Urs Tillmanns, 8. Januar 2018, 16:00 Uhr

15 Jahre Imaging Power: «Der Mensch steht im Mittelpunkt»

Kurt Freund ist Inhaber von Imaging Power. Der frühere technische Leiter von Pro Ciné ist in seiner Philosophie ganz auf das Papierbild ausgerichtet und ist überzeugt, dass dieses auch im Digitalzeitalter unverändert gefragt und sogar im Aufwind ist. Unzählige Marktstudien, die steigende Nachfrage nach Printgeräten und nicht zuletzt der Erfolg der Sofortbildfotografie geben ihm Recht. Woher kommt dieser Trend, und wie wird sich das Papierbild in Zukunft entwickeln?

Fotointern: Sie blicken heute auf anderthalb Jahrzehnte der Selbständigkeit zurück. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

 

Kurt Freund, Inhaber und Geschäftsführer von Imaging Power (Foto: Urs Tillmanns)

Kurt Freund: Vor fünfzehn Jahren hat die Digitalfotografie gerade so allmählich Fuss gefasst, und die Vorzeichen für eine Firma, die sich auf den Output-Bereich spezialisiert, standen nicht uneingeschränkt auf Positiv. Auch war damals die Bereitschaft der Händler, sich dazu neue Geräte anzuschaffen, eher zurückhaltend – man wollte zuerst sehen, wie sich dieser Markt entwickle und inzwischen möglichst mit dem alten Minilab über die Runden kommen. Dann kam die Smartphone-Fotografie und hat neue Bedürfnisse geschaffen. Viele, vor allem Benutzerinnen, wollten ihre Handy-Bilder gleich ausdrucken und suchen die entsprechenden Dienstleister auf. Die Fotokioske boomten, und wer dabei noch personelle Unterstützung bot, war in der Lage Zusatzprodukte zu verkaufen und mehr zu bieten als die unbemannte Konkurrenz im Internet.

Dennoch, der Online-Trend war unaufhaltsam – auch im Bildergeschäft. Ich denke an den Boom der Fotobücher. Was spricht für die Bildherstellung im Hause?

… der Vorteil, mit dem Kunden in Kontakt, im Gespräch zu sein! Es gibt viele Kunden, denen ist dieser persönliche Kontakt wichtiger als ein etwas günstiger Preis. Gerade jene Fotohändler, die mit einem Minilab doppelseitig drucken können – was bei allen modernen Noritsu-Geräten der Fall ist – haben hier den Vorteil, den ganzen Prozess inhouse mit eigener Erfahrung zu kennen und damit ihre Kunden kompetenter beraten zu können. Meiner Meinung nach braucht es beides: Es braucht einerseits den Onlinehandel über eine gute Webseite, aber es braucht auch einen Verkaufspunkt, wo der Kunde seine persönliche Beratung bekommt. So lange der Mensch im Mittelpunkt steht, sind wir auf der Gewinnerseite!

Die technische Entwicklung ist ja in diesen anderthalb Jahrzehnten rasant vorangeschritten. Wie haben Sie diese erlebt?

Im Printbereich ist natürlich die grundlegendste Veränderung der Schritt vom Nassprozess zu den Trockenverfahren. Das bringt für den Fotohändler ganz enorme Vorteile, besonders was die Prozesskonstanz und die Wartung anbelangt. Auch Händler, die ein sehr unregelmässiges Auftragsaufkommen haben, können ihren Kunden auch bei Wiederholungen eine absolut gleichmässige Bildqualität garantieren. Abgesehen davon liegt die Investition in einer günstigeren Grössenordnung als früher, so dass auch kleinere Händler und Verkaufspunkte von diesen Vorteilen profitieren können.

 

Die neue Bestell-Software von Noritsu präsentiert sich auf allen Geräten identisch

Noritsu hat ja kürzlich auch eine neue Software vorgestellt (Fotointern berichtete). Wie ist diese Umstellung angekommen?

Die neue Noritsu-Software «Smart Picture System» bietet sowohl den Betreibern von Noritsu-Geräten durch eine bessere und effizientere Benutzeroberfläche grosser Vorteile, wie auch den Endkonsumenten, die über eine neue App jederzeit und rund um die Uhr ihre Bilder online bestellen können. Damit können auch kleinere Händler den Kunden den gleichen Bestellkomfort bieten, wie grössere Anbieter. Ein wesentlicher Pluspunkt ist, dass der Kunde auf jedem Gerät seine Bilder auf einer identischen Plattform sieht, zu Hause am PC, unterwegs mit dem Tablet oder Smartphone oder bei Bildanbieter am Fotokiosk. Für den Händler ist dies eine sehr wichtige Umstellung, die einmal mehr der Kundennähe dient. Unsere Erfahrung zeigt: Händler die «Gas geben» haben auch in schwierigeren Zeiten Erfolg!

Den Service hat Imaging Power ja outgesorced an die Firma Lorem in Fehraltdorf (Fotointern berichtete). Wie hat sich diese Zusammenarbeit angelassen?

Sehr gut. Lorem ist ein sehr valabler Partner, der auf den Service von Grossformatdruckern und Plottern spezialisiert ist und darin jahrzehntelange Erfahrung hat. Die Tatsache, dass Lorem nun neben HP- und Canon- nun auch Noritsu-Kunden betreut, ist für uns ein Glücksfall, der in erster Linie durch eine noch bessere Serviceleistung zum Ausdruck kommt. Übrigens hat Lorem kürzlich einen Neubau bezogen und führt vom 15. bis 20. Januar 2018 Tage der offenen Tür durch. In diesem Rahmen werden auch verschiedene Kurzvorträge organisiert, welche Noritsu- und Eizo-Neuheiten betreffen.

 

Noritsu QSS Green II: Das Top-Gerät mit einer Kapazität von bis zu 950 10×15 cm Bildern pro Stunde

Wenn Sie auf die 15 Jahre zurückblicken – wo stehen wir heute, und was bringen uns die nächsten Jahre?

Das Bildergeschäft ist heute sehr viel zukunftsträchtiger als man gemeinhin wahrhaben will. Wir haben in der Schweiz gegen 50 Stück Geräte im Einsatz, wobei der Trend eindeutig zu teureren Einheiten geht. Sie bieten dem Betreiber auch mehr als günstigere Maschinen, sie sind dauerhafter und ermöglichen die Produktion von Spezialitäten und Mehrwertprodukten. Zudem gibt es, abgesehen von Fotohändlern, immer mehr wissenschaftliche Dienste, zum Beispiel Polizeistellen, die sich mit unseren Laborgeräten ausrüsten. Das ist ein völlig neuer Markt, der noch ein grosses Potenzial birgt.

Sie sehen die Nachfrage nach Papierbildern also auch längerfristig ungebrochen …

… absolut. Das zeigt die Beliebtheit dieser Produkte, gerade auch im Sofortbild-Bereich, das zeigt aber auch der Papierverbrauch, der weltweit letztes Jahr um etwa sechs Prozent gestiegen ist. Und dies in einer Zeit, die zunehmend durch digitale Technologie getrieben wird.

Imaging Power hat ja neben dem Vertrieb der Laborgeräte in der Schweiz noch andere Aktivitäten, wie Industrieberatungen und den Vertrieb in Österreich und neuerdings in Südfrankreich. Können Sie dazu noch etwas sagen?

Unsere Kunden der Industrieberatungen betrifft verwandte Bereiche mit Firmen wie Kanematsu oder Eizo. Die japanische Kanematsu ist ein weltweit tätiger Industriekonzern, der unter anderem auch Produkte im Printbereich entwickelt und vertreibt. Bei der Partnerschaft mit Eizo hingegen geht es um die optimale Farbwiedergabe von Bilddaten auf kalibrierten Monitoren, die dann bestmöglich und farbecht auf unseren Geräten wiedergegeben werden. Deshalb empfehlen wir Eizo-Bildschirme. Dann betreut Imaging Power neben der Schweiz auch noch den Noritsu-Vertrieb in Oesterreich mit einem sehr grossen Kundenpotenzial, sowie seit kurzem Südfrankreich, das sich als sehr interessanter Markt zeigt. Ich habe zu Südfrankreich schon immer eine starke persönliche Sympathie gehabt, und zudem gibt es dort mit vielen Profifotografen einen interessanten Markt. Weiter dürfte dieses Jahr mit einem neuen Fotokiosk und neuen Foto-Booth-Systemen für Events interessant werden.

 

Noritsu D705: Das Universalgerät am Verkaufspunkt, für Berufsfotografen oder für Spezialanwender

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Was ist für Sie das Wichtigste?

Das Wichtigste für mich – nicht nur in Zukunft sondern seit jeher – ist der Mensch, der im Mittelpunk all unserer Bemühungen stehen muss. Der Kunde, der in den Laden kommt, ist jemand, der einen persönlichen Rat will. Es geht um die Person – und erst in zweiter Linie um ein Geschäft. Der Mitarbeiter ist unser wichtigster Partner, dessen Förderung und Weiterbildung das zentrale Anliegen jedes Geschäftsinhabers sein muss. Das ist die beste Investition. Und vielleicht wiederhole ich mich jetzt: So lange der Mensch im Mittelpunkt steht, sind wir auf der Gewinnerseite!

Herr Freund wir danken Ihnen für dieses Gespräch

Das Interview führte Urs Tillmanns

Weitere Informationen finden Sie unter www.imagingpower.com

 

 

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