Urs Tillmanns, 15. Mai 2019, 11:33 Uhr

Foto Ecker AG in Luzern wird heute neu eröffnet

Foto Ecker in Luzern kann auf eine lange und Traditionsgeschichte zurückblicken: 1877 als Familienunternehmen am Kapellplatz gegründet, gehört es zu den ältesten noch existierenden Fotofachgeschäften der Schweiz. 2003 wurde die Firma durch Übernahme in die FotoPro Gruppe Teil der schweizweit grössten Fotogruppe. Nach deren Konkurs Ende November 2018 (Fotointern berichtete) wurde die Foto Ecker AG nun neu gegründet und steht mit der heutigen Eröffnung vor einer neuen Zukunft. Wir haben mit den beiden Inhabern Toni und Martin Keller (Onkel und Neffe) über die Zielsetzung der neuen Firma gesprochen.

Das Geschäft an der Pilatusstrasse in Luzern pflegt seit vielen Jahren eine grosse Stammkundschaft. Heute wird es neu eröffnet (Foto: © Foto Ecker Luzern).

Wie haben Sie den Konkurs der FotoPro-Gruppe erlebt?

Toni Keller: Das war für uns alle ein Schock. Vor allem für mich, denn Foto Ecker war meine Lebensgeschichte, nachdem ich seit meiner Lehre 39 Jahre hierin verbracht habe. Foto Ecker ist eines der ältesten Fotogeschäfte in der Schweiz mit Gründungsjahr 1877. Jetzt wird dazu ein neues Kapitel geschrieben.

Die Leitung des «neuen» Foto Ecker obliegt Martin und Toni Keller, die auch die neuen Inhaber sind.

Wann haben Sie sich entschlossen, das Geschäft zu übernehmen und die Firma Foto Ecker AG neu zu gründen?

Martin Keller: Das war kein plötzlicher Entschluss, sondern ein längerer Prozess. Ich war zuvor im Management der Konsumgüterindustrie tätig. Ich komme also nicht aus der Fotobranche, doch fasziniert mich diese und ich sehe in meiner Funktion als Geschäftsführer eine neue und spannende Herausforderung. Irgendwann im Februar habe ich mich mit Toni zusammengesetzt, um die Möglichkeiten eines Neuanfangs von Foto Ecker zu diskutieren. Und so ist alles ins Rollen gekommen.

Das Lokal präsentiert sich mit verschiedenen Beratungs- und Verkaufszonen.

Welches waren die grössten Hürden?

Martin Keller: Zunächst ging es darum ein gangbares Konzept zu finden. Es ist ein Unterschied, ob man in der Filiale einer Gruppe arbeitet, in der sehr viel einfach vorgegeben ist, oder ob man ein eigenes Geschäft mit einer grossen Eigen- und Fremdverantwortung aufbauen will. So galt es die bisherigen Stärken und Schwächen vorsichtig abzuwägen und die besten Chancen auszuloten. Dann gab es eine Reihe administrativer Abläufe, die Verhandlungen mit der Konkursverwaltung, die Erneuerung der Mietverträge, die Geschäftsübernahme, die Kontakte mit den Lieferanten und letztlich die Finanzierung des ganzen Vorhabens.

Was ist anders in neuen Foto Ecker?

Martin Keller: Bei Foto Ecker soll der Fokus vor allem auf der Fotografie liegen, weniger auf dem Fotohandel. Das soll auch in unserem Firmenauftritt zum Ausdruck kommen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Fachkompetenz und auf der Beratung. Dann sind unsere beiden völlig renovierten Fotostudios im Obergeschoss ein Schwerpunkt, vor allem für Ausweis- und Bewerbungsbilder sowie Porträts. Dafür sind wir in Luzern perfekt erreichbar zentral gelegen.

Toni Keller: Wir werden uns vor allem auf die lokalen Bedürfnisse unserer Kundschaft konzentrieren und dazu eine breite Vielfalt an Dienstleistungen bieten, von der Studioaufnahme über die Bildbearbeitung im Labor bis hin zur Sofortbildausgabe. Dazu kommen weitere Angebote, wie ein Mietprogramm, Eintauschofferten, der Handel mit Occasionsgeräten und – ganz wichtig – ein breites Sortiment an Ferngläsern und Spektiven. Dies war schon immer ein Schwerpunkt von Foto Ecker – und es gibt in Luzern kein Fachgeschäft mehr, das auf die Fernoptik spezialisiert ist.

Im renovierten oberen Stock befindet sich ein grosses Fotostudio …

Foto Ecker fokussiert die Fotografie, dennoch ist der Geräteverkauf einer der drei Geschäftspfeiler. Welche Produktgruppen stehen dabei im Vordergrund?

Toni Keller: Im Fokus stehen die trendigen spiegellosen Systemkameras aller Marken. Dann wollen wir uns aber auch auf Besonderheiten und Zubehöre konzentrieren, die man im Grosshandel und im Internet nicht unbedingt findet oder unbesehen kaufen muss. Bei uns kann man sie ausprobieren und sich dann zum Kauf entscheiden.

… sowie ein kleineres für Ausweis- und Bewerbungsbilder

Die Personalfindung dürfte kein Problem gewesen sein …

Martin Keller: Nein, nicht wirklich – dank engen, guten Beziehungen. Sobald bekannt wurde, dass wir Foto Ecker wieder aufleben lassen, haben sich viele Möglichkeiten ergeben. Wir haben uns bei der Personalwahl auf jene Leute konzentriert, die wir bereits persönlich kannten und die zuvor bei FotoPro Ecker gearbeitet hatten. Das sind Toni Keller, Robin Knotz und Pascal Linder in Beratung und Verkauf, sowie Francine Wettstein für Labor und Bildbearbeitung. Das ergibt ein kleines, aber erfahrenes Team, das auch zusammen sehr gut harmoniert.

Wie sehen Sie die Zukunft des Fotofachhandel längerfristig?

Toni Keller: Ich glaube er wird in machen Hinsicht umdenken müssen. Als reiner Verkaufspunkt mit einer teuren Miete und dem täglichen Preiskampf wird man heute kaum mehr überleben können. Vielleicht war das auch eines der Probleme der FotoPro-Gruppe. Die Fotografie selbst, die Kompetenz des Bildes muss im Vordergrund stehen, mit jenen persönlichen Kontakten und Dienstleistungen, die der Kunde im Internet nicht findet. Verbunden mit einer traditionsreichen Bekanntheit, einer zentralen Lage und kompetentem Personal, sollte das Konzept auch längerfristig aufgehen.

Interview und Fotos: Urs Tillmanns

Weitere Informationen finden Sie unter www.foto-ecker.ch

Foto Ecker AG
Pilatusstrasse 5
6003 Luzern
Tel. 041 210 02 10

 

Ein Kommentar zu “Foto Ecker AG in Luzern wird heute neu eröffnet”

  1. Oh wie schön, das freut mich! ‚Im Ecker‘ habe ich als Jugendlicher in den späten 80ern meine erste Spiegelreflex gekauft und den Grundstein für eine Leidenschaft und den späteren Beruf gelegt. Ich wünsche euch viel Erfolg beim Neustart und neben dem sorgfältigen Abwägen auch den Mut zu immer mal wieder radikalem anders Denken. Das ist in der Fotografie dauernd wichtig, sowohl hinsichtlich der Fotografie an sich, aber auch bei allen anderen Markt-Aspekten. Und vergisst das Thema Events nicht – Beratung alleine konkurrenziert mittlerweile auch mit (teils trügerischer) online-Kompetenz.
    Also, viel Erfolg beim weiterschreiben der Ecker-Geschichte.

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