeräte und soziale Netzwerke unseren Alltag aufnehmen und uns unter einer konstanten Bilderflut erdrücken.

 

 

Cyril Hatt (FR), «Le Picotin»
La Ferblanterie, Chausée de la Guinguette

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Durch diese fotografische und poetische Installation zu Ehren der warmherzigen Persönlichkeit die Claude Nobs eigen war, möchte Cyril Hatt die Öffentlichkeit ins Innere seines mythischen Chalets Le Picotin einladen, dessen Existenz allen Festivalbesuchern wohl bekannt ist, aber den bisher bloss wenige Auserwählte betreten durften. Jukeboxes, Kopfbedeckungen, Erinnerungsfotos, Kunstwerke, Schallplatten und eine ganze Palette an Musikinstrumenten lassen uns in die Intimität des Picotins eintauchen, das Herz eines Lebens voller Leidenschaft und Begegnungen. Die Ausstellung der Skulpturen aus Fotopapier wurde vom Festival Images Vevey in Zusammenarbeit mit dem Montreux Jazz Festival produziert, wo sie vom 1. bis 16. Juli am Montreux Jazz Festival zu sehen war. Das Festival Images wird sie anschliessend in einer erweiterten Form in Vevey zeigen.

 

 

l’ECAL/Ecole cantonale d’art de Lausanne (CH), «Photojukebox»
La Ferblanterie, Chausée de la Guinguette

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In Ergänzung zu Cyril Hatts «Le Picotin» zeugt die Berufsschule ECAL/Ecole cantonale d’art de Lausanne die Installation «Photojukebox». Fotografie und Musik haben mehr gemeinsam als man denkt. Viele Musiker haben dieser Kunstform auf unterschiedliche Weise gehuldigt. Paul Simon (Kodachrome), Neil Young (Distant Camera), Lady Gaga (Paparazzi), Kraftwerk (Das Model), Barbara (Si la photo est bonne), Eddy Mitchell (La photo des jours heureux), Duran Duran (Girls on Film), The Cure (Picture of You), Depeche Mode (Photographic) und sogar Ringo Starr (Photograph). Das Festival Images hat etwa 30 Studierende im ersten Bachelorstudienjahr an der ECAL/Ecole cantonale d’art de Lausanne beauftragt innert eines Tages einen Videoclip für jeweils einen Song zu realisieren. Dabei sind originelle Produktionen entstanden, die in Verbindung mit der Musik eine faszinierende Stimmung hervorrufen.

 

 

Summit Foundation (CH), «Timealps»
Seepromenade

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Die im Januar 2001 in Vevey gegründete Summit Foundation hat zum Ziel die Auswirkung der menschlichen Aktivität auf die Umwelt in stark besuchten Orten zu minimieren. Das Festival Images, Montreux-Vevey Tourisme und die Summit Foundation haben dieses partizipative fotografische Projekt entwickelt, um die Schönheit der Berglandschaften noch besser zur Geltung zu bringen. An Säulen entlang der Seepromenade zwischen Vevey und La Tour-de-Peilz werden die Besucher aufgefordert mit ihren Smartphones die Alpenpanoramas aufzunehmen. Die daraus resultierenden Fotografien werden anschliessend digital gesammelt und in ein kollektives Panorama eingebaut.

Das Ergebnis der Aktion ist als Timelapse in der Salle del Castillo zu sehen: die Fotografien erscheinen in der Reihenfolge in der sie ins Netz gestellt werden, und werden jeweils nach und nach von neueren Bildern ersetzt.

 

 

Michel Huneault (CAN), «Tohoku»
Parc du Panorama

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Vor fünf Jahren, am 11. März 2011, erschütterte ein Erdbeben die Region Tohoku in Japan, und verursachte einen Tsunami und die darauf folgende Nuklearkatastrophe von Fukushima. 2012 war Michel Huneault für ein Wohltätigkeitsprojekt vor Ort. Er kehrte 2015 erneut nach Japan zurück und erkundete die japanische Küste. Dabei dokumentierte er die Zerstörungskraft der Katastrophe in Bild und Ton. Die Installation möchte zeigen wie die japanische Bevölkerung mit einem Trauma dieses Ausmasses umgeht. Der Besucher wird aufgefordert in zwei riesige Panoramaaufnahmen der Küstenstadt Ishinomaki einzutauchen, die auf zwei bogenförmigen Strukturen aufgestellt sind: auf der äusseren Seite ist Uferpromenade zu sehen, und im Inneren die vom Tsunami zerstörte Landschaft aus der schon einige neuere Bauten hervorstechen.

 

 

Hans-Peter Feldmann (DE), «100 Jahre»
Salle de Castillo

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Hans-Peter Feldmann ist einer der Väter der fotografischen Appropriation. Er betätigt sich allerdings für die Arbeit «100 Years» selber als Fotograf, und präsentiert 101 Schwarz-weiss-Porträts seiner Eltern, Freunden und Bekannten. Zwischen 1997 und 2000 aufgenommen, gibt diese ausserordentliche Arbeit alle Stufen eines Menschenlebens wieder, von einem achttägigen Neugeborenen bis zur 100-jährigen Frau. Für den Betrachter bietet sich die einmalige Möglichkeit in dieser über 50 Meter lange Installation in ein komplettes Leben einzutauchen, dabei in seinen eigenen Erinnerungen zu schwelgen, die Gegenwart geniessen, und sich in die Zukunft projizieren.

 

Susan Dobson (CAN), «Viewfinder»
Schweizerisches Kameramuseum, Grande Place

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Diese Ausstellung besteht aus Fotografien von Seelandschaften aus der Region der Grossen Seen, im Grenzgebiet zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Susan Dobson überlagert ihren Bildern Scans von antiken Kamerasuchern (Viewfinder auf Englisch). Sie betrachtet diese Wasserstrecken absichtlich als öffentliche und universale Orte, und richtet bevorzugt ihre Aufmerksamkeit auf die Zeichen, Raster, Flecken und Fingerabdrücke die von den früheren Besitzern auf den matten Glasplatten hinterlassen wurden. In der digitalen Ära, im Reich des allgegenwärtigen Schnappschusses, erinnern diese Fotografien an eine vergangene Zeit, in der jede Aufnahme noch eine hohe Kunst war, die mit viel Aufwand, noch mehr Material und sehr langen Belichtungszeiten verbunden war.

 

 

Matt Lipps (USA), «Library»
La Grenette, Grande Place

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Seit über zehn Jahren bearbeitet Matt Lipps Archivbilder, und stellt sie wie in einem Kuriositätenkabinett in Regalen auf. Für diese Arbeit hat Matt Lipps aus «The Library of Photography», einem von Time-Life Books in 17 Bänden veröffentlichtes Buch aus den Jahren 1970 bis 1972, geschöpft. Er hat daraus fast 500 Elemente ausgewählt, ausgeschnitten, und zusammengetragen: Objekte, Tiere und Menschen, eine Art visuelle Enzyklopädie aus 40 Jahren Geschichte der Fotografie. Durch Kollagen, Inszenierungen und Stillleben, würdigt Library die analoge Fotografie und stellt die Frage der Zukunft der digitalen Fotografie. Die Fotografien wurden auf grosse Planen ausgedruckt und zwischen den Säulen der Grenette, dem Kornhaus auf der Place du Marché, wo der wöchentliche Flohmarkt stattfindet, aufgehängt.

 

 

Simon Roberts (GB), «The Last Moment»
Bahnhofplatz

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Für diese Arbeit eignet sich Simon Roberts Pressebilder historischer Momente oder von Ereignissen mit grosser Anziehungskraft an. Auf jedem dieser Bilder hebt er alle sichtbaren Geräte hervor, die dem verewigen des Moments dienen – Fotoapparate, Smartphones und digitale Kameras – und kaschiert alles andere. Der Titel «The Last Moment» bezieht sich auf den Spruch «Kodak Moment» jener Firma am Ursprung der Popularisierung der Fotografie. Simon Roberts fügt sich in diese Geschichte ein, in dem er die explosionsartige Verbreitung der Amateurfotografen zeigt, und hinterfragt den Drang unser Leben auf den sozialen Netzwerken zu dokumentieren.

 

 

Joachim Schmid (DE), «Around the World in Eighty Minutes»
Bahnhofhalle

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Die Werke von «Around the World in Eighty Minutes» präsentieren die Weltreise von Joachim Schmid anlässlich einer geführten Besichtigung der Weltausstellung 2010 in Shanghai. Von den unendlichen Warteschlangen vor den verschiedenen Länderpavillons frustriert, fordert sich der Künstler selbst heraus: in Anlehnung an Jules Vernes Roman nimmt er sich vor innerhalb von 80 Minuten die gesamte Anlage zu durchqueren ohne ein einziges Gebäude der Ausstellung zu betreten. Die Fotografien dieser Reihe stammen aus dem 2011 vom Künstler herausgegebenen Buch «Around the World in Eighty Minutes». Im Inneren des Bahnhofes von Vevey soll allen Reisenden – so die Organisatoren – der Unsinn solcher Weltausstellungen, in einem Zeitalter in dem Verkehrsmittel und das Internet jedem ermöglichen die Welt auf eigene Faust zu entdecken, vor Augen geführt werden.

 

 

Renate Buser (CH), Nestlé-Fassade
Nestlé Hauptsitz

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Die Künstlerin Renate Buser, die hauptsächlich mit architektonischen Elementen arbeitet, lässt sich von Elementen bestehender Bauten inspirieren, und erschafft grossformatige Installationen die unsere Wahrnehmung der Realität in Frage stellen. Ihre Arbeit an der Fassade des internationalen Hauptsitzes von Nestlé ist ein Ausschnitt der Empfangshalle im Inneren des vom renommierten Lausanner Architekten Jean Tschumi entworfenem Gebäudes. Zwischen schwindelerregender Selbstreflektion und Illusion schwebend, verstärkt das Werk die Wirkung des Zusammenspiels von Durchsichtigkeit und Grösse zwischen dem Gebäude und seiner Umgebung, und ermöglicht eine Immersion ins Innere dieses architektonischen Juwels. Diese monumentale Fotografie mit einer Fläche von knapp 1000 Quadratmetern, stellt auf einer Plane an der Fassade des Hauptsitzes von Nestlé International einen symbolischen Durchbruch zum Genfersee dar. Die Installation ist Teil der diesjährigen Feierlichkeiten für das 150-jährige Jubiläum von Nestlé.

 

Eintauchen …

Eintauchen in die Welt der Fotografie – Stefano Stoff, der künstlerische Direktor der Images definiert diesen übergeordneten thematischen Begriff wie folgt: «Der Begriff ‚Immersion‘ wird hier auf verschiedene Arten interpretiert. Einerseits im wörtlichen Sinne, also etwas in eine Flüssigkeit eintauchen, aber sehr wohl auch im übertragenen Sinne des Eintauchens in ein künstlerisches Vorgehen oder Umfeld. Mitunter ist es der Künstler, der im Wasser inspiriert wird, Küstenpanoramas inszeniert oder seine Bilder mit Flüssigkeiten behandelt; andere Male tauchen die gezeigten Reihen aus den Untiefen des Internets oder der Medien auf. Dieser rote Faden ermöglicht auch das Eintauchen in totalitäre Regimes, Lebenszyklen, fremdartige Kulturen, in surrealistische, digitale und sogar in Duftwolken.»

Fotos: Urs Tillmanns
Fotografiert mit Fujifilm X-Pro2

Praktische Informationen

Datum: 10. September bis 2. Oktober 2016

Freier Eintritt

Eröffnung: Samstag 10. September 2016 ab 11:00 Uhr

Öffnungszeiten der Innenraum-Ausstellungen: täglich, 11:00 bis 19:00 Uhr

Fahrradtouren: Es werden an bestimmten Tagen geführte Fahrradtouren (auf Französisch) durchgeführt.

Kinder, Familien, Jugendliche: es werden spezielle Veranstaltungen auf Französisch organisiert

Hier finden Sie alle Veranstaltungen im Überblick

Weitere Informationen finden Sie auf www.images.ch und auf der Informationsseite

 

 

Ein Kommentar zu “Images 2016 in Vevey: Eine Stadt voll mit Fotografie”

  1. Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht! Ich werde in zwei Wochen nach Vevey fahren und freue mich schon sehr auf dieses Foto-Festival. Das wird sich eine tolle Sache.

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