Urs Tillmanns, 9. November 2018, 12:03 Uhr

Salon de la Photo, Paris: Das grösste Fotoschaufenster Frankreichs

Der «Salon de la Photo» in Paris ist nach der Photokina in Köln die bedeutendste Fotomesse Europas. In den fünf Austellungstagen von Donnerstag 8. November bis Montag 11. November 2018 werden wiederum gegen 70’000 Besucher zum Messegelände Paris Expo bei der Porte de Versailles pilgern, um sich in der zweistöckigen Halle 5 über das aktuelle Angebot des Fotomarktes zu informieren. Rund 58% der Besucher kommen wegen den Neuheiten, die übrigen, weil sie an Fotografie generell interessiert sind, weil sie an den Vorträgen teilnehmen oder die Ausstellungen besuchen wollen oder ganz einfach weil ihnen das Messetreiben Spass macht. Zudem ist der Salon de la Photo zeitlich gut aufgestellt, weil sich viele Besucher mit Weihnachtsgeschenken befassen und sich über Fotobücher, Kalender und Glückwunschkarten orientieren wollen.

Die Halle 5 von Paris Expo umfasst zwei Stockwerke. Im oberen sind die grossen Stände mit den Kameramarken zu finden …

…  während im Erdgeschoss die Aussteller von Printmedien, die Zeitschriften- und Buchverlage sowie professionelle Anbieter zu finden sind.

So kurz nach der Photokina sind in Paris kaum viele Neuheiten zu erwarten. Für die meisten Besucher ist der Salon jedoch die einzige und wichtigste Informationsquelle, um sich über die neuen Produkte und Trends zu informieren. Kommt hinzu, dass viele der auf der Photokina noch als Vorserienprodukte gezeigten Modelle jetzt in endgültiger Ausführung vorliegen und in die Hand genommen werden könnne.

Bei Canon stösst die neue Spiegellose EOS R auf grosses Interesse, besonders weil sie deutlich leichter und kompakter ist als ihre DSLR-Schwestern.

So zum Beispiel die spiegellosen Vollformatkameras von Canon und Nikon, die bei den Besuchern auf grosses Interesse stossen. Trauben von Leuten sammeln sich vor diesen Ständen, um diese vielbeworbenen Modelle endlich einmal ausprobieren und die Produktespezialisten mit Fragen bombardieren zu können.

Bei Nikon steht die Z6 stärker im Rampenlicht, weil sie hier erstmals an einer grossen Messe gezeigt wird, während das Schwestermodell Z7 bereits lieferbar ist.

Bei Panasonic informiert man sich neben den aktuellen Lumix-Modellen auch über die auf der Photokina angekündigten spiegellosen Vollformatmodelle S1 und S1R. Allerdings ist dazu nichts Neues zu erfahren, weder der Zeitpunkt der Markteinführung noch die Preisgrössenordnung.

Bei Fujifilm informiert man sich über die neue X-T3 und über die GFX-Modelle. Nicht zu unterschätzen ist jedoch das Interesse des breiten Publikums an den Instax-Produkten, ist doch das wiedergeborene Sofortbild gerade bei der jüngeren Generation besonders beliebt. Übrigens wurden auch die Bilder dieser Reportage mit der neuen X-T3 gemacht.

 

Am Leica-Stand trifft man vor allem Besucher, die bereits eine solche Kamera umgehängt haben und sich für Objektive oder vielleicht ein neueres Modell interessieren. Oder ganz einfach um solche, die einmal ein solches Juwel in die Hand nehmen möchten. Als Neuheiten werden hier die brandneue Leica Q-D, die Leica M10-D und die Leica CL.

Nein, die auf der Photokina unter Verschluss gezeigte Ricoh GR III ist noch nicht da, und es ist auch nichts mehr dazu zu erfahren. Hingegen zeigt Ricoh den GR-Stammbaum seit 1996 und ist berechtigt stolz auf diese Reihe. Die Spannung auf die GR III bleibt also ungebrochen …

Bei den Objektivherstellern geht der Trend eindeutig in Richtung der hochgeöffneten Festbrennweiten, nachdem die Zoombereiche bei allen Herstellern sehr gut abgedeckt sind. Auf grosses Interesse stossen auch die Ciné-Objektive (hier am Sigma-Stand) für den professionellen Einsatz. Das bewegte Bild liegt im Trend, und bei diesen Objektiven hat der Verdrängungskampf gerade erst begonnen.

Nur mal durchschauen – denn die wenigsten werden wohl für dieses 200-500mm EX DG mit Lichtstärke 2,8 weder die Einsatzmöglichkeiten noch das nötige Kleingeld haben. Zwischen 14- und 18’000 Euro soll es kosten, je nach Anbieter.

Interessantes am Stand von Broncolor: Für die wissenschaftlichen Untersuchung von Oberflächen hat Bron den Scope D50 entwickelt. Das halbkugelförmige Gerät ist mit 60 LEDs bestückt und macht damit 42 Bilder mit unterschiedlicher Beleuchtung. Mit der entsprechenden Software zeigen diese Bilder feinste Details mit unterschiedlichen Refexionen, welche Rückschlüsse auf die Beschaffenheit geben. Weiter präsentiert Broncolor eine neue LED-Leuchte mit einer besonders hohen Farbqualität.

Viele Besucher kommen extra wegen den vielen Workshops und Vorträgen an den Salon de la Photo. Seltene Gelegenheiten, um von Koryphäen mehr über ihre Arbeitsweisen und ihren Alltag zu erfahren.

Noch eine Besonderheit, die es nur am Salon in Paris gibt: Die drei wichtigsten Grosshändler Camara, FNAC und Cirque sind vor Ort und verkaufen die Neuheiten zu günstigeren Messepreisen.

Auch die Bildkultur kommt am Salon nicht zu kurz. Einmal haben die Besucher die Möglichkeit, die zuvor eingereichten Bilder in einer Ausstellung zu sehen, oder sich anspornen zu lassen, nächstes Jahr mit dabei zu sein.

Dann gibt es immer umfassende Einzelausstellungen bekannten Fotografen. Dieses Jahr zeigt

Bernhard Plossu Bilder aus dem Westen Amerikas, die in den 1970er und -80er Jahren entstanden. Sie zeigen ein intaktes Amerika und waren für viele, nachdem Plossu 1985 nach Frankreich zurückgekehrt war, ein Anreiz, dieses unendliche Land zu bereisen.

Die zweite, weitaus grössere Ausstellung, ist dem deutschen Modefotografen F.C. Gundlach gewidmet, der in den 1950er und 60er Jahren für die meisten französischen Modehäuser wie Dior, Yves Saint Laurent oder Pierre Cardin fotografiert hatte, jedoch in Frankreich als Fotograf weitgehend unbekannt war. So ist diese Ausstellung, welche für den Salon de la Photo extra konzipiert wurde, für viele Besucher ein Augenöffner, umso mehr als sie viele, bislang weitgehend unbekannte Bilder von Gundlach zeigt. Die Ausstellung ist schon fast ein Grund, noch nach Paris zu fahren …

So bietet der Salon de la Photo ein reichhaltiges Programm für alle, die an Fotografie interessiert sind, ein volles Programm, sei es um Neuheiten zu entdecken, die Trends zu erahnen oder um die Bilderausstellungen zu geniessen. Und dies noch bis und mit kommenden Montag …

Text und Bilder: Urs Tillmanns

Wissenswertes über den Salon de la Photo:

Daten: Donnerstag  8. bis Montag 12. November 2018
Donnerstag bis Sonntag 10:00 bis 19:00 Uhr, Montag 10:00 bis 18:00 Uhr

Tgaeseintritt: 12 Euros, reduziert 6 Euro, unter 12 Jahren gratis

Ort: Parc des expositions de la Porte de Versailles
(1 place de la Porte de Versailles 75015 Paris)
Halle 5

Weitere Informationen unter www.lesalondelaphoto.com

 

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