Urs Tillmanns, 31. Juli 2019, 10:00 Uhr

Die Lab-Box ist da: Tageslicht-Entwicklungsdose für Roll- und KB-Filme

Sie hat eine lange Vorgeschichte, die «Lab-Box» Entwicklungsdose von Ars-Imago. Es war auf der Photokina 2016, als das Projekt hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde. Alessandro Franchini, Inhaber und Geschäftsführer von Ars-Imago, erkannte die Notwenigkeit eines solchen Produktes «weil es sowas im Markt schon lange nicht mehr gibt, und weil ein Bedarf besteht, dass die Analogfotografen ihre Filme selbst entwickeln können – und dies ohne Dunkelkammer». Dies war der Leitgedanke von Alessandro. Und er zog das Projekt durch, mit allen Tücken und Hemmschwellen. 4’791 Unterstützer lieferten bei Kickstarter ein Grundkapital, womit die Lab-Box nicht nur professionell zu Ende entwickelt, sondern auch nach industriellen Standards hergestellt werden konnte. Aber alles war viel aufwändiger als eigentlich angedacht …

Jetzt ist sie da. Nachdem die Kickstarter-Sponsoren bereits belohnt wurden, kommt nun die Lab-Box am Freitag, 2. August 2019 in den Verkauf und ist sowohl online zu erwerben, als auch am Verkaufspunkt an der Badenerstrasse 211 in Zürich zu kaufen.

Die Lab-Box ist ein Multiformat-Tank, mit dem der Film bei Tageslicht vom Einspulen bis zum Ende des Entwicklungsprozesses verarbeitet werden kann. Es ist keine Dunkelkammer notwendig, was auch für den Fotografen unterwegs ein grosser Vorteil ist. Zudem ist die Lab-Box nicht nur sowohl für Rollfilme 120 als auch für Kleinbild 135 (mit entsprechenden Modulen) gleichermassen geeignet, sondern es können darin auch alle Prozesse angewandt werden – schwarzweiss oder farbig. Logisch, dass Analogspezialist Ars-Imago auch die entsprechende Chemie dazu im Angebot hat.

 

Das Prinzip

Die Lab-Box ist modular aufgebaut. Neben der Tankeinheit gibt es zwei ansetzbare Module, eines für 135er Kleinbildfilme und eines für 120er Rollfilme. Man kann den Tank je nach Bedarf mit dem Kleinbild- oder dem Rollfilm-Modul bestellen, oder im Set mit beiden Filmeinheiten. Zudem kann man auch die gewünschte Farbnote wählen, da es den Deckel in Orange, Militärgrün oder Schwarz gibt.

Das 135er-Modul verfügt über einen Filmschacht, in dem die 35-mm-Patrone positioniert und blockiert wird. Der Filmvorspann wird danach abgeschnitten, der Film an das Transportband der Spirale angehängt und der Deckel geschlossen. Mit dem Drehknopf (oder der optional erhältlichen, komfortableren Drehkurbel) wird der Film in die Spirale eingespult. Nach dem Ladevorgang wird der Film mit einer integrierten Schneidevorrichtung von der Patrone getrennt, und der Entwicklungsprozess kann beginnen. (Hier gibt es eine Einschränkung: Filme, die einen PET-Schichtträger haben, können mit der integrierten Schneidevorrichtung nicht geschnitten werden. Der Vorgang muss dann im Dunkeln vorgenommen werden, oder behelfsmässig unter der Bettdecke.)

Das 120 Modul ist mit zwei Fächern ausgestattet: Die Filmrolle wird in den oberen Teil eingelegt und der Anfang des Trägerpapiers durch einen Schlitz auf der Rückseite des Gehäuses gezogen. Nachdem der Deckel geschlossen ist, zieht man am Trägerpapier und transportiert so den Film in das zweite darunter liegende lichtdichte Fach. Danach kann der Deckel geöffnet werden, um das Trägerpapier zu entfernen und den Film an das Transportband der Spirale zu klemmen. Nach dem Schliessen des Deckels dreht man den äusseren Knopf, um den Film in die Spirale einzuspulen.

Ist der Film eingespult in der Dose, können durch eine entsprechende Öffnung im Deckel die Chemikalien eingefüllt werden. Zur Entwicklung können entweder 270 ml bei ständiger Drehung des äusseren Knopfes (oder Kurbel) verwendet werden, oder 500 ml bei gelegentlicher Bewegung. Im Gegensatz zu anderen Entwicklungsdosen darf die Lab-Box nicht gekippt werden.

Die Anwendung ist sehr einfach und wird auch in zwei Tutorials (Links siehe unten) nochmals deutlich erklärt. Die Lab-Box ist für Anfänger geeignet, wird aber auch dem professionellen Einsatz gerecht und bietet die Möglichkeit, mit verschiedenen Entwicklungsprozessen zu experimentieren. Zudem ist die Dose ideal, um auf Expeditionen oder «on location» die Filme gleich zu entwickeln, um die Bildresultate sofort beurteilen zu können.

Die Lab-Box ist ab 2. August 2019 bei Ars-Imago in Zürich erhältlich oder online bestellbar. Sie kostet mit beiden Modulen CHF 199.00 oder mit nur einem Modul (wahlweise 135 oder 120) CHF 159.00 (zzgl. Versandspesen).

Weitere Informationen finden Sie unter www.ars-imago.ch.
Die sehr detaillierte (nur englische) Bedienungsanleitung finden Sie hier als pdf-Download
Folgen Sie hier den Video-Tutorials für 135er-Film oder für 120er-Film.

 

Ars-Imago Lab-Box: Technische Daten
Art Tageslicht Entwicklungsdose
Filmgut 135er und 120er-Film mit zwei versch. Modulen
Material ABS-Kunststoff, rostfreier Stahl
Füllmenge min. 270 bis max. 500 ml
Abmessungen 182 x 124 x 98 mm
Design VIVO Design Studio, Rom, Italien
Zielgruppe Fotografen, Studenten, Schulen, Institute, Expeditionsteilnehmer

 

Ars-Imago
Badenerstrasse 211
CH-8003 Zürich
Tel. 044 461 18 49

 

 

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9 Kommentare zu “Die Lab-Box ist da: Tageslicht-Entwicklungsdose für Roll- und KB-Filme”

  1. Ich kann mich nicht erinnern in all den Jahren die ich analog fotografierte jemals solch eine Box vermißt zu haben. Worin liegt der Vorteil? Ich sehen nur Nachteile! Auch ist mir niemand bekannt der jemals eine haben wollte.

    Eine gute Entwicklungsdose aus Edelstahl und ein Wechselsack taten es immer bestens um unterwegs entwickeln zu können. Das war nicht nur preiswerter sondern viel besser zu reinigen als eine verwinkelte und eckige Kunststoffschachtel mit Kurbel (die man vergessen/verlieren kann). Zur Not konnte man sogar die Filme in der Nacht unter der Bettdecke oder im Schlafsach einspulen. Dann ersparte man sich sogar den Wechselsack.

    1. @Micha Spiegi und Rolf: Das ist natürlich richtig, mit einer normalen Entwicklungsdose und einem Wechselsack kommt man genauso zu Ziel. Allerdings braucht es etwas Übung, um den Film im Dunkeln mit Fingerspitzengefühl einzuspulen. Tageslichtdosen haben den Vorteil, dass dieser heikle Vorgang automatisiert ist und man auch als Anfänger eigentlich nichts falsch machen kann. Tageslichtdosen hat es früher schon gegeben, z.B. die Rondinax von Agfa, die sehr beliebt war. Jetzt gibt es sie wieder – in neuer Ausführung und auch für Rollfilm.

    2. Hallo Micha. Hast du sie schon einmal ausprobiert? Für Anfänger ideal. Aber eben, DU musst ja keine kaufen, lass den Spass den anderen!!

      Daniel

      1. Hallo Daniel.

        nein, ich habe die Box nicht ausprobiert. Wieso sollte ich auch? Ich kenne aus der Vergangenheit ihre Vorgänger – die Originale. Das reicht.

        Mit der klassischen Dose bin ich schneller und sicherer. Auch für einen Anfänger ist eine gute Dose alles andere als eine Herausforderung. Wer keine zwei linken Hände hat erlernt ohne Probleme ihre Handhabung in kürzester Zeit. Zu meinen Metallspulen gab es sogar eine Enspulhilfe damit jeder Grobmotoriker das Ding benutzen konnte. Ich hatte diese nie weil mir die Gefahr für Kratzer auf dem Film viel zu hoch war. Auch Kunststoffspulen mag ich nicht. Das ist auch ein Grund wieso ich niemals zu dieser Box greifen würde. Zum einen die umständliche Handhabung, zum anderen die Reinigung und die Gefahr von Kratzern und Knicken.

  2. Ist die Kurbel dabei? Maco-Direct verkauft das Teil in einer Aktion für 199 euro OHNE Kurbel. Bei der alten Paterson-Dose erinnere ich mich an die kreuzförmige Drehachse. Dort hatte ich einen Korken(25mm durchmesser) montiert. Der Knopf scheint dicker. Wird so wohl optimal sein. Die Kurbel mit voller Chemiemenge dürfte wohl zu schnell rotieren. Somit entstünden die gefürchteten überentwicklungs-muster bei der Perforation wegen starker Verwirbelung.
    Hoffe die Kurbel ist dabei. Maco-Direkt hat eine 199 euro-2 Tages-aktion nur mit Knopf inkl.Porto. Separatbestellung nur mit Porto. Also ist klar: CHzer kaufen in der CH. Danke

    1. Hallo Michael. Nein, die Kurbel ist nicht dabei, sie kostet extra CHF 19.– bzw. ist optional (wie es in der Meldung steht). Aber eigentlich tuts der Drehknopf genauso, nur ist es mit der Kurbel etwas bequemer. Dass es bei zu schneller Bewegung zu Strömungserscheinungen kommen kann ist richtig.

  3. Ich bin bekennender Analogiker und habe bis jetzt mit Wechselsack und Entwicklerdose meine Filme entwickelt. Das wird auch so bleiben. Dieses Produkt mag was für Einsteiger sein aber ich bezweifle das geübte Wechselsackbenutzer auf das Teil abfahren werden. Billiger ist ein Wechselsack und eine Entwicklerdose allemal und die Chemie braucht’s bei beiden System gleich. Mit dem Wechselsack hab ich die volle Kontrolle über das Einspulen des Films, also wenn’s mal hackt kann ich den Film wieder von der Spule nehmen und neu aufspulen.

  4. Der einzige Vorteil der Dosen ist, dass man mehrere Filme gleichzeitig entwickeln kann. Tageslichtentwicklungsdosen gäbe es schon früher und die emo-Diskussion darüber wird nie enden.

    Ich durfte die Labbox schon vor Monaten ausprobieren. Ich finde das arbeiten mit ihr als sehr angenehm. Habe bereits verschiedene filme entwickelt, an versch. Orten und Klimaverhältnissen. Die Schwierigkeiten die man bei hoher Luftfeuchte hat beim aufspulen auf eine Dosenspule hat, entfallen. Ich gehöre zu den schnellkurblern, von den erwähnten spuren habe ich noch nicht bemerkt, will diese aber nicht i Abrede stellen. Habe filme verschiedenen Alters getestet, zum teil vor 5 jahren belichtet. und sie kamen gut. Die Reinigung ist genauso einfach wie bei der Dose. Spühlen und trocknen lassen ggf. föhnen.

  5. Vielleicht ist das Kurbeln mit der reduzierten Chemiemenge(im Colenta-Rotatingstank dasselbe Prinzip) genau DIE Lösung gegen die Perforations-Überbelichtungen. Könnte man jetzt noch Testen mit voller Chemie einmal mit Knopf einmal mit Kurbel angetriebene 35mm-Spirale.
    Der angekündigte Deckel mit eingebautem Thermometer ist wohl für Farbentwicklung gedacht. Dann wird es in interessant für Push/Pull-Entwicklungen vulgo Stossen und Ziehen oder wie das immer heissen mag. und E6 filme in C41 chemie

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