Urs Tillmanns, 18. Januar 2017, 21:00 Uhr

Neue Leica M10: kompakter, schneller, intuitiverer und mit WLAN

(Update) Leica Camera hat heute die M10 vorgestellt, das neue Flaggschiff der M-Reihe. Sie präsentiert sich kompakter, mit mehr Leistung und einer intuitiveren Bedienung. Der neue Vollformat 24 Megapixel-Sensor ergibt zusammen mit dem Leica Maestro II-Bildprozessor die schnellste M-Kamera mit bis zu fünf Bilder pro Sekunde. Jetzt dabei: Wi-Fi-Bildübertragung und -Fernsteuerung.

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Im Rahmen der Veranstaltung «A Celebration of Photography» der Leica Camera AG wurde am 18. Januar 2017 im Leitz-Park in Wetzlar die neue Leica M10 vorgestellt. Unser Bild: Dr. Andreas Kaufmann hält die Ur-Leica von 1916 in den Händen, während Oliver Kaltner, Vorstandsvorsitzender der Leica Camera AG, die neueste Leica M10 präsentiert. Foto: Urs Tillmanns

Die neue Leica M10 ist voll ins Leica M-System integriert, doch präsentiert sie sich mit kompakteren Massen, verbesserter Performance und einer intuitiveren Bedienung. Viele Fotografen schätzen die Abmessungen analoger M-Modelle aufgrund ihrer Ergonomie sowie ihres hohen Tragekomforts. Leica ist diesem Wunsch nachgekommen: Die Deckkappe der M10 ist mit einer Tiefe von 33,75 Millimeter vier Millimeter dünner, als die ihrer Schwester Leica M (Typ 240).

 

Seit jeher eine Besonderheit des Leica M-Systems ist der optische Messsucher mit seiner legendären Fokussiertechnologie. Bei der Leica M10 wurde das Sehfeld für eine bessere Motivübersicht um 30 Prozent und die Vergrösserung auf 0,73-fach erhöht. Zudem ist die Pupillenlage – der optimale Abstand des Auges vom Sucher – deutlich vergrössert worden. Mit seinem um 50 Prozent verbesserten Augenabstand bietet der Sucher insbesondere Brillenträgern einen gesteigerten Sehkomfort.

 

Nützliches Zubehör: Der elektronische Sucher Visoflex, der aus dem Zubehörprogramm der Leica TL bekannt ist, passt auch zur Leica M10 und ermöglicht die GPS-Funktion.

Das Herzstück der Leica M10 ist der eigens für diese Kamera entwickelte CMOS-Vollformatsensor mit 24 Megapixeln. Dessen neue Technologie führt laut Leica zu einer Verbesserung aller bildrelevanten Leistungsparameter: ein erweiterter Dynamikumfang, hohe Kontrastwiedergabe und Schärfeleistung sowie beste Detailgenauigkeit. Das spezielle Pixel- und Mikrolinsen-Design ermöglicht eine besonders grosse und verbesserte Apertur, d.h. auch schräg einfallendes Licht gelangt gezielt auf die Fotodioden des Sensors. Das Sensordeckglas dient dabei als Infrarot-Sperrfilter, wodurch unerwünschte Lichtbrechungen durch weitere Glasschichten vermieden werden. Für eine maximale Bildschärfe verzichtet auch die Leica M10 auf einen Tiefpassfilter. Insbesondere bei Weitwinkelobjektiven und Objektiven mit hoher Lichtstärke führt dies zu deutlich besseren Bildergebnissen.
Auch das Spektrum der ISO-Werte wurde bei der Leica M10 dank des neuen Sensordesigns erweitert. Es ermöglicht Aufnahmen mit Lichtempfindlichkeiten von ISO 100 bis 50‘000 mit deutlich verbessertem Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten.

 

Die M10 verfügt mit dem Leica Maestro II-Bildprozessor über Technologie der neuesten Generation. Die Leica M10 kann als schnellste M-Kamera bis zu fünf Bilder pro Sekunde aufnehmen. Der schnelle Prozessor und der zwei Gigabyte grosse Arbeitsspeicher ermöglichen, je nach Kameraeinstellungen, bis zu 30 Aufnahmen im DNG-Raw-Format bzw. über 100 Aufnahmen im JPG-Format in Folge.
Darüber hinaus ermöglicht der Prozessor durch die frei verschiebbare Lupen-Funktion eine bessere Schärfenkontrolle. Die neue Funktion lässt sich sowohl auf dem Kamera-Display als auch mittels des mit 2,4 Mpx auflösenden elektronischen Visoflex-Aufstecksuchers nutzen, der bereits als Zubehör der Leica TL bekannt ist. Dieser ermöglicht zudem durch seine Schwenkfunktion Aufnahmen aus anderen Blickwinkeln und verfügt über ein zuschaltbares GPS-Modul.

 

 

Die Bedienung: Intuitiv und reduziert

Seit jeher steht die Leica M für die Konzentration auf die wesentlichen Funktionen sowie eine einfache und intuitive Bedienung und schnellem Zugriff auf die relevanten fotografischen Einstellungen. Zur Bedienung befinden sich neben dem Steuerkreuz lediglich die drei zentralen Tasten Wiedergabe, Live-View und Menü auf der Kamerarückseite. Je nach Vorliebe und Anwendungsgebiet variiert beim Fotografieren die Bedeutung einzelner Einstellungen. Dazu bietet die Leica M10 für den schnellen Zugriff ein individualisierbares Favoriten-Menü, mit dem persönlich relevante Funktionen festgelegt werden können.

Mit der Konzentration auf das Wesentliche beim Fotografieren, wurde auf die Videofunktion verzichtet.

 

Eines der prägnantesten Merkmale der Leica M10 ist das ISO-Einstellrad an der Deckkappe. Dadurch können erstmals bei einer digitalen Leica M alle für eine Aufnahmesituation wichtigen Einstellungen, also Entfernung, Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert, manuell vorgewählt werden, ohne auf das Menü zugreifen zu müssen – sogar ohne die Kamera einzuschalten. Dies ermöglicht eine noch direktere Kontrolle und unauffälligeres Fotografieren.

Die Leica M10 ist die erste M-Kamera mit integriertem Wi-Fi/WLAN. Dadurch können Bilder schnell und drahtlos auf mobile Apple Geräte übertragen, dort editiert und beispielsweise in sozialen Netzwerken geteilt werden. Die Leica M-App ermöglicht auch die direkte Übertragung von DNG-Raw-Daten auf mobile Geräte zur Weiterverarbeitung mit geeigneten Apps ab iOS-Version 10.2. Zudem kann die Leica M10 via WLAN mit einem Smartphone oder Tablet ferngesteuert werden. So gelingen beispielsweise verwacklungsfreie Langzeitbelichtungen oder Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven.

 

Update: 19. Januar 2017, 23:00 Uhr

Im Gespräch mit den Konstrukteuren

Fotointern hatte die Gelegenheit an einem Pressegespräch teilzunehmen, an welchen folgende Zusatzinformationen in Erfahrung gebracht werden konnten. 

Die Gesprächspartner waren Stefan Daniel (links), Direktor Geschäftsbereich Foto, und Jesko Oeynhausen, Produktmanager Kamerasysteme.

• Leica geht wieder zurück auf die fortlaufende Nummerierung der M-Modelle und kommt künftig von den Typennummern ab. Neben der neuen Leica M10 bleiben die bisherigen Leica M Modelle weiterhin im Angebot.

• Auf die Videofunktion wurde bei der Leica M10 verzichtet. Dem Entscheid voraus gingen eingehende Kundenbefragungen. Die anvisierte Kundengruppe wünschte sich eine Kamera, die auf die wesentlichen fotografischen Funktionen konzentriert ist. Die Videofunkztion wurde als unnötig eingestuft.

• Die grösste Herausforderung bei der Entwicklung der M10 war die Reduktion der Kameratiefe. Dies wurde erreicht, indem die Engine und das Mainboard in einer Ebene zusammengelegt werden konnten. Dadurch wurden insgesamt vier Millimeter gewonnen.

• Die ISO-Einstellung wird von vielen als zu schwergängig moniert. Dabei ist der Ausziehknopf bewusst so gestaltet, dass man dazu zwei Finger benötigt und dass dieser nicht versehentlich verstellt werden kann. Als Alternative kann der Knopf auf M gestellt und die ISO-Empfindlichkeit über das Menü mit mehr Zwischenstufen eingestellt werden.

• Die Leica M10 ist nach der Erstpräsentation vom 19. Februar 2017 in allen Leica Stores der Welt vorhanden. Sie kann dort erklärt und vorbestellt werden. Nach diesem Datum soll die effektive Verfügbarkeit weltweit sukzessive verbessert werden.

 

Leica M10 – Die wichtigsten technische Daten
Kameratyp kompakte digitale Messsucher-Systemkamera
Objektvanschluss Leica M-Bajonett mit zusätzlichem Sensor für 6-Bit Kodierung
Sensor CMOS-Chip, aktive Fläche ca. 24 x 36mm
Auflösung max. DNG: 5976 x 3992 Pixel (24MP), JPEG: 5952 x 3968 Pixel (24MP)
Pufferspeicher 2GB / 16 Aufnahmen in Serie (DNG)
Weissabgleich Automatisch, manuell, 8 Voreinstellungen, Farbtemperatureingabe
Speicherkarten SD bis 2GB / SDHC bis 32GB / SDXC bis 2TB
Belichtungsmessung Belichtungsmessung durch das Objektiv (TTL), bei Arbeitsblende
Empfindlichkeitseinstellung ISO 100 bis ISO 50’000, ab ISO 200 in 1⁄3 ISO-Stufen
Belichtungsart Zeitautomatik bei Blendenvorwahl, manuelle Einstellung
Blitzanschluss Über Zubehörschuh mit Mitten- und Steuerkontakten
Synchronisation 1/180s oder länger
Sucher Leuchtrahmen-Messsucher mit automatischem Parallaxen-Ausgleich
Leuchtrahmen für 35/135mm, 28/90mm, 50/75mm Bildfeld
Suchervergrösserung 0,73x
Entfernungsmesser Schnittbild / Mischbild
Display 3“ Farb-TFT-LCD-Monitor mit 16Mio Farben und 1’036’800 Pixeln
Verschlusszeiten Zeitautomatik: 125s bis 1⁄4000s / manuell: 8s bis 1/4000s
Serienaufnahmen ca. 5 Bilder/s, 30-40 Bilder in Serie
Akku 1 Lithium-Ionen-Typ, Nennspannung 7,4V, Kapazität 1300mAh
GPS nur mit angesetztem Leica Visoflex Sucher (nicht in allen Ländern)
WLAN Norm IEEE 802.11b/g/n
Abmessungen 139 x 38,5 x 80mm
Gewicht ca. 660g (m. Akku)
   
Ausführliche technische Daten gibt es hier als Download-pdf.

 

Der Lieferstart der Leica M10 ist der 19. Januar 2017. Das Gehäuse kostet CHF 7‘150.—. Es wird in Schwarz und in Silber erhältlich sein.

Weitere Informationen finden Sie unter www.leica-camera.ch oder bei

Leica Camera AG
CH-2560 Nidau
Tel. 032 332 90 90

 

5 Kommentare zu “Neue Leica M10: kompakter, schneller, intuitiverer und mit WLAN”

  1. Freue mich bereits auf die Präsentation im Februar in Bern. Habe an Silvester die Leica Q Titan Grau bestellt. Back to the roots. Weniger ist mehr. Für mich steht das Bild, die Komposition im Zentrum des Interesses, nicht die vielen technischen Spielereien, welche zwar ganz nett sind, ich aber kaum benutzt habe. Eine M ist für nächstes Jahr geplant, warum nicht die M10?

  2. Sehr interessante, puristische Kamera! Fast schon zu puristisch: die direkte Belichtungskorrektur, die inzwischen viele Kameras haben, sogar relativ einfache (ich denke da z.B. an die LX100 mit dem traumhaften Summilux 1,7/24-75) fehlt, das ist schade, weil man sie bei fast jeder Aufnahme braucht!

    1. Nein die Belichtungskorrektur fehlt nicht. Dafür dient das Einstellrad oben rechts auf der Rückseite, während die Blende am Objektiv und die Zeit oben eingestellt werden.

  3. Die Neuerungen Wi-Fi (Fernsteuerung per Smartphone oder Notebook), separates ISO-Rad, dünneres Gehäuse an, wertigerer EVF mit GPS und sogar die Namensgebung sind gut.
    Apropos Name: Wäre statt M10 nicht M11 oder M12 als Name besser gewesen? Denn zwischen der M9 und der M10 liegen ja die M Typ 240/246/262 Modelle.
    Schön, dass die Kamera dünner geworden ist, ich fand die bisherigen digitalen Ms immer etwas unelegant bzw. zu dick für eine Spiegellose.

    Bleibt noch die nervige Sache mit dem abnehmbaren Boden für Akku- und Kartentausch. Das stört mich regelmässig beim Einsatz mit Schnellwechselplatten und BlackRapid-Kameragurt. (Eine RSS-Bodenplatte könnte immerhin das Wechselplatten-/Stativproblem lösen.) Das mit der Bodenplatte wurde scheinbar nicht geändert. Oder?

    Ärgerlich ist der Verzicht auf Video. Für ernsthaftes Filmen nutze ich zwar ohnehin andere Cams, aber ich bin immer froh, wenn ich beim Einsatz mit einem Fotoapparat – und auch mit der M 240 – zwischendurch zum gerade fotografierten Motiv oder zum Aufnahmeort z.B. Ansichten als Videoschwenk mit Sprachkommentar in Video und Audio festhalten kann.
    Die Videofunktion benötigt ja keinen sperrigen Anbau, sondern ist eine integrierte Funktion mit einer dezenten Videotaste. Wer Video nicht braucht, denn stört das doch nicht. Wer Video zu nutzen weiss, den stört jetzt das Fehlen. So macht Leica zwei Schritte vorwärts und dabei einen zurück.

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