Urs Tillmanns, 4. April 2019, 13:32 Uhr

«Menschen und Computer» – eine Bilderschau im Stadtmuseum Aarau

Von Wissenschaftlern an raumfüllenden «Elektronengehirnen» über Technikfreaks, die es sich mit einer Tasse Kaffee vor dem Commodore PET 2001 gemütlich machen bis zu Einsamen beim Onlineflirt: Am 4. April startet die neue digitale Bilderschau «Menschen und Computer- Pressefotografien 1959 bis 1999» (4.4.2019-9.2.2020) aus der Serie «Das Ringier Bildarchiv zeigt» auf der Plattform «F» im Stadtmuseum Aarau. Zu Gast ist David Gugerli, Professor am Institut für Technikgeschichte der ETH Zürich und Autor von «Wie die Welt in den Computer kam» (2018), der zusammen mit der Kuratorin Daniela Nowakowski dialogisch durch die Bilderschau führt.

Grosscomputer der Eidgenössischen Verwaltung, 1965. Foto: Siegfried Kuhn © StAAG/RBA

Menschen und Computer in Pressebildern aus 40 Jahren. Während wir heute mit dem Smartphone fast alle ein Mobiltelefon mit umfangreichen Computerfunktionen auf uns tragen, bezweifeln viele Hersteller von Grasscomputern und Experten noch in den 1970er-Jahren das Potential für die private Nutzung und fragen sich, was Amateure mit dem Computer anfangen sollen, sobald ihnen die Lust am digitalen Spielen vergangen ist.

Die Animateure im Club Méditerranée in Kamarina, Sizilien, bieten Informatikkurse an, 1983. Foto: Philippe Dutoit © StAAG/RBA

Fotografien im Ringier Bildarchiv aus 40 Jahren dokumentieren hingegen den umfassenden Einzug der Welt in den digitalen Raum und den Wandel des Computers von einer Rechenmaschine für die Wissenschaft und die Grossindustrie zu einem universalen Medium, das die gesellschaftliche Lebensweit durchdringt: ln den 1950er- und 1960er-Jahren fokussieren die Pressebilder noch auf den raumfüllenden Maschinenpark der neuartigen «Elektronengehirne», die Menschen sind nur Statisten. Spätestens in den 1980er-Jahren, als der Computer im Alltagsleben an Bedeutung gewinnt, rücken zusammen mit den erweiterten Anwendungsmöglichkeiten auch die sich diversifizierenden Nutzerinnen und Nutzer ins Pressebild, die aus Neugierde oder Zwang lernen, die Kommandozeile mit Befehlen zu füttern: Schülerinnen und Schüler, Selbständige, Hausfrauen, kaufmännische Angestellte und Direktoren besuchen sogenannte Computercamps, Feriengäste sammeln im Informatikraum des Club Mediterranee auf Sizilien erste Erfahrungen und in den Hornestorys für die Illustrierten aus dem Hause Ringier posieren die Promis bald selbstverständlich vor dem Bildschirm. Die jüngsten Fotografien in der Bilderschau stammen aus den späten 1990erJahren, als die Verbreitung des World Wide Web und mobile, multimediale Geräte endgültig den Siegeszug des Computers einläuten. Das Panorama endet hier nicht zufällig, denn auch die Fotografie wird digitalisiert und in der Folge beendet der Medienkonzern Ringier um das Jahr 2000 die Bewirtschaftung seines analogen Bildarchivs, das 2009 in die Bestände des Staatsarchivs AG übergeht.

Der Jazzmusiker Bruno Spoerri auf der Suche nach neuen Klängen im Schweizerischen Zentrum für Computermusik, 1985. Foto: Bruno Torricelli © StAAG/RBA

Das Unsichtbare und Abstrakte für eine breite Leserschaft darstellen. Was in der Blackbox Computer stattfindet, entzieht sich dem Blick der Fotografinnen und Fotografen und die Arbeit an der Maschine lässt sich nur schwer veranschaulichen. Doch Computer sind «in Mode» und werden in Zukunft überall sein, so heisst es in der Schweizer Illustrierten, die sich dem Thema in den 1980erJahren in einer umfangreichen Serie widmet. Die Bilderschau zeigt einerseits die Bandbreite der Zugänge der illustrierten Presse zum Thema Computer. Gleichzeitig gibt sie Einblick in die sich wandelnden Strategien der Fotografinnen und Fotografen, die Beziehung zwischen Mensch und Maschine sowie die Diskussionen über die Bedeutung des Computers zu visualisieren und die Maschine für die Leserschaft der Ringier-Publikationen attraktiver zu machen: ln gestellten Symbolbildern wird versucht, die «lnternetsucht» darzustellen, der Computerchip wird auf einen Frauenkörper projiziert und der erstaunlich variantenreich inszenierte «Blick auf den Bildschirm» wird zum zentralen Bildtopos. Doch oft wird erst in Verbindung mit dem Begleittext klar, welche Aussage das Bild verdeutlichen soll und ob zum Beispiel der Blick in ein Rechenzentrum für den zukünftigen Segen der Computertechnik oder die gläsernen Bürgerinnen und Bürger steht, deren Daten digital gespeichert werden. Ausschnitte aus den illustrierten Zeitschriften und der Zeitung Blick aus dem Hause Ringier laden dazu ein, sich in diese Diskurse zu vertiefen.

Selina Luchsinger bei der Arbeit am mobilen Computer mit Internetzugang via Mobiltelefon, aus einem Dossier zu Neuheiten in den Ringier-Redaktionen, 1996. Foto: Werner Fischer © StAAG/RBA

 

Analoge und digitale Bildwelten im Stadtmuseum Aarau

Während die aktuelle Wechselausstellung «Piay» dem digitalen Spielen in der Gegenwart gewidmet ist, ermöglicht die Kooperation mit dem Ringier Bildarchiv (im Bestand des Staatsarchiv AG) einen Blick zurück in die Vorgeschichte: Die Bandbreite an Begegnungen von Menschen mit Computern in -40 Jahren erinnern an Momente in der Technik- und Kulturgeschichte der Digitalisierung, in deren Zuge Videogames erst möglich wurden. ln dieses breite Panorama der Bilderschau eingebettet sind auch Szenen zum Thema Games und mit dem Computer erzeugte virtuelle Realitäten klingen bereits an.

(Pressetext Stadtmuseum Aarau)

4, April 2019 war Eröffnung

Donnerstag 4. April, 18.30 Uhr im Stadtmuseum Aarau: An der Eröffnungsveranstaltung zur digitalen Bilderschau «Menschen und Computer- Pressefotografien 1959 bis 1999» führten der Historiker David Gugerli (ETH Zürich) und die Kuratorin Daniela Nowakowski gemeinsam durch das Bildpanorama aus -40 Jahren. Der Eintritt war kostenlos, im Anschluss wurde ein Apéro offeriert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.stadtmuseum.ch

Stadtmuseum Aarau
Schlossplatz 23
CH-5000 Aarau
062 836 05 17 (Di–Fr, 11–17 Uhr)
www.stadtmuseum.ch

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