Urs Tillmanns, 17. Februar 2018, 17:14 Uhr

Zanele Muholi – südafrikanische Aktivistin bei Luma

Luma Westbau zeigt erstmals in der Schweiz eine Einzelausstellung der südafrikanischen Fotografin und visuellen Aktivistin Zanele Muholi. Seit über zehn Jahren dokumentiert Muholi das Leben von schwarzen Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Intersexuellen und Transgender-Personen in südafrikanischen Townships.

In ihrer ersten institutionellen Soloschau in der Schweiz zeigt Muholi im Luma Westbau eine umfassende Auswahl aus drei verschiedenen fortlaufenden Bildserien: Faces and Phases, Brave Beauties und Somnyama Ngonyama (deutsch ‘Sei gegrüsst, dunkle Löwin’) – die letzte der drei Serien war bereits 2016 im Luma Arles in Frankreich zu sehen. Daneben umfasst die Ausstellung Vorführungen der Dokumentarfilme We Live in Fear (2013) und Ayanda and Nhlanhla’s Wedding (2013) sowie einen dokumentarischen Bereich für die Multimedia-Internetplattform Inkanyiso (Zulu für ‘der das Licht bringt’), die Muholi 2009 initiierte, um eine visuelle Geschichte der LGBTQI-Communitys zu begründen.

 

«Bester IV, Mayotte», 2015 © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York

Somnyama Ngonyama ist Muholis neueste Serie mit Selbstporträts und bedeutet einen radikalen neuen Schritt im Oeuvre der Künstlerin. Hier richtet Muholi die Kamera auf sich selbst und fängt mit ausdrucksstarken Posen und Beleuchtung experimentierend ihre verschiedenen Rollen als schwarze lesbische Frau in kontraststarken Schwarzweiss-Tonwerten ein.

 

«Bester II, Paris», 2014 © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York

Die Fotografien entstanden in verschiedenen Städten in Europa, den USA, Asien und Afrika an spontan gewählten Locations mit alltäglichen Requisiten als Referenz an Südafrikas politische Geschichte und Gegenwart und an Ereignisse im Leben der Künstlerin selbst. Muholi merkt zu Somnyama Ngonyama an: «Ich habe mit verschiedenen Charakteren und Archetypen experimentiert und die performative und expressive Sprache des Theaters eingesetzt, um mich in stark stilisierter Form darzustellen. Das schwarze Gesicht und seine Details rücken in den Fokus und zwingen die Betrachtenden ihr Verlangen zu hinterfragen, die Bilder meiner schwarzen Gestalt anzuschauen. Indem ich den dunklen Ton meiner Haut überbetone, reklamiere ich mein Schwarz-Sein wieder für mich, welches—nach meinem Empfinden—ständig von privilegierten Anderen zur Schau getragen wird.»

 

«Thulani II, Parktown», 2015 © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York

Formell stellt die Künstlerin in dem Projekt den eigenen Körper in den Vordergrund und weist dem Haar, sowohl als Ausgangsmaterial als auch als zentrale Facette südafrikanischer Identität, eine privilegierte Stellung zu. Mit Muscheln, Textilien und anderen Materialien gestaltet Muholi ihre unterschiedlichen Frisuren, die die symbolische Bedeutung von Haar als Träger komplexer, aufgeladener Vorstellungen von Privilegien, rassenspezifischen Bedeutungen, stilistischem Ausdruck und Status unterstreichen. Somnyama Ngonyama ist eine Meditation über die Materialität verschiedener Objekte, über von ihnen hervorgerufene und mit ihnen assoziierte Dimensionen von Identität. Gleichzeitig gehen die Fotografien über die persönliche Narrative hinaus und postulieren eine Solidarität mit inklusiven kulturellen Praktiken im weitesten Sinne.

 

Zanele Muholi

Luma Westbau Zürich
Limmatstrasse 270
CH-8005 Zürich

Dauer 17. Februar bis 13. Mai 2018

Zanele Muholi auf Facebookhttps://www.facebook.com/zanele.muholi

 

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