Urs Tillmanns, 21. November 2017, 15:00 Uhr

Leica CL: integrierter Sucher und neues Bedienkonzept

Leica erweitert das Produktportfolio ihres APS-C Systems mit der neuen Leica CL, die sich eher klassisch gestaltet neben ihre futuristisch anmutende Schwester Leica TL2 stellt. Die beiden Kameras sind technisch sehr ähnlich, haben den gleichen Prozessor und einen fast identischen APS-C 24 MP-Sensor, welcher die neue Leica CL mit einen etwas höheren Dynamikumfang von 13 Blendenstufen begünstigen soll. Die Kombination des weiterentwickelten Sensors mit dem Prozessor der Maestro II Serie bewirkt zudem einen sehr schnelleren Autofokus mit 49 Messpunkten. Neben ihren Fotoeigenschaften bietet die Leica CL auch eine Videofunktion mit einer Auflösung von bis zu 4K bei 30 Bildern in der Sekunde.

 

Nach der Leica TL2 erscheint die Leica CL wieder in einem eher klassischen Design. Es gibt sie (vorläufig?) nur in Schwarz.

Abgesehen von der Formgestaltung und einem neuen Bedienungskonzept liegt der Hauptunterschied der neuen Leica CL gegenüber der TL2 beim ihrem integrierten elektronischen Sucher, der über die von Leica entwickelte EyeRes-Technologie verfügt. Der Sucher hat eine nicht wahrnehmbare Reaktionszeit und ermöglicht mit einer Auflösung von 2,36 Millionen Pixeln eine komfortable Kontrolle über die Bildgestaltung, insbesondere bei Gegenlicht und starker Umgebungshelligkeit. Auch die Sucheranzeigen sind vollzählig und ebenso gut ablesbar, wie auf dem Display.

 

Zwischen den beiden Einstellrädern, mit denen alle Funktionen gesteuert werden können, befindet sich ein Datendisplay. Je nach Funktion ändern sich die Anzeigen.

Die wesentlichen Bedienelemente der Kamera Leica CL befinden sich auf der Kameraoberseite. Neben dem elektronischen Sucher stehen hier zwei Einstellräder für Blende, Verschlusszeit, PSAM-Einstellung, ISO-Wert, Belichtungskorrektur und Funktionssteuerung zur Verfügung. Die Einstellräder sind so positioniert, dass die Kamera beim Fotografieren nicht vom Auge genommen werden muss. Ein zusätzliches Display zwischen den beiden Einstellrädern informiert bei entsprechender Funktionswahl und Tastenbetätigung über die relevanten Werte, wie Blende, Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, ISO-Wert und Batteriezustand. Bei wenig Licht erscheint die Anzeige automatisch im Durchlicht.

 

Aufgeräumtes und übersichtliches Design. Neu ist die Fn-Taste, die parallel auch im rechten Einstellrad zu finden ist.

Die Leica CL ist mit einem integrierten Wi-Fi-Modul ausgestattet. Bilder und Videos können damit kabellos auf Smartphones, Tablets oder Computer übertragen und per Leica CL App für iOS oder Android schnell und einfach in den sozialen Netzwerken oder via E-Mail geteilt werden. Darüber hinaus lässt sich über die Remote-Funktion der App das Smartphone als externer Sucher oder für die Änderungen der Bildparameter verwenden – beispielsweise bei Aufnahmen mit Selbstauslöser oder für aussergewöhnliche Perspektiven.

 

Das Herz der Kamera, der APS-C Sensor mit 24 Megapixel. Gegenüber der TL2 ist er weiterentwickelt, wodurch die CL etwas an Dynamikumfang gewinnt.

Für die Leica CL ist ein umfangreiches Angebot an TL-Objektiven mit Brennweiten von umgerechnet 17 bis 200 mm verfügbar. Dazu gehören die drei Vario-Objektive
• Super-Vario-Elmar-TL 1:3,5–4,5/11–23mm Asph.,
• Vario-Elmar-TL 1:3,5–5,6/18–56mm Asph. und
• Apo-Vario-Elmar-TL 1:3,5–4,5/55–135mm Asph.
sowie die vier Festbrennweiten
• Elmarit-TL 1:2,8/18mm Asph.,
• Summicron-TL 1:2/23mm Asph.,
• Summilux-TL 1:1,4/35mm Asph. und das
• Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60mm Asph.

Neben den TL-Objektiven können durch das gemeinsame L-Bajonett auch die SL-Objektive ohne Adapter an der CL und der TL2 verwendet werden. Für die Nutzung der Leica M- und R-Objektive sind entsprechende Adapter verfügbar. Zudem wird ein umfangreiches Sortiment an Zubehör für das APS C-System angeboten.

 

Das Leica APS-C System besteht nun aus den beiden Kameras TL2 und CL, sowie aus sieben Objektiven.

 

Leica CL und Leica TL2 im Vergleich
  Leica CL Leica TL2
Auflösung 24 MP 24 MP
Video 4K@30fps, Full HD@60fps 4K@30fps, Full HD@60fps, Slow Motion
AF-Felder 49 49
Display 3″, 1.04 Mio Pixel, Top-Display 3,7″, 1,3 Mio Pixel
Speichermedium SD Karte SD-Karte, intern 32 GB
ISO 100 bis 50’000 100 bis 50’000
Bildfrequenz 10 B/s mechanisch, 10 B/s elektronisch 7 B/s mechanisch, 20 B/s elektronisch
Verschlusszeiten 1/8000 mechanisch, 1/25000 elektronisch 1/4000 mechanisch, 1/40000 elektronisch
Elektr. Sucher integriert mit Augensensor, 2,36 MP, Vergrössertung 0,74x, Augenabstand 20mm, Okularanpassung +/- 4 dptr optional mit Augensensor, 2,36 MP, Vergrössertung 1,1x, Augenabstand 17mm, Okularanpassung -3/+1 dptr
Schnittstellen WiFi USB 3,0, HDMI, WiFi
Touch Screen ja, Berührungs- und Wischfunktion ja, Berührungs- und Wischfunktion
Szenenprogramme P, Sport, Porträt, Landschaft, Nachtporträt, Schnee/Strand, Feuerwerk, Kerzenlicht, Sonnenuntergang, Digiscop, Miniatureffekt, Panorama, HDR P, Sport, Porträt, Landschaft, Nachtporträt, Schnee/Strand, Feuerwerk, Kerzenlicht, Sonnenuntergang, Digiscop

 

Verfügbarkeit und Preise

Die schwarze Ausführung der Leica CL ist ab Ende November erhältlich. Die unverbindlichen Verkaufspreise in der Schweiz betragen (inkl. Mwst.):

Leica CL Gehäuse: CHF 2‘850
Leica Elmarit-TL 1:2,8/18mm Asph: CHF 1‘350
Leica CL Prime Kit «Leica CL & Leica Elmarit-TL 1:2,8/18mm Asph»: CHF 3‘990
Leica CL Vario Kit «Leica CL & Leica Vario-Elmar-TL 1:3,5–5,6/18-56mm Asph»: CHF 4’190.

 

Leica CL: Erstes Hands-on

Fotointern.ch hatte Gelegenheit, die Leica CL kurz zu testen. Dabei ging es vor allem um die Haptik und die Bedienung der Kamera, weniger um die Bildqualität, da diese bei einem Vorserien-Exemplar kaum schlüssig beurteilt werden kann.

Wir haben die Leica CL mit dem neuen Leica Elmarit-TL 1:2,8/18mm Asph im Kreuzgang Allerheiligen in Schaffhausen ausprobiert. Hier einige Bilder:

 

Der Dynamikumfang beweist sich. In der Schattenzeichnung steckt noch sehr viel Reserve (siehe Ausschnitt)

 

Man könnte sich in das Elmarit-TL 2,8/18mm Asph verlieben: Tolle Übersichten mit wirkungsvollen Perspektiven. Und in den Schatten sind noch alle Details vorhanden.

 

Auch Detailaufnahmen machen Spass. Allerdings wurden hier die Schatten leicht aufgehellt.

 

Bei voller Lichtstärke 1:2,8 zeigt das Elmarit-TL 2,8/18mm Asph einen minimen Schärfeabfall in den Ecken. 

 

Unser Fazit:
Die Leica CL ist sehr formschön und kommt mit einem makellosen Finish edel daher – wie man es sich von Leica nicht anders gewohnt ist. Man hat sie gut in der Hand, sie hat eine angenehme, haptische Grösse und gibt mit ihrer feinen Belederung einen besseren Halt als die TL2.

Das Bedienkonzept mit den beiden Einstellrädern und der Funktionstaste ist neu und etwas gewöhnungsbedürftig. Hat man sich damit zurechtgefunden und die Elemente nach den eigenen Vorlieben eingestellt, so ist die Bedienung der Kamera sehr komfortabel und schnell.

Weiter positiv zeigt sich der grosse Dynamikumfang mit, laut Leica, 13 Blendenstufen. Etwas schade, dass die Funktionstaste nur mit acht Menüpunkten belegt werden kann, zwei Menüseiten wären besser gewesen, was mit einem Software-Update vielleicht noch kommen könnte. Der integrierte elektronische Sucher hat eine hohe Auflösung und ist mit dem gegenüber der TL2 erweiterten Augenabstand auch für Brillenträger angenehm.

Man ist fast geneigt ein Klappdisplay zu vermissen, welches die Kamera allerdings deutlich grösser und uneleganter gemacht hätte. Das Fehlen eines USB-Anschlusses für die direkte Akkuladung dürfte allgemein bemängelt werden. Auch werden viele den fehlenden internen Speicher bedauern, den es bei der TL2 noch gab. Was, wenn die Speicherkarte plötzlich voll ist?

Das zur CL neu angebotene Elmarit-TL 2,8/18mm Asph ist äusserst kompakt und erweist sich als ein ideales Allround-Objektiv, wenn man gerne mit einem kleinbildentsprechenden 27 mm Weitwinkelobjektiv unterwegs ist. Die ersten Praxisaufnahmen damit machen einen sehr guten Eindruck, denn die Bilder zeigen eine sehr gute Randschärfe und keine Vignettierung.

Alles in allem ist die CL ein gelungener Wurf von Leica, mit der gewohnten «Konzentration auf das Wesentliche» ohne Schörkel und Firlefanz. Sie integriert sich gut in das TL-System, das mit sieben Objektiven und einem Brennweitenbereich von 11 bis 135 mm bei kompakter Ausrüstungsgrösse sehr universell einsetzbar ist.

Urs Tillmanns

Die technischen Daten finden Sie hier als Download-pdf .

Weitere Informationen finden Sie unter www.leica-camera.ch

Leica Camera AG
CH-2560 Nidau
Tel. 032 332 79 79

 

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