Urs Tillmanns, 8. Dezember 2018, 09:00 Uhr

Buchtipp: Patrick Ludolph – «Manche Fehler muss man selber machen»

Der Titel macht neugierig. Ist es ein Fehlerbuch? Ein Buch also, das uns Fehler aufzeigt, erklärt wie sie entstanden sind und wie man sie vermeidet? Auch der Untertitel führt nicht weiter: «… oder wie ich die Menschen fotografiere». Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Ein To-do-Buch also, eine Art Wegleitung, wie man bestimmte Fotos macht, mit Skizzen, wo die Leuchten standen und wo die Aufheller? Nein, auch nicht …

Aber wenn man das «Vorgeplänkel» – das ist kein Pejorativ, der Autor nennt sein Vorwort selbst so – liest, so wird einem klar, was Patrick Ludolph will: Es soll einerseits Fachbuch sein über seine Art Menschen zu fotografieren und anderseits ein Portfoliobuch, das mit den Geschichten ausgeschmückt ist, wie die einzelnen Bilder entstanden sind.

Ein interessanter Mix! Der übrigens Patrick Ludolph gut gelungen ist. Der fachliche Teil des Buches, welcher etwas die Hälfte des Umfangs des Buches ausmacht, ist nicht einfach nackte Theorie, wie man sie schon unzählige Male abgehandelt vorfand, sondern Patrick erzählt von seiner Art Dinge zu sehen, von seiner Philosophie zu fotografieren und mit seinen Models umzugehen. Es ist ein lockerer Plauderton, der dem Autor sehr gut ansteht, durchsetzt mit sehr vielen wichtigen Erkenntnissen und Aha-Effekten auf die man erst kommt, wenn man jahrelang viel Fleiss in seine Arbeit steckt – und dabei natürlich auch Fehler einstecken musste. Und davon hat das Buch seinen Titel geerbt …

Der zweite Teil des Buches ist ebenso eigenständig und typisch für diesen Autor. Stellen Sie sich vor, Sie wären bei Patrick zu Hause, er würde Ihnen seine Bilder zeigen und dazu ganz locker erzählen wie sie entstanden sind. Zu manchen Bildern gibt es eine Menge spannender Hintergrundinformationen zu anderen kaum was zu sagen. Mal sprechen die Fotos für sich selbst, mal werden sie durch die dazugehörende Story plötzlich interessant.

Was ich an den Bildern von Patrick Ludolph besonders mag: Sie sind natürlich, ungekünstelt und ohne grosse Effekthascherei. Er fotografiert die Menschen so wie sie sind, zwängt sie nicht in irgendwelche unlogische Rollen und versteht es meisterhaft, die Regeln der Bildgestaltung und der Lichtführung optimal auszunutzen.

Was ich an seinem Schreibstil besonders mag: Er ist grundehrlich! Er bleibt in seinen Abhandlungen objektiv, erklärt prägnant und einleuchtend, gesteht Fehler und Misserfolge ein und lobt sich nicht selbst in alle Himmel. Der Text liest sich flüssig und unterhaltend und hat überall einen fachlich relevanten Hintergrund. Hinzu kommt eine gesunde Prise Humor, der für Patrick offensichtlich charakteristisch ist.

Für wen ist dieses Buch? Ich möchte es vor allem jungen Leuten mit auf den Weg geben, jenen, die sich intensiv mit der People-Fotografie befassen wollen, angefangen von einfachen Porträts, über Modeszenen bis hin zu den perfekt inszenierten Gruppenbildern. Leuten, denen die Erfahrung mit Models noch fehlt, die von einem arrivierten Fotografen lernen möchten, was man wie angeht und was man besser bleiben lässt. Dann ist es aber auch ein Lesebuch – ein Buch, dass man dann und wann wieder zur Hand nimmt, um sich die vielen originell gewürzten Stories wieder zu Gemüte zu führen. Es ist ein Buch mit einem wertvollen fachlichen Gehalt und einem unterhaltsamen Leseteil. Und immer geht es um Bilder von Menschen – um gute Bilder!

Urs Tillmanns

 

Buchbeschreibung des Verlages

Oft schaut man sich Fotos an und fragt sich «Wie hat der das bloß gemacht?». Hinter manchen Bildern steckt sehr viel Aufwand, andere wiederum entstehen eher beiläufig und durch eine ordentliche Portion Glück.

Ich habe auf meinem fotografischen Weg viele Fehler gemacht. Über manche muss ich heute schmunzeln, einige würde ich am liebsten ungeschehen machen, doch auch in der Fotografie gilt: Aus Fehlern lernt man.

Das vorliegende Buch besteht aus zwei Teilen. Zunächst erzähle ich über meine grundlegende Philosophie, meinen Ansatz, Menschen zu fotografieren. Der zweite Teil ist eine Sammlung meiner persönlichen Lieblingsbilder. Ich schreibe zu jedem Bild, wie es entstanden ist, wie die Aufnahmeparameter waren, welches Licht zum Einsatz kam und vor allem wie die Geschichte dahinter ist. Manche Bilder haben eine längere Geschichte, andere gar keine.

Es geht sowohl um Licht und Bildgestaltung, aber auch um Kreativität und den Umgang mit Menschen vor der Kamera. Ich möchte mit dem Buch eine persönliche Sicht auf die Dinge geben. Es soll keine Anleitung sein, sondern ein Denkanstoß, eine Ermutigung.

 

 

Der Inhalt

Vorgeplänkel
Was soll dieses Buch? / Die Freude an der Fotografie

Technik, die wichtigste Nebensache
Der Fotograf macht das Bild, aber nicht alleine / Schönes Licht allein macht kein gutes Bild / Automatiken sind besser als ihr Ruf / Intimität durch kurze Brennweiten

 

Licht
Licht muss man sehen lernen / Ein Fenster, sechs Bilder / Fensterlicht von vorne / Fensterlicht von der Seite / Auf der Fensterbank / Hinter dem Vorhang / Gegenlicht mit Reflektoren / In den Schatten fotografiert / Blitz- oder Dauerlicht

 

Bildgestaltung
Regeln muss man erst lernen, bevor man sie bricht / Hoch oder quer? / Linien und Fluchten / Vordergrund macht Bild gesund / Spiegelungen / Der Amerikanische Schnitt / Anschnitt / Natürliche Rahmen / Von oben oder unten

 

Kreativität kann man lernen
Das Offensichtliche über Bord werfen / Vorbereitung gibt Freiraum für Kreativität / Eine Sekunde Zufall

 

Umgang mit Menschen vor der Kamera
Spieglein, Spieglein / Als Fotograf ist man auch Therapeut / Ein Fotograf sollte auch mal vor der Kamera stehen / Moodboard für ein gemeinsames Verständnis / Problemzonen ansprechen / Auch mal die eigenen Bilder feiern

Gute Fotos brauchen keine Retusche

Ein Wort zu Locations

Posing

 

Schwarz-Weiss oder Farbe

Bildauswahl und Präsentation

FAQ

 

Ich über mich

Meine Bilder und ihre Entstehung

 

Der Autor

Patrick Ludolph wurde 1972 geboren. Er ist Wahl-Hamburger und Hobbyfotograf seit der Kindheit. Nach einem Informatikstudium war er zunächst viele Jahre im Online-Marketing tätig mit Schwerpunkt auf Suchmaschinenoptimierung und Webanalyse. Seit 2006 betreibt Patrick den Fotografie-Blog Neunzehn72. Erste Workshops 2008 und schliesslich 2010 der Ausstieg aus dem alten Job und Einstieg in die Selbstständigkeit als Fotograf. Schwerpunkt Menschen, Reportagen, Reisen, Portraits, Hochzeiten.

 

Bibliografie

Patrick Ludolph
«Manche Fehler muss man selber machen – oder wie ich Menschen fotografiere»
238 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
September 2018
dpunkt.verlag, Heidelberg 
ISBN Print: 978-3-86490-612-1
Preis: CHF 48.50 / EUR 36,90
Bestellbar bei Fotichaestli.ch

 

3 Kommentare zu “Buchtipp: Patrick Ludolph – «Manche Fehler muss man selber machen»”

  1. Ich kenne weder den Autor noch das Buch und möchte auch niemanden zu nahe treten. Das Titelbild mit dem Model und dem Star-Wars-Stormtrooper-Helm erinnert mich trotzdem sehr an die vor Jahren vielfach veröffentlichten Arbeiten des verstorbenen Fotokünstler Daniel Josefsohn*
    (siehe http://s-magazine.photography/ceemes/en/editorials-and-ads/profifoto-jul-aug-2014-706.html).

    Es gibt nun einfach Bilder, die sich ikonisch eingeprägt haben (Feldhase = Albrecht Dürer) und die dadurch bereits besetzt sind. Aber eben: «Manche Fehler muss man selber machen».

    * Auf Arte gibt es übrigens eine wunderbare Doku über Daniel Josefsohn zu sehen.
    https://www.arte.tv/de/videos/071421-000-A/dj-punk-der-fotograf-daniel-josefsohn/

  2. @abgehängt: dass der wunderbare daniel josefsohn beim genannten bild wiederum eine wesentlich bekanntere ikone der fotografie zitiert hat stört sie nicht?

    patrick ludolphs blog folge ich schon seit vielen jahren und sein umgang mit den models und speziell den star wars masken ist sehr spielerisch und humorvoll. seine herangehensweise an fotografie und seine art diese mit klaren einfachen worten zu erklären machen seine beiträge für mich immer wieder interessant.

    der vortrag im letzten jahr zu seinem seafarers buch war absolut hörens- und der bildband sehenswert!

  3. @ ver.sus: Nein, das stört mich nicht, im Gegenteil. Daniel Josefsohn war Fotokünstler, der durfte, ja musste Big Nudes etc. ironisch weitererzählen. Patrick Ludolph, der bestimmt freundliche Blogger, erfolgreiche Online-Marketing-Spezialist, Autor, interessanter Vortragender und inzwischen auch Fotograf darf das natürlich auch, aber sein Titelbild mit dem Star-Wars-Stormtrooper-Helm-Zitat ist trotzdem für ein «To-do-Buch im lockeren Plauderton» der falschen Kategorie, nämlich der Kunst, entnommen.

    Ein stark überzeichnetes, zweifelhaftes Beispiel soll das anschaulich machen: die ikonische Glitzergöttin Helene Fischer, welche vermutlich die aktuell erfolgreichste Entertainerin in Deutschland sein dürfte, könnte selbstverständlich auch ein Lied aus Schuberts Winterreise in ihrer Show aufführen. Sie würde das bestimmt fehlerfrei singen und sich dabei noch atemlos um die Stange drehen. Der Applaus ihrer treuen Fans wäre ihr Gewiss. Trotzdem wäre ein Schubert-Lied in ihrer Show quasi ein Kategorienfehler …

    (Helene Fischer kommt mir nur gerade in den Sinn, da Peter Lindbergh sie für die aktuelle Vogue fotografiert hat. Die Fans der Schlager-Königin finden das Vogue-Cover offenbar furchtbar …)

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