Gastautor/-in, 26. November 2017, 10:00 Uhr

HDR in der Schwarzweiss-Fotografie

High Dynamic Range (HDR) steht für mehr Detailzeichnung bei kontrastreichen Aufnahmen und ist heute nicht mehr aus der Fotografie wegzudenken. Führte die Anwendung von HDR bei seinen Anfängen zu Fotografien jenseits des Gesehen – auch, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass man HDR beherrscht, aber auch, weil diese Bildsprache im Trend lag – so sieht man heutigen Aufnahmen nicht unbedingt an, dass HDR zum Einsatz gekommen ist. Wenn es darum geht, kontrastreiche Motive festzuhalten, dann ist HDR nicht nur in der Farb-, sondern natürlich auch in der Schwarzweiss-Fotografie von grosser Bedeutung. Es lohnt sich also für die Wirksamkeit von Motiven, sich mit HDR auseinanderzusetzen.

 

HDR als Kamerafeature

War HDR in seinen Anfängen in erster Linie Profifotografen und ambitionierten Hobbyfotografen vorbehalten, kann heute jeder Fotobegeisterte die HDR-Fotografie für sich erschliessen. Grund dafür ist, dass nahezu alle aktuellen Kameras über das Feature HDR verfügen. Es muss nur der Menüpunkt angesteuert werden und mit dem Auslösen der Kamera wird das Motiv in einer Belichtungsreihe eingefangen. Die so entstandenen Einzelaufnahmen werden zu einer HDR-Aufnahme vereint.

Könner der HDR-Fotografie bescheinigen dem Kamerafeature HDR gute Qualitäten. Es geht aber ihrer Ansicht nach noch kontrastreicher mit noch mehr Zeichnung in den Mitteltönen und Tiefen, wenn Fotografen manuell vorgehen.

Für HDR-Aufnahmen wird in diesem Fall eine Belichtungsreihe benötigt. Sie setzt sich aus mindestens drei deckungsgleichen Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung zusammen, die dann zu einer Aufnahme vereint werden. Der Ausschnitt muss zu 100 Prozent deckungsgleich sein – ohne Stativ wird man dies nicht bewältigen. Eine zügige Bildfolge ist ebenso Voraussetzung lassen sich nur so Veränderungen in der Szene vermeiden. ISO-Einstellung und Blende sollten nicht verändert werden, während die Belichtungszeit die Variable ist. Als Kameraprogramm bietet sich Av oder A sowie M (manuell) an. Die Belichtungsreihe ist so zu wählen, dass weder das hellste noch das dunkelste Bild Beschnitt in den Tiefen und Lichtern aufweist. Im Histogramm gibt es so keinen Ausschlag am rechten beziehungsweise linken Rand.

 

Mitunter kann es in der HDR-Fotografie zu langen Belichtungszeiten kommen. Wird mit einer Spiegelreflexkamera fotografiert ist es ratsam, mit Spiegelvorauslösung und Fernauslöser zu fotografieren, um Erschütterungen durch die Spiegelschlag auszuschliessen. Verfügt die eingesetzte Kamera über die AEB-Funktion (Auto Exposure Bracketing) so erlaubt dies, mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen, bei denen die Kamera mit einer einstellbaren Schrittweite die Belichtungszeit verändert. Je nach Kameramodell sind zwischen drei und derzeit maximal neun Aufnahmen möglich. Wichtig ist das Histogramm im Blick zu haben und zu überprüfen, ob die Beschnittanforderungen erfüllt sind.

Fotografiert werden sollte im RAW-Format, denn das ist mit seiner Farbtiefe von 12 oder 14 Bit, je nach Kamera, wesentlich besser für das Zusammenfügen geeignet als das JPEG-Format mit 8-Bit-Farbtiefe.

 

Einzelbilder zu einer HDR-Aufnahme zusammenführen

Die mit einer Belichtungsreihe entstanden Aufnahmen können mithilfe von Photoshop oder anderer Bildbearbeitungssoftware zu einer Aufnahme mit einer Farbtiefe von 32 Bit zusammengefügt werden. Inzwischen gibt es spezielle HDR-Software wie beispielsweise aus dem Hause Franzis.

Die aus drei oder noch mehr Aufnahmen zusammengefügte Aufnahme fasziniert am Monitor betrachtet nicht unbedingt. Das ändert sich ab dem Moment, wenn der 32 Bit umfassende Dynamikfarbraum des HDR-Bildes in einen für Standardgeräte darstellbaren Farbraum umgewandelt wird – also in eine Farbtiefe von 8 oder 16 Bit. Dies wird als Tonemapping bezeichnet, für das es unterschiedliche Verfahren gibt. An dieser Stelle entscheidet der Fotograf, ob seine Aufnahme realitätsnah oder aber surreal erscheint. So hat man die Option durch Kontrastanhebung helle und dunkle Säume um kontrastreiche Kanten im Bild entstehen zu lassen. Diese Halos sind übrigens für den typischen HDR-look verantwortlich. Eine weitere Option ist es die Sättigung der Farben zu verändern. Als Fotograf sollte man mit den Möglichkeiten spielen.
Eine Alternative zum Tonemapping ist das Exposure Blending. Hier werden beispielsweise in Photoshop unterschiedlich belichtete Aufnahmen in Ebenen angelegt und die über- und unterbelichteten Bereiche der Einzelaufnahmen über eine Maske ausgeblendet. Auf diese Weise werden alle Daten der Ausgangsbilder zu einem Ergebnis überblendet, wobei der Bereich von 8 oder 16 Bit nicht verlassen wird.

 

Eine weitere Alternative: HDR aus einer Bilddatei

HDR-Aufnahmen sind auch dann möglich, wenn man keine drei unterschiedlich belichteten deckungsgleichen Aufnahmen hat. In diesem Fall nimmt man seine Bilddatei, zieht von dieser mindestens drei Kopien und unterzieht diese verschiedenen Belichtungskorrekturen. Diese werden anschliessend dann wieder zu einer Aufnahme vereint. Bei dieser Vorgehensweise darf man jedoch nicht die gleiche Qualität erwarten, als wenn eine Szenerie mit drei unterschiedlichen Belichtungen eingefangen wurde. Oftmals sind diese Aufnahmen durch das nachträgliche Erhöhen der Belichtung durch Bildrauschen gekennzeichnet.

Quelle: Prophoto-online.de

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