Urs Tillmanns, 29. September 2019, 09:54 Uhr

Cewe Photo Award 2019: Das sind die Gewinnerbilder

Am letzten Donnerstag, 26. September 2019, wurden die Gewinner des weltgrössten Fotowettbewerbs 2019 im Naturhistorischen Museum in Wien gekürt. Die Gewinnerin Ina Schieferdecker setzte sich mit ihrem Foto unter 448’152 Einreichungen durch und nahm im Rahmen einer feierlichen Gala den Cewe Photo Award entgegen.

 

Freude an der Siegerehrung des Cewe Photo Award 2019: (v.l.n.r.) Jurypräsident Yann Arthus-Bertrand, Gesamtsiegerin Ina Schieferdecker und Cewe Vorstandvorsitzender Dr. Christian Friege

Welche Bilder erregen Aufmerksamkeit? Welche Fotos gehen buchstäblich um die Welt? Meist sind es die Motive, die Missstände aufdecken oder dem Betrachter Krisen vor Augen führen. Mit dem Cewe Photo Award möchte der Fotodienstleister Cewe bewusst einen Gegenpart setzen und unter dem Motto «Our world is beautiful» die schönen Seiten der Welt aufzeigen. Diesem Aufruf sind bei dem aktuellen Wettbewerb so viele Fotografen wie noch nie gefolgt: Mit 448’152 Einreichungen ist der Cewe Photo Award zum grössten Fotowettbewerb der Welt geworden. Neben der hohen Anzahl an Fotos zeigte sich die Jury vor allem von der hohen Qualität der Bilder beeindruckt. «Sowohl Hobby- als auch Profifotografen haben nicht nur ein hohes technisches Können gezeigt, sondern auch den Blick für die besonderen Momente bewiesen», betont Dr. Christian Friege, Vorstandsvorsitzender von Cewe und Mitglied der siebenköpfigen Jury.

 

Das sind die Gewinner/innen des Cewe Photo Award 2019, zusammen mit der Jury

Ina Schieferdecker aus Deutschland nicht nur in der Kategorie Tiere, sondern erhielt auch den Preis für den Gesamtsieg. Neben dem offiziellen Cewe Photo Award kann sie sich über eine Reise, eine neue Fotoausrüstung sowie Cewe Fotoprodukte im Gesamtwert von 25’000 Euro freuen. «Es freut mich sehr, dass es mir gelungen ist, die gefährdete Tierart in das richtige Licht zu setzen. Es inspiriert mich, auch anderen im Rahmen eines Fotoabenteuers die Schönheit der Ziesel aufzuzeigen», sagt die Hobbyfotografin über ihr Motiv. Der Jurypräsident und bekannte Fotograf Yann Arthus-Bertrand überreichte ihr den Award. Er war sich mit der gesamten Jury, die durch die britische Fotografin Christie Goodwin, den Drohnen- Fotografen Tobias Hägg (@airpixels), Markus Schreiber (Associated Press), Joachim Herrmann (Reuters), Dr. Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender von SOS-Kinderdörfer weltweit, und Dr. Christian Friege, Vorstandvorsitzender bei Cewe, komplettiert wurde, einig: «Bei diesem Foto stimmen alle Faktoren, die ein gutes Foto ausmachen: Idee, Gestaltung und Technik. Ergänzt um eine Prise Humor. Ein echtes Siegerbild aus Symmetrie, pastellener Farbigkeit und exzellenter Technik.»

 

Das sind die Gewinnerbilder

Tiere. «Versteckspiel mit dem Ziesel», Ina Schieferdecker, Deutschland

Und das meint die Jury: «Gestalterisch setzt Ina Schieferdecker konsequent auf die Schönheit der Symmetrie: Der Blütenstengel teilt das Bild als Ganzes sowie die dahinter positionierte Figur des Zwiesels in der Vertikalen in zwei identische Teile. Zentraler Mittelpunkt des Bildes ist ganz eindeutig die blaue Blüte, die die Nase des Zwiesels überdeckt. Das bringt nicht nur eine Portion „Bildhumor“ in die Szene, sondern lässt das Bild trotz seiner Momenthaftigkeit formal in sich ruhen. Verantwortlich dafür ist, wie so oft bei starken Bildern, die ausgewogene Proportionalität des Goldenen Schnitts sowie die Beschränkung auf einige wenige, aber dafür umso aussagestärkere Bildelemente, die sich zu einem harmonischen Ganzen fügen.»

 

Sport. «Jump», Thorsten Becker, Deutschland

Und das meint die Jury: «Wenige Bildelemente perfekt auf der Fläche arrangiert, das Hauptmotiv in einem entscheidenden Moment fixiert und die Farbigkeit aller Bildteile aufeinander abgestimmt: Diese fotografische Erfolgsformel hat Thorsten Becker bei seinem Bild ‘Jump’ konsequent in die Praxis umgesetzt. Die Tänzerin ‘steht’ quasi in der Luft, der Bruchteil einer Sekunde wird zur Ewigkeit im Bild. Sein Spannungsgefüge zieht dieses Foto aus der Kombination aus warmen, erdfarbenen, bräunlichen Tönen im Gegensatz zu den blaugrünen, eher kalten Cyantönen, ergänzt um Bildelemente in neutralem Weiss.»

 

Landschaft. «Mystical lands», Cosmin Stan, Rumänien

Und das meint die Jury: «Dunkel stehen die Tannenbaumgruppen im ersten Morgenlicht. Wie ein weisser Fluss mäandern Nebelschwaden durch die Bildmitte, mal mehr, mal weniger ausgeprägt, den Blick des Betrachters mit sich ziehend, hinein in dieses aussergewöhnliche Landschaftsfoto. Man ahnt mehr, als dass man konkret etwas sieht. Das Morgenlicht sorgt durch den extrem flach stehenden Strahlwinkel der Sonne für eine besondere Plastizität der Landschaft. Durch seine Komposition erhält das Siegerfoto eine subtile Dynamik, ein Bewegungsmoment, das einen auch bei oftmaligem Hinschauen noch neue Konstellationen sehen lässt.»

 

Food: «Bread Boat», Cihan Karaca, Türkei

Und das meint die Jury: «Cihan Karaca ist es bei dieser Aufnahme in überzeugender Manier gelungen, ein eigentlich einfaches, statisches Porträt durch die Wahl der Brennweite und der Perspektive sowie durch das Setzen der Lichtpartien und der Schärfeebenen zu einem dynamischen Bild zu komponieren. Das Zentrum des Bildes bildet ein Dreieck, beginnend mit den Augen der sympathisch lächelnden alten Frau, fortgeführt von dem Dreieck ihres angewinkelten rechten Arms und zurückgelenkt auf die von hellem Licht beschienenen Brotlaibe. Die Schärfe exakt auf dem Gesicht der Frau sowie auf den Brotlaiben lässt jeweils alle winzigen Details plastisch hervortreten und zeigt eine verblüffende Parallelität der Strukturen: Haut und Brotkruste werden von dem von links ins Bild fallenden Licht wunderbar moduliert.»

 

Natur. «Bunny jumping», Csaba Daróczi, Ungarn

Und das meint die Jury: «Dieses Paar springender Hasen fasziniert den Betrachter als erstes durch die Abbildung einer Bewegung, die normalerweise für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist, weil die Szene ganz einfach zu schnell abläuft. Durch die Verwendung einer ultrakurzen Belichtungszeit ist es Czaba Daróczi gelungen, diese ganz besondere Konstellation zweier springender Hasen fotografisch festzuhalten. Zu einemrichtig guten Bild wird das Foto aber dadurch, wie das Motiv arrangiert und gestaltet wurde. Beide Hasen sind mitten im Sprung, von der Richtung her gegensätzlich einer sich nach links, einer nach rechts bewegend. Anstatt sich komplett zu überdecken, bilden sie formal ein Dreieck aus Tierkörpern, ergänzt auf der rechten Bildseite durch eine Fläche aus winzigen Wassertropfen.»

 

Humor. «Die Jacke», Alice van Kempen, Niederlande

Und das meint die Jury: «Diese Fotografie ist eine humorvolle fotografische Inszenierung, die durch die aufmerksamkeitsstarken Farbtupfer auf der Jacke sowie dem ‘Kleid’ des Hundes im Kontext der ansonsten sehr reduzierten Farbigkeit ihren besonderen visuellen Reiz erhält. Die Fotografin nutzt die wunderbar zarte Modulation des von Staub und Spinnennetzen gefilterten Lichtes aus, um den Gegenständen eine ästhetische Plastizität zu geben. Die dominanten vertikalen Linien der Garderobe bilden zusammen mit dem Kleiderständer, an dem die Jacke hängt, ein eigenes ‘Bild im Bild’, in dem die Accessoires, Hüte und Taschen, harmonisch in Gruppen verteilt, eine spannende Gesamtkomposition ergeben.»

 

Architektur und Infrastruktur. «Insomnia III», José Antoine Costa, Frankreich

Und das meint die Jury: «Antoine Costa hat diese Häuserschlucht in Hongkong gesehen und zu einem Bild komponiert. Neben dem Motiv an sich beeindruckt sein Bild durch die penibel exakte Ausrichtung der Kamera beziehungsweise des Bildausschnitts mit geraden Linien ohne Verzerrungen. Das gibt dem gesamten Bild visuellen Halt. Aufgenommen in der sogenannten ‘Blauen Stunde’, also der Zeit zwischen Tag und Nacht, profitiert der Fotograf von der Kombination aus Tageslicht und Kunstlicht-Quellen. Das letzte Licht der Abendsonne projiziert einen rötlich-violetten Schimmer auf die Wolkenfetzen in der Bildmitte, während sich die unterschiedlichen künstlichen Lichtquellen der Wohnungen zu einem visuellen Klangbild aus Farben und Formen, aus Hell- und Dunkelpartien verdichten.»

 

Menschen. «Życie codzienne/Everyday life», Janusz Nadolski, Polen

Und das meint die Jury: «Dieses Bild erzählt die Geschichte einer Grossmutter in ihrem Zuhause, umgeben von einigen wenigen, dafür umso wichtigeren Dingen, die ihr tägliches Leben bestimmen. Die Grossmutter telefoniert mit einem antiken Schnur-Telefon, das wie die gesamte Szene seltsam aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Gleichzeitig schaut sie im Fernsehen eine Kindersendung. Ein grosser Hund sitzt auf dem Bett und schaut in die zur Grossmutter entgegengesetzte Richtung. Und über allem hängt das Bild eines unbekannten Malers, das die Heilige Familie zeigt. Dass der verbliebene Farbton in der Malerei ein rötlicher Ton ist, der sich ebenfalls in der Bettdecke, dem Haushaltskittel der Großmutter und vor allem auch auf dem Fernsehbildschirm wiederfindet, hält die gesamte Bildszene kompositorisch zusammen.»

 

Reisen und Kultur. «Balance», Annemarie Berlin, Deutschland

Und das meint die Jury: «Den Blick des Betrachters durch fokussierte Führung auf das Hauptmotiv zu lenken, ist eine der wichtigsten Aufgaben fotografischer Bildgestaltung. Annemarie Berlin ist das bei ihrem Foto eines Einbeinruderers auf dem Inle-See in Myanmar besonders gut gelungen, indem sie das Werkzeug des Fischers, die Reuse, als Gestaltungselement in die Komposition einbezogen hat: Die runde Öffnung der Reuse führt den Blick des Betrachters direkt zum Hauptmotiv. Unterstützt wird die Blickführung durch die Holzstangen, die im Boot liegen sowie durch die längliche Form des Bootes selbst: Alle Linien führen zentralperspektivisch zum Bildmittelpunkt. Zur Gesamtharmonie des Bildes trägt massgeblich bei, dass der Ruderer eine warmfarbige, orange Hose trägt, deren Tonalität wunderbar zu dem rötlichen Abendlicht der Szenerie passt.»

 

Hobby und Freizeit. «The pool, revisited», Anders Andersson, Schweden

Und das meint die Jury: «Fünfzehn Menschen schwimmen, dösen, liegen in einem Swimmingpool und bilden – von oben gesehen – eine ausgesprochen interessante Struktur aus Formen und Farben auf blassblauem Untergrund. Die Linien der bestimmenden Bildelemente, primär dem Pool, sind exakt gerade und rechtwinklig ausgerichtet, was einen spannenden Kontrast zu den auf den ersten Blick ungeordnet positionierten Menschen und Gegenständen im Pool bildet. Die Menschen in diesem Bild sind keine Individuen, sondern anonyme Bildelemente, die primär gestalterische Funktionen haben, als Gruppe aber diese wunderbare Trägheit vermitteln, die man in der sommerlichen Mittagssonne in einem Pool geniesst. Die Gesamtkomposition aller Bildelemente – und das ist eine wesentliche Stärke des Bildes – befindet sich in einem ästhetischen Gleichgewicht.»

 

Spendencheck für SOS-Kinderdörfer weltweit

Für jedes eingereichte Foto beim Cewe Photo Award spendete Cewe 10 Cent an die SOS-Kinderdörfer weltweit. Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Wilfried Vyslozil nahm in Wien von Cewe Vorstand Thomas Mehls den Spendencheck in Höhe von 44’815,20 Euro entgegen. «Ich habe mich sehr gefreut, dass wir mit SOS-Kinderdörfer weltweit Teil des weltgrössten Fotowettbewerbs sein durften», betonte er bei der Übergabe. «Für mich war es zudem eine besondere Ehre, Mitglied der Jury zu sein und die Siegerbilder mit auswählen zu dürfen.» Die gespendete Summe kommt einem Ausbildungsprojekt in Indien zugute. «SOS-Kinderdörfer weltweit unterstützt in Indien mehr als 51’500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Not. Die Spende aus dem Cewe Photo Award fliesst in das neue Förderprojekt ‘YouthCan!’, durch das Jugendliche aus bedürftigen Familien eine echte Chance erhalten sollen, auf dem lokalen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen», erklärt Thomas Mehls.

(Cewe-Pressetext)

Mehr Informationen unter www.cewephotoaward.com

 

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