Urs Tillmanns, 21. Juli 2019, 10:00 Uhr

Mit der Leica V-Lux 5 unterwegs

Vor kurzen ist die Leica V-Lux 5 vorgestellt worden (Fotointern berichtete). Aus der Kooperation mit Panasonic entstanden, wurde ihr Äusseres dem Leica-Design angepasst: Etwas kantiger, dafür mit einer feineren Lackierung und Belederung. Mit ihrem 16-fach Zoom, das bei Kleinbild 25 bis 400 mm Brennweite entspricht, rundet sie das Leica-Sortiment mit einer einzigartigen Kamera ab, die mit recht kompakten Massen und einem Gewicht von nur 812 Gramm wohl für viele die ideale Reisekamera ist. Dem kommt auch die Anbindung an die neue «Fotos App» von Leica zugute.

 

Gaudenz Danuser in den Bergen

Er wohnt in Flims, ist leidenschaftlicher Skifahrer und Snowboarder und hat sich vor einigen Jahren beruflich voll der Fotografie verschrieben. Seither hat er unzählige Reisen in alle Kontinente unternommen und beeindruckende Reportagen darüber publiziert. In seiner Heimat ist er oft auf Bergpfaden unterwegs – diesmal mit der Leica V-Lux 5, die ihm die Leica Camera AG im «Erlkönig-Stadium» zur Verfügung gestellt hatte. Fotointern wollte von Gaudenz Danuser wissen, welches seine ersten Eindrücke der neuen Kamera sind.

Fotointern: Herr Danuser, Sie haben die Leica V-Lux 5 praktisch erproben können, bevor diese bekannt war. Wie war Ihr Eindruck?

Gaudenz Danuser: Man merkt bei der V-Lux 5 sofort, dass es eine ganz andere Klasse ist als eine M-, S- oder SL-Leica, mit denen ich üblicherweise fotografiere. Und trotzdem hat man mit der V-Lux 5 irgendwie das Leica-Feeling – vielleicht ist dies auch nur weil Leica draufsteht … Dennoch macht sie einen wertigen und ausgereiften Eindruck. Und vor allem ist sie sehr leicht, was gerade beim Bergwandern ein Vorteil ist.

Gipfel im Valsertal. Ein Gemisch aus letztem Sonnenlicht und kommenden Regenschauern. Im Bild dominieren viele feine Farbtöne und Helligkeiten.

Welche Leica brauchen Sie für welche Motive?

Für Landschaften habe ich am liebsten die S 007 dabei. Die SL benutze ich eher für Reportagen oder wenn’s schneller gehen muss. Und meine Immer-dabei-Kamera ist die M, die ich jetzt auch in die Ferien mitgenommen habe.

Piz Terri. Das allerletzte, feine Licht spielt mit den Wolken.

Ein 16-fach Zoom, wie an der Leica V-Lux 5, ist ja bei Leica unüblich. Haben Sie diesen grossen Brennweitenbereich ausgenutzt?

Ich bin ja vor allem Landschaftsfotograf, und da bin ich schon eher im Weitwinkelbereich zuhause als bei langen Brennweiteneinstellungen. 25mm auf Kleinbild umgerechnet ist meine am Häufigsten verwendete Brennweite – auch mit der V-Lux 5. Aber es ist schon noch cool, mal auf 200 oder gar 400mm hochzuzoomen und so die Details herauszupicken.

Flem, Auas Sparsas. Die Bewegung im Wasser und in den Blätter faszinieren in diesem Bild. Beeindruckend sind die schönen Grün-Farbennuancen und die feinen Strukturen. 

Die M- und SL-Leicas haben ja eine einfachere Menüstruktur als die V-Lux. War das gewöhnungsbedürftig für Sie?

Das ist wahrscheinlich der grösste Unterschied zu meinen bisherigen Leicas. Man hat mit der V-Lux viel mehr Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Um sie alle auszukosten – dafür hatte ich die Kamera nicht lange genug. Und ob man als Landschaftsfotograf diese wirklich alle braucht, ist eine andere Frage. Auch bei Kameras, die sehr viel Technik bieten, beschränkt man sich ja meistens auf die gleichen Funktionen, weil man damit seinem fotografischen Stil gerecht wird.

Flem, Auas Sparsas. Der hohe Kontrast von Weiss bis Schwarz bewältigt die V-Lux 5 detailreich. Das Wasser ist in Bewegung und verleiht dem Bild zusätzliche Dynamik. Aufnahme ab Stativ.

Ist die Bedienung der V-Lux zu kompliziert?

Kompliziert würde ich nicht sagen. Sie ist anders, wenn man sich die anderen Leica-Modelle gewöhnt ist, vor allem wenn man tiefer in die Menü-Einstellungen geht. Die Kamera bietet viel mehr Einstellmöglichkeiten, die ich in der kurzen Zeit, in der mir die Kamera zur Verfügung stand, gar nicht auskosten konnte.

Seerose am Crestasee. Feines Rosa mit sattem dunklem Grün und feine Strukturen – bestens gelöst von der V-Lux 5

Haben Sie etwas an der V-Lux 5 vermisst oder etwas besonders geschätzt?

Nein, vermisst habe ich eigentlich gar nichts. Die Kamera ist technisch sehr grosszügig ausgestattet. Was mir jedoch sofort positiv aufgefallen ist, ist der sehr schnelle und präzise Autofokus. Dieser ist absolut verblüffend.

Der Crestasee in der Morgendämmerung, fotografiert mit offener Blende für eine schöne Vordergrundunschärfe.

Wie sind Sie mit dem Sucher und dem Display zurecht gekommen?

Der Sucher ist sehr hell und hat einen guten Einblick. Ich verwende den Sucher häufiger als die Einstellung auf dem Display, weil ich sehr oft Landschaften bei hellem Sonnenschein fotografiere, und da ist der Sucher besser geeignet. Das Schwenkdisplay ist für extreme Perspektiven oder Überkopf-Aufnahmen sehr nützlich, aber das brauche ich weniger. Man kann ihn ja auch für Selfies ausklappen, aber das nutze ich gar nicht.

Val Müstair, Sassa. Ein Landschaftsbild mit feinsten Strukturen, welche auch so naturgetreu wiedergegeben werden.

Wie kommentieren Sie die Datenqualität und die Schärfe der Aufnahmen im Vergleich zu M oder SL?

Dazu kann ich nichts Endgültiges sagen, weil bei dem Vorserienmodell die RAW-Abspeicherung noch nicht zur Verfügung stand. Ich konnte also nur in JPEG fotografieren und hier hat die Datenqualität absolut überzeugt. Auch die Schärfeleistung ist für einen solchen Zoombereich und einen Sensor dieser Grösse erstaunlich, vor allem bei Weitwinkel.

Piz Stabelchod im Nationalpark im Engadin. Eine Aufnahme mit sehr viel Kontrast von hellsten Schneefeldern bis zum dunkelgrünen, schattigen Wald.

Wem würden Sie die V-Lux 5 empfehlen?

Mit der reichhaltigen technischen Ausstattung und dem extremen Zoombereich hat die Kamera natürlich ein sehr breites Anwendungsspektrum. Es ist eine hervorragende Allround-Kamera, die gerade bei Reportagen und auf Reisen ideal ist, wenn man keine grosse Fototasche mitnehmen will. Alles in allem war es für mich eine sehr gute Erfahrung, diese Kamera in der Praxis erproben zu können.

Der Morteratschgletscher im Engadin, ab Stativ fotografiert. Der Gletscher lag bereits im Schatten, dennoch hat die V-Lux 5 die Farben und Strukturen sehr authentisch wiedergegeben.

 

 

Was wir zur V-Lux 5 meinen …

Auch Fotointern hatte Gelegenheit, die V-Lux 5 in der Praxis zu testen. Natürlich kann man die Verwandtschaft zur Lumix FZ1000 II nicht wegreden, doch ist diese bei der langen technischen Kooperation von Panasonic und Leica auch naheliegend. Beide profitieren voneinander, Leica von der Erfahrung von Panasonic im elektronischen Bereich und Panasonic von der Optikerfahrung der Wetzlarer.

Auffallend ist das von Leica gestaltete Gehäuse, etwas kantiger, dafür mit einer feineren Oberfläche. Die Funktionen und Einstellelemente sind identisch, bis auf die Nutzung der «Fotos-App» von Leica, welche komfortabel die Übertragung der Bilder aufs Smartphone ermöglicht. Das 16-fach-Zoom, ein DC Vario-Elmarit 2.8-4/25-400mm ASPH (Kleinbild-entsprechend), ist dem Leica Know-how zuzuschreiben, und der 1-Zoll 20 Megapixel CMOS-Sensor ist noch in vielen anderen Kameras zu finden. Ob und worin sich die beiden Modelle im tiefsten Innern noch unterscheiden, darüber schweigen sich bei beiden Unternehmen aus.

Der Brennweitenbereich des 16-fach Zooms begeistert. Damit ist die Kamera auf Reisen ideal einsetzbar

Die V-Lux 5 macht einen wertigen Eindruck. Die Bedienelemente sind funktionell und ergonomisch gut platziert, und man hat die Kamera mit dem grossen Griffwulst und der ausgeprägten Daumenauflage gut in der Hand. Der schwenk- und ausklappbare Monitor erlaubt Einsicht für extreme Perspektiven und für Selfies, falls man solche machen möchte. Der Sucher ist hell und mit 2,36 Megapixel hoch aufgelöst.

Die ISO-Empfindlichkeit reicht (im erweiterten Bereich) von 100 bis 25000 – bis 3200 ohne Kompromisse, ISO 6400 ist an der Grenze, höhere Empfindlichkeiten sollte man nur nutzen, wenn die Bildaussage, nicht aber die Detailzeichnung wichtig ist.

Dass die Leica teurer ist als die fast identische Variante von Lumix, ist eine Binsenwahrheit – man weiss es. Und doch wird es viele Käufer geben, welche dem Namen Leica und dem roten Punkt den Vorzug geben – nicht zuletzt, um eben eine etwas andere Kamera zu haben.

Urs Tillmanns

Link zur Produkteseite der Leica V-Lux 5 und zur Webseite von Gaudenz Danuser.

 

 

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