Gastautor/-in, 23. September 2018, 10:11 Uhr

Blüten – von vorne bis hinten scharf

Jeder, der schon versucht hat, Blumen und Fruchtstände formatfüllend zu fotografieren, wird die ernüchternde Feststellung gemacht haben, dass die Schärfentiefe kaum ausreicht, um die ganze Blüte scharf abbilden zu können. Um dies zu erreichen, ist die Methode des Focus-Stacking erforderlich, die darin besteht, dass vom Objekt etwa 100 Aufnahmen mit einer Fokusverschiebung im Zehntelsmillimeterbereich gemacht werden, die danach mit einer speziellen Software zu einem Bild vereint werden. Die Anzahl Aufnahmen und die Fokusdifferenz hängt von der Ausdehnung des Objektes ab; je kleiner der Abbildungsmasstab und je grösser das Objekt, desto mehr Aufnahmen braucht es dazu.

Kurt Wirz, von dem wir bereits einige Beiträge präsentiert haben, ist ein Spezialist in dieser Technik. Er hat eine ganze Reihe neuer Aufnahmen erstellt, diesmal von Blumen und Fruchtständen, die wir Ihnen hier präsentieren wollen.

 

Das Acker Hasenohr ist in der freien Natur eher selten anzutreffen, jedoch oft in botanischen Gärten. Auffällig sind die ungestielten dunkelgrünen Blätter die den Pflanzenstängel ganz umfassen. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm (in retro) bei Blende 8, 1:1, Stack aus 49 Aufnahmen im Abstand von 0.2mm.

 

Bei Wolfsmilchgewächsen (hier eine Palisaden-Wolfsmilch) endet ein Zweig immer mit einem Blütenstand. Die Scheinblüte besteht aus einer weiblichen und mehreren männlichen Blüten. Unten ist der Stempel und darüber der Fruchtknoten zu sehen, ebenfalls sieht man mehrere Staubbeutel, die vier schwarzen «Taschen» sind Honigdrüsen, Blütenblätter sind nicht vorhanden. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm (in retro), bei Blende 8, 1.5:1, Stack aus 96 Aufnahmen im Abstand von 0.1mm.

 

Die Kartoffelblüte stammt von einer ursprünglich exotischen Pflanze, die etwa 1570 erstmals als Zierpflanze nach Europa importiert wurde. Marie-Antoinette (1774 Königin von Frankreich), trug auf festlichen Bällen einen Kranz dieser Blüten im Haar. Ihren botanischen Namen (Solanum tuberosum), erhielt sie 1596 von Caspar Bauhin, Professor für Anatomie in Basel. In Braunlage im Harz, wurde ihr zu ehren, sogar ein Denkmal errichtet. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm (in retro), bei Blende 8, 1:1, Stack aus 61 Aufnahmen im Abstand von 0.25mm.

 

Die Gras-Sternmiere ist relativ stark verbreitet, jedoch ist sie so klein (Durchmesser etwa 1cm) und unscheinbar, dass sie kaum wahrgenommen wird. Nikon D810, Laowa 25mm F 2.8, 2.5-5X Ultra Macro, bei Blende 2.5, 2.5:1, Stack aus 78 Aufnahmen im Abstand von 0.1mm.

 

Die Grosse Sterndolde ist in den Alpen häufig anzutreffen. Sie fällt auf, weil sie bis zu zwei Meter hoch werden. Mit ihren grossen, äusseren Blütenblätter sieht sie wie ein Korbblütler aus, ist jedoch ein Doldenblütler, der aus vielen Einzelblüten besteht. Der Durchmesser der Dolde beträgt etwa drei Zentimeter. Nikon D810, Rodenstock APO Rodagon N 1:4, f = 80mm (in retro), bei Blende 8, 1:1, Stack aus 103 Aufnahmen im Abstand von 0.2mm.

 

Eine einzelne Blüte der Dolde ist nur etwa einen Zentimeter lang und lässt feinste Details erkennen. Nikon D810, Rodenstock APO Rodagon N 1:2.8, f = 50mm (in retro), bei Blende 4.8, 3:1, Stack aus 116 Aufnahmen im Abstand von 0.03mm.

 

Ein frisches, kleines Blatt des Kerbels ist rot gefärbt, während die Knospen grün ist. Auf der linken Seite erkennt man noch zwei gestielte Eier der Florfliege. Nikon D810, AF Micro Nikkor 105mm 1:2.8 D, bei Blende 8, 1:2, Stack aus 144 Aufnahmen im Abstand von 0.2mm.

 

Die Schönmalve stammt ursprünglich aus Brasilien, ist eher ein Busch und im Wuchs nicht mit der einheimischen Malven vergleichbar. Sie ist auch als Zimmerahorn und Samtpappel bekannt. Es sieht so aus, als ob, das gelbe Papier, das den geschenkten Blumenstrauss umhüllte, etwas geöffnet und damit in eine rote Vase gestellt wurde. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm (in retro), bei Blende 8, 1:1.5, Stack aus 69 Aufnahmen im Abstand von 0.3mm.

 


Die grosse Kapsel (Fruchtstand) des Orientalischen Mohn besitzt eine Reihe von Öffnungen, durch welche bei Berührung oder durch Wind, die Samen herausfallen. Die Konstruktion erinnert an Fenster eines Gebäudes von Antoni Gaudi im Park Güell, Barcelona. Auch hier sind auf der rechten Seite, zwei gesielte Eier der Florfliege zu erkennen. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm (in retro), bei Blende 8, 1:1.4, Stack aus 92 Aufnahmen im Abstand von 0.3mm.

 

 

Den Hauswurz findet man natürlicherweise vorwiegend im Gebirge oder in Gärten. Die Blüten sind klein und fein mit ca. 2cm Durchmesser und einer faszinierenden farblichen Vielfalt. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm (in retro), bei Blende 8, 1:1, Stack aus 78 Aufnahmen im Abstand von 0.15mm.

 

Die vertrocknete Blüte der Durchwachsenen Silphie (Korbblütler) zeigt in den Blütenblättern interessante Streifen, die bei der frischen Blüte nicht vorhanden sind. Nikon D810, Rodenstock APO Rodagon N 1:4, f = 80mm (in retro), bei Blende 8, 1:1.5, Stack aus 79 Aufnahmen im Abstand von 0.25mm.

 

Die Ahorn-Samen («Nasen» genannt) besitzen Flügel, damit sie langsamer herunterfallen und durch den Wind grossflächiger verbreitet werden. Nikon D7100, AF Micro Nikkor, 105mm 1:2.8 D, bei Blende 5.6, 1:1, Stack aus 71 Aufnahmen im Abstand von 0.05mm.

 

Bekannt und auf jeder Wiese zu sehen ist der Löwenzahn mit seinem geöffneten Fruchtstand. Das kugelförmige Gebilde ist ohne die Stackingmethode kaum von vorne bis hinten formatfüllend scharf abzubilden. Nikon D810, Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 150mm (in retro), bei Blende 8, 1:1, Stack aus 76 Aufnahmen im Abstand von 0.5mm.

Text und sämtliche Aufnahmen von Kurt Wirz. Weitere seiner Bilder sind auch auf fotocommuity zu finden.

 

Beachten Sie auch unsere früheren Beiträge zum Thema:

• Wenn die Schärfentiefe nicht reicht … (17.09.2017)
• Focus Stacking – ein Blick in die Makro- und Mikrowelt (05.11.2017)
• Die Reise auf dem Schmetterlingsflügel (03.12.2017)
• Skutellum – oder: Variationen in Farbe und Form (07.01.2018)
• Faszinierende Details der Pflanzenwelt (11.03.2018) 

 

4 Kommentare zu “Blüten – von vorne bis hinten scharf”

  1. Hallo

    Durch ein entsprechendes Licht setzen, Nutzung von Licht und Schatten,
    sowie durch Einfügen eines sanften Schärfeverlaufes,
    könnte die Wirkung der dritten Dimension verstärkt werden,
    das war aber bei den gezeigten Bildern nicht das Ziel.

    Kurt

  2. Lieber Kurt Wirz

    die Bilder sind sensationell und von einer magisch-hyperrealistischen Schönheit!

    Würde mich interessieren wie man bei einem solchen Stacking die Schärfenebene jedesmal nur um Milimeterbruchteile verlegt und wie lange der Computer rechnet um 100 Nikon D810 Bilder zu verarbeiten

    Dominik

  3. Hallo Dominik

    Einen Stack Schlitten findest du z.B. hier:
    https://www.fotointern.ch/archiv/2018/09/18/novoflex-castel-micro-elektronisch-gesteuerter-einstellschlitten/
    Ich verwende den StackShot Macro Rail von Cognisys.

    Mein Computer ist von 2011, Pentium mit 12 GB Arbeitsspeicher, er besitzt zwei SSD, eine mit dem Betriebssystem und den Programmen, die andere mit den zu stackenden Bilder.
    Für 100 Stk. TIF Bilder mit 36 MPixel und einer Farbtiefe von 16 Bit, benötigt die Stacking Software Zerene Stacker, etwa 20 Minuten.

    Kurt

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