Gastautor/-in, 19. Juli 2017, 07:00 Uhr

Neuartige Flachkamera «Light L16» – erste Serie bereits ausverkauft

Die «Light L16» ist eine völlig neuartige Kamera in Smartphone-Grösse, bei der mehrere mit unterschiedlichen Brennweiten aufgenommene Bilder zu einem Ergebnis zusammengerechnet werden. Die Kamera bietet nicht nur ein optisches 5fach-Zoom, sondern eine Auflösung von mehr als 52 Megapixel. Das ist die gute News. Die schlechte: die erste vorbestellte Serie ist in Amerika bereits ausverkauft.

 

Die amerikanische «Light L16» ist eine Kamera im Format eines Smartphones, welche die Möglichkeiten einer ausgewachsenen DSLR bieten will. Vor fast vier Jahren erstmals angekündigt, wird die Kamera jetzt ausgeliefert. Am 14. Juli 2017 meldete Light, dass die L16 ab sofort an die Vorbesteller versandt werde. Die Zahl der Vorbestellungen war offensichtlich so gross, dass die gesamte erste Produktions-Charge schon vorab verkauft war und jetzt sukzessive ihre Besteller erreicht. Der Stückpres soll bei 1700 US-Dollar liegen. Neue Order werden dann erst wieder gegen Jahresende 2017 angenommen. Dass man knapp vier Jahre Vorlauf für die Realisierung der Kamera benötigte, wird damit begründet, dass praktisch alle Komponenten aus Hardware und Software vollständig neu entwickelt werden mussten.

 

Was steckt hinter der Idee der Light L16?

Das Unternehmen Light wurde 2013 gegründet. Die Gründer Dave Grannan und Dr. Rajiv Laroia kommen aus dem Bereich der Softwareentwicklung und haben weder einen fototechnischen, noch einen optischen Hintergrund. Ziel ihrer Entwicklungen war eine Kamera, die möglichst viele bislang noch analoge Komponenten durch digitale Bausteine ersetzt, um sich von den Beschränkungen der konventionellen Optik weitgehend zu lösen und neue Kamera-Bauformen gestalten zu können. Die L16 hat die Abmessungen 165 x 84,5 x 24,05 mm und ein Gewicht von 435 Gramm und ähnelt damit einem etwas dick geratenen Smartphone.

Die L16 wirft zahlreiche Prinzipien, die in der Fotografie von Anfang an mit Hilfe von geschliffenen oder gepressten optischen Elementen optisch/analog umgesetzt wurden, über Bord. Als Ausgangspunkt eines Bildes nutzt die L16 anstelle eines einzigen Objektivs insgesamt 16 miniaturisierte Objektive mit den folgenden festen Brennweiten: 5 x 2,0/28mm, 5 x 2,0/70mm und 6 x 2,4/150 mm. Durch entsprechende Kombinationen entsteht ein bis zu fünffacher Zoombereich.

Die mit mehreren Objektiven aufgenommenen Bilder werden zu einem Foto zusammen gestitched

Aus den Aufnahmen von jeweils zehn der eingebauten Objektive wird das Bild im Stitching-Verfahren zusammengesetzt. Beim Aufnahmen eines Bildes lösen je nach Einstellung mehrere Objektive aus, deren Bilder zu einem Resultat zusammen gerechnet werden. Da die 16 Objektive leicht unterschiedliche Positionen haben, muss die daraus resultierende Parallaxe im Rahmen der internen Bildbearbeitung wieder heraus gerechnet werden. Die 16 Bildsensoren haben jeweils eine Auflösung von 13 Megapixel. Die Auflösung der Kamera wird mit 52+ Megapixel angegeben. Die kürzeste Entfernungseinstellung beträgt 10 cm bei 28 mm Brennweite, 40 cm bei 70 mm Brennweite und 1 m bei 150 mm Brennweite. Die Empfindlichkeit wird mit ISO 100 bis 3200 angegeben und die Verschlussgeschwindigkeit mit 1/8000 bis 15 s.

Die Produktion der L16 erfolgt, wie aus einer Meldung im Jahre 2015 hervorgeht, bei der FIH Mobile Limited. FIH gehört zum taiwanesischen Auftragsfertiger Hon Hai/Foxconn, der für zahlreiche Marken produziert und vor Jahren schon den Digitalkamerapionier Premier übernommen hatte.

 

Hybride Kamera mit analogen Restbestandteilen

So visionär die L16 jetzt erscheint, ist sie dennoch vom Aufbau her immer noch eine hybride Kamera, deren Basis optische Elemente nutzt, mit deren Hilfe Bilder auf Sensoren projiziert werden und dann von diesen ausgelesen werden. Die Bildprozessoren übernehmen jedoch, im Vergleich zu konventionell aufgebauten Digitalkameras, deutlich mehr Aufgaben. Teile dieser Aufgaben werden von extra entwickelter Software erledigt, andere Elemente sind mit Hilfe speziell entwickelter Asics implementiert, die zwar weniger flexibel eingesetzt werden können als Software, aber meist schneller sind. 

 

Neue Technik – wann kommt sie nach Europa?

Durch die Verlagerung eines grösseren Teils der Bilderstellung aus der analogen Optik in die digitale Technik sind jetzt völlig neuen Bauformen möglich, wobei man sich nicht mehr zwingend an die Bedingungen der Optik hält, sonder diese immer mehr durch digitale Technik ersetzt. 

Wann kommt die Light L16 nach Europa? Auch auf Anfrage war noch nichts über Marketingpläne für die Einführung der Kamera auf dem europäischen Markt zu erfahren. Es bleibt also vorerst eine interessante technologische Lösung, deren Zukunftsaussichten noch ungewiss sind.

Christoph Jehle
Abbildungen: Light-Webseite

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von www.light.co

 
 

Technische Daten der Light L16
Objektive: 16, 5 x 2,0/28mm, 5 x 2,0/70 mm und 6 x 2,4/150 mm
Sensoren: 16 individuelle 13MP Sensoren
Effective Anzahl Pixel: Mehr als 52 Mio+ (52+ MP)
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 820 + Light ASIC
Nahgrenzen: 10cm für 28 mm Objektive, 40cm für 70mm Objektive und 1m für 150mm Objektive
Bilddaten: JPEG, DNG
Display: 5″ FHD Touchscreen
Chassis: Aluminium Druckguss
Griff: Rutschsicherer Kunststoff
Speicher: 256 GB für rund 1000 Aufnahmen
ISO Empfindlichkeiten: ISO 100 bis 3200
Verschlusszeiten: 1/8000 bis 15 sec.
Entfernungsspeicher: Halber Auslöserweg
Selbstauslöser: 3, 5, 10, 20 sec
Belichtungsmessung: Mittenbetont
Belichtungsmodi: Auto und Manuell
Betriebssystem: Android
Konnektivität: GPS, Wi-Fi, und Bluetooth
Akku: 3900 mAh Lithium-ion Polymer
Aufhelllicht: Zweifarbige LED
Stativgewinde: Standard 1/4″
USB-Anschluss: USB 3.0 SuperSpeed Typ-C
Video: 4K (in Vorbereitung)
Bildübertragung: L16 5MP optimiert für Übertragung in soziale Netzwerke mit Wi-Fi sowie Bluetooth über Android oder Windows, iOS (beides in Vorbereitung)
Abmessungen: 165 x 84.5 x 24.05 mm
Gewicht: 435 g </ td>
Preis: USD 1700, steht für Europa noch nicht fest

 

 

 

5 Kommentare zu “Neuartige Flachkamera «Light L16» – erste Serie bereits ausverkauft”

  1. Das heisst es müssten 3DStereo-Aufnahmen generiert werden können.
    Nun müsste man nur noch wissen wo welche Brennweiten sitzen zur richtigen lotrechten haltung der gegenüber der Linsenachsen.

  2. Na ja, einzig mir erschliessende Vorteil dieser Technik ist eine kompaktere Bauweise. Dafür benötigt sie aber mehre Sensoren, mehrere Objektive – wenn auch alles miniaturisiert.

    Der Umfang an Bildwinkeln muss auch hier mit unterschiedlichen Brennweiten realisiert werden. Und jeh grösser dieser sein sollte bzw je mehr „extreme“ Bildwinkel, sind grössere Ausmasse der Kamera unumgänglich. Von daher wird einmal mehr versprochen, als dann schlussendlich wohl eingehalten werden kann.

    Da fand ich vom Konzept her die „Lichtfeldkamera“ von Lytro interessanter und plausibler.

  3. für linsenraster bilder wären 28mm und 150mm aufnahmen möglich, da jeweils drei linsen auf einer linie. bei 150mm am wahrscheinlichsten da im 90° winkel zur kamerabasis ausgerichtet. Wären die sensoren rund wären die drei 28mm im 45° winkel kein problem. wenn rechteckig müsste viel beschnitten werden. gab in Facebook Stereoscopic3D die Basen aufgelisten.

    1. Runde Sensoren gehören seit Jahren zu den Wunschträumen der Fotografen, die den gesamten Bildkreis nutzen wollen. Bevor es runde Sensoren geben wir, werden die runden Objektive aussterben und ohne Optik direkt auf den rechteckigen Sensor belichtet.

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