Gastautor/-in, 23. April 2017, 10:00 Uhr

SWPA 17: Mit den Gewinnerinnen im Gespräch

Letzte Woche ging in London die Preisverleihung des Sony Wold Photography Awards, dem grössten Wettbewerb für Fotografie, über die Bühne. Linda Pollari von Fotointern war bei der Preisverleihung live dabei und hat im Gespräch mit den Fotografen mehr zu den Gewinnerbildern erfahren.

 

Auch am diesjährigem Sony World Photography Awards vom 19. bis 21. April 2017 in London, sind absolut hochklassige Profi- und Amateurfotografen über die Bühne gegangen. Aus 183 Ländern haben sich Fotografen mit ihren Bildern für die Awards der verschiedenen Kategorien beworben und davon haben zwei Schweizerinnen, beide aus dem Tessin, je einen Preis abgeholt.

 

Der Gala-Abend des Sony World Photography Awards in London ist ein gesellschaftlicher Anlass ersten Ranges

Wir sind stolz auf die beiden Gewinnerinnen Sabine Cattaneo und Alessandra Meliconzi sowie auch auf den Hauptgewinner Frederik Buyckx aus Belgien, welcher am Galaabend zum «Photographer of the Year 2017» ernannt wurde. Martin Parr als international bekannter Fotograf, Künstler und Sammler, war mit seiner Präsenz und seiner eigenen Ausstellung gross vertreten.

 

Sabine Cattaneo vor ihren im Somersethouse ausgestellten Bildern

Sabine Cattaneo (*1986) hat sich einer eher ernsteren Thematik gewidmet. Für ihren Masterabschluss im letzten Jahr befasste sie sich mit der Sterbehilfe in der Schweiz. Bei Cattaneo’s Konzeptarbeit «Art. 115» geht es um die Thematik der Sterbehilfe generell, sie zu beschreiben und visualisieren aus einer neutralen Sicht. Dabei schafft sie ganz bewusst keinen persönlichen Kontakt zu sterbewilligen Personen. Denn worum es ihr ausdrücklich nicht geht, ist die Begleitung oder Dokumentation von kranken oder lebensmüden Menschen, die somit in den Vordergrund gerückt würden.

 

Mit ihrer Bildserie zeigt Sabine Cattaneo ganz alltägliche und mögliche Orte, wo Menschen, die von Sterbehilfeorganisationen begleitet werden, sich für ihren letzten Atemzug entscheiden. Ob zum Beispiel in gezeigten Schlaf- oder Hotelzimmern wirklich jemand mittels Sterbehilfe gestorben ist, wird Anhand von reinen Bildinformationen nicht verraten.

 

Beim Interview mit Fotointern verrät die Künstlerin, dass tatsächlich nicht an jedem dieser Orte die tödliche Flüssigkeit effektiv eingenommen wurde. Das sei schlussendlich auch nicht massgebend für die Arbeit, da die Orte und Szenarien wahrlich austauschbar sind. Das einzige Bild, das in der Serie fehlt aber als weisser Platzhalter trotzdem ausgestellt wird weil dessen Umsetzung ihr nicht gelungen ist, ist ein Raum, der von Sterbehilfeorganisationen eingerichtet und angeboten wird, falls jemand nicht im privaten Wohnraum das Leben beenden möchte.

Obwohl Cattaneo dank ihrer Studienarbeit das Vertrauen bei Sterbehilfeorganisationen erlangen konnte, erhielt Sie nicht den Zugang in sogenannten Räumen zu fotografieren. Offizielles Bildmaterial bestehe zwar und seien keine Geheimnisse, dennoch wurde in den Medien zu viel Kritik ausgeübt und die schlechten Erfahrungen daraus resultieren zur Folge, dass keine Drittpersonen die Räume betreten dürfen. Es gehöre auch zu einer solchen Art von Arbeit dazu, dies zu akzeptieren, erklärt Sabine Cattaneo. Formal entschied sich Cattaneo bewusst für eine dokumentarische Bildsprache, die an einen Stil der 30er Jahre erinnert. Dabei erwähnt sie die Stilmittel, die unter anderen auch von Jeff Wall, kanadischem Fotokünstler, verwendet wurden: grafisch, frontal, direkt ungekünstelt aber doch manchmal auf natürliche Art und Weise gestellt und inszeniert.

Ob die studierte Sozialwissenschaftlerin und Fotografin eine ethisch-moralisch kritische Haltung zum Thema hat oder ob Sie persönlich die Sterbehilfe befürwortet, wollten wir am Ende des Gesprächs von ihr wissen. Die schwierige Frage sei eher, warum es dazu komme, dass körperlich gesunde Menschen von dem Angebot der Sterbehilfe Gebrauch machen möchten. Schlussendlich soll aber jedem Menschen offen stehen, wie er über seinen Körper und sein Leben entscheidet und wenn jemand anstatt leben lieber sterben möchte, aus welchen Gründen auch immer, sei dann sei das seine freie Entscheidung, so Cattaneo.

 

Alessandra Meliconzi hat mit «Flamingo’s Soul» den Sieg in der Einzelbildkategorie «Wildlife» erlangt

Alessandra hat sich an der namibischen Küste am Walvis Bay tagelang von dem Erscheinungsbild der Flamingos beeindrucken lassen und konnte ihre Blicke sowie ihre Kamera nicht mehr davon loslassen, bis ihre Speicherkarte damit gefüllt war, erzählt die sympathische Dame mit pinker Jacke und pinken Schuhe voller Begeisterung. Das hat sich für die Naturfotografin gelohnt, denn genau mit dieser Begeisterung ist sie mit «Flamingo’s Soul» zum Sieg in der Einzelbildkategorie «Wildlife» gelangt.

Das Gewinnerbild «Flamingo’s Soul» von Alessandra Meliconzi 

 

Der Hauptpreis wurde vom 32-jährigen Fotografen Frederik Buyckx aus Belgien mit Ehren angenommen. Als Erstplatzgewinner in der Profikategorie «Landschaften», gewinnt er mit seiner Serie «Witheout» zusätzlich den Titel «Photographer of the Year».

 

Frederik Buyckx (Mitte) aus Belgien gewinnt Profikategorie «Landschaften», mit seiner Serie «Witheout» zusätzlich den Titel «Photographer of the Year». Scott Gray (links) CEO und Founder der World Photography Organisation und rechts Jury und Kuratorin Zelda Cheatle

Die Jury erfasst die gewisse Eleganz und Schlichtheit in dem Werk und fordert den Betrachter auf, die Schönheit im Einfachen und Unübertriebenen zu erkennen. Seine hellen, fast komplett durch Schnee bedeckten Landschaftsfotografien verkörpern eine Ruhe und Fragilität von beinahe unangetasteter Natur. Aufgenommen sind seine Bilder im Balkan, in Skandinavien und Zentralasien. Er sucht sich die Orte aus, an denen Menschen oft isoliert leben und den sehr engen Kontakt zur Natur pflegen. Er trifft auf die herzlichsten Menschen, knüpft Kontakte zu und schliesst Freundschaften. So bezeichnet Frederik Buyckx sein inzwischen zwölf Mal bereistes Albanien als seine zweite Heimat.

 

Landschaftsfotografien gehörten bis vor Kurzen gar nicht in Buyckx’s Repertoire, schon gar nicht in Schwarzweiss. Er ist sich viel eher gewohnt, Menschen abzulichten. Doch auf die Frage warum er ausgerechnet eine Arbeit zum Wettbewerb eingereicht hat, die nicht zu seinem daily Business gehört, meinte er, dass die Whitheout-Fotografien dieses Projekt ist, an dem er in letzter Zeit hauptsächlich gearbeitet hat. Sämtliche Bilder, die zuvor entstanden sind, liegen zu weit zurück gemäss Eingabereglement.

Frederik Buyckx arbeitet als Freelance Fotograf für die belgische Zeitung «De Standaard», für nationale und internationale Medien.

 

 

Martin Parr, Fotograf und Künstler, der auch als Sammler u.a. von Fotobüchern gilt und Mitglied der Agentur Magnum Photos ist, beschäftigt sich in seiner heutigen Fotografie vor allem mit der britischen Alltagskultur und der Ironie des Tourismus. Zum Beispiel fotografiert er, wie die heutigen Touristen alle mit ihren Selfie-Sticks an touristischen Hot-Spots, vor allem um sich selbst in den Mittelpunkt zu setzen und dabei die eigentliche Sehenswürdigkeit vergessen.

 

Martin Parr kommentiert seine Bilder dem Publikum

Dieses Phänomen zu beobachten und fotografieren sei für ihn erfreulich und unterhaltsam, denn das gäbe immer wieder Stoff für seine Arbeit. Ausserdem werden diese Bilder in zwanzig Jahren womöglich als Zeitdokumente angeschaut. Man wisse zum jetzigen Zeitpunkt schliesslich nicht, ob der Selfie-Stick in ein paar Jahren immer noch gebraucht würde oder ob es dann schon einen neuen Trend gäbe. Folglich ist Martin Parr sogar im Urlaub stets mit seiner Fotografie beschäftigt, so wird er öfters gefragt, ob er zwischendurch nicht gerne mal vom Beruf abschalten möchte. «Warum sollte ich eine Tätigkeit ausbleiben lassen, die ich liebe? Fotografieren ist mein Hobby und was gibt es Schöneres, als sein Hobby immer und überall ausüben zu können?», so Martin Parr.

 

Martin Parr liebt es mit seinen Fotos fotografierende Touristen zu parodieren. Copyright: © Martin Parr, Magnum Photos, Rocket Gallery

Betrachtet man die Bilder von Martin Parr, lernt man sofort, seinen Humor zu verstehen und sich für seinen Blick zu sensibilisieren. Mit seinen farbig übersättigten Bildern hält er dem Betrachter einen Spiegel vor die Augen und zeigt ihm, wie unwahrscheinlich amüsant auch er sich in manchen Situationen bestimmt schon benommen hat. Ein Gefühl des Ertapptwerdens. «Lustig ist sie, die Menschheit. Und die Welt ist ein lustiger Schauplatz. Ich muss es so betrachten, ansonsten würde ich depressiv werden.» sagt Martin Parr.

Text und Stimmungsbilder: Linda Pollari

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