Gastautor/-in, 12. April 2017, 16:11 Uhr

Andreas Herzau, Hamburg, zeigt die Schweiz aus seiner Sicht

 «Helvetica» ist das jüngste Werk des deutschen Reportage-Fotografen Andreas Herzau. Als Analogie zum 1962 erschienen Buch «Die Deutschen» von René Burri, charakterisiert jetzt Andreas Herzau unser Land in seiner Bildsprache. Seine fotografische Auseinandersetzung mit der Schweiz ist noch bis zum 24. Mai 2017 in der Hamburger Galerie des renommierten Fotografenverbandes Freelens zu sehen.

 

Die Deutschen und die Schweizer leben in einem ganz speziellen Spannungsfeld von Gemeinsamkeiten und Trennendem. Um das Schweizer Wesen besser zu entdecken und erkennen, hat der Hamburger Fotograf über ein halbes Jahrzehnt immer wieder sein Nachbarland besucht und die verschiedensten Sujets, Gesellschaftsgruppen und Orte fotografiert. Die Bildergebnisse wurden nun am 4. April 2017 unter grossem Publikumsinteresse in einer sehenswerten Ausstellung erstmals in Hamburg präsentiert.

 

Bild aus der Ausstellung «Helvetica» von Andreas Herzau

Es ging Herzau bei seinem Projekt nicht um wissenschaftliche Vollständigkeit, sondern darum, eigene, oft von Klischees verstellte Vorstellungen mit dem Vorgefundenen abzugleichen. Herzau porträtierte ein Land, das er wegen dessen Errungenschaften schätzt. Im Prozesse der fotografischen Auseinandersetzung erkannte er aber bald, dass es sich mit seinen eigenen Ansprüchen schwer tut. Es sind diese Bruchstellen, auf die der Fotograf seinen Blick fokussiert.

 

Bilder aus der Ausstellung «Helvetica» von Andreas Herzau

Die Schweiz ist eine Nation, die von wirtschaftlichem Wohlstand geprägt ist, ausgestattet mit der langen Tradition direkter Demokratie und aussenpolitischer Neutralität. Doch herrschen gleichzeitig starke nationalistische Abwehrreflexe vor. Herzau spielt mit den vielfältigen Klischees, zeigt Widersprüche und reflektiert die eigene Rolle des Fremden in einer abwechslungsreichen, teils plakativen, meist aber subtilen Bildserie über unsere helvetischen Nachbarn.

Ein Auslöser für diese Arbeit war das Buch «Die Deutschen» von René Burri. Der 1962 erschienene Fotoband fiel Herzau bei der Vorbereitung zu einem Vortrag über Fotobücher auf und brachte ihn letztlich auf die Idee, den Schweizern einen Gegenbesuch abzustatten. Analog zu Burris Werk, in dem deutsche Autoren kurze Texte zu den Bildern stellten, werden in der Ausstellung zu den Fotos kurze Texte des Lyrikers Eugen Gomringer präsentiert.

 

Grosses Interesse des Publikums an der Vernissage am 6. April 2017. (Fotos: Horst Gottfried für Fotointern.ch)

Begleitend zur Ausstellung lädt die Freelens-Galerie am Donnerstag, den 18. Mai 2017 um 19 Uhr zu einem Künstlergespräch ein. Andreas Herzau wird mit Peter Lindhorst, Kurator der Freelens-Galerie, seine Herangehensweise an die Fotografie, seine Interpretation von Mensch und Raum sowie die ausgestellte Serie »Helvetica« vorstellen.

Text: Horst Gottfried

 

Die Ausstellung

Andreas Herzau – «Helvetica»
vom 6. April bis 24. Mai 2017
(Montag bis Donnerstag von 11 bis 18 Uhr, Freitag von 11 bis 16 Uhr)

FREELENS Galerie, Steinhöft 5, D-20459 Hamburg
Tel. 0049 40-300664-0
www.facebook.com/freelens.germany

 

Andreas Herzau

Andreas Herzau, geb. 1962, setzt sich als Fotograf, Hochschuldozent und Autor künstlerisch, theoretisch und angewandt mit Fotografie auseinander. Als engagierter Bildjournalist mit intensiver und oft überraschender Bildsprache erweitert er in seinen Arbeiten die Grenzen der klassischen Reportagefotografie, durchbricht Sehgewohnheiten und hinterfragt damit nicht zuletzt soziale (Wahrnehmungs-) Stereotype. Essayistisch-narrative und analytisch-abstrahierende Elemente werden in Herzaus Fotos zu dichten Bildgeschichten verknüpft, die er in Buchprojekten, Ausstellungen und Zeitschriften veröffentlicht. Neben seiner künstlerischen Arbeit am Bild publiziert er Texte und Essays über Fotografie.

 

 

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