Urs Tillmanns, 12. April 2020, 10:18 Uhr

Der Niesen – und sein Spiel mit den Wolken

Die Niesen-Pyramide und ihre Wolken – ein grossartiges Landschaftsmotiv, das Maler wie Klee, Macke, Hodler, Amiet und andere in ihren Werken festgehalten haben. Aber nicht alle waren zufrieden mit ihren Arbeiten. Ferdinand Hodler hat beim Malen vor dem Niesen einmal beklagt, der Berg und seine Wolken veränderten sich zu schnell für einen Maler.

Wenn es um Langzeitbeobachtung und serielle Darstellung geht, kann das Medium Fotografie gegenüber der Malerei auf seine Schnelligkeit zählen, eine Schnelligkeit, die hier nicht Oberflächlichkeit bedeutet, sondern überhaupt erst ermöglicht, Prozesse wie zum Beispiel die Wolkenentwicklungen an einem Berg bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen über kürzere und längere Zeit zu erfassen und so faszinierende Naturprozesse in Bildern festzuhalten.

Die Welt der Fotografie ist im digitalen Photoshop-Zeitalter zunehmend auch eine Welt des Kurzlebigen, des Aufgeregten, des Absonderlichen und des Künstlichen geworden. Insofern hat die klassische Landschaftsfotografie in der Tradition eines Ansel Adams immer noch oder gerade wieder ihren Platz. Sie kann im Sinne einer wieder entdeckten Langsamkeit zu konzentriertem, geduldigem Betrachten anregen, und der Wolkenhimmel über der Pyramide des Niesen ist dafür ein ideales Motiv – sei es als Bild oder in Natura.

Die Bilder dieses Buchs wurden über fünf Jahre hinweg zu allen Jahres- und Tageszeiten aufgenommen – immer von demselben Standort aus, der einen unverstellten Blick auf das unablässige Zusammenspiel von Berg und Wolken gewährte. Die Niesenpyramide ist eine grandiose, verspielte Wolkenfängerin. Der feste Berg jongliert mit den flüchtigen Wolken, lässt sie wachsen, zieht sie an, stösst sie auf, teilt sie, treibt sie weg. Tausendfältig sind die Bilder, die sich immer wieder transformieren, ein endloses Spiel, ein nie endender Wandel von volatilen Ordnungen zum grossen Chaos und wieder zu neuen Mustern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Bilder: Gerhard Schütz

 

Gerhard Schütz fotografiert seit seinem 14. Lebensjahr. Er hat Bilder zu zahlreichen Publikationen beigetragen und eigene Buchprojekte realisiert («Magisches Dunkel – beredtes Schweigen – die Romanik», «Gotthelf – Land Emmental», «Gotthelf – Augenblicke» u.a.m.). Seine Schwerpunktthemen sind Landschaft, Architektur und klassische Automobile. Neben der Fotografie schreibt und inszeniert er Theaterstücke für engagierte Amateure. Er ist verheiratet, Vater zweier Kinder und Grossvater von drei Enkelkindern. Nach 40 Jahren im Emmental lebt er seit 2011 in Merligen, wo nun dieses Buchprojekt entstand.

 

Das Buch

Gerhard Schütz «Wolkenpyramide Niesen»
140 Seiten, 114 Farbaufnahmen, Hardcover
freie print edition, Merligen, 2019
Layout & Druckvorlage: Tabea Frei
Preis Fr. 57.- plus Porto/ Verpackung
Im Buchhandel oder direkt beim Autor:
ge.schuetz [at] bluewin.ch, Tel. 079 660 08 42

 

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