Urs Tillmanns, 18. August 2018, 12:39 Uhr

Buchtipp: Roland Jaeger «Foto-Auge Fritz Block»

Der Fotograf Fritz Block dürfte nur Wenigen ein Begriff sein. Das hat vor allem zwei Gründe, wie der Autor Roland Jaeger in seinem Vorwort erklärt. Erstens war Fritz Block in den 1920er- und 30er-Jahren in Deutschland vor allem als Architekt tätig und nutzte die Fotografie zur Dokumentation seiner eigenen Werke und aus persönlicher Leidenschaft. Auf Grund seiner jüdischen Abstammung emigrierte er kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA, wo ihm – zweitens – das Arbeiten als Architekt praktisch verunmöglicht wurde und er die Fotografie zu seiner Lebengrundlage ausbaute. Seine kommerzielle fotografische Tätigkeit konzentrierte sich demnach vor allem auf seine Zeit in Los Angeles, wo er eine eigene Bildagentur betrieb und neben seiner Schwarzweissfotografie auch zu den Pionieren mit den neuen Kodachrome-Diafilmen gehörte. Stilmässig war seine Fotografie stark von der «Neuen deutschen Fotografie» (Neue Sachlichkeit, Film und Foto des Deutschen Werkbundes) geprägt, was in Amerika sehr gut ankam.

Das Buch «Foto-Auge Fritz Block», das zur gleichnamigen Ausstellung* in Hamburg erscheint, bringt das Schaffen von Fritz Block in repräsentativer Form wieder ans Tageslicht. Der Grossteil des Nachlasses von Fritz Block befand sich im Familienbesitz und wurde über längere Zeit nicht mehr vermittelt. Es ist Roland Jaeger zu verdanken, dass wir nun mit diesem Buch das Werk eines für Amerika und Europa bedeutenden Fotografen wiederentdecken.

Fritz Block war ausserordentlich vielfältig tätig und hat sich in der technischen Fotografie ebenso engagiert, wie in der Dokumentation oder Reportage. Er bringt uns die Architektur Deutschlands vor einem knappen Jahrhundert ebenso näher wie das Leben vor 70 Jahren in den USA, er nimmt uns mit auf einen Zeppelin-Flug, oder er zeigt uns Impressionen seiner Reisen nach Paris, Marseille und Nordafrika um 1930. In all seinen Bildern ist die Schule der Neuen Sachlichkeit klar zu erkennen, mit strengen Regeln des Bildaufbaus und der Konzentration auf das Wesentliche im Bild. Zudem zeigt er uns, als Kontrapunkt zu seinen stark technikgeprägten Motiven, eindrucksvolle Porträts und Menschenbilder, die uns zum Beispiel in die Welt des Zirkus, in die Strassen von Paris der 1930er-Jahre oder in den damaligen Hafen von Marseille entführen. Obwohl diese Themen auch von anderen Fotografen bearbeitet worden waren, bringt das Buch mit Blocks Schaffen neue Ansichten und Auffassungen an den Tag.

Ein grosser Teil des Buches ist seiner Reise 1931 nach Amerika gewidmet, mit denen er Impressionen der grossen Neuen Welt nach Europa brachte, die in den damaligen Illustrierten Zeitungen, namentlich im Hamburger Anzeiger, aber auch in der Schweizer Illustrierten, als mehrseitige Reportagen gedruckt wurden. Das Buch zeigt einige dieser Publikationen auf Doppelseiten als Faksimile.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die frühen Farbaufnahmen, die mit der Verfügbarkeit der Kodachrome Diafilme ab 1939 bis in die 50er-Jahre damalige Kulturobjekte, Menschen und Landschaften Amerikas mit der Leica dokumentierten. Sie stellen in diesem Buch ein besonderes Kleinod dar, und halten eine Zeitepoche fest, die nur sehr spärlich in Farbe dokumentiert ist.

Roland Jaeger fällt das Verdienst zu, dass er uns mit diesem Werk einen repräsentativen Querschnitt des Schaffens von Fritz Block vermittelt, der einerseits mit bisher weitgehend ungesehenem Bildmaterial die Welt vor 50 bis 80 Jahren näherbringt, das aber anderseits einen grossartigen Fotografen ins Rampenlicht stellt, der ohne dieses Buch wahrscheinlich gänzlich in Vergessenheit geraten wäre: Fritz Block.

Urs Tillmanns

 

Buchbeschreibung des Verlages

Als Architekt gehörte Fritz Block (1889–1955) zu den engagierten Vertretern des Neuen Bauens in Deutschland. Ab 1929 brachte er den Impuls der Moderne auch als Fotograf zum Ausdruck und trat mit Aufnahmen von Technik, Natur und Menschen im Stil der Neuen Sachlichkeit und des Neuen Sehens hervor. Daneben lieferte er bildjournalistische Städte- und Reisereportagen mit der Leica aus Paris, Marseille und Nordafrika sowie 1931 aus den USA. Wegen seiner jüdischen Herkunft waren ihm in Deutschland ab 1933 die Arbeit als Architekt und die Veröffentlichung seiner Bilder verwehrt. Auf Auslandsreisen setzte er seine Fotografie jedoch fort. Schliesslich emigrierte er 1938 in die USA, wo er in Los Angeles die Fotografie zu seinem Hauptberuf machte.

Foto-Auge Fritz Block ist das erste Buch über das fotografische Werk des Architekten. Es reicht von der Neuen Fotografie der 1920er-Jahre in Deutschland bis zur Farbfotografie der 1940er-Jahre in den USA. Eine Wiederentdeckung sind vor allem die Farbdia-Serien, die Block im Exil für einen fortschrittlichen Kunstunterricht produzierte, darunter viele Aufnahmen von Bauten der kalifornischen Architekturmoderne. Das Buch erscheint zur Ausstellung «Foto-Auge Fritz Block. Der Architekt als Fotograf» in der Handelskammer Hamburg.

 

Der Inhalt

Endlich wieder sichtbar
Ein Exponent der Fotomoderne

 

Neues Bauen und Neue Fotografie
Ein Architekt wird Fotograf

 

Frischer Blick auf Hamburg
Moderne Bilder aus Stadt und Hafen

 

Studien von Bauformen der Natur
Fotos und Röntgenbilder von Conchylien

 

Von Paris über Marseille bis EI Oued
Stadt- und Reisefotografie um 1930

 

Mit der Leica unterwegs in Amerika
Fotoreportagen aus den Vereinigten Staaten

 

Zeppelin-Flug und Kreuzfahrt um die Welt
Reiseeindrücke der 1930er Jahre

 

Schule des Sehens in Kodachrome
Farbdias von Architektur, Kunst und Technik

 

Anhang
Biografie – Schriften – Fotopublikationen und Farbdia-Serien

 

Der Autor

Roland Jaeger (geb. 1955), Kunst-, Architektur- und Fotohistoriker in Hamburg und Berlin. Autor zahlreicher Bücher und Beiträge zur Architektur und Fotografie vor allem der 1920er-Jahre, zur Buch- und Verlagsgeschichte sowie zum deutschsprachigen Exil in den USA. Mitinhaber und -Geschäftsführer einer Ausstellungs- und Messebaufirma sowie eines internationalen Architektur-Versandantiquariats. Seit 2008 Ordentliches Mitglied der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. 2016 Antiquaria-Preis für Buchkultur (zusammen mit Manfred Heiting) für das zweibändige Standardwerk Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945 (2012/2014).

 

Bibliografie

Roland Jaeger «Foto-Auge Fritz Block»
Neue Fotografie – Moderne Farbdias
Der Architekt als Fotograf: Fritz Block war auch mit der Kamera ein Exponent der Moderne

336 Seiten, 146 farbige und 355 Duplex-Abbildungen
Gebunden, Format 23.5 x 30 cm, 1. Auflage, 2018
Preis: CHF 99.00 | EUR 85.00
Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich
ISBN 978-3-85881-531-6

Das Buch kann hier online für die Schweiz und hier für andere Länder bestellt werden.

* Die Ausstellung «Foto-Auge Fritz Block. Der Architekt als Fotograf» findet vom 6. September bis 30. November 2018 in der Handelskammer Hamburg, D-20459 Hamburg, statt.

Vortrag: Autor Roland Jaeger hält am Mittwoch, 17. Oktober, 19.00 Uhr in Berlin (Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststrasse 75) den Vortrag «Foto-Auge Fritz Block: Vom Fotoarchiv zum Fotobuch». Voranmeldung erbeten per E-Mail (info [at] alfred-ehrhardt-stiftung.de). Weitere Angaben zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

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