Urs Tillmanns, 16. Juni 2017, 10:00 Uhr

Art Basel – Kunst im Topsegment

Seit gestern und noch bis Sonntag, 18. Juni 2017, lockt die «Art Basel» – die grösste Kunstmesse der Welt – Tausende von Kunstbegeisterten in die Stadt am Rheinknie. Nicht nur Gemälde, Grafiken und Installationen stehen im Zentrum des Publikumsinteresses, sondern auch die Fotografie, die an einigen Ständen zu entdecken ist. Fotointern.ch war auf der «Art Basel» auf der Suche nach Fotokunst.

 

Die «Art» hat sich in letzter Zeit einige Kritik gefallen lassen müssen, besonders in Hong Kong, wo Galerien wie Künstler fanden, dass die elitäre Grossveranstaltung nicht mehr der Wirklichkeit der aktuellen Kunstszene entspräche. Kleinere und Galerien im Mittelsegment könnten sich die horrenden Standpreise nicht leisten, und viele Newcomer unter den Künstlern hätten keine Chancen in dieser elitären Liga mitspielen zu können. Wird der Kunstmarkt zur Zweiklassen-Gesellschaft?

 

Aushängeschild der diesjährigen «Art» auf dem Basler Messeplatz, die Installation vom Claudia Comte «Now I Won», die mit 23 sechs Meter langen Baustämmen gestaltet wurde.

Ein ähnliches Bild auch in Basel. Längst haben sich kleinerer Alternativmessen (Fotointern berichtete) gebildet, die just zum Zeitpunkt der «Art» stattfinden, wesentlich übersichtlicher sind und eine «erschwingliche Kunst» repräsentieren. Die «Liste» ist ein treffendes Beispiel dafür, zusammen mit der «Rhy Art», der «Volta Art Fair» und der «Scope Art Show», die alle diese Woche stattfinden.

Als besonders Juwel für Fotoliebhaber ist die «Photo Basel» (Fotointern berichtete) zu erwähnen, die gänzlich auf Fotokunst spezialisiert ist und nun schon zum dritten Mal auf Erfolgskurs ist. Fotografie als Kunst- (und Investitionsmedium) ist unverändert gefragt – nicht nur auf der «Art».

Allerdings ist die Fotografie auf der riesigen «Art» (noch) eine Randerscheinung, neben Gemälden, Skulpturen und den vielen Installationen. Fotowerke sind da und dort als Einzelstücke an den Ständen der Galerien zu entdecken, doch gibt es auch eine ganze Reihe von Anbietern, die seit Jahren auf Fotografien spezialisiert sind und zeigen Klassiker sowie von Newcomer. Fotointern hat sich umgeschaut und ein gutes Dutzend interessante Fotospezialisten entdeckt.

 

 

Allen voran die Edelgalerie Edwynn Houk aus New York und Zürich, die auf Klassiker spezialisiert ist, wie Imogen Cunningham, Man Ray, Henri Cartier-Bresson, Manuel Alvarez Bravo oder Edward Weston.

 

Beeindruckend, die Wand voller August Sander Porträts am Stand der Galerie Berinson, Berlin. Es handelt sich dabei um die letzte, von Sander selbst gestaltete Ausstellung «Menschen des 20. Jahrhunderts, die jetzt auf der Art zu sehen ist.

 

Die Jenkins Johnson Gallery aus New York präsentiert eine grossartige Reihe mit sozialkritischen Werken von Gordon Parks, die meisten in Schwarzweiss, einige wenige in Farbe.  

 

Das Studio 94, New York, zeigt fünf grossformatige Polaroids 51 x 61 cm mit Showstars von Lyle Ashton Harris, die um 2002 entstanden sind.

 

Die Galerie Tucci Rossi aus Torrino präsentiert eine interessante Arbeit von Robin Rode. Dem Werk «Cuts» von Carl André nachempfunden, zeigt die Sequenz eine Person mit zwei Pangas-Schwertern, die in jeder Phase ein Rechteck mehr in die Wand schneidet.

 

Julian Rosefeldt zeigt uns am Stand der König Galerie, München, Setaufnahmen seines Films «Deep Gold», der als frühes und provokatives feminines Manifest einen Protagonisten in die Welt der Lust und Sexualität entführt.

 

Die ägyptische Fotografin Maha Maamoun hat mit einem Smartphone die Zustände auf ägyptischen Amtsstellen fotografiert. Die eindrucksvolle Bildreihe wird am Stand der Gypsum-Galerie gezeigt.

 

Der Stand von Hamiltons, London, ist mit 29 Originalprints dem Schaffen von Robert Frank gewidmet, mit Bildern, die in den 1950er- und 60er-Jahre in London, Paris und Amerika entstanden sind.

 

Die Pace/MacGill Gallery, New York, zeigt an ihrem Stand eine Reiher bekannter Fotografien und präsentiert Werke von Irving Penn, Yoshito Nara, Paul Graham und Viviane Sassen.

 

Boris Milkhailov ist ein ukrainischer Fotograf, der mit seinen Doppel- und Mehrfachbelichtungen der Bildreihe «Yesterday’s Sandwich» grossen Erfolg hat. Sie werden von Spoveri, London, angeboten.

 

 

Im Ausstellungsbereich «Unlimited» in der Halle 1 ist das Porträtprojekt «Mutations I» von Klaus Rinke zu sehen, der an der «Art» von der Galerie Kicken, Berlin, repräsentiert wird. Es sind 112 Porträts, die originell und emotional «ein neues Vokabular der Körpersprache» darstellen.

 

Unser Fazit: Die verhältnismässig starke Präsenz fotografischer Kunstwerke auf der «Art» belegt, dass das Interesse an Fotografie ungebrochen ist, und dass unverändert hohe Preise für Werke bezahlt werden, die nicht unbedingt unikaten Charakter haben. Die «Art» schwimmt hier sicher oben auf, während die Anbieter der Parallelveranstaltungen sich stärker auf den Newcomer-Markt konzentrieren und damit günstiger im Angebot sind. Auf jeden Fall sind die Kunstmessen in Basel, die noch bis und mit Sonntag dauern, ihren Besuch wert, um sich ein Bild über den gegenwärtigen Kunstmarkt zu machen und die Trends in der Fotografie zu verfolgen.

Text & Bilder: Urs Tillmanns

Die Art Basel ist täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Die Tickets kosten pro Tag CHF 60 an der Tageskasse und CHF 50 online.

Weitere Informationen finden Sie unter www.artbasel.com

 

 

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