Urs Tillmanns, 18. September 2021, 10:00 Uhr

Buchtipp: Christoph Bangert: «Rumors of War»

Ich bespreche eigentlich ungern Bücher über Kriegsfotografie. Aber dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Freund, der als Kriegsreporter für die New York Times in Afghanistan und dem Irak unterwegs ist, und er würde Ihnen regelmässig in handgeschrieben Briefen mitteilen, was er gerade erlebt. Das ist das Buch.

Neben seinen handschriftlichen Aufzeichnungen stehen Bilder vor allem aus Afghanistan, die heute wieder aktueller sind denn je. Die Leute, die er traf, hat er mit einer Sofortbildkamera porträtiert und ins Buch «eingeklebt», genauso, wie Visas, Banknoten und andere Dokumente, die er für seine Reisen brauchte. Die Kriegsbilder sind doppelseitig präsentiert. Ohne Legenden – es braucht sie nicht. Christoph war von 2005 bis 2013 in den beiden Kriegen in Afghanistan und dem Irak unterwegs. Zwei Kriege, die für Nichts gewesen sind, die aber Tausende von Toten und viel Not und Elend gebracht haben. Christoph hat als junger Fotograf das Abenteuer gesucht, hat die unsinnige Brutalität des Krieges hautnah erlebt – prägend und unvergesslich. Seine Erlebnisse sind in drei Büchern festgehalten, in «War Porn» (Kehrer 2014), «hello camel» (Kehrer 2016) und in dem hier vorliegendem letzten Buch der Reihe, «Rumors of War» (Kehrer 2021).

So abscheulich Kriege sind, so waghalsig die Arbeit der Kriegsfotografen ist – es braucht sie, jene Reporter, die dieses Geschehen bildlich dokumentieren, die der Welt diesen mörderischen Unsinn vor Augen halten, die Bilddokumente schaffen, um für die Nachwelt die Fakten der Kriege historisch zu belegen. Bangert schreibt in seinem Vorwort, er vermisse den Krieg – weil er nach all den Jahren Mühe habe, sich wieder in den zivilen Alltag zu integrieren. Die Familie hilft ihm dabei, gibt seinem Leben einen neuen Sinn. Der Krieg hat ihn um eine Erfahrung reicher gemacht. Um eine harte, brutale Lebenserfahrung, aus der er einen Schluss zieht: «Ich werde nie wieder in den Krieg ziehen!»

Für wen ist dieses Buch? Es ist das Tagebuch eines Kriegsreporters, das authentischer nicht sein könnte. Es erzählt seinen Alltag und schildert seine Erlebnisse mit seiner Handschrift. Kein Buch, das Sensationshunger stillt, sondern eines, das den Alltag erzählt. Den Alltag eines Kriegsreporters, der nie wieder hingeht …

Urs Tillmanns

 

Buchbeschreibung des Verlages

Nachdem er mit «War Porn» den Horror des Krieges in aller Deutlichkeit zeigte und in «hello camel» dessen Absurdität kommentierte, reflektiert Christoph Bangert im dritten und letzten Teil dieser Reihe über seine Beweggründe, in Krisengebieten zu arbeiten, und seine Schwierigkeiten, mit dieser Arbeit aufzuhören. Rumors of War ist das persönliche Tagebuch eines inzwischen ehemaligen Kriegsfotografen, der sich traut zu sagen, er vermisst den Krieg, und der sich im Frieden erst einmal zurechtfinden muss. Eindrücklich beschreibt Bangert seinen inneren Konflikt zwischen dem überwältigenden, süchtig machenden und von Egoismus getriebenen Gefühl, etwas Bedeutungsvolles zu tun, und dem Wissen um die Sorge seiner Familie und Freunde, die er zwingt, emotional durch die Hölle zu gehen. Das Erlebte wird ihn sein Leben lang begleiten. Aber eines ist gewiss: Er wird nie wieder in den Krieg ziehen.

 

Der Inhalt

 

 

Der Autor

Christoph Bangert wurde 1978 in Daun, Deutschland, geboren und arbeitet als Fotograf, Autor, Pädagoge und zertifizierter Busfahrer. Er studierte Fotojournalismus und Dokumentarfotografie am International Center of Photography in New York. Nach seinem Abschluss hat er u.a. in Afghanistan, Palästina, Libanon, Japan, Nigeria und Irak fotografiert. Seine Bilder wurden in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung, der Zeit, Cicero, GEO, Stern, Neon, Spiegel, Time, Newsweek, New Yorker und dem New York Times Magazine publiziert. Im Auftrag der New York Times dokumentierte er von 2005 bis 2013 die Kriege in Afghanistan und Irak. Seine Arbeiten wurden mit dem World Press Photo Award und dem Pictures of the Year International Award und dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet. Christoph Bangert hat verschiedene Bücher publiziert, ist Begründer der Fotobus Society und Professor für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover. https://christophbangert.com/

 

Bibliografie

Christoph Bangert: «Rumors of War»

240 Seiten, 118 Farbabbildungen, gebunden, Format 12 x 19,5 cm
Softcover, Freirückenbroschur mit runden Ecken
Erscheinungsdatum: Juli 2021
Sprache: Englisch, Design: Chiho Bangert
Kehrer Verlag, Heidelberg
Preis: CHF 46.90 / EUR 35,00
ISBN 978-3-96900-004-5

Das Buch kann im Buchhandel gekauft, beim Verlag direkt bestellt oder im Ausland hier geordert werden.

 

 

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