Urs Tillmanns, 13. November 2021, 10:20 Uhr

Buchtipp: «Luzerner Tagblatt – eine Mediengeschichte»

Der Buchdruck, und damit auch der Zeitungsdruck, hat eine der rasantesten technischen Revolutionen erlebt. Während rund 500 Jahren, seit der Erfindung der Drucklettern durch Johannes Gutenberg (ca 1400 – 1468) bis in die 1970er Jahre, blieb die Drucktechnik praktisch unverändert. Mit dem Fotosatz und dem Einzug der Computer erlebte die gesamte grafische Branche eine beispiellose technische Revolution, welche die Zeitungshäuser zu enormen Investitionen sowie zum Stellenabbau drängte. Für viele kleiner Unternehmen ging die Rechnung nicht mehr auf, die Titel fusionierten und die Presselandschaft wurde um ihre Vielfalt ärmer.

Auch das Luzerner Tagblatt blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Gegründet 1852 als liberale Tageszeitung erschien das Luzerner Tagblatt während 139 Jahren, investierte 1981 noch in den revolutionierenden Fotosatz und druckte zehn Jahre später die letzte Ausgabe – die drei Luzerner Tageszeitungen, das Tagblatt, das Vaterland und die Luzerner Zeitung fusionierten zur Neuen Luzerner Zeitung. Das Beispiel ist typisch für die damalige Zeit wirtschaftlicher Konzentration, und unzählige, vor allem kleinere Zeitungen ereilte das gleiche Schicksal.

Das vorliegende Buch ist in erster Linie eine Erinnerung von Emanuel Ammon an diese Entwicklung, an die technischen Veränderungen und an seine Zeit als Fotoreporter, vor allem gefördert vom langjährigen Redaktor des Luzerner Tagblatts Hans Peter Jaeger. Es ist ein geglückter inhaltlicher und grafischer Mix von lokalhistorischen Highlights, Faksimiledrucke und Technikgeschichte aus der Feder von jemanden, der diese revolutionierende Zeitepoche hautnah miterlebt hat.

Das Buch fällt durch sein Überformat von 28 x 38 cm auf, etwas unpraktisch einerseits, naheliegend anderseits, weil die vielen reproduzierten Zeitungsseiten fast in ihrer Originalgrösse gezeigt werden und so gut leserlich bleiben. Zwischen diese Originalseiten sind viele lesenswerte Textbeiträge von namhaften Autoren (siehe unten in der Inhaltsübersicht) und früheren Mitarbeitern der Zeitung eingefügt, welche die Geschichte des Tagblatt und des Verlages, den Wandel im Druckhandwerk und des Journalismus sowie wichtige geschichtliche Ereignisse beschreiben. Ergänzt werden diese Artikel jeweils durch mehrere dazu passende Originalseiten, welche das Werk äusserst informativ, inhaltlich vielfältig und unterhaltend gestalten.

Für wen ist dieses Buch? Obwohl es sich naheliegenderweise auf die Lokalgeschichte von Luzern konzentriert, ist es für jene Leserinnen und Leser einmalig, die sich für den journalistischen, technologischen und kommerziellen Wandel eines unabhängigen Medienhauses interessieren. Viele, vor allem jüngere an der grafischen Branche Interessierte, finden hier authentische Berichte, wie damals, als es noch kein Internet gab und die Artikel auf einer Schreibmaschine verfasst und danach von einem «Setzer» abgetippt wurden, eine Tageszeitung entstand. Dies federführend vom Fotografen Emanuel Ammon, der mit einem grossen Hintergrund- und Fachwissen, auch die fotografischen Rosinen aus der Verlagsgeschichte herausgepickt hat.

Urs Tillmanns

 

Buchbeschreibung des Verlages

1852 erscheint das Luzerner Tagblatt zum ersten Mal und 1991 zum letzten Mal. Das Buch erzählt von Ereignissen in den 70er und 80er-Jahren, von seinen Redaktoren, Journalisten und Druckern. Für viele Mitarbeiter war das Tagblatt und die Inspirationen durch Lokalredaktor Hans Peter Jaeger wegweisend für ihre zukünftigen Karrieren. 1981 wurde Druckereigeschichte geschrieben, als der Fotosatz den Bleisatz ablöste. Drei Grossereignisse aus 1980: Die Queen besuchte Luzern und die Gotthard- und Seelisberg-Strassentunnels wurden eröffnet. Die Bildarchive von Emanuel Ammon und Lokalredaktor Hans Peter Jaeger zeigen viel interessantes aus dieser Zeit. Das Buch beleuchtet Luzerner Geschichte, Drucktechnik und Journalistenhandwerk.

 

 

Der Inhalt

Geschichte

Das erste Tagblatt vom 1. Januar 1852
Schicksal einer Parteizeitung
Multitalent Ernst Saxer
Güsel im Entlebuch – Dioxin in Seveso

Blickpunkt Stadttheater
Das Tandem als Lebensretter
Spuk- und Geistergeschichten
Heisser Tee im Kalten Krieg

125 Jahre Luzerner Tagblatt
Chance für den Nachwuchs
Leibblatt der «Festhütte Luzern»
Mitten im Kuchen

Rekruten als Auslöser
Das unabhängige Parteiblatt
Mit dem Tagblatt im Bild
Die Lozärner Fasnacht im Bild

Im Lokalen ging die Post ab
Die Queen besucht Luzern und Rütli
Eröffnung Gotthard-Strassentunnel 1980
Eröffnung Seelisbergtunnel 1980

Sommerlager
Die letzten Tagblatt-Tage
Prominente Karrierestarts

 

Persönlich

Karl Lüönd – Als Jagdhund unterwegs
Urs Heller – Jaegers Jünger
Hanns Fuchs – Vom erfüllten Traum
Emanuel Ammon – Traumberuf Pressefotograf

Eva Roelli – Ihre Kultur war in Mode
Hugo Bischof – Der Sprung ins kalte Wasser
Josef Odermatt – Vom Journalismus in die Politik
Jürg J. Aregger – Die Tagblatt-Familie 1982

Ronald Joho – Einfach ein toller Beruf
Fritz Muri – Watergate und Blumenkisten
Mark Theiler – «Neues aus Jazz & Pop»
Jeannine Burri – Cherchez la femme

Bruno Voser – Polizeifunk und Kamera
Werner Steinmann – Weit und breit kein Internet
Kolleginnen und Kollegen
Die Buchmacher
Autoren

 

Produktion und Unterstützung

Schwarze Kunst
Das Ende der Schwarzen Kunst
Danke für die Unterstützung
Literatur- und Quellenverzeichnis
Impressum

 

Der Autor

Emanuel Ammon, geb. 1950 in Luzern, durchläuft eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Luzern bei Hans Eggermann und Kameramann bei Kurt Albisser. Nebenbei fotografierte er bereits mit 18 Jahren für alle drei Luzerner Tageszeitungen. Von 1975 bis 1982 war er Fotoreporter beim Luzerner Tagblatt, später freier Fotograf für verschiedene Publikationen in der Schweiz (Tages-Anzeiger-Magazin, Schweizer Familie, Die Weltwoche, Schweizer Illustrierte oder Facts) und im Ausland (PAN, Geo-Spezial und Zeit-Magazin). Auch ist er als Theaterfotograf am Stadttheater Luzern tätig und 1989 Dozent für Pressefotografie am MAZ. 1992 gründet er die «AURA Fotoagentur» und 2005 den «AURA Fotobuchverlag», in welchem auch das vorliegende Buch erschienen ist.

 

Bibliografie

Emanuel Ammon «Luzerner Tagblatt – eine Mediengeschichte»

220 Seiten, reich illustriert, gebunden,
Hardcover, Format 28 x 38 cm
Bilder: Emanuel Ammon, Hans Peter Jaeger
Grafik und visuelle Gestaltung: Gabriel Ammon
Verlag Aurabooks, Emmenbrücke
Preis: CHF 93.00
ISBN 978-3-906105-14-7

Das Buch kann im Buchhandel gekauft oder direkt beim Verlag bestellt werden.

 

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