Urs Tillmanns, 3. März 2019, 09:27 Uhr

Das Sony FE 2,8/400 G OSS in der Praxis

Das längste und lichtstärkste Objektiv im Sony-Sortiment, das FE 2,8/400 G OSS, werden sich wohl nur Profis zulegen, die auf Grund ihrer Spezialisierung dafür Verwendung haben. Das sind in erster Linie Sportfotografen, Reporter, aber auch Mode- und Peoplefotografen, die damit das Modell von einem unscharfen Hintergrund isolieren.

Ein solches Objektiv bekommt man nicht einfach so in die Hand. Sony lud kürzlich eine kleine Gruppe von Journalisten nach Schottland ein, um dort das FE 1,8/135 mm GM zu präsentieren (Fotointern berichtete). Am Rande dieser Veranstaltung bot sich dann die Gelegenheit, das 2,8/400er im Reitzentrum von Gleneagles praktisch zu erproben.

Fotografiert mit der Sony Alpha 9 mit FE 2,8/400 G OSS, 1/1000s, Blende 2,8, ISO 400, Followfocus

100% Ausschnitt

Das Objektiv ist nicht mehr ganz so neu. Es wurde im Oktober 2017 zusammen mir A7R und dem 24-105mm angekündigt und genau vor einem Jahr auf der CP+ in Japan erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Objektiv zeichnet sich durch eine Reihe von Besonderheiten aus: Neben der extremen Festbrennweite von 400 mm ist natürlich die hohe Lichtstärke von 1:2,8 immer dann ideal, wenn wenig Licht vorhanden ist oder möglichst kurze Verschlusszeiten vorgewählt werden müssen. Damit ist auch schon die Kernzielgruppe der Anwender eines solchen Objektivs definiert: Es sind vorwiegend Sport-, Natur- und Wildlife-Fotografen, welche ein solches Objektiv einsetzen, um mit der langen Brennweite nicht in die Fluchtdistanz der Tiere zu geraten oder um – dank der hohen Lichtstärke – eine möglichst kurze Verschlusszeit verwenden zu können. Ein weiterer Pluspunkt fällt den 11 Blendenlamellen zu, welche eine annähernd kreisrunde Blendenöffnung und damit eine zarte Hintergrundunschärfe (Bokeh) ergeben. Das werden vor allem die People- und Modefotografen zu schätzen wissen, die dieses Stilmittel sehr häufig einsetzen um das Modell völlig von Hintergrund loszulösen.

Fotografiert mit der Sony Alpha 9 mit FE 2,8/400 G OSS, 1/1000s, Blende 2,8, ISO 400, Followfocus

100% Ausschnitt

Intelligent und praxisfreundlich gelöst ist auch die Objektivbedienung auf der linken Seite des Objektivs: Hier gibt es insgesamt acht Schalter und Tasten, über welche alle Funktionen des Objektivs ergonomisch gut bedient werden können: die Einstellungen der automatischen, der manuellen oder der kombinierten DMF-Fokussierung, die Fokusbereichsbegrenzung für den Nahbereich von 2,4 bis 7 Meter bzw. 7 Meter bis Unendlich, dann die Funktionseinstellung des vorderen Drehrings, die Einstellung des Bildstabilisators und letztlich die Ein- und Ausschaltung des Beeptons.

Zwar wird das Objektiv auf der Sony-Webseite mit 2895 Gramm als «erstaunlich leicht» bezeichnet, doch wenn man sich ein solches Gewicht vor der Kamera nicht gewohnt ist, dann geht das schon nach kurzer Zeit ganz schön in die Ellbogen. Kommt hinzu, dass uns der Sony-Instruktor geraten hat, das Objektiv am Schulterriemen des Objektivs umzuhängen und nicht etwa an demjenigen der Kamera, da die Ösen an der Kamera für dieses Gewicht nicht konstruiert wären.

Bei allem Gewicht muss man dem Objektiv zu Gute halten, dass es sehr ausgewogen ist und gut in der Hand liegt. Das hängt mit der optischen Konstruktion zusammen, denn der grösste Teil des Gewichts entfällt auf die grossen Linsengruppen in der Mitte des Objektivs, die sich genau oberhalb der Stativschelle befinden.

Das Vollformatobjektiv ist in erster Linie für die Alpha-Kamerareihe 7, 7R und 9 gedacht, doch kann es auch an Sony APS-C Modellen mit E-Mount verwendet werden. Dann wird aus dem Lichtriesen ein lichtstarkes 600er. Wir hatten für unseren Praxiseinsatz eine Alpha 9 zur Verfügung, die mit ihren 20 Bildern pro Sekunde jeder schnellen Bewegung gewachsen ist. Für die Pferdeaufnahmen, war dies sogar unnötig schnell, so dass wir die Bildfrequenz auf ausreichende 10 Bilder pro Sekunde reduzierten. Übrigens soll im April ein Software-Update zur Alpha 9 erscheinen, welches das Fokustracking optimiert und auch für Tieraufnahmen einsetzbar macht. Das hört sich nach einer Selbstverständlichkeit an, doch haben uns die Sony-Spezialisten erklärt, dass dazu Hunderttausende von Tieraufnahmen in eine Datenbank eingepflegt werden müssen, weil die Lage und Abstände der Tieraugen sehr unterschiedlich sind und sich bei gewissen Arten die Augen auch seitlich des Kopfes befinden.

Was mir an dem Objektiv besonders gefällt, ist die zarte Hintergrundunschärfe, die auch bei den Pferdeaufnahmen zu erkennen ist. Sie löst das Motiv völlig vom Hintergrund, was auch bei den Pferdeaufnahmen sehr angenehm auffällt. Dieser Effekt kann auch in der Natur- und Landschaftsfotografie sehr kreativ eingesetzt werden, zumal das Objektiv mit 2,7 Meter Mindestentfernung und gerademal sechs Grad Bildwinkel auch für den weiteren Nahbereich geeignet ist. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es zum 2,8/400er noch zwei Konverter gibt, welche die Brennweiten um 1,4x auf 560mm (mit APS-C auf 840mm) und um 2x auf 800mm (mit APS-C auf 1200mm) verlängern.

Dass ein solches Objektiv seinen Preis hat, ist verständlich. Mit 13’499 Schweizerfranken schlägt es zu Buche, und die Alpha 9 setzt nochmals 4399 Franken obendrauf. Das hört sich nach sehr teuer an, doch ist das Objektiv für Profis gedacht, die solche Investitionen tätigen, um damit Aufnahmen machen zu können, die weit über das Übliche hinausgehen und sich entsprechend gut verkaufen lassen.

(Text und Praxisbilder: Urs Tillmanns)

Weitere Infos finden Sie auf der Produkteseite auf www.sony.ch

 

Sony G 2,8/400mm GM OSS – Technische Daten
Name (Internat.) SEL400F28GM (FE 400 mm F2,8 GM OSS)
Brennweite 400 mm
Lichtstärke 1:2,8
Formatauszeichnung 36 x 24 mm
opt. Konstruktion 23 Linsen in 17 Gruppen
Bildwinkel 6°10′
Bildstabilisator optischer SteadyShot
Blenden 2,8 bis 22
Blendenlamellen 11
Mindestabstand 2,7 m
Max. Vergrösserung 0,16
Fokussier-Funktionen AF, MF, DMF
Fokusbegrenzungen 1. 2,7 m – 7 m / 2, 2,7m-∞ / 3. ∞-7 m.
Verwendbare Konverter 1,4x (SEL14TC), 2,0x (SEL20TC)
Filter 40,5 mm Einschub
Kameraanschluss Sony E-Bajonett
Gewicht 2895 g
Abmessungen 158,1 x 359 mm
Preis CHF 13’499.00

 
 

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