Urs Tillmanns, 27. Januar 2019, 10:00 Uhr

Gewitter fotografieren

In der Landschaftsfotografie bilden Gewitterzellen das seltenste Motiv am Himmel. Abendrot, Nebel und die Milchstrasse hat ein jeder Naturfotograf zu Genüge im Archiv. Die grosse Problematik ist die Vorhersage. Gewitterzellen sind flüchtige Momente in unserer Atmosphäre, bilden sich zufällig und lösen sich wortwörtlich in Luft auf, ehe man ein Foto erhält. Diese Ansicht teile ich nicht. Für mich als Wetterfotograf ist ein jedes Phänomen an unserem Himmel bestimmten, immer gleich ablaufenden, physikalischen Prozessen unterworfen. Die moderne Meteorologie liefert dem modernen Naturfotografen das Werkzeug, sich eben jene Wetterphänomene vorherzusagen.

 

HP Superzelle bei Reutlingen, 3‘600‘000‘000 Euro Schaden in 30 Minuten. Panorama aus acht Hochformat Aufnahmen. f/3.5 1/160s ISO640 17mm

 

Die Vorhersage

Bevor Sie eine Gewitterzelle fotografieren können, muss diese aufgespürt werden. Am Beginn dieses Prozesses steht das Lesen von sogenannten Wetterkarten. Wetterkarten sind das für Menschen lesbare Ergebnis der Wettermodelle. Ein Wettermodell ist eine Software, welche auf einem Supercomputer aus dem aktuellen Zustand unserer Atmosphäre den zukünftigen Zustand, modellhaft, berechnet.
Diese Wetterkarten sind für jeden frei und kostenlos im Internet aufrufbar. Sie können diese deshalb von Überall, mit Internetverbindung aufrufen. Meine gesamte Jagd nach den Gewittern spielt sich über meine Smartphones und dem Mobilen Internet ab.

Ich persönlich bevorzuge die Wetterkarten von https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd. Für Mitteleuropa empfehle ich es, das «Mitteluropa Super HD» Wettermodell zu verwenden. Die Karten dieses Modells rufen Sie auf, indem Sie auf den Reiter «Vorhersage» gehen und das entsprechende Modell auswählen. Dort sehen Sie, dass Wetterkarten weltweit zur Verfügung stehen. Die Physik ist in jedem Teil des Universums gleich, deshalb können Sie egal wo Sie sich auf der Erde befinden, mit diesen Wetterkarten eine Vorhersage des zukünftigen Wetters anfertigen. Besuchen Sie diese Website und machen Sie sich kurz vertraut, damit das neue Wissen sofort in Ihrem Kopf verankert wird. Ich persönlich habe diese Website zur Startseite meines Browsers hinzugefügt.

 

Das Signifikante Wetter zeigt Gewitterzellen in rosa auf der Landkarte

Ich empfehle es während Sie dies lesen, direkt auf www.kachelmannwetter.de im Wetterkarten-Browser zu arbeiten, um die Schritte bestmöglich zu verstehen. In dem Browser, welcher sich öffnet sobald Sie ein Wettermodell ausgewählt haben, finden Sie die abgebildete Ansicht. In meinem Beispiel habe ich den Parameter «Signifikantes Wetter» ausgewählt. Der Parameter ist einfach ein abstrakter, meteorologischer Parameter über den zukünftigen Zustand der Atmosphäre, farblich visualisiert auf der Karte. Auf der Schaltfläche «Parameter» können Sie diesen ändern. Weiter können Sie den Kartenausschnitt ändern, entsprechend der Region welche Sie sich betrachten möchten. Das Datum und die Uhrzeit können Sie anpassen, um den Zeitraum zu betrachten, in welchem Sie sich für das Wetter interessieren. Dies ist natürlich der Zeitraum, in welchem Sie planen zu fotografieren.

Auf der Landkarte orientieren Sie sich anhand der eingezeichneten Grenzverläufe. Anhand dieser suchen Sie sich einen Ort heraus, für welchen Sie eine Wetterprognose erstellen möchten. Den Farbwert an diesem Ort schauen Sie auf der Skala unterhalb der Wetterkarte nach. Mit dieser übersetzen Sie den Farbwert in eine für Sie sinnvolle Angabe. Die Gewitterzellen auf dieser Karte werden lila markiert. Klicken Sie sich durch den zeitlichen Verlauf der Wetterkarten, können Sie schnell erfassen zu welcher Uhrzeit sich die Gewitterzellen an welchem Ort befinden sollen.

Diese Karte ist so wunderbar einfach, dass dies der erste Schritt meiner persönlichen Vorhersage für Gewitterzellen ist. Die Frage ist nun jedoch, wie exakt solch ein Wettermodell einzelne Gewitterzellen erfasst. Die Antwort: Sehr exakt. Der zeitliche Verlauf entspricht ein bis zwei Tage vor dem Auftreten der Gewitterzellen ziemlich genau dem, was Sie an dem Tag mit den Gewittern auf dem Wetterradar sehen werden. Eine Verschiebung von ein bis zwei Stunden vor- oder zurück sowie um 50 Kilometer in der Verortung ist im Sinne der Unsicherheit der modellhaften Vorhersage immer.

 

Gewitterzelle über den Schweizer Alpen, fotografiert von den Dolomiten. f/3.5 11s ISO1600 200mm

Sie sollten im Sommer Augen und Ohren offenhalten, ob der Wetterdienst bei Ihnen im Radio, Fernsehen oder Zeitung eine Vorhersage von Gewittern bekannt gibt. Auf diese Weise müssen Sie nicht jeden Tag die Wetterkarten durchsehen. Erfolgt eine solche Ankündigung, und Sie haben glücklicher Weise an diesem Tag Zeit zu fotografieren, folgt der Blick in die Wetterkarten auf das Signifikante Wetter. Sie können aus der ungenauen Vorhersage, dass es Gewitter gibt, mit den Wetterkarten genau eingrenzen in welchem Zeitraum und welcher Region dies geschieht.

 

Am Tag der Gewitterlage

Im Fachjargon bezeichnen wir Sturmjäger einen solchen Tag mit Gewittern als «Gewitterlage». Jetzt geht es nicht mehr darum eine modellhafte Vorstellung der möglichen Gewitterzellen zu bekommen. Vielmehr ist das Ziel diese aktiv aufzuspüren. Sie können dadurch in Erfahrung bringen, ob eine Gewitterzelle sich Ihnen annähert, oder ob Sie vielleicht mit dem Auto ein Stückchen der Gewitterzelle entgegenfahren. Vielleicht begeben Sie sich für einen Ausblick auf einen Hügel.

Das erste Werkzeug ist die Blitzortung. Jede Blitzentladung eines Gewitters wird in Europa durch ein dichtes Messnetz aus Antennen erfasst und genau geortet. Auf www.blitzortung.org werden die erfassten Blitze als kleines Kreuz auf der Landkarte visualisiert, in Echtzeit. Sie sehen deshalb exakt, welche Gewitterzellen in Ihrer Umgebung gerade aktiv sind. Es werden die Blitze der letzten zwei Stunden erfasst und in 20-Minuten-Intervalle eingeteilt. Das weisse Intervall entspricht den Blitzen von 0 bis 20 Minuten in die Vergangenheit, das gelbe schliesst daran an. Daraus lassen sich zwei Informationen gewinnen:

1. Die Zugrichtung und Zuggeschwindigkeit der Gewitterzelle

Verbindet man die Blitze der Vergangenheit mit den aktuelleren Blitzen, wie im Beispiel durch eine Linie, ergibt sich die Zugbahn des Gewitters. Verlängert man diese Linie weiter, ergibt sich aus der Linie die zukünftige Zugbahn. Sie müssen sich in diese Zugbahn begeben, um Fotografien der Gewitterzelle anzufertigen. Vorausgesetzt, die Gewitterzelle löst sich davor nicht in Luft auf.

2. Die Blitzaktivität

Finden sich auf der Karte offensichtlich mehr weisse, also aktuelle, als rote Blitze derselben Gewitterzelle, nimmt die Aktivität der Blitze zu. Die Gewitterzelle lebt auf und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einige Zeit weiter aktiv sein.

Im umgekehrten Fall nimmt die Aktivität an Blitze ab, es ist wahrscheinlich, dass die entsprechende Gewitterzelle in nächster Zeit abstirbt. Es lohnt sich nicht eine solche Gewitterzelle abzufangen. Zusätzlich lässt sich aus der Gesamtzahl der Blitze eines Zeitintervalls, welche unten links dargestellt werden, erkennen, ob die Gewitterlage auflebt, stagniert oder schwächer wird. Wenn gegen Nachmittag die ersten Gewitter entstehen, dominieren die Blitze im weissen Intervall die Statistik. Wenn in der Nacht die Gewitterlage endet, dominieren entsprechend die roten Blitze. Ich empfehle es deshalb nur dann eine Anfahrt zum Gewitter zu tätigen, wenn die Statistik stagniert oder das weisse Intervall das mit den meisten Blitzen ist.

 

Die Karte der Blitzortung von www.blitzortung.org. Die Pfeile markieren die Zugbahn.

Die Blitzortung ist die Informationsquelle, welche ich an einer Gewitterlage die meiste Zeit beobachte, denn die Blitze liefern die beste Information darüber, wie viel Energie in einer Gewitterzelle umgewandelt wird. Die Blitzortung ist jedoch kein Hinweis darauf, ob eine Gewitterzelle interessant ist für Fotografien.

 

Das Niederschlagsradar

Radarstationen messen ständig unsere Atmosphäre um Niederschläge zu erfassen. Keine Wolken, dies ist extrem wichtig zu unterscheiden. www.kachelmannwetter.de bietet unter «Radar, Gewitter & Hagel» die zu sehende Ansicht des Niederschlagradars. Dieses liest sich wie die Wetterkarten. Ab den roten Pixeln auf der Karte ist ein Radarsignal als Niederschlag aus einer Gewitterzelle einzustufen. Im Beispiel sehen Sie einige Gewitterzellen in der Mitte von Deutschland in Thüringen sowie in Bayern. Animieren Sie das Radarbild, können Sie auch anhand von diesem die Zugrichtung der Gewitterzellen erkennen. Jedes Radarsignal einer Gewitterzelle und die Blitze auf der Blitzortung lassen sich eindeutig zuordnen zu einer bestimmten Gewitterzelle.

Das Radar dient dazu abzuschätzen, ob eine Gewitterzelle interessante Fotografien liefert oder nicht. Hierbei beziehe ich mich nur auf die Wolkenstrukturen. Nicht auf Lichtstimmungen und Blitze.

 

Das Radar von www.kachelmannwetter.de. Rote Niederschläge sind als Gewitter einzustufen.

 

Aufziehende Shelf Cloud einer Gewitterzelle. Grün dahinter der Niederschlag. Panorama 6 Hochformataufnahmen f/5.6 0,6s ISO800 15mm

 

Die HP Superzelle, welche auf dem abgebildeten Radarbild über Thüringen zu sehen ist. f/10 0,5s ISO100 15mm

 

Idealisiertes Radarbild einer Gewitterfront.

Die zu sehenden Wolkenstrukturen werden durch bestimmte Konvektionsströmungen am und im Gewitter hervorgerufen. Sie laufen einheitlich ab. Bestimmte Formen des Radarsignals lassen sich deshalb bestimmten Wolkenstrukturen an der Gewitterzelle zuordnen. Es gibt unzählige Formen von Gewitterzellen auf dem Radar, als Sturmjäger muss man diese deuten können. Für Sie reicht es aus, die beiden häufigsten Formen des Gewitters auf dem Radarbild zu erkennen. Diese sehen Sie auf der Schemenzeichnung eines idealen Radarsignals. Die erste Form ist ein lineares Radarsignal, eine langgezogene Gewitterfront. Diese bildet im Idealfall solch eine Wolkenstruktur heraus, wie sie auf obigem Bild «Aufziehende Shelf Cloud» zu sehen ist. Der rote Pfeil markiert mit welcher Richtung ich zum Gewitter fotografiert habe, um die Wolkenstruktur zu fotografieren. Das Ziel ist es genau vor dieser Front zu stehen um entsprechende Fotografien anfertigen zu können.

Das kleine Radarsignal auf der Schemenzeichnung ist rundlich. Es handelt sich hierbei um eine einzelne Gewitterzelle. Bei dieser müssen sie sich in Zugrichtung etwas rechts des Radarsignals platzieren und im Idealfall sehen Sie solch eine Wolkenstruktur wie im Bild mit der «HP Superzelle».

 

Das Jagen einer Gewitterzelle am Tage

Niemand wird als Sturmjäger geboren. Das jagen nach Gewittern basiert auf viel Erfahrung. Ich empfehle es Ihnen deshalb zunächst nur die Gewitterzellen in Ihrer näheren Umgebung abzufangen. Wenn Sie hiermit erste Erfahrungen sammeln konnten und Sie die Jagd nach Gewitterzellen gleicher Massen erfüllt wie mich, dann sollten Sie die ersten weiteren Touren unternehmen.

Jede Sturmjagd beginnt gleich. Sie kennen das Zielgebiet aus den Wetterkarten, das Signifikante Wetter hat Ihnen gezeigt zu welcher Uhrzeit sich die Gewitterzellen an welchem Ort befinden sollen. Haben Sie Zeit, dann begeben Sie sich rechtzeitig in die Region, in der die Gewitter vorhergesagt wurden und warten dort ab. Während dem Warten beobachten Sie die Blitzortung. Sie warten darauf, dass sich der erste Blitz entlädt. Diesem werden in kurzer Zeit weitere nachfolgen und schon ist die erste Gewitterzelle entstanden. Warten Sie einige Zeit ab, es werden weitere Gewitterzellen im Zielgebiet entstehen. Schätzen Sie die Zugrichtung dieser ab. Wenn diese auf den von Ihnen gewählten Standort zuziehen müssen Sie nur abwarten.

Ist Ihre Zeit begrenzt und warten Sie deshalb zu Hause auf Gewitter, oder fahren spontan nach der Arbeit auf die Jagd, die meisten Gewitterlagen spielen sich an Nachmittag und Abend ab, sollten Sie das Niederschlagsradar beobachten und nur aufbrechen, wenn sich solch eindeutigen Radarstrukturen zeigen wie im Beispiel. Bei Tageslicht ist das Ziel immer interessante Wolkenstrukturen und Lichtstimmungen zu fotografieren, für Blitze ist es zu hell.

 

Das Jagen von Gewittern bei Nacht

Vorweg: Blitze fotografiert man am besten bei Nacht und Dämmerung. In der Nacht ist das Ziel nicht die Wolkenstruktur zu fotografieren, sondern die Blitze des Gewitters. Nun muss man nicht direkt vor der Gewitterzelle in deren Zugbahn stehen. Es ist möglich die Blitze von fast allen Seiten des Gewitters zu fotografieren. Die Schemenzeichnung gibt an in welchem Umkreis zum Gewitter Sie welche Fotografien bei Nacht anfertigen können. Wichtig ist, dass eine Seite des Gewitters immer ungeeignet ist zum Fotografieren von Blitzen, meist ist dies bei uns die Nordseite des Gewitters. Als Niederschlagsfahne wird der Bereich bezeichnet, in dem nur schwacher Regen aus der Wolke fällt. In der Schemenzeichnung ist dies der Bereich nördlich des starken Niederschlags, welcher sich, eben wie eine Fahne, vom Kern des Gewitters nach Norden erstreckt. Die Blitze kommen fast ausschliesslich aus dem Bereich der Gewitterzelle heraus, in welchem der stärkste Niederschlag fällt, der Kern der Gewitterzelle. Es ist logisch, dass der Regen in der Niederschlagsfahne zu dicht ist um noch einen Blick auf den Kern der Gewitterzelle mit den Blitzen zu haben.

Das schöne ist aber, dass Sie sich bei Nacht auf einen Aussichtspunkt stellen können, um von dort aus entspannt die Blitze in verschiedene Himmelsrichtungen zu fotografieren. Zu diesem Zweck habe ich in meiner Umgebung einige Aussichtspunkte in mein Google Maps gespeichert. Ich kann mich einfach dorthin navigieren lassen, wenn eine Gewitterzelle in der Nähe des Aussichtspunktes bei Nacht aktiv ist.
Es darf sich zwischen Ihrem Aussichtspunkt und der Gewitterzelle auf dem Niederschlagsradar kein weiterer Niederschlag befinden. Weiterer Niederschlag würde Ihnen den Blick zum Gewitter versperren. Dies sollten Sie vor dem Aufbrechen zum Aussichtspunkt mit dem Niederschlagsradar überprüfen. Die Schemenzeichnung gibt an, in welchem Radius zum Gewitter Sie welche Fotografien von Blitzen anfertigen können.

 

Abstände zur Gewitterzelle anhand des Radarbilds und welche Fotografien man anfertigen kann.

 

 

Aufziehende Shelf Cloud bei Nacht mit Blitzeinschlag. Platzierung genau vor der Gewitterfront im grünen Radius. f/2.8 4s ISO1600 27mm

 

Naher Blitzeinschlag aus einer Gewitterzelle heraus. Platzierung in Zugrichtung hinter dem Gewitter im gelben Radius. f/4.5 30s ISO400 15mm

 

Blitze und Wasserhosen sowie erleuchtete Gewitterwolke einer fernen Gewitterzelle. Platzierung im roten Radius. f/4 15s ISO100 30mm

 

Das Fotografieren von Wolkenstrukturen

Das Foto anzufertigen ist in der Wetterfotografie die einfachste Übung. Die Gewitterwolken reichen meist von Horizont zu Horizont. Sie fotografieren die meiste Zeit mit dem Ultraweitwinkelobjektiv. Aus diesem Grund entstehen 90% meiner Fotografien mit einem einzigen Objektiv, dem Tamron 15-30mm f/2.8. Für Objektive mit solch kurzer Brennweite liegt die Hyperfokale Distanz in nur wenigen Metern Entfernung. Der Himmel ist deshalb immer im Bereich der Schärfentiefe, wenn man den Fokus auf diesen legt. Die Blende wird deshalb auf die Blende für die ideale Abbildungsleistung Ihres Objektivs eingestellt. Die ISO bleibt wie in der Landschaftsfotografie üblich immer auf der niedrigsten Stufe. Die Belichtungszeit dient dazu ein gut belichtetes Histogramm anzufertigen, mit Stativ natürlich.

Damit meine Fotografien nicht nur durch die Wolkenstrukturen im Himmel leben, baue ich Interessante Motive im Vordergrund ein. Bei meiner Jagd nach den Gewittern achte ich sehr darauf nicht einfach neben der Strasse zu stehen und darauf los zu fotografieren. Ich suche aktiv nach interessanten Vordergründen für meine Fotografien, am besten mit einer Aussicht auf die Landschaft. Klar, eine Gewitterzelle zieht selten genau über ein besonders ansehnliches Motiv, noch seltener schafft man es dann mit dem Gewitter zum gleichen Zeitpunkt vor Ort zu sein. Meine Devise ist es, bei der Fahrt zum Gewitter die Augen offen zu halten.

 

Eine Shelf Cloud über frischem Raps. Das Feld wurde während der Fahrt entdeckt und genutzt. f/8 1/60s ISO250 15mm

 

Das Fotografieren von Blitzen

Bei Nacht nehmen Sie sich mehr Zeit für die Wahl des richtigen Motivs, oder besser gesagt des richtigen Aussichtspunktes, denn Sie benötigen einen freien Blick zum Horizont, hier entladen sich die Blitze. Dementsprechend suchen Sie sich Motive aus, welche diese Bedingung bieten.

Anders als oftmals angenommen sind Blitze extrem hell, auch wenn man diese bei Nacht fotografiert. Ich arbeite hierzu im Modus M. Ziel ist es mit einer möglichst langen Belichtungszeit zu belichten. Entlädt sich ein Blitz im Bildwinkel der Kamera, ist dieser in der Aufnahme. Ziel ist es, die Belichtungszeit möglichst lange eizustellen, damit die Totzeit zwischen den Aufnahmen so gering wie möglich ist. Dies funktioniert nur in der Dämmerung und der Nacht. Hinzu kommt, dass der Blitz bei Tageslicht kaum Kontrast zur Umgebung hat. Die richtig spannenden Lichtstimmungen entstehen in der Nacht, wenn man die ganze Wolkenstruktur leuchten sieht.

Die Blende ist so zu wählen, dass der Blitzkanal im Foto nicht überbelichtet. Die Devise lautet: lieber zu gross als zu klein mit der Blendenzahl! Durch die enorme Leuchtkraft des Funkens ist der Blitzkanal auch bei geschlossenen Blenden gut zu erkennen, nur die feinen, seitlichen Verästelungen erkennt man dann kaum mehr. Hört man den Donner nicht, dann Blende auf. Ist der Donner als fernes Grummeln zu hören, ist Blende 8 ideal. Sind die Blitz nah und hell und knallt der Donner richtig, wählen Sie Blende 16.
Die ISO-Zahl ergibt sich logisch aus den beiden anderen Einstellungen. Diese bleibt auf der niedrigsten Stufe.

 

Ein sogenannter Crawler Blitz auf der Rückseite einer Gewitterzelle. f/4 17s ISO100 22mm

 

Das Fotografieren von Wetterleuchten

Sie haben es sicher bereits beobachtet, wenn Gewitterwolken in grosser Entfernung am Horizont leicht aufleuchten. Das Licht der Blitze verliert sich mit dem Faktor eins durch den Abstand zum Quadrat, dementsprechend wirken weit entfernte Blitze dunkel. In diesem Fall ist es erlaubt, die ISO hinauf zu setzen und die Blende vollständig zu öffnen. Die Belichtungszeit muss kurz gewählt werden, so dass die Lichtverschmutzung durch die lange Belichtungszeit das Bild nicht zu hell werden lässt. Kontrollieren Sie dies während der Belichtung. Die Umgebung des Gewitters sollte im Histogramm im linken Drittel verbleiben. Die ISO wird so hoch eingestellt, dass das Wetterleuchten die Gewitterwolke gut ausleuchtet. Ziel dieser Belichtungseinstellungen ist demnach, möglichst viel Licht dieses einen Wetterleuchtens einzufangen.

 

Wetterleuchten einer entfernten Gewitterzelle in Thailand. f/3.2 5s ISO200 30mm

Text und Bilder: Bastian Werner 

Das Buch zum Thema

Bastian Werner befasst sich seit vielen Jahren mit Wetterphänomenen und der Fotografie. Dazu hat er das Buch «Fotografieren mit Wind und Wetter – Wetter verstehen und spektakulär fotografieren». Es ist im Rheinwerk-Verlag erschienen und kostet CHF 52.90 / EUR 39,90.

Beachten Sie die Buchbesprechung auf Fotointern.ch

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